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Nikon F100

F80, F90x oder F100 ?
Das Gehäuse und seine Funktionen
Das Handling
Film oder Digital ?

Berghütte in Graubünden, Nikon F100, AF-S 24-85/3.5-4.5 Nikkor, Ilford Delta 100

Die Nikon F3 ist mein robustes Arbeitstier, wenn ich mit Film fotografiere. Keine Batterieprobleme, robust, Spiegelvorauslösung, Objektive sind günstig gebraucht zu kriegen, also eigentlich alles, was das Herz begehrt, vor allem wenn man viel Natur und Landschaft fotografiert oder bei Menschen eher unauffällig arbeiten möchte (gehen Sie mal mit einer Kamera auf eine Hochzeit, bei der der Film von Hand vorgespult wird, Sie werden einfach nicht mehr ernst genommen. Oder besser: mit einer Kamera, in die man einen Film einlegen muss !). Es gibt aber auch immer wieder Situationen, in denen dieses herrliche, ruhige Arbeiten einfach nicht möglich ist, und in denen ich mir Nikons Errungenschaften wie die 3D-Matrixmessung bei der Belichtung, den schnellen Autofocus oder auch die Möglichkeiten der Blitzbelichtungssteuerung gewünscht habe. Gleichzeitig wollte ich aber auch meine alten manuellen Objektive nutzen können, um nicht wieder alles doppelt kaufen zu müssen. Und natürlich sollte das alles dann noch so robust und zuverlässig funktionieren wie meine gute alte F3. Nachdem ich mit der Nikon D70 die Vorteile der Automatismen geniessen konnte, war für mich klar, dass zwischen der F3 und die D70 ein Gehäuse fehlte, das die Vorteile der Moderne mit den Vorteilen des Films verbindet.

F80, F90x oder F100 ?

Diese Auswahl ergab sich sehr schnell bei den ersten Nachforschungen: eine neue F80, die als "kleine" F100 gilt, dabei sogar noch Vorteile hat wie die einblendbaren Gitternetzlinien im Sucher, das geringere Gewicht, den integrierten Blitz (optimal, um kurz etwas aufzuhellen). Oder eine gebrauchte F90x, günstig, robust, grosses Sucherbild, akzeptiert auch manuelle und AF-S (Utraschall)-Objektive. Oder eben eine gebrauchte F100, teurer zwar, aber mit einem hervorragenden Sucherbild, Nutzung aller Nikon-Objektive von manuell bis zu VR (Anti-Wackel-Technik), robustem Metallgehäuse und extrem schnellem Autofocus. Die Entscheidung fiel schnell, nachfolgend kurz die Gründe, warum F80 und F90x nicht zum Zuge kamen (das ist natürlich subjektiv, aber wohl jeder, der eine Film-Nikon in diesem Bereich kauft, steht vor ähnlichen Fragen, möge diese Liste als Anhaltspunkt dienen):

F80

Positiv:

  • Handlich und nicht zu schwer
  • Verwendung von AF, AF-S und VR-Objektiven
  • Sehr leises Geräusch des Motors
  • Bedienung sehr ähnlich D70, z.B. Programmwählrad, sehr gut, wenn beide Kameras parallel benutzt werden
  • Integrierter Blitz
Negativ:
  • keine Belichtungsmessung mit manuellen Objektiven. Hier erweist sich Nikons Kontinuität des F-Bajonetts etwas als Mogelpackung, natürlich können die Objektive montiert werden, aber es ist noch nicht einmal die Belichtungsmessung damit möglich, man benötigt einen Handbelichtungsmesser. Das selbe gilt übrigens auch für die D70.
  • Autofocus etwas langsamer als in der F100. Das fällt aber wirklich nur auf, wenn man extrem schnelle Action fotografiert (Sport), oder aber die F100 parallel dazu nutzt.

F90x

Positiv:

  • Günstig (weil nur noch gebraucht erhältlich)
  • Wunderbarer Sucher
  • Robustes Gehäuse
  • Verwendung von manuellen Objektiven genauso möglich wie AF und AF-S-Objektive
Negativ:
  • Keine Nutzung der VR-Funktion (Anti-Wackel-Technik) möglich
  • Relativ lautes Auslöse- und Motorgeräusch
  • Sehr klobiges Gehäuse

F100

Positiv:

  • Nutzung aller Objektive möglich, manuell, AF, AF-S, VR
  • Extrem schneller Autofocus
  • Leises Auslöse- und Motorgeräusch
  • Trotz ziemlich grosser Abmessungen und Gewicht enorm gutes Handling
  • Robustes Gehäuse
Negativ:
  • Bei der Verwendung manueller Objektive wird die eingestellt Blende im Sucher nicht angezeigt
  • Teuer (nun ja, von der F5 / F6 aus gesehen eher billig, alles ist relativ)

Bauernhaus in Sogn Benedetg, Graubünden, Nikon F100, AF-S 24-85/3.5-4.5 Nikkor, Ilford Delta 100

Wer nicht daran denkt, VR-Objektive zu nutzen, findet in der F90x sicher die beste Lösung fürs Geld, bis auf die etwas antiquierte Form und die relativ lauten Betriebsgeräusche ist die Kamera perfekt, vor allem, wenn man auch manuelle Objektive nutzen will. Dass ich sie verschmähte, hat vor allem subjektive Gründe: Handling und Lautstärke. Objektiv ist sie vor allem unter dem Gesichtspunkt Preis/Leistung die beste Nikon, die gebraucht zu kaufen ist.

Die F80 ist meines Erachtens optimal, wenn man hauptsächlich Automatikfunktionen nutzt, geringes Gewicht z.B. beim Bergwandern ein Kriterium ist, und höchste Robustheit keine Rolle spielen. Für die meisten Fotografen dürfte diese Kamera daher das Beste sein, was neu am Markt zu kriegen ist. Zumal die F80 sehr leise ist, was besonders z.B. in Kirchen und Museen von Vorteil ist.

