> Home

> Photography
Nikon F3
Tripods

> Fotografie
Picture Gallery
Tongrube
Natur
Nördlingen
Basel
Bäume
Landihalle
Zolli
Themen
Nikon FM2n
Nikon FG
Nikon F3
Nikon F100
Canon EOS 300
Canon EOS 50e
EF 28/2.8
EF 50/1.8
EF 24-85/3.5-4.5
EF 28-105/3.5-4.5
Rolleicord Vb
B.I.G TWIN 4
Mamiya RB67
Olympus Mju II
Canon Digital Ixus
Stative
Filme
> Links
> CoffeeCup
> Quellen
> Kontakt
|
Nikon F100
F80, F90x oder F100 ?
Das Gehäuse und seine Funktionen
Das Handling
Film oder Digital ?
Die Nikon F3 ist mein robustes Arbeitstier, wenn ich mit Film fotografiere.
Keine Batterieprobleme, robust, Spiegelvorauslösung, Objektive sind günstig
gebraucht zu kriegen, also eigentlich alles, was das Herz begehrt, vor allem
wenn man viel Natur und Landschaft fotografiert oder bei Menschen eher
unauffällig arbeiten möchte (gehen Sie mal mit einer Kamera auf eine Hochzeit,
bei der der Film von Hand vorgespult wird, Sie werden einfach nicht mehr ernst
genommen. Oder besser: mit einer Kamera, in die man einen Film einlegen muss !).
Es gibt aber auch immer wieder Situationen, in denen dieses herrliche, ruhige
Arbeiten einfach nicht möglich ist, und in denen ich mir Nikons Errungenschaften
wie die 3D-Matrixmessung bei der Belichtung, den schnellen Autofocus oder auch
die Möglichkeiten der Blitzbelichtungssteuerung gewünscht habe. Gleichzeitig
wollte ich aber auch meine alten manuellen Objektive nutzen können, um nicht
wieder alles doppelt kaufen zu müssen. Und natürlich sollte das alles dann noch
so robust und zuverlässig funktionieren wie meine gute alte F3. Nachdem ich mit
der Nikon D70 die Vorteile der Automatismen geniessen konnte, war für mich klar,
dass zwischen der F3 und die D70 ein Gehäuse fehlte, das die Vorteile der Moderne
mit den Vorteilen des Films verbindet.
F80, F90x oder F100 ?
Diese Auswahl ergab sich sehr schnell bei den ersten Nachforschungen: eine
neue F80, die als "kleine" F100 gilt, dabei sogar noch Vorteile hat wie
die einblendbaren Gitternetzlinien im Sucher, das geringere Gewicht, den
integrierten Blitz (optimal, um kurz etwas aufzuhellen).
Oder eine gebrauchte F90x, günstig, robust, grosses Sucherbild, akzeptiert
auch manuelle und AF-S (Utraschall)-Objektive. Oder eben eine gebrauchte
F100, teurer zwar, aber mit einem hervorragenden Sucherbild, Nutzung aller
Nikon-Objektive von manuell bis zu VR (Anti-Wackel-Technik), robustem
Metallgehäuse und extrem schnellem Autofocus. Die Entscheidung fiel schnell,
nachfolgend kurz die Gründe, warum F80 und F90x nicht zum Zuge kamen (das
ist natürlich subjektiv, aber wohl jeder, der eine Film-Nikon in diesem
Bereich kauft, steht vor ähnlichen Fragen, möge diese Liste als Anhaltspunkt
dienen):
F80
Positiv:
- Handlich und nicht zu schwer
- Verwendung von AF, AF-S und VR-Objektiven
- Sehr leises Geräusch des Motors
- Bedienung sehr ähnlich D70, z.B. Programmwählrad, sehr gut, wenn beide Kameras parallel benutzt werden
- Integrierter Blitz
Negativ:
- keine Belichtungsmessung mit manuellen Objektiven. Hier erweist sich Nikons Kontinuität des F-Bajonetts etwas als Mogelpackung, natürlich können die Objektive montiert werden, aber es ist noch nicht einmal die Belichtungsmessung damit möglich, man benötigt einen Handbelichtungsmesser. Das selbe gilt übrigens auch für die D70.
- Autofocus etwas langsamer als in der F100. Das fällt aber wirklich nur auf, wenn man extrem schnelle Action fotografiert (Sport), oder aber die F100 parallel dazu nutzt.
