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Canon EF 24-85 mm / 3.5-4.5
Mit Zooms ist das so eine Sache. Dem variablen Brennweitenbereich stehen
so gravierende Nachteile gegenüber wie fehlende Lichtstärke, schlechtere
Auflösung, Schärfe und Kontrast, sowie eine höhere Anfälligkeit für
Streulicht, bedingt durch die höhere Anzahl an Linsen und damit an
Oberflächen, durch die sich das Licht bis zum Film kämpfen muss.
Zudem verleiten Zooms häufig dazu, per Brennweitenveränderung den
gewünschten Ausschnitt zu erzoomen, anstatt einen grundsätzlich besseren
Standort zu suchen.
Damit habe ich mich im Grunde schon als Purist verraten, als Anhänger
guter Festbrennweiten, der lieber einmal drei Objektive mitschleppt und
das Wechseln in Kauf nimmt, nur um kein Zoomobjektiv verwenden zu müssen.
Zumindest in der Theorie. Die Praxis sieht entgegen allen guten Vorsätzen
doch anders aus: wann immer ich zur Kamera greife, um nicht planbare
Fototouren zu unternehmen (Kinder, Wanderungen, Reisen etc.), bin ich mit
Canons EF USM 24-85mm / 3.5 - 4.5 unterwegs. Und allenfalls dem leichten
EF 50 mm / 1.8 in der Fototasche, für Fälle, in denen die Lichtstärke
oder Schärfe dieses Objektives benötigt wird.
Das 24-85 ist mit Canons APS-Spiegelreflexkameras auf den Markt gekommen.
Anders als z.B. den Systemen von Minolta verfügen diese jedoch über das
selbe Bajonett wie die Kleinbild-Kameras, und auch der Bildkreis der
Objektive ist gross genug, um an diesen verwendet werden zu können.
Anfangs gab es dieses Zoom nur im Set mit einer APS-Kamera, kurze Zeit
später war es auch im normalen Objektivkatalog zu haben.
Bis vor kurzen war das Objektiv sowohl in silber als auch in schwarz
erhältlich, mittlerweile wurde die silberne Variante eingestellt, so
dass sie nur noch gebraucht z.B. via ebay zu bekommen ist, wo auch ich
mein Objektiv erworben habe.
Qualitativ soll sich das Objektiv gemäss Canon auf dem Niveau des
vielgerühmten 28-105 mm / 3.5-4.5 befinden. Es ist etwa 25 % teurer als
dieses, einmal wohl wegen geringerer Produktionsmengen, andererseits aber,
weil die kurze Brennweite von 24 mm einne höheren Aufwand und grössere
Linsen erfordert.
Die zentralen Eigenschaften des Objektivs:
- Brennweitenbereich 24 - 85 mm bei einer grössten Blenden von 3.5 - 4.5.
- Ringförmiger Ultaschallmotor für den Autofocus-Antrieb
- Innenfocussierung, dadurch nicht mitdrehende Frontlinse
- Filterdurchmesser 67 mm
Ein unbedingtes Muss für dieses Objektiv ist die Sonnenblende EW-63,
die leider separat bestellt werden muss. Die riesige Frontlinse ist ohne
diese so wenig geschützt, dass schon eine seitliche Lichtquelle zu
Streulicht führen kann. Die Sonnenblende ist tulpenförmig ausgeschnitten
und wird über ein Bajonett vorne auf dem Objektiv aufgesetzt. Bei
Nichtgebrauch lässt sie sich umgedreht befestigen, so dass die Länge des
Objektivs entsprechend abnimmt (wobei der Durchmesser aber unverändert bleibt).
Der Filterdurchmesser von 67 mm weicht von den sonst bei Canon üblichen
Massen ab, sehr zum Ärger vieler Fotografen, die schon über ein grösseres
Arsenal an Objektiven und Filtern verfügen. Anfangs war dieses das einzige
Canon-Objektiv mit dem absonderlichen Mass, mittlerweile ist aber das
wunderschöne EF-L 70-200 / 4.0 USM dazugekommen, so dass sich damit eine
sehr gute Kombination vom Weitwinkel bis zum mässigen Tele mit gleichem
Filterdurchmesser ergibt.
Der Brennweitenbereich ist für die Reisefotografie ideal. Mit 24 mm auf
der Weitwinkelseite lassen sich auch enge Innenräume oder verwinkelte
Gassen in der Altstadt gut einfangen, gleichzeitig kann auch die bereits
extremere Perspektive dieser Brennweite eingesetzt werden. Die 4 mm
kürzere Brennweite gegenüber dem 28-105 mm machen sich deutlich bemerkbar,
wohingegen mir die 20 mm auf der langen Seite selten fehlen. Wenn im
Telebereich eine längere Brennweite fehlt, dann meistens sowieso "richtig"
lang, d.h. zwischen 150 und 300 mm.
Bei der Blende wünsche ich mir zwar hin und wieder die 2.8, der gebotene
Bereich ist aber ein brauchbarer Kompromiss zwischen Lichtstärke, Grösse
und Gewicht des Objektiv sowie Preis. Auf Stativ, d.h. bei Landschaft und
Portraits, arbeite ich sowieso meist mit eher kleineren Blenden, wobei
auch die Abbildungsqualität merklich zunimmt.