In meinem Fall war die Verwendung manueller Objektive ein Muss, also fiel die F80 weg. An der F90x gefiel mir das Handling nicht. Ich durfte die Kamera eines Freundes mehrere Wochen benutzen, wenn man aber einmal die Einstellräder der neuen Nikons genutzt hat, tut man sich mit dem Knöpfchendrücken der älteren Modelle schwer. So war bald klar, dass es die F100 sein musste. Es dauerte einige Zeit, bis ich schliesslich auf ebay ein neuwertiges Exemplar für einen bezahlbaren Preis fand. Eine neuwertige F100 zu 30-40 % des Neupreises von ca. 1500 Euro zu finden wird jedoch immer einfacher, da offenbar gerade in diesem Segment viele Fotografen auf Digital umsteigen. Und wer eine neue Kamera erwerben möchte, sollte das Auge auch mal auf die F6 werfen, die zwar etwas teurer ist, aber doch um einiges billiger als die F5.

Das Gehäuse und seine Funktionen

Nach erfolgreicher Auktion stand die Kamera also eines Tages vor mir. Beziehungsweise ich vor ihr, eine Kamera kann ja nicht unbedingt stehen. Das Gehäuse sieht eigentlich sehr kompakt aus, und dank des Griffwulstes und einer weichen, festen Gummierung ist sie sehr gut zu halten. Das täuscht allerdings: die F100 ist sogar ein bisschen grösser und schwerer als ihre Vorgängerin, die F90x ! Das Gehäusematerial ist eine Aluminium-Magnesium-Legierung, mit einer griffigen Gummierung versehen, die einen sehr soliden Eindruck macht. Dazu trägt auch die Tatsache bei, dass das Prismengehäuse mangels integriertem Blitz eine geschlossene Einheit bildet, ohne Fugen und bewegliche Teile.

Das Prismengehäuse und seine Ausstattung

Zuerst fällt einem wohl ein seitlich am Prismengehäuse sitzender Einstellhebel auf sowie die Tatsache, dass es an dieser Kamera keine Drehknöpfe zur Einstellung gibt. Letzteres war ein Grund, warum ich sehr lange einen Bogen um dieses Gehäuse gemacht hatte. Von meiner alten F601 her hatte ich die Nase voll von reinen Knopfdrücken-Einstellungen und war schwer begeistert von den klassischen, eindeutig gekennzeichneten Drehknöpfen der Canon EOS 50e. Der Grund für die fehlenden Knöpfe bei der F100 (wie übrigens auch bei der Canon EOS 3) ist die Tatsache, dass die Kameras gegen das Eindringen von Staub und Nässe geschützt sind. Und dies lässt sich mit Knöpfen statt mit Drehrädern wohl wesentlich besser bewerkstelligen. Ganz fehlen die Drehräder übrigens nicht, anders als bei der F601 sitzt jeweils in in Drehrad vor dem Auslöser sowie eines auf der Rückseite der Kamera. Diese beiden Räder sorgen sehr erfolgreich dafür, dass man die klassichen, direkt steuernden Drehräder der mechanischen Kameras nicht vermisst. Mehr zu den Drehrädern und ihrer Funktion später.

Der Schalter an der rechten Seite des Prismengehäuses (von hinten, also vom Fotografen aus gesehen) dient zur Einstellung der Belichtungsmessung: mittenbetont, Spot oder Matrixmessung. Für mich ist dieser Schalter eine der besten Dinge an dieser Kamera: während er in allen anderen (einfacheren) Modellen von Nikon in irgendwelchen Menüs versteckt ist, oder sogar programmabhängig von der Kamera eingestellt wird, ist hier mit einem Griff eindeutig die Messart eingestellt. Wer häufig zwischen Spot- und Matrixmessung wechselt, wird dies sehr zu schätzen wissen. Der Hebel kann auch nicht versehentlich verstellt werden, weil erst das Drücken der Sperre in der Mitte des Hebelchens diesen freigibt. Eine Besonderheit ist bei der Verwendung manueller Objektive zu beachten: die Matrixmessung bentötigt Informationen zu Blende und Brennweite, da sie diese bei AI- und AIS-Objektiven nicht bekommt, wird hier automatisch die Mittenbetonte Messung verwendet.

Das Prismengehäuse selber scheint sehr gross zu sein, vor allem angesichts der Tatsache, dass es ja keinen integrierten Blitz beherbergt wie die einfacheren Nikon-Modelle. Der Grund wird einem klar, wenn man durch den Sucher schaut: es gibt nicht viele Sucher, die einen so guten Einblick, Überblick und Helligkeit ermöglichen wie dieser, noch dazu mit allen relevanten Einstellungen der Kamera in der LED-Leiste am unteren Bildrand versehen. Ursache für diesen High-Eyepoint-Sucher, wie Nikon ihn nennt, ist ein entsprechend grosses Prisma. Dieser Sucher ist das Element, dass ich an den einfacheren Kameras, vor allem aber an den digitalen Modellen, am meisten vermisse. Vor allem für Brillenträger ist es eine Wohltat, auch aus grösserer Entfernung das gesamte Bild überblicken zu können.

Im Sucher werden übrigens 97% des tatsächlich auf dem Negativ belichteten Bereiches abgebildet, im Gegensatz zu den 100% der F5 oder F3. Ich persönlich bin damit sehr einverstanden, da sowohl bei Vergrösserung der Negative oder Rahmung der Dias doch immer ein kleiner Streifen am Rande des Bildes entfällt, und ich speziell mit meiner F3 immer wieder beschnittene Bilder erhielt, obwohl ich im Sucher genau aufgepasst hatte, alles mit aufs Bild zu kriegen.

