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Canon EF 50mm/1.8

Früher waren 50mm - Objektive als "Standard-Objektiv" bei jeder neuen Kamera dabei, so wie heute die billigen 28-80, 28-90 oder gar 35-70 mm Zooms. Der grosse Unterschied zu heute besteht aber neben den fehlenden Zoom-Möglichkeiten darin, dass das 50mm - Objektiv mit hoher Wahrscheinlichkeit das optisch beste und lichtstärkste Objektiv in praktisch jeder Kameratasche war, während die heutigen Standardzooms neben geringer Lichtstärke auch optisch nicht viel hergeben. Ihre Aufgabe besteht darin, zu möglichst geringen Kosten ein Kit aus Kamera und Zoom auf den Markt werfen zu können, mit dem die meisten Anwender auf ihre Kosten kommen.

Schachtelhalmwäldchen in einer Tongrube Ich hatte Ende der 80er meine Pentax MX samt 50mm / 1.4 verkauft, um die Leichtigkeit des Autofocus und der Zooms zu geniessen. Solange es richtig hell war und die Bilder sich auf Familienfotos im Format 10x15 cm beschränkten, war ich auch zufrieden, zudem hatte ich nicht das billigste Zoom gekauft, sonder eines der Besseren (Nikon 28-70mm / 3.5-4.5).

Mit zunehmder beruflicher und familiärer Auslastung fielen zeitintensive Hobbys weg, ich konzentrierte mich zunehmend auf die Fotografie (die auch auf Geschäftsreisen gut auszuüben ist, im Gegensatz zum Segeln...), und wurde kritischer, was die Ergebnisse meiner Knipserei betraf. Zudem ärgerte ich mich zunehmend über das Gewicht der Ausrüstung, so dass ich eines Tages beschloss, zu den Wurzeln zurück zu kehren.

Ausschlaggebend hierbei war vor allem Philip Greenspuns www.photo.net. Einerseits lernte ich durch die Artikel, die Fragen und Antworten im Forum und die Bilder anderer Fotografen sehr viel über die Technik, andererseits reizte mich Philip Greenspuns Anleitung zum Einstieg in die Fotografie: Eine einfache Kamera mit möglichst vielen manuellen Einstellmöglichkeiten, sowie ein einfaches 50mm - Objektiv als Basis.

Ich verkaufte alle Kameras, die ich bis dahin angesammelt hatte, nahm die alte Canon EOS 500 meiner Frau, und kaufte das 50mm / 1.8 neu beim Brenner Fotoversand. Dabei handelt es sich um das MkII genannte Teil, im Gegensatz zum ersten Modell besteht es ganz aus Kunststoff, ist noch billiger hergestellt und fühlt sich auch so an, während das MkI vor allem gebraucht, z.B. auf ebay, gerne von Menschen gekauft wird, die zumindest noch ein Metallbajonett und ein bisschen mehr Qualitätsgefühlt brauchen. Mir war das egal, die Optik soll die selbe sein, und bei einem Preis von knapp über EUR 100,00 war es leicht zu ersetzen, sollte es doch mal kaputt gehen.

Obwohl die Frontlinse schon ziemlich gut versteckt im Rohr liegt, erwarb ich die dazugehörige Sonnenblende, um ein Minimum an Streulicht und ein Maximum an Qualität erzielen zu können.

Die Sonnenblende ist zweiteilig, ein Aluminiumring wird in das Filtergewinde des Objektivs geschraubt, die eigentliche Sonnenblende wird auf diesen Ring aufgesetzt. Sie besteht aus Hartplastik und kann zum Transport verkehrt herum aufgesetzt werden, wodurch sich zwar die Länge des Objektivs, nicht aber der Durchmesser verringern.

Ergebnisse

Das Wichtigste zuerst: taugt das Plastikteil, oder taugt es nicht ? Klare Antwort: es taugt, und wie ! Die besten Bilder, die ich überhaupt mit einer Kleinbild-Spiegelreflexkamera gemacht habe, stammen von diesem Objektiv. Schärfe, Kontrast, Empfindlichkeit gegen Streulicht, kein Obektiv hat hier bisher besser abgeschnitten (nun ja, fast, die Festbrennweiten meiner Leica R4 oder des Zeiss 50/1.7 für die Contax waren sicher nicht schlechter, aber auch nicht sichtbar besser, berücksichtigt man vor allem den Preisunterschied).

Farne, leichte Bewegungsunschärfe durch Wind Dazu kommen das extrem leichte Gewicht von nur 130g, womit das Objektiv zusammen mit einer EOS 500 / 500N oder 300 eine wirkliche Alternative zur kleinen Sucherkamera wird. Auch habe ich keine Hemmungen, es unter unwirtlichen oder auch (für Kameratechnik) gefährlichen Bedingungen einzusetzen, weil es notfalls günstig ersetzt werden kann, wohingegen ich mit der Leica oder der Contax viele Bilder gar nicht aufgenommen hatte, weil die Kamera nicht mit dabei war (zu schwer, zu kostbar).