F90x
Positiv:
- Günstig (weil nur noch gebraucht erhältlich)
- Wunderbarer Sucher
- Robustes Gehäuse
- Verwendung von manuellen Objektiven genauso möglich wie AF und AF-S-Objektive
Negativ:
- Keine Nutzung der VR-Funktion (Anti-Wackel-Technik) möglich
- Relativ lautes Auslöse- und Motorgeräusch
- Sehr klobiges Gehäuse
F100
Positiv:
- Nutzung aller Objektive möglich, manuell, AF, AF-S, VR
- Extrem schneller Autofocus
- Leises Auslöse- und Motorgeräusch
- Trotz ziemlich grosser Abmessungen und Gewicht enorm gutes Handling
- Robustes Gehäuse
Negativ:
- Bei der Verwendung manueller Objektive wird die eingestellt Blende im Sucher nicht angezeigt
- Teuer (nun ja, von der F5 / F6 aus gesehen eher billig, alles ist relativ)
Wer nicht daran denkt, VR-Objektive zu nutzen, findet in der F90x sicher
die beste Lösung fürs Geld, bis auf die etwas antiquierte Form und die
relativ lauten Betriebsgeräusche ist die Kamera perfekt, vor allem, wenn
man auch manuelle Objektive nutzen will. Dass ich sie verschmähte, hat vor
allem subjektive Gründe: Handling und Lautstärke. Objektiv ist sie vor
allem unter dem Gesichtspunkt Preis/Leistung die beste Nikon, die gebraucht
zu kaufen ist.
Die F80 ist meines Erachtens optimal, wenn man hauptsächlich
Automatikfunktionen nutzt, geringes Gewicht z.B. beim Bergwandern ein
Kriterium ist, und höchste Robustheit keine Rolle spielen. Für die meisten
Fotografen dürfte diese Kamera daher das Beste sein, was neu am Markt zu
kriegen ist. Zumal die F80 sehr leise ist, was besonders z.B. in Kirchen
und Museen von Vorteil ist.
In meinem Fall war die Verwendung manueller Objektive ein Muss, also fiel
die F80 weg. An der F90x gefiel mir das Handling nicht. Ich durfte die
Kamera eines Freundes mehrere Wochen benutzen, wenn man aber einmal die
Einstellräder der neuen Nikons genutzt hat, tut man sich mit dem
Knöpfchendrücken der älteren Modelle schwer. So war bald klar, dass es
die F100 sein musste. Es dauerte einige Zeit, bis ich schliesslich auf
ebay ein neuwertiges Exemplar für einen bezahlbaren Preis fand. Eine
neuwertige F100 zu 30-40 % des Neupreises von ca. 1500 Euro zu finden
wird jedoch immer einfacher, da offenbar gerade in diesem Segment viele
Fotografen auf Digital umsteigen. Und wer eine neue Kamera erwerben möchte,
sollte das Auge auch mal auf die F6 werfen, die zwar etwas teurer ist,
aber doch um einiges billiger als die F5.
Das Gehäuse und seine Funktionen
Nach erfolgreicher Auktion stand die Kamera also eines Tages vor mir.
Beziehungsweise ich vor ihr, eine Kamera kann ja nicht unbedingt stehen.
Das Gehäuse sieht eigentlich sehr kompakt aus, und dank des Griffwulstes
und einer weichen, festen Gummierung ist sie sehr gut zu halten. Das
täuscht allerdings: die F100 ist sogar ein bisschen grösser und schwerer
als ihre Vorgängerin, die F90x ! Das Gehäusematerial ist eine
Aluminium-Magnesium-Legierung, mit einer griffigen Gummierung versehen,
die einen sehr soliden Eindruck macht. Dazu trägt auch die Tatsache bei,
dass das Prismengehäuse mangels integriertem Blitz eine geschlossene
Einheit bildet, ohne Fugen und bewegliche Teile.