Einer der Hauptgründe, mit Canon zu arbeiten, sind die USM-Antriebe der
AF-Objektive. Das 24-85 mm verfügt über den ringförmigern USM-Antrieb,
der im Gegensatz zum billigeren Mikro-USM noch leiser und schneller ist,
vor allem aber manuelles Scharfstellen durch einfaches Drehen am
griffigen Ring für die Entfernungseinstellung ohne irgendeine Umschaltung
von AF auf MF ermöglicht. Dies macht insbesondere mit den Mittel- und
Oberklassemodellen der Canon-Kameras Sinn, wo der Autofocus vom Auslöser
auf die Speichertaste gelegt werden kann. Technisch funktioniert der
manuelle Eingriff bei einer EOS 300 natürlich auch, beim Druck auf den
Auslöser versucht die Kamera aber immer, auch die Schärfe nachzuführen,
wenn sie das für nötig hält und der Autofocus am Objektiv nicht ausgeschaltet
wurde.
Bei der EOS 50e wird AF auf die Speichertaste gelegt, damit habe ich als
Fotograf die freie Wahl, schnell manuell die Schärfe nachzuführen oder das
dem Autofocus zu überlassen, ganz unabhängig davon, wie oft ich den Auslöser
andrücke, z.B. um einen neuen Belichtungsmesswert zu holen.
Ergebnisse
Die Ergebnisse sind mehr als zufriedenstellend, vor allem im Vergleich mit
den billigen Zooms der üblichen Pakete (28-80 mm. bzw. neuerdings 28-90 mm).
Natürlich liefern entsprechende Festbrennweiten noch einmal sichtbar bessere
Bilder, dies ist jedoch erst bei grossen Vergrösserungen oder der Diaprojektion
zu erkennen. Im Bereich der Zooms spielt dieses Mittelklasseobjektiv sicher
in der Oberliga, nicht weit von den teuren Profizooms entfernt.
Bei Architekturaufnahmen ist auf beiden Brennweitenseiten eine Verzeichnung
erkennbar (Tonnenförmig bei 24 mm, leicht Kissenförmit bei 85 mm), dies
fällt jedoch bei Landschaft und Portrait nicht ins Gewicht.
Kontrast und Schärfe sind gut (Bildrand, aufgeblendet) bis sehr gut,
vorausgesetzt, man verwendet die Sonnenblende und achtet etwas darauf,
kein Streulicht in das Bild zu bekommen.
Handling
Auf Reisen und Touren ist dieses Objektiv ein hervorragender Begleiter,
weil man ohne Zeitverlust vom leichten Teile bis zum bereits sehr weiten
Weitwinkel zoomen kann. Dabei sind Grösse und Gewicht des Objektivs noch
gut tragbar, lediglich die Sonnenblende stört etwas durch ihre Grösse,
ist aber in jedem Fall unverzichtbar.
Die Ringe für Zoom und Entfernungseinstellung laufen sauber, mit genügend
Widerstand für sauberes Einstellen, und sind gross genug, so dass sich
ein genügend langer Weg ergibt und man nicht ständig über das Ziel hinausdreht.
Beim Zoomen in den Telebereich verlängert sich der Objektivtubus nach
vorne. Dabei besteht natürlich die Gefahr, dass mit der Zeit doch eine
Menge Staub und Sand in das Objektiv gelangen, wie es einige Nutzer in
www.photo.net berichten. Ich hatte weder mit diesem Objektiv noch mit
dem 28-105 mm Probleme in diese Richtung. Sicher ist ein Mittelklasseobjektiv
wie dieses nicht dafür gebaut, unter widrigsten Umständen Profinutzung zu
überstehen, und ich behandle meine Fotoausrüstung auch eher vorsichtig,
aber angesichts des verhältnismässig geringen Preises ist die
Verarbeitungsqualität und auch die Haltbarkeit sehr gut.
Fazit
Dem Bericht ist schon zu entnehmen, dass ich im Grossen und Ganzen sehr
zufrieden bin mit diesem Objektiv. Ein bisschen weniger Plastik, ein
bisschen mehr solides Gefühl wäre schön, aber das gilt für alle modernen
Objektive der grossen Hersteller, und gegen den Brennweitenbereich und
den USM - Motor gibt es (bisher) noch wenig entgegenzusetzen.
Die Konkurrenz
Nikon kommt in diesem Jahr (2002) mit einem Objektiv, dessen Daten sich
wie eine Kopie des Canon-Objektives lesen: 24-85 mm / 3.5-4.5 mit
Ultraschallmotor (AF-S, das Nikon-Kürzel für USM). Bereits heute gibt
es bei Nikon ein anderes 24-85 mm Zoom, das sich durch die relativ hohe
Lichtstärke von 2.8 - 4.0 auszeichnet.
Minolta bietet ein 24-105 mm Zoom an, das einen etwas weiteren Bereich
absteckt als das Canon - Zoom, und in den diversen Tests sehr gut
abgeschnitten hat. Ich hatte noch keine Gelegenheit, es auszuprobieren,
die Berichte anderer Fotografen lassen jedoch auf wirklich gute Qualität
schliessen.
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