Das Objektiv verfügt über ein 52mm Filtergewinde, eine Standardgrösse (im Gegensatz z.B. zum 67 mm Gewinde des 24-85mm - Zooms, für das eine komplette Palette von Filtern für s/w ein mittleres Vermögen kostet...).

Unter den Gesichtspunkten Bildqualität, Kosten und Portabilität ist dieses billigste und leichteste Objektiv im Canon-Katalog also unter allen Umständen zu empfehlen. Ob es für jedermann persönlich in Frage kommt, hängt davon ab, wie schwer die nachfolgend aufgeführten Nachteile gewichtet werden.

Nachteile

Neben dem schlechten Qualitätseindruck sind es vor allem ein paar praktische Nachteile, die je nach Kameramodell und Einsatzgebiet mehr oder weniger zum Tragen kommen:

Kein USM-Motor. Der meines Erachtens wichtigste Grund für die Wahl von Canon als Kamera-System ist der extrem leise und schnelle Ring-USM-Motor im Bereich der Mittel- und Oberklasse-Objektive. Mit den "kleinen" Kameras (500, 500N und 300) hat das Fehlen des USM-Motors eigentlich nur den Nachteil der weniger schönen Geräuschkulisse, wobei die Verstellwege beim 50er so kurz sind, dass ich das nie als Nachteil empfunden habe.

Weit schwerer wiegt der fehlende USM, wenn höherwertige Kameras von Canon eingesetzt werden, insbesondere die Modelle EOS 50e, EOS 30/33, und natürlich 3 und 1v. Eine wunderbare Sache bei diesen Kameras ist die Möglichkeit, Autofocus vom Auslöser auf die Speichertaste zu legen und so unabhängig von der Belichtungsmessung bewusst Autofocus einsetzen zu können, oder eben nicht. Und eben nicht wird richtig interessant mit USM-Objektiven, da hier ohne Umschalten von AF auf MF über einfaches Drehen am Entfernungsring des Objektivs manuell eingestellt werden kann. So kann je nach Situation ohne Umschalten einfach die Speichertaste für Autofocus gedrückt werden, oder ebenso einfach ohne Umstellung irgendwelcher Knöpfe (und damit das Auge vom Sucher nehmen zu müssen) die Entfernung manuell nachgeführt oder korrigiert werden.

Das hört sich nicht furchtbar aufregend an, ist aber für viele Fotografen der wichtigste Grund, das Canon-System einzusetzen. Liegt hier eine Priorität für den Anwender, ist das 50mm / 1.4 USM sicher die bessere Wahl, jedoch auch wesentlich kostspieliger (für den Preis eines 1.4ers kann man 4 Stück des armen Verwandten verheizen). Ich hatte noch nicht das Vergnügen, das lichtstärkere Objektiv auszuprobieren, es erntet in Anwenderkommentaren und Tests jedoch regelmässig gute Noten.

Ein weiterer Nachteil ist die mangelnde Unterstützung für manuelles Fokussieren. Der Einstellring ist sehr schmal, es gibt keine Entfernungs- oder gar Tiefenschärfenskala, und das Objektiv gibt kaum fühlbare Rückmeldung über die Bewegung am Ring (zu leichtgängig). Menschen, die öfter manuell scharfstellen, werden also nicht unbedingt riesige Freude an diesem Objektiv haben.

Einsatz

Zwar habe ich mir zwischenzeitlich ein 24-85 mm Zoom gekauft, das 50er sitzt aber immer noch oft auf meiner Kamera. Die Stärken dieses Objektivs im richtigen Leben sind vor allem die hohe Lichtstärke und die Abbildungsqualität. So setze ich es vor allem in der Available-Light-Fotografie ein (Hochzeiten, Anlässe ohne Blitz, Dämmerung), bei nächtlichen Langzeitaufnahmen, und überall dort, wo ich grosse Vergrösserungen benötige.

Dieses billige Objektiv ist der beste Beweis dafür, dass mit einfacher Technik, zu günstigem Preis und ohne spektakuläre Perspektiven mit etwas Phantasie, Übung und Geduld hochwertigste und technisch perfekte Bilder gemacht werden können.

Dieses Objektiv möchte ich vor allem dem Anfänger empfehlen, sowie jedem Fotofreund, der sich von dem aktuellen technischen Overkill befreien und zurückkehren möchte zu den Wurzeln mit dem Studium der grundlegenden Elemente der Fotografie.

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