Das Prismengehäuse und seine Ausstattung
Zuerst fällt einem wohl ein seitlich am Prismengehäuse sitzender
Einstellhebel auf sowie die Tatsache, dass es an dieser Kamera keine
Drehknöpfe zur Einstellung gibt. Letzteres war ein Grund, warum ich sehr
lange einen Bogen um dieses Gehäuse gemacht hatte. Von meiner alten F601
her hatte ich die Nase voll von reinen Knopfdrücken-Einstellungen und war
schwer begeistert von den klassischen, eindeutig gekennzeichneten
Drehknöpfen der Canon EOS 50e. Der Grund für die fehlenden Knöpfe bei der
F100 (wie übrigens auch bei der Canon EOS 3) ist die Tatsache, dass die
Kameras gegen das Eindringen von Staub und Nässe geschützt sind. Und dies
lässt sich mit Knöpfen statt mit Drehrädern wohl wesentlich besser
bewerkstelligen. Ganz fehlen die Drehräder übrigens nicht, anders als bei
der F601 sitzt jeweils in in Drehrad vor dem Auslöser sowie eines auf der
Rückseite der Kamera. Diese beiden Räder sorgen sehr erfolgreich dafür,
dass man die klassichen, direkt steuernden Drehräder der mechanischen
Kameras nicht vermisst. Mehr zu den Drehrädern und ihrer Funktion später.
Der Schalter an der rechten Seite des Prismengehäuses (von hinten, also
vom Fotografen aus gesehen) dient zur Einstellung der Belichtungsmessung:
mittenbetont, Spot oder Matrixmessung. Für mich ist dieser Schalter eine
der besten Dinge an dieser Kamera: während er in allen anderen
(einfacheren) Modellen von Nikon in irgendwelchen Menüs versteckt ist,
oder sogar programmabhängig von der Kamera eingestellt wird, ist hier mit
einem Griff eindeutig die Messart eingestellt. Wer häufig zwischen Spot-
und Matrixmessung wechselt, wird dies sehr zu schätzen wissen. Der Hebel
kann auch nicht versehentlich verstellt werden, weil erst das Drücken der
Sperre in der Mitte des Hebelchens diesen freigibt. Eine Besonderheit ist
bei der Verwendung manueller Objektive zu beachten: die Matrixmessung
bentötigt Informationen zu Blende und Brennweite, da sie diese bei AI-
und AIS-Objektiven nicht bekommt, wird hier automatisch die Mittenbetonte
Messung verwendet.
Das Prismengehäuse selber scheint sehr gross zu sein, vor allem angesichts
der Tatsache, dass es ja keinen integrierten Blitz beherbergt wie die
einfacheren Nikon-Modelle. Der Grund wird einem klar, wenn man durch den
Sucher schaut: es gibt nicht viele Sucher, die einen so guten Einblick,
Überblick und Helligkeit ermöglichen wie dieser, noch dazu mit allen
relevanten Einstellungen der Kamera in der LED-Leiste am unteren Bildrand
versehen. Ursache für diesen High-Eyepoint-Sucher, wie Nikon ihn nennt,
ist ein entsprechend grosses Prisma. Dieser Sucher ist das Element, dass
ich an den einfacheren Kameras, vor allem aber an den digitalen Modellen,
am meisten vermisse. Vor allem für Brillenträger ist es eine Wohltat,
auch aus grösserer Entfernung das gesamte Bild überblicken zu können.
Im Sucher werden übrigens 97% des tatsächlich auf dem Negativ belichteten
Bereiches abgebildet, im Gegensatz zu den 100% der F5 oder F3. Ich
persönlich bin damit sehr einverstanden, da sowohl bei Vergrösserung der
Negative oder Rahmung der Dias doch immer ein kleiner Streifen am Rande
des Bildes entfällt, und ich speziell mit meiner F3 immer wieder
beschnittene Bilder erhielt, obwohl ich im Sucher genau aufgepasst hatte,
alles mit aufs Bild zu kriegen.
Schalter und Einstellrad links vom Prisma
Vom Fotografen aus gesehen links neben dem Prisma finden wir drei
Druckknöpfe, unter ihnen ein Einstellrad (es gibt doch noch eines !).
Zuerst zu den Druckknöpfen:
BKT
BKT steht für Bracketing, also Belichtungsreihen. Hier kommen auch schon
die beiden Drehräder rechts an der Kamera zum Tragen: BKT gedrückt
halten und am hinteren Einstellrad drehen, bis "BKT" in der LCD-Anzeige
erscheint. Mit dem vorderen Einstellrad kann jetzt (BKT immer noch
gedrückt halten !) die Anzahl der Aufnahmen (2 oder 3) sowie die
Streuwerte der Belichtung einstellen. Eine Besonderheit ist dabei noch,
dass die Streuwerte auch von der Programmierung der Kamera auf die
Stufen der Belichtungskorrektur abhängen. Via Individualfunktion kann
diese nämlich 1/3, 1/2 oder ganzen Stufen erfolgen, und diese Stufen
werden auch hier berücksichtigt. Bei angeschlossenem Blitz werden hiermit
gleichzeitig Blitzbelichtungsreihen definiert. Über die Individualfunktion
11 können diese jedoch auch getrennt werden, so dass die BKT-Einstellung
wahlweise nur für Blitz- oder normale Belichtungsreihen gültig sind.