Schalter und Einstellrad links vom Prisma

Vom Fotografen aus gesehen links neben dem Prisma finden wir drei Druckknöpfe, unter ihnen ein Einstellrad (es gibt doch noch eines !). Zuerst zu den Druckknöpfen:

BKT

BKT steht für Bracketing, also Belichtungsreihen. Hier kommen auch schon die beiden Drehräder rechts an der Kamera zum Tragen: BKT gedrückt halten und am hinteren Einstellrad drehen, bis "BKT" in der LCD-Anzeige erscheint. Mit dem vorderen Einstellrad kann jetzt (BKT immer noch gedrückt halten !) die Anzahl der Aufnahmen (2 oder 3) sowie die Streuwerte der Belichtung einstellen. Eine Besonderheit ist dabei noch, dass die Streuwerte auch von der Programmierung der Kamera auf die Stufen der Belichtungskorrektur abhängen. Via Individualfunktion kann diese nämlich 1/3, 1/2 oder ganzen Stufen erfolgen, und diese Stufen werden auch hier berücksichtigt. Bei angeschlossenem Blitz werden hiermit gleichzeitig Blitzbelichtungsreihen definiert. Über die Individualfunktion 11 können diese jedoch auch getrennt werden, so dass die BKT-Einstellung wahlweise nur für Blitz- oder normale Belichtungsreihen gültig sind.

ISO

ISO steht für die Filmempfindlichkeit. Bei Druck auf diese Taste erscheint die eingestellte (oder automatisch via DX-Code ermittelte) Empfindlichkeit in der LCD-Anzeige. Oben links in der LCD-Anzeige wird ausserdem DX angezeigt, wenn der automatisch ermittelte Wert verwendet wird. Nach einer manuellen Verstellung verschwindet dieses Symbol. Die Empfindlichkeit kann manuell von ISO 6/9° bis ISO 6400/39° eingestellt werden. Die manuelle Einstellung nimmt man vor, indem die ISO-Taste gedrückt gehalten wird und mit dem hinteren Einstellrad so lange gedreht wird, bis der gewünschte Wert in der LCD-Anzeige erscheint.

Blitztaste

Die dritte Taste im Block ist mit einem Blitz gekennzeichnet, hier werden die Synchronarten, d.h. die Art der Synchronisation des Blitzes mit dem Verschlussvorhang sowie Zusatzfunktionen gesteuert. Wie schon zuvor erzielt man die Änderungen durch das Drücken (und Halten) der Blitz-Taste sowie Drehen des hinteren Einstellrades auf der rechten Seite. Da die Kamera über keinen eingebauten Blitz verfügt, sollte sinnvollerweise ein Blitz montiert sein, zur Nutzung aller Funktionen eines der Modelle SB-26, SB-27, SB-28, SB-28DX, SB-50DX, SB-600 oder SB-800. Das Blitzen selber funktioniert auch mit anderen Geräten, aber die Rote-Augen-Funktion nur mit diesen.

Folgende Einstellungen sind dabei möglich:

  • Synchronisation auf den ersten Verschlussvorhang (Standardeinstellung).
  • Langzeitsynchronisation (die Kamera wählt eine längere Verschlusszeit, damit der Hintergrund korrekt belichtet wird)
  • Synchronisation auf den 2. Verschlussvorhang. Damit wird erreicht, dass z.B. die Leuchtspuren von Autolampen hinter dem Auto erscheinen, wie es unserem Empfinden entspricht, und ihm nicht vorauseilen.
  • Langzeit-Synchronisation auf den 2. Verschlussvorhang.
  • Rote-Augen-Funktion.
  • Rote-Augen-Funktion mit Langzeitsynchronisation.
Das Einstellrad für die Filmtransportarten

Links vor dem Knubbel befindet sich eine klitzekleine Drucktaste, mit ihr wird das Einstellrad entriegelt (es kann also nicht aus Versehen verstellt werden, eine feine Sache). Mit dem Rad lassen sich die Filmtransportarten, die Doppelbelichtung und der Selbstauslöser einstellen. Dabei ist das aktuelle gültige Symbol direkt auf dem Rädchen zu sehen, keine indirekte Steuerung über die LCD-Anzeige, wie es bei den einfacheren Nikons der Fall ist:

S Einzelbilder, beim Andrücken wird nur einmal ausgelöst und der Film transportiert, für das nächste Bild muss der Auslöser ein weiteres Mal angedrückt werden.
C Serienbilder, solange der Finger auf dem Auslöser bleibt, wird ausgelöst, transportiert, ausgelöst, transportiert, und so weiter und so fort, mit max. 4,5 Bilder pro Sekunde.
Cs Analog C, aber im "Silent"-, also "Leise"-Modus, damit werden ca. 3 Bilder pro Sekunde erreicht.

Das Symbol, das von einer Art doppeltem Rechteck dargestellt wird, ermöglicht Mehrfachbelichtungen (d.h. mehrfaches Auslösen, ohne dass der Film transportiert wird).

Ganz rechts auf dem Rädchen findet sich schliesslich das Uhrensymbol für den Selbstauslöser. Über eine Individualfunktion kann die Vorlaufzeit des Selbstauslösers gesteuert werden, mehr dazu unter den Funktionen.

Lai Blau, Graubünden, Nikon F100, AF-S 24-85/3.5-4.5 Nikkor, Ilford Delta 100 Die Rückseite der Kamera

Auf der Rückseite unter dem linken Einstellrad für den Filmvorschub finden sich 2 Drucktasten, CSM und L gekennzeichnet.

CSM wird für die Einstellung der Individualfunktionen benötigt, mit L können die Blende bzw. Verschlusszeit bei Blenden- oder Zeitvorwahl blockiert werden.

Für das Einstellen der Individualfunktionen hält man CSM gedrückt, mit dem hinteren Einstellrad wird dann die gewünschte Funktionsnummer ausgewählt, mit dem vorderen Einstellrad dann der gewünschte Wert für diese Funktion. Hört sich kompliziert an, ist aber ganz einfach. Das einzige Problem ist, sich die vielen Nummern zu merken. Der Vollständigkeit halber seien sie nachfolgend aufgeführt, gleichzeitig gewinnt man damit auch einen Einblick in die Möglichkeiten der Kamera.