ISO
ISO steht für die Filmempfindlichkeit. Bei Druck auf diese Taste erscheint
die eingestellte (oder automatisch via DX-Code ermittelte) Empfindlichkeit
in der LCD-Anzeige. Oben links in der LCD-Anzeige wird ausserdem DX
angezeigt, wenn der automatisch ermittelte Wert verwendet wird. Nach einer
manuellen Verstellung verschwindet dieses Symbol. Die Empfindlichkeit kann
manuell von ISO 6/9° bis ISO 6400/39° eingestellt werden. Die manuelle
Einstellung nimmt man vor, indem die ISO-Taste gedrückt gehalten wird und
mit dem hinteren Einstellrad so lange gedreht wird, bis der gewünschte
Wert in der LCD-Anzeige erscheint.
Blitztaste
Die dritte Taste im Block ist mit einem Blitz gekennzeichnet, hier
werden die Synchronarten, d.h. die Art der Synchronisation des Blitzes
mit dem Verschlussvorhang sowie Zusatzfunktionen gesteuert. Wie schon
zuvor erzielt man die Änderungen durch das Drücken (und Halten) der
Blitz-Taste sowie Drehen des hinteren Einstellrades auf der rechten
Seite. Da die Kamera über keinen eingebauten Blitz verfügt, sollte
sinnvollerweise ein Blitz montiert sein, zur Nutzung aller Funktionen
eines der Modelle SB-26, SB-27, SB-28, SB-28DX, SB-50DX, SB-600 oder
SB-800. Das Blitzen selber funktioniert auch mit anderen Geräten, aber
die Rote-Augen-Funktion nur mit diesen.
Folgende Einstellungen sind dabei möglich:
- Synchronisation auf den ersten Verschlussvorhang (Standardeinstellung).
- Langzeitsynchronisation (die Kamera wählt eine längere Verschlusszeit, damit der Hintergrund korrekt belichtet wird)
- Synchronisation auf den 2. Verschlussvorhang. Damit wird erreicht, dass z.B. die Leuchtspuren von Autolampen hinter dem Auto erscheinen, wie es unserem Empfinden entspricht, und ihm nicht vorauseilen.
- Langzeit-Synchronisation auf den 2. Verschlussvorhang.
- Rote-Augen-Funktion.
- Rote-Augen-Funktion mit Langzeitsynchronisation.
Das Einstellrad für die Filmtransportarten
Links vor dem Knubbel befindet sich eine klitzekleine Drucktaste, mit ihr
wird das Einstellrad entriegelt (es kann also nicht aus Versehen verstellt
werden, eine feine Sache). Mit dem Rad lassen sich die Filmtransportarten,
die Doppelbelichtung und der Selbstauslöser einstellen. Dabei ist das
aktuelle gültige Symbol direkt auf dem Rädchen zu sehen, keine indirekte
Steuerung über die LCD-Anzeige, wie es bei den einfacheren Nikons der Fall
ist:
| S |
Einzelbilder, beim Andrücken wird nur einmal ausgelöst und der Film transportiert, für das nächste Bild muss der Auslöser ein weiteres Mal angedrückt werden. |
| C |
Serienbilder, solange der Finger auf dem Auslöser bleibt, wird ausgelöst, transportiert, ausgelöst, transportiert, und so weiter und so fort, mit max. 4,5 Bilder pro Sekunde. |
| Cs |
Analog C, aber im "Silent"-, also "Leise"-Modus, damit werden ca. 3 Bilder pro Sekunde erreicht. |
Das Symbol, das von einer Art doppeltem Rechteck dargestellt wird,
ermöglicht Mehrfachbelichtungen (d.h. mehrfaches Auslösen, ohne dass
der Film transportiert wird).
Ganz rechts auf dem Rädchen findet sich schliesslich das Uhrensymbol
für den Selbstauslöser. Über eine Individualfunktion kann die Vorlaufzeit
des Selbstauslösers gesteuert werden, mehr dazu unter den Funktionen.