1 Autom. Filmrückspulung am Filmende (0 = aus (Standard), 1 = ein)
2 Abstufung Verschlusszeit, Blende und Belichtungskorrektur (3 = Drittelstufen (Standard), 2 = halbe Stufen, 1 = volle Stufen)
3 Reihenfolge der Aufnahmen bei Belichtungsreihen (0 = Standard, 1 = von Unterbelichtung nach Überbelichtung)
4 AF-Aktivierung durch Antippen des Auslösers (0 = Ein, 1 = Aus)
5 Warnanzeige bei Film ohne DX-Kennung (0 = nach Vorspulen des Films bis zur 1. Aufnahme (Standard), 1 = bei Einschalten der Kamera)
6 Änderung der Messfeldwahl auf "geradlinig in einer Richtung" (0 = Aus (Standard), 1 = Ein)
7 Belichtungsspeicherung beim Antippen des Auslösers (0 = Aus (Standard), 1 = Ein)
8 Filmvorspulen beim Schliessen der Rückwand (0 = Aus (Standard), 1 = Ein)
9 Entfesselte AF-Dynamik in Einzel-AF (0 = Ein (Standard), 1 = Aus)
10 Entfesselte AF-Dynamik bei kontinuierlichem AF (0 = Aus (Standard), 1 = Ein)
11 Belichtungsreihen / Blitzbelichtungsreihen (A5 = gleichzeitige Aktivierung von Belichtungs- und Blitzbelichtungsreihen (Standard), AE = nur Belichtungsreihe, Sb = nur Blitzbelichtungsreihe)
12 Vertauschen der Funktionen der Einstellräder (0 = Aus (Standard), 1 = Ein)
13 Schnellkorrektur der Belichtung (0 = Aus (Standard), 1 = Ein)
14 Filmtransport bei Mehrfachbelichtungen (0 = Einzelbildschaltung (Standard), 1 = Reihenbildschaltung)
15 Einschaltintervall des Messsystems (4 = 4s, 6 = 6s (Standard), 8 = 8s, 16 = 16s)
16 Vorlaufzeit des Selbstauslösers (2 = 2s, 5 = 5s, 10 = 10s (Standard), 20 = 20s)
17 Einschaltung der LCD-Beleuchtung durch Antippen des Auslösers (0 = Aus (Standard), 1 = Ein)
18 Dateneinbelichtung auf Bild 0 (nur mit Datenrückwand) (0 = Aus (Standard, 1 = Ein)
19 Blendensteuerung (0 = Blende wird konstantgehalten (Standard), 1 = Berücksichtigung der gleitenden Lichtstärke)
20 Auslösebestätigung durch Selbstauslöser-LED (0 = Aus (Standard), 1 = Ein)
21 Optionen für AE-L/AF-L-Taste (0 = gleichzeitige Speicherung von Schärfe und Belichtung (Standard), 1 = nur Belichtungsspeicherung, 2 = nur Schärfespeicherung, 3 = Speicherung der Belichtung auch nach Freigabe der Taste)
22 Blendeneinstellung mit dem Blendenring des Objektivs (0 = Aus (Standard), 1 = Ein)


An diesen Funktionen alleine ist wohl schon zu erkennen, dass die Kamera weniger für den automatisierten Urlaubsfotografen entwickelt wurde als für den, der ein robustes Werkzeug sucht und die Abläufe der Kamera weitgehend selber steuern möchte. Während einige der Punkte wie der Tausch der Funktionen von vorderem und hinterem Einstellrad z.B. auch bei der Canon 50e zu finden ist, sind andere Funktionen für den Normalanwender kaum verständlich, geschweige denn notwendig.

Ich halte es allerdings für nachteilig und verwirrend, dass die Schlüssel der einzelnen Funktionen keine einheitliche Bedeutung haben. So ist nicht einmal 0 für Aus und 1 für Ein durchgehend verwendet, Funktion Nr. 9 besitzt sie genau anders herum. Das Problem ist mit der F6 behoben, da hier Klartext auf dem rückseitigen Bildschirm dargestellt werden kann, F100-Nutzer dürften kaum ohne eine kleine Karte in der Fototasche auskommen.

Aber betrachten wir die Rückwand weiter rechts. Hier folgen noch 2 Tasten neben dem hinteren Einstellrad, einmal eine, die mit AE-L/AF-L bezeichnet ist und je nach Einstellung der Individualfunktion 21 für die Speicherung der Belichtung und / oder Schärfe zuständig.

Die andere Taste, mit AF-ON gekennzeichnet, erlaubt das Scharfstellen ohne Andrücken des Auslösers. Diese Taste ist interessant, wenn über Individualfunktion 4 das Scharfstellen über den Auslöser ausgeschaltet wird. So können Schärfe- und Belichtungsmessung entkoppelt werden und es wird verhindert, dass bei einem erneuten Andrücken des Auslösers zur Belichtungsmessung auch die Schärfe nachgeführt wird.

In der Mitte der Rückwand finden sich noch ein Drehschalter und eine 4-Wege-Wippe mit einem Sperrschalter zur Steuerung der AF-Funktionen.

Mit dem linken Drehschalter lässt sich der Autofocus zwischen Einzelfeld-AF und AF-Dynamik umschalten.

Bei Einzelfeld-AF ist nur eines der 5 AF-Felder aktiv. Die Umschaltung zwischen den Messfeldern erfolgt von Hand über die Wippe.

Bei AF-Dynamik wird ein Primär-Messfeld festgelegt. Bewegt sich jetzt ein Objekt, auf das mit diesem Primär-Messfeld scharfgestellt wurde, so übernimmt ein anderer Sensor automatisch die Scharfstellung. Dies ist vor allem bei der Sportfotografie eine schöne Sache, vor allem in Verbindung mit dem extrem schnellen AF-Modul und AF-S-Objektiven. Über die Individualfunktionen 9 und 10 kann auch noch die sogenannte Entfesselte Dynamik eingeschaltet werden, dabei wird kein primäres Messfeld mehr festgelegt, sondern das AF-Modul sucht automatisch das Objekt mit dem geringsten Aufnahmeabstand und verfolgt anschliessend dessen Bewegung über alle 5 AF-Felder.

Damit will ich es bei der Auflistung der Knöpfe, Schalter und Funktionen dieser Kamera bewenden lassen. Wer mehr wissen möchte, dem sei das Handbuch der Kamera ans Herz gelegt, oder eines der Bücher, die über dieses schöne Gerät geschrieben wurden.

Das Handling

Allgemein

Wer sich bis hierher durch die Aufzählung der Knöpfe, Tasten und Funktionen gelesen hat, ist entweder besonders hartnäckig, technophil oder neugierig. Wenn aber der Eindruck entsteht, dass es sich bei der F100 um ein weiteres Technik-Monstrum mit unendlichen Einstellmöglichkeiten handelt und einer ebenso komplizierten Bedienung, dann ist das grundlegend falsch: die F100 ist die in der Bedienung mit Abstand logischste und einfachste Kamera (ausser der FM2), die mir je untergekommen ist. Nikon hat offenbar wirklich den Fotografen bei seiner Arbeit als Grundlage für die Entwicklung genommen, und nicht nur das Pflichtenheft der Ingenieure umgesetzt. Es erstaunt mich immer wieder, wie logisch die Bedienelemente und das Handling sind, wie einerseits Hilfsmittel wie Entriegelungssperren Fehlbedienungen verhindern, andererseits aber der ziemlich direkte Zugriff auf alle Einstellebenen sehr schnelles Arbeiten ermöglicht.

Ast mit Frassgängen, Nikon F100, 60/2.8 Micro-Nikkor, Ilford Delta 100 Individualfunkionen

Der einzige wirkliche Schwachpunkt dieser Kamera sind die Individualfunkionen. Ohne Spickzettel ist da gar nichts zu machen, die Nummern der Funkionen sagen mir genau so wenig wie die Nummern oder Buchstaben der Auswahl, die man darin hat. Erschwerend kommt hinzu, dass verschiedene Funktionen sich gegenseitig beeinflussen. Dies ist sicher die erfreulichste Sache an der F6, durch den grossen Bildschirm auf der Rückseite der Kamera ist es dort möglich, die Funktionen und die Auswahlmöglichkeiten beim Namen zu nennen. So müssen F100 - Besitzer eben das Handbuch oder zumindest eine Übersicht über die Individualfunktionen mit sich herumschleppen. Als Hilfsmittel gibt es übrigens kleine Versionen, die in oder auf die Objektivdeckel bzw. auf den Kameraboden geklebt werden können.

Andererseits muss man ganz klar sagen: wer die Funktionen nicht benötigt, kann sie einfach ignorieren, sie stören nicht. Wer aber eine Funktion benötigt, wird erstaunt sein, wie gut jede von ihnen in Bedienung und Ablauf der Kamera integriert ist. Sicher, die Zusammenhänge sind nicht immer einfach, aber das liegt in der Natur der Sache, und ich kenne bisher keine andere Kamera, die so direkt, einfach und vor allem logisch komplexe Abhängigkeiten in ein einfaches Bediensystem integriert, das mit so wenig Bedienelementen auskommt.

Filmlasche

Trotz der vielen Individualfunktionen, eine ganz spezielle fehlt dieser Kamera einfach: es kann nicht eingestellt werden, ob der Film am Ende ganz in die Patrone zurückgespult werden soll, oder ob die Lasche draussen bleiben soll. Letzteres ist wichtig, wenn man selber entwickelt, weil man dann nicht die Dose aufbrechen muss, um den Film auf die Spule der Entwicklungsdose zu ziehen, sondern den Film einfach wieder aus der Dose herauszieht. So kann auch das Filmende bei Licht zugeschnitten werden, man muss nicht im Dunkeln munkeln und dabei versuchen, einen geraden Schnitt hinzubekommen.

Das Problem ist aber nicht grundsätzlich unlösbar, wenn auch nicht via Individualfunktion, so ist man doch über den Nikon Service in der Lage, diese Eigenschaft als grundlegende Einstellung bei der Kamera vornehmen zu lassen. Nur muss man sie dazu beim Händler abliefern, gewöhnliche Sterbliche haben hierzu offenbar keinen Zugang.

Einschalten

Das Einschalten einer Kamera sollte eigentlich keine Zeile in einem Bericht wert sein. Ist es aber doch, wenn man mit Canon einerseits und mit Nikon andererseits arbeitet. Bei welcher Kamera braucht man beide Hände und die Augen, um die Kamera einzuschalten ? Bei Canon: zumindest bei den Modellen 50e und 30/33 ist der Ein-/Aus-Schalter in die Belichtungs-Messmethoden integriert. Und dies ist ein Drehrad. Will ich die Kamera einschalten, die ja in der Regel mit der rechten Hand gehalten wird, muss ich mit der linken Hand den Drehschalter betätigen und dabei auch noch kontrollieren, dass ich die richtige Belichtungssteuerungsart auswähle. Offenbar ist das auch den Canon-Ingenieuren aufgefallen: bei der Canon 20D ist der Ein-/Ausschalter jetzt als Drehschalter an den unteren Rand der Rückseite gerutscht. Jetzt kann man die Kamera zwar blind mit dem Daumen auf der Rückseite einschalten, beim Probieren im Geschäft nahm ich aber doch immer die linke Hand zum Sichern der Kamera dazu, weil ohne den Daumen nur die Finger am Griffwulst vorne die Kamera halten. Kein gutes Gefühl bei so einem schönen und teuren Stück...