Die Rückseite der Kamera
Auf der Rückseite unter dem linken Einstellrad für den Filmvorschub
finden sich 2 Drucktasten, CSM und L gekennzeichnet.
CSM wird für die Einstellung der Individualfunktionen benötigt,
mit L können die Blende bzw. Verschlusszeit bei Blenden- oder
Zeitvorwahl blockiert werden.
Für das Einstellen der Individualfunktionen hält man CSM gedrückt,
mit dem hinteren Einstellrad wird dann die gewünschte Funktionsnummer
ausgewählt, mit dem vorderen Einstellrad dann der gewünschte Wert für
diese Funktion. Hört sich kompliziert an, ist aber ganz einfach. Das
einzige Problem ist, sich die vielen Nummern zu merken. Der
Vollständigkeit halber seien sie nachfolgend aufgeführt, gleichzeitig
gewinnt man damit auch einen Einblick in die Möglichkeiten der Kamera.
| 1 |
Autom. Filmrückspulung am Filmende (0 = aus (Standard), 1 = ein) |
| 2 |
Abstufung Verschlusszeit, Blende und Belichtungskorrektur (3 = Drittelstufen (Standard), 2 = halbe Stufen, 1 = volle Stufen) |
| 3 |
Reihenfolge der Aufnahmen bei Belichtungsreihen (0 = Standard, 1 = von Unterbelichtung nach Überbelichtung) |
| 4 |
AF-Aktivierung durch Antippen des Auslösers (0 = Ein, 1 = Aus) |
| 5 |
Warnanzeige bei Film ohne DX-Kennung (0 = nach Vorspulen des Films bis zur 1. Aufnahme (Standard), 1 = bei Einschalten der Kamera) |
| 6 |
Änderung der Messfeldwahl auf "geradlinig in einer Richtung" (0 = Aus (Standard), 1 = Ein) |
| 7 |
Belichtungsspeicherung beim Antippen des Auslösers (0 = Aus (Standard), 1 = Ein) |
| 8 |
Filmvorspulen beim Schliessen der Rückwand (0 = Aus (Standard), 1 = Ein) |
| 9 |
Entfesselte AF-Dynamik in Einzel-AF (0 = Ein (Standard), 1 = Aus) |
| 10 |
Entfesselte AF-Dynamik bei kontinuierlichem AF (0 = Aus (Standard), 1 = Ein) |
| 11 |
Belichtungsreihen / Blitzbelichtungsreihen (A5 = gleichzeitige Aktivierung von Belichtungs- und Blitzbelichtungsreihen (Standard), AE = nur Belichtungsreihe, Sb = nur Blitzbelichtungsreihe) |
| 12 |
Vertauschen der Funktionen der Einstellräder (0 = Aus (Standard), 1 = Ein) |
| 13 |
Schnellkorrektur der Belichtung (0 = Aus (Standard), 1 = Ein) |
| 14 |
Filmtransport bei Mehrfachbelichtungen (0 = Einzelbildschaltung (Standard), 1 = Reihenbildschaltung) |
| 15 |
Einschaltintervall des Messsystems (4 = 4s, 6 = 6s (Standard), 8 = 8s, 16 = 16s) |
| 16 |
Vorlaufzeit des Selbstauslösers (2 = 2s, 5 = 5s, 10 = 10s (Standard), 20 = 20s) |
| 17 |
Einschaltung der LCD-Beleuchtung durch Antippen des Auslösers (0 = Aus (Standard), 1 = Ein) |
| 18 |
Dateneinbelichtung auf Bild 0 (nur mit Datenrückwand) (0 = Aus (Standard, 1 = Ein) |
| 19 |
Blendensteuerung (0 = Blende wird konstantgehalten (Standard), 1 = Berücksichtigung der gleitenden Lichtstärke) |
| 20 |
Auslösebestätigung durch Selbstauslöser-LED (0 = Aus (Standard), 1 = Ein) |
| 21 |
Optionen für AE-L/AF-L-Taste (0 = gleichzeitige Speicherung von Schärfe und Belichtung (Standard), 1 = nur Belichtungsspeicherung, 2 = nur Schärfespeicherung, 3 = Speicherung der Belichtung auch nach Freigabe der Taste) |
| 22 |
Blendeneinstellung mit dem Blendenring des Objektivs (0 = Aus (Standard), 1 = Ein) |
An diesen Funktionen alleine ist wohl schon zu erkennen, dass die Kamera
weniger für den automatisierten Urlaubsfotografen entwickelt wurde als
für den, der ein robustes Werkzeug sucht und die Abläufe der Kamera
weitgehend selber steuern möchte. Während einige der Punkte wie der
Tausch der Funktionen von vorderem und hinterem Einstellrad z.B. auch
bei der Canon 50e zu finden ist, sind andere Funktionen für den
Normalanwender kaum verständlich, geschweige denn notwendig.
Ich halte es allerdings für nachteilig und verwirrend, dass die
Schlüssel der einzelnen Funktionen keine einheitliche Bedeutung haben.
So ist nicht einmal 0 für Aus und 1 für Ein durchgehend verwendet,
Funktion Nr. 9 besitzt sie genau anders herum. Das Problem ist mit
der F6 behoben, da hier Klartext auf dem rückseitigen Bildschirm
dargestellt werden kann, F100-Nutzer dürften kaum ohne eine kleine
Karte in der Fototasche auskommen.
Aber betrachten wir die Rückwand weiter rechts. Hier folgen noch 2
Tasten neben dem hinteren Einstellrad, einmal eine, die mit AE-L/AF-L
bezeichnet ist und je nach Einstellung der Individualfunktion 21 für
die Speicherung der Belichtung und / oder Schärfe zuständig.
Die andere Taste, mit AF-ON gekennzeichnet, erlaubt das Scharfstellen
ohne Andrücken des Auslösers. Diese Taste ist interessant, wenn über
Individualfunktion 4 das Scharfstellen über den Auslöser ausgeschaltet
wird. So können Schärfe- und Belichtungsmessung entkoppelt werden
und es wird verhindert, dass bei einem erneuten Andrücken des
Auslösers zur Belichtungsmessung auch die Schärfe nachgeführt wird.
In der Mitte der Rückwand finden sich noch ein Drehschalter und eine
4-Wege-Wippe mit einem Sperrschalter zur Steuerung der AF-Funktionen.
Mit dem linken Drehschalter lässt sich der Autofocus zwischen
Einzelfeld-AF und AF-Dynamik umschalten.
Bei Einzelfeld-AF ist nur eines der 5 AF-Felder aktiv. Die
Umschaltung zwischen den Messfeldern erfolgt von Hand über die Wippe.
Bei AF-Dynamik wird ein Primär-Messfeld festgelegt. Bewegt sich
jetzt ein Objekt, auf das mit diesem Primär-Messfeld scharfgestellt
wurde, so übernimmt ein anderer Sensor automatisch die Scharfstellung.
Dies ist vor allem bei der Sportfotografie eine schöne Sache, vor
allem in Verbindung mit dem extrem schnellen AF-Modul und
AF-S-Objektiven. Über die Individualfunktionen 9 und 10 kann auch
noch die sogenannte Entfesselte Dynamik eingeschaltet werden, dabei
wird kein primäres Messfeld mehr festgelegt, sondern das AF-Modul
sucht automatisch das Objekt mit dem geringsten Aufnahmeabstand und
verfolgt anschliessend dessen Bewegung über alle 5 AF-Felder.
Damit will ich es bei der Auflistung der Knöpfe, Schalter und
Funktionen dieser Kamera bewenden lassen. Wer mehr wissen möchte,
dem sei das Handbuch der Kamera ans Herz gelegt, oder eines der Bücher,
die über dieses schöne Gerät geschrieben wurden.
Das Handling
Allgemein
Wer sich bis hierher durch die Aufzählung der Knöpfe, Tasten und
Funktionen gelesen hat, ist entweder besonders hartnäckig, technophil
oder neugierig. Wenn aber der Eindruck entsteht, dass es sich bei der
F100 um ein weiteres Technik-Monstrum mit unendlichen
Einstellmöglichkeiten handelt und einer ebenso komplizierten Bedienung,
dann ist das grundlegend falsch: die F100 ist die in der Bedienung
mit Abstand logischste und einfachste Kamera (ausser der FM2), die mir
je untergekommen ist. Nikon hat offenbar wirklich den Fotografen bei
seiner Arbeit als Grundlage für die Entwicklung genommen, und nicht
nur das Pflichtenheft der Ingenieure umgesetzt. Es erstaunt mich immer
wieder, wie logisch die Bedienelemente und das Handling sind, wie
einerseits Hilfsmittel wie Entriegelungssperren Fehlbedienungen
verhindern, andererseits aber der ziemlich direkte Zugriff auf alle
Einstellebenen sehr schnelles Arbeiten ermöglicht.