Anders bei Nikon: die Methode der Belichtungsmessung hat (bei allen Modellen, nicht nur bei der F100) mit dem Ein-/Aus-Schalter nichts zu tun. Letzterer sitzt immer vor dem Auslöser, dort, wo der Zeigefinger automatisch zu liegen kommt, auch wenn man die Kamera nur eben hochnimmt. Sehe ich jetzt ein interessantes Motiv, drehe ich den Schalter ohne Augenkontakt und nur in einer Hand kurz auf "On", und die Kamera ist betriebsbereit. Canon-Objektive und AF können so schnell sein, wie sie wollen, aber wenn ich die Kamera nicht schnell genug anschalten kann, weil ich zwei Hände und eine Augenkontrolle brauche, dann hilft mir das alles nichts. Minolta geht mit dem Eye-Start einen ähnlichen Weg, hier sorgen Griffkontakt und Augenkontrolle für ein automatisches Anschalten der Kamera, wenn man sie ans Auge hebt.

Meiner Ansicht nach hat Canon hier ein kleines, aber grausames Defizit, offensichtlich scheint jedoch es nicht alle Menschen wirklich zu stören, oder die, die es stören könnte, merken nicht, dass es auch bessere Lösungen gibt. Für mich war es einer der wesentlichen Gründe, wieder zu Nikon zurückzukehren, nicht weil es eine grundlegende Einschränkung des Leistungsumfangs der Kamera wäre, aber es ist eines dieser kleinen Dinge, die ständig nerven. Und die sich so einfach abstellen liessen.

Vorderrhein bei Sumvidg, Graubünden, Nikon F100, AF-S 24-85/3.5-4.5 Nikkor, Ilford Delta 100 Autofocus

Im Gegensatz zu vielen anderen Fotografen hat mich die Augensteuerung der Autofocus-Punkte, wie Canon sie bei der EOS 30/33v einsetzt, restlos überzeugt. Bei mir funktionierte sie immer einwandfrei, egal ob mit Brille oder Kontaktlinse, und auch der Wechsel der Kamera zwischen meiner Frau und mir klappte durch die Auswahl des jeweiligen Profils einwandfrei.

Von dieser Technik kommend konnte ich mich mit der willkürlichen Auswahl des nach Ansicht der Kamera am besten geeigneten AF-Feldes in der F100 nicht anfreunden, so dass ich heute ausschliesslich das mittlere AF-Feld fest eingestellt nutze. So bin ich wieder Herr über die Wahl des relevanten Bildpunktes für die Schärfe, und jetzt kommt auch die enorme Geschwindigkeit des Systems zum Tragen. Das CAM 1300 - Modul der F100 ist das selbe, das in der F5 zum Einsatz kommt. Und es ist merklich schneller als die abgespeckte Version der F80, von älteren Modellen wie der F601 gar nicht zu reden. Vor allem in Verbindung mit einem AF-S - Objektiv liegen die Zeiten für das Scharfstellen damit in Bereichen, die subjektiv nicht mehr stören, selbst wenn es mal zackig wird wie bei Sportaufnahmen.

Optimal ist aber vor allem die Tatsache, dass der Autofocus auch in der Dämmerung noch einwandfrei funktioniert. Probleme gibt es erst bei Helligkeitswerten, bei denen auch die manuelle Scharfstellung nicht mehr zuverlässig ist, weil man eben nicht mehr genug erkennen kann. In Kombination mit einem Systemblitz funktiniert die automatische Scharfstellung dann auch bei kompletter Dunkelheit, weil der Blitz bzw. sein rotes Hilfslicht für die notwendige Beleuchtung sorgen.

Filmwechsel

Das beste Handling beim Filmwechsel hat nach meiner Erfahrung die gute alte Leica R4 (und wahrscheinlich auch ihre Schwestermodelle), weil man die ganze Geschichte einhändig abwickeln kann. Weniger kommod wird es natürlich, wenn man dann von Hand vor- oder zurückspulen muss. Die F100 ermöglicht natürlich auch einen einfachen Filmwechsel, zumal hier die Lasche des Films nicht in die Auffangspule eingefädelt werden muss. Wegen Grösse, Gewicht, Form, Öffnungswinkel der Deckels und der Lage der Spule im Gehäuse ist es nach meinem Dafürhalten zwar einhändig möglich, aber irgendwie unbequem, den Film aus der Kamera herauszuholen. Der nächste Film ist dafür um so schneller eingelegt, reinstecken, Lasche herausziehen bis zur Markierung, und Deckel schliessen. Per Individualfunktion kann eingestellt werden, ob die Kamera direkt nach dem Schliessen der Rückwand zum ersten Bild vorspult, oder ob das erst per Druck auf den Auslöser passieren soll. Genauso kann das Rückspulen eingestellt werden, entweder automatisch nach dem letzten Bild, oder manuell per Rückspultaste (bzw. Tastenkombination, damit das nicht aus Versehen passiert).

Es mag sich um ein Problem an meiner speziellen Kamera handeln, aber mit der Einstellung "Vorspulen zum ersten Bild beim Schliessen der Rückwand" muss der Film sehr vorsichtig eingelegt werden. Steht die Lasche nicht ziemlich genau auf der Markierung, macht die Kamera einfach nichts. Erst wiederholtes Öffnen und Ausrichten der Lasche führt zum gewünschten Erfolg. Das ist äusserst unangenehm, wenn man unter Zeitdruck arbeitet, z.B. bei einer Hochzeit.

Belichtungskorrektur bei Programmautomatik

Ein Punkt, der mit bei Canon sehr gut gefallen hat, war die Bedienung der Belichtungskorrektur: mit dem vorderen Einstellrad wurde das Programm geshiftet (d.h. ohne Veränderung der Belichtung die Zeit-Blenden-Kombination verändert), mit dem hinteren Einstellrad konnte die Belichtung korrigiert werden, d.h. gezielt über- oder unterbelichtet werden.

Mit der Nikon geht beides über das hintere Einstellrad: einfach drehen führt zum reinen Shiften im Programm, gleichzeitiges Drücken des Knopfes für die Belichtungskorrektur sorgt für Unter- oder Überbelichtung gegenüber dem vom Programm vorgeschlagenen Wert. Nach anfänglicher Skepsis (Knöpfchendrücken...) hat sich diese Arbeitsweise aber vor allem durch Position und Ausführung des Knopfes als sehr zuverlässig und angenehm erwiesen.

Berücksichtigen sollte man dabei eines (es steht sogar im Handbuch): bei Verwendung der Matrix-Messung ist das gezielte Über- oder Unterbelichten eine ziemlich witzlose Sache, weil man nicht weiss, auf Grund welcher Elementen im Bild die Kamera selber zu ihrer Zeit-/Blendenkombination gekommen ist. Auch wenn wir vermuten, dass das weisse Brautkleid die Belichtung nachhaltig beeinflusst, indem der Belichtungsmesser zu dem Schluss gekommen sein sollte, dass das Bild viel zu hell ist und daher automatisch zu viel "abdunkelt", kann die schlaue Matrixmessung diesen Trugschluss sehr wohl bemerkt haben, da sie das Bild tatsächlich auswertet und mit Hilfe gespeicherter Algorithmen einen richtigen Belichtungswert ermittelt hat. Belichtungskorrekturen sind also sinnvoll nur in Kombination mit der mittenbetonten oder noch besser der Spotmessung einsetzbar.

Sucher

Der Sucher ist an dieser Kamera das Beste. War schon der High Eyepoint-Sucher der F3 eine Offenbarung gegenüber den popeligen Gucklöchern der kleinen Modelle, der Sucher der F100 ist noch eine Stufe besser. Ich habe noch mit keiner anderen Kleinbildkamera gearbeitet, die eine so gute Bildkomposition über den Prismensucher ermöglicht. Ein riesiges, auch mit Brille vollständig einsehbares Bild, alle erforderlichen Informationen am unteren Bildrand, das ganze hell und klar bei jedem Licht.

Manuelle Objektive

Ein Punkt, der für und gegen die F100 spricht: manuelle Objektive können anders als bei der F80 mit Belichtungsmessung verwendet werden (allerdings keine Matrix-Messung mehr, nur noch Mittenbetont oder Spot), es wird jedoch anders als bei der F4 oder F5 die aktuell eingestellte Blende des Objektivs nicht im Sucher oder dem LCD-Schirm auf dem Gehäuse angezeigt. Mir persönlich ist das gar nicht gross bewusst geworden, weil ich bei manuellen Objektiven in der Regel mit Blendenvorwahl und Zeitautomatik arbeite und die Blende dabei vor dem Blick in den Sucher einstelle. Wenn jedoch die aktuelle Blende kontrolliert werden soll, ist jedes Mal ein Blick auf das Objektiv notwendig. Wer also seinen Schwerpunkt bei manuellen Objektiven sieht und die hochautomatisierte Kamera aus anderen Gründen benötigt, sollte sich vielleicht eher bei einer F5 oder F4 umschauen. Für Menschen wie mich, die manuelle Objektive auf der F100 nur gelegentlich nutzen, ist diese Eigenheit zwar gewöhnungsbedürftig, aber nicht unbedingt kritisch.

Auslöser und Spiegelschlag

Nun, eigentlich nichts besonderes, so ein Auslöser, den hat schliesslich jede Kamera. Der Unterschied zwischen diesem hier und anderen, mit denen ich gearbeitet habe, ist die nicht spürbare Verzögerung: wenn ich abdrücke, reagiert die Kamera sofort und sehr direkt. Auch ist der Spiegelschlag so gut gedämpft, dazu das Gehäuse relativ schwer und kompakt, so dass man keine Schwingung wahrnimmt. Nach dem eigentlichen Auslösen erfolgt der Filmvorschub selbst im leisen Modus so schnell, dass die Kamera meistens schon wieder aufnahmebereit ist, bevor ich selber es bin.

Das alles mag manchem Leser vielleicht etwas seltsam oder auch überkandidelt vorkommen, aber wer schon einmal unter Zeitdruck und schwierigen Verhältnissen Bilder machen musste (Hochzeiten, Feste, Konzerte) weiss, wie wichtig dieses Verhalten einer Kamera ist. Es trägt neben der Ergonomie sehr viel zu dem Eindruck bei, ob eine Kamera sich wie verlängerte Augen und Finger anfühlt, oder ob es eher ein Gerät ist, das man bedient, aber nicht "im Blut" hat. Ein ähnlich direktes Verhalten kenne ich nur von der F3 und der Leica IIc (bei den M's soll es wohl auch so sein, die hatte ich aber leider noch nicht in den Fingern).

Fernauslöser und Spiegelvorauslösung (oder eben keine...)

Ein Punkt, mit dem ich nicht so glücklich bin. Die F80 hat wie die F3, FM-3a und andere wunderschöne Kameras ein richtiges gutes altes Drahtauslösergewinde. Die F100 nicht, hier ist eine spezielle elektrische Kabelfernbedienung erforderlich. Klar, mit der kann man dann auch noch Dinge machen, die ein Drahtkabel nicht beherrscht, ich wäre aber glücklicher gewesen, wenn beides möglich wäre.

Auch eine Spiegelvorauslösung fehlt an dieser Kamera. Ich muss allerdings sagen, dass ich noch kein Bild geschossen habe, bei dem ich sagen müsste, das wäre mit Spiegelvorauslösung jetzt aber schärfer gewesen. Gemäss Nikon ist der Spiegelschlag so perfekt gedämpft, dass eine Vorauslösung nicht notwendig ist. Und für die wenigen Spezialfälle wie Astro- oder extreme Makrofotografie kann man ja die F5 kaufen. Die hat nämlich Spiegelvorauslösung, und die neue F6 ebenfalls.