Individualfunkionen
Der einzige wirkliche Schwachpunkt dieser Kamera sind die
Individualfunkionen. Ohne Spickzettel ist da gar nichts zu machen,
die Nummern der Funkionen sagen mir genau so wenig wie die Nummern
oder Buchstaben der Auswahl, die man darin hat. Erschwerend kommt
hinzu, dass verschiedene Funktionen sich gegenseitig beeinflussen.
Dies ist sicher die erfreulichste Sache an der F6, durch den grossen
Bildschirm auf der Rückseite der Kamera ist es dort möglich, die
Funktionen und die Auswahlmöglichkeiten beim Namen zu nennen. So müssen
F100 - Besitzer eben das Handbuch oder zumindest eine Übersicht über
die Individualfunktionen mit sich herumschleppen. Als Hilfsmittel
gibt es übrigens kleine Versionen, die in oder auf die Objektivdeckel
bzw. auf den Kameraboden geklebt werden können.
Andererseits muss man ganz klar sagen: wer die Funktionen nicht benötigt,
kann sie einfach ignorieren, sie stören nicht. Wer aber eine Funktion
benötigt, wird erstaunt sein, wie gut jede von ihnen in Bedienung und
Ablauf der Kamera integriert ist. Sicher, die Zusammenhänge sind nicht
immer einfach, aber das liegt in der Natur der Sache, und ich kenne
bisher keine andere Kamera, die so direkt, einfach und vor allem
logisch komplexe Abhängigkeiten in ein einfaches Bediensystem
integriert, das mit so wenig Bedienelementen auskommt.
Filmlasche
Trotz der vielen Individualfunktionen, eine ganz spezielle fehlt
dieser Kamera einfach: es kann nicht eingestellt werden, ob der Film
am Ende ganz in die Patrone zurückgespult werden soll, oder ob die
Lasche draussen bleiben soll. Letzteres ist wichtig, wenn man selber
entwickelt, weil man dann nicht die Dose aufbrechen muss, um den Film
auf die Spule der Entwicklungsdose zu ziehen, sondern den Film einfach
wieder aus der Dose herauszieht. So kann auch das Filmende bei Licht
zugeschnitten werden, man muss nicht im Dunkeln munkeln und dabei
versuchen, einen geraden Schnitt hinzubekommen.
Das Problem ist aber nicht grundsätzlich unlösbar, wenn auch nicht
via Individualfunktion, so ist man doch über den Nikon Service in der
Lage, diese Eigenschaft als grundlegende Einstellung bei der Kamera
vornehmen zu lassen. Nur muss man sie dazu beim Händler abliefern,
gewöhnliche Sterbliche haben hierzu offenbar keinen Zugang.
Einschalten
Das Einschalten einer Kamera sollte eigentlich keine Zeile in
einem Bericht wert sein. Ist es aber doch, wenn man mit Canon
einerseits und mit Nikon andererseits arbeitet. Bei welcher Kamera
braucht man beide Hände und die Augen, um die Kamera einzuschalten ?
Bei Canon: zumindest bei den Modellen 50e und 30/33 ist der
Ein-/Aus-Schalter in die Belichtungs-Messmethoden integriert. Und
dies ist ein Drehrad. Will ich die Kamera einschalten, die ja in der
Regel mit der rechten Hand gehalten wird, muss ich mit der linken Hand
den Drehschalter betätigen und dabei auch noch kontrollieren, dass ich
die richtige Belichtungssteuerungsart auswähle. Offenbar ist das auch
den Canon-Ingenieuren aufgefallen: bei der Canon 20D ist der
Ein-/Ausschalter jetzt als Drehschalter an den unteren Rand der
Rückseite gerutscht. Jetzt kann man die Kamera zwar blind mit dem
Daumen auf der Rückseite einschalten, beim Probieren im Geschäft nahm
ich aber doch immer die linke Hand zum Sichern der Kamera dazu, weil
ohne den Daumen nur die Finger am Griffwulst vorne die Kamera halten.
Kein gutes Gefühl bei so einem schönen und teuren Stück...