Nun, nachdem bereits eine um den Faktor 5 billigere Canon EOS 30 eine (wenn auch nur über eine Funktion, nicht über einen mechanischen Hebel ansteuerbare) Spiegelvorauslösung verfügt, bin ich von diesem Manko nicht besonders begeistert. Klar, mechanisch wie bei der F3 wäre optimal, aber zumindest eine elektronische Vorauslösung im Rahmen der vielen Individualfunktionen hätte einer so guten Kamera nicht schlecht zu Gesicht gestanden. Aber das gehört in die oft unerfindlichen Entscheidungen unserer Kamerahersteller, genau wie die fehlende Spotmessung aller einfacheren Canon-Modelle.

Film oder Digital ?

Schneckenhaus, Nikon F100, 60/2.8 Micro-Nikkor, Ilford Delta 100

Nanu, was soll denn die Frage an dieser Stelle ? Keine Angst, ich will hier keine Grundsatzdiskussion beginnen. Es ist mehr die Frage, ob im Zeitalter der D70 eine F100 überhaupt noch eine sinnvolle Investition darstellt. Für viele Menschen offenbar nicht, sonst würden die Preise dieser schönen Kamera kaum so gefallen sein. Und auch ich muss zugeben, dass 95 % meiner Bilder mittlerweile digital entstehen, alle Auftragsarbeiten wie Veranstaltungen oder Bilder für die Gemeinde sowieso, da ich sie fast ausschliesslich digital zur Verfügung stellen muss, aber auch alle privaten Farbbilder, sowie neuerdings auch viele, die ich farbig und schwarzweiss benötige, dank Photoshop und dem HP 7960. Wozu also noch eine F100 ? Nun, bei 95 % digital bleiben noch 5 % analog. Und diese 5 % fotografiere ich fast ausschliesslich schwarzweiss. Das hängt natürlich mit der Kamera selber zusammen, vor allem auf Wanderungen und bei schlechtem Wetter ist mir die F100 lieber als die (zumindest gefühlsmässig) empfindlichere D70. Und trotz aller digitalen Speichermöglichkeiten: ein Negativ von einem wertvollen Bild zu besitzen ist mir lieber als unendlich viele digitale Kopien. Denn dieses Negativ kann ich notfalls auch ohne Computer zu einem Bild machen. Andererseits kann ich dank Scanner aus dem Negativ auch ein Bild für den Computer oder die Ausgabe aus dem Drucker erzeugen. Alle Bilder (ausser die von der Kamera selber) auf dieser Seite sind so entstanden. Und von einigen dieser Bilder habe ich mit dem Drucker Vergrösserungen im A4-Format gemacht, die ich im Nasslabor nicht besser hinbekommen hätte. Und mit der Kombination schwarzweiss und Scanner bin ich unabhängig vom Labor. Filmentwicklung kann man in der kleinsten Küche selber durchführen, aber für ein "richtiges" Positivlabor reicht es bei mir nicht, zumindest solange das Haus voll Kinder, Hund und sonstigen Bewohnern ist. Der Scanner hat das Problem gelöst, und so kommen jetzt alle Bilder aus dem Drucker, egal ob das Original eine Datei aus der D70 war, ein Kleinbildnegativ aus der F100 oder F3, oder sogar ein Mittelformatnegativ, das über den Flachbettscanner eingescant wurde.

Eine Zeit lang war ich versucht, Film ganz auf die F3 zu reduzieren und die F100 zu verkaufen. Der Haken an der F3 ist aber die fehlende Automatisierung: keine vernünftige Blitzbelichtungsmessung, keine Automatik, die einem in eiligen Situationen hilft. So habe ich denn beide behalten, werden sie auch selten benutzt, so hat doch jede spezifische Vorteile. Umgekehrt habe ich auch die F3 nicht hergegeben, sie ist kleiner, leichter, unauffälliger, besser zu bedienen, wenn man rein mechanisch, d.h. ohne Automatismen arbeitet, und sie hat die Spiegelvorauslösung.

So stehen jetzt 3 Generationen von Nikon-Kameras in meinem Schrank, F3, F100 und D70, und jede hat ihr Einsatzgebiet. Auch wenn ich mein Geld nicht mit der Fotografie verdiene, so ist die D70 doch das "Arbeitstier". Mit ihr werden alle Auftragsbilder gemacht, Veranstaltungen und Sport. F3 und F100 dagegen sind für das Vergnügen da, wenn Zeit und eine CD keine Rolle spielen.

Mein Traum wäre eine Kombination aus 2 Kameras, nämlich meiner F100 und einer "richtigen" D100, nicht der D100, die Nikon bereits auf dem Markt hat und die eigentlich eine F80 ist mit etwas mehr Ausstattung, sondern die Film-F100 als Digitalkamera, gleich gross, gleich schwer, gleich robust, und gleich gut zu Bedienen. Die D2X sieht von den technischen Eigenschaften ganz so aus, nur ist sie etwas zu gross und vor allem deutlich zu teuer für gewöhnliche Sterbliche, die mit den Fotos kein Geld verdienen.

So ist die F100 von allen Kameras, die ich in den Händen hatte, die Beste. Das ist ein einfaches Fazit, und wer ernsthaft fotografiert und zumindest teilweise Film verwendet, dem sei sie ans Herz gelegt. Zumal die Preise selbst der ladenneuen Modelle so in den Keller gerutscht sind, dass sie auch für den Amateur erschwinglich geworden ist.

Bevor dem Profi oder Freak die Tränen kommen ob dieses Berichtes und vieler Eigenschaften und Möglichkeiten, die gar nicht beschrieben sind: die Kamera kann deutlich mehr als ich. Die Einstellmöglichkeiten und Steuerungen bis hin zur Studioblitzanlage sind so umfangreich, dass ich sie nicht alle nutze und daher auch nicht beschreiben kann. Wer also weitergehende technische Anforderungen hat, möge bitte die Nikon-Homepage, www.nikonians.org oder auch www.photo.net besuchen, dort finden sich Menschen, die noch wesentlich besser über spezifische Eigenschaften der Kamera Auskunft geben können.

Für Fragen, Korrekturvorschläge oder eins auf die Ohren stehe ich unter Kontakt gerne zur Verfügung. Vielen Dank !

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