Anders bei Nikon: die Methode der Belichtungsmessung hat (bei allen
Modellen, nicht nur bei der F100) mit dem Ein-/Aus-Schalter nichts zu
tun. Letzterer sitzt immer vor dem Auslöser, dort, wo der Zeigefinger
automatisch zu liegen kommt, auch wenn man die Kamera nur eben
hochnimmt. Sehe ich jetzt ein interessantes Motiv, drehe ich den Schalter
ohne Augenkontakt und nur in einer Hand kurz auf "On", und die Kamera
ist betriebsbereit. Canon-Objektive und AF können so schnell sein, wie
sie wollen, aber wenn ich die Kamera nicht schnell genug anschalten
kann, weil ich zwei Hände und eine Augenkontrolle brauche, dann hilft
mir das alles nichts. Minolta geht mit dem Eye-Start einen ähnlichen
Weg, hier sorgen Griffkontakt und Augenkontrolle für ein automatisches
Anschalten der Kamera, wenn man sie ans Auge hebt.
Meiner Ansicht nach hat Canon hier ein kleines, aber grausames Defizit,
offensichtlich scheint jedoch es nicht alle Menschen wirklich zu stören,
oder die, die es stören könnte, merken nicht, dass es auch bessere
Lösungen gibt. Für mich war es einer der wesentlichen Gründe, wieder zu
Nikon zurückzukehren, nicht weil es eine grundlegende Einschränkung des
Leistungsumfangs der Kamera wäre, aber es ist eines dieser kleinen
Dinge, die ständig nerven. Und die sich so einfach abstellen liessen.
Autofocus
Im Gegensatz zu vielen anderen Fotografen hat mich die Augensteuerung
der Autofocus-Punkte, wie Canon sie bei der EOS 30/33v einsetzt,
restlos überzeugt. Bei mir funktionierte sie immer einwandfrei, egal
ob mit Brille oder Kontaktlinse, und auch der Wechsel der Kamera
zwischen meiner Frau und mir klappte durch die Auswahl des jeweiligen
Profils einwandfrei.
Von dieser Technik kommend konnte ich mich mit der willkürlichen
Auswahl des nach Ansicht der Kamera am besten geeigneten AF-Feldes
in der F100 nicht anfreunden, so dass ich heute ausschliesslich das
mittlere AF-Feld fest eingestellt nutze. So bin ich wieder Herr über
die Wahl des relevanten Bildpunktes für die Schärfe, und jetzt kommt
auch die enorme Geschwindigkeit des Systems zum Tragen. Das
CAM 1300 - Modul der F100 ist das selbe, das in der F5 zum Einsatz
kommt. Und es ist merklich schneller als die abgespeckte Version
der F80, von älteren Modellen wie der F601 gar nicht zu reden. Vor
allem in Verbindung mit einem AF-S - Objektiv liegen die Zeiten für
das Scharfstellen damit in Bereichen, die subjektiv nicht mehr stören,
selbst wenn es mal zackig wird wie bei Sportaufnahmen.
Optimal ist aber vor allem die Tatsache, dass der Autofocus auch in
der Dämmerung noch einwandfrei funktioniert. Probleme gibt es erst
bei Helligkeitswerten, bei denen auch die manuelle Scharfstellung nicht
mehr zuverlässig ist, weil man eben nicht mehr genug erkennen kann.
In Kombination mit einem Systemblitz funktiniert die automatische
Scharfstellung dann auch bei kompletter Dunkelheit, weil der Blitz
bzw. sein rotes Hilfslicht für die notwendige Beleuchtung sorgen.
Filmwechsel
Das beste Handling beim Filmwechsel hat nach meiner Erfahrung die gute
alte Leica R4 (und wahrscheinlich auch ihre Schwestermodelle), weil
man die ganze Geschichte einhändig abwickeln kann. Weniger kommod wird
es natürlich, wenn man dann von Hand vor- oder zurückspulen muss. Die
F100 ermöglicht natürlich auch einen einfachen Filmwechsel, zumal hier
die Lasche des Films nicht in die Auffangspule eingefädelt werden muss.
Wegen Grösse, Gewicht, Form, Öffnungswinkel der Deckels und der Lage
der Spule im Gehäuse ist es nach meinem Dafürhalten zwar einhändig
möglich, aber irgendwie unbequem, den Film aus der Kamera herauszuholen.
Der nächste Film ist dafür um so schneller eingelegt, reinstecken,
Lasche herausziehen bis zur Markierung, und Deckel schliessen. Per
Individualfunktion kann eingestellt werden, ob die Kamera direkt nach
dem Schliessen der Rückwand zum ersten Bild vorspult, oder ob das erst
per Druck auf den Auslöser passieren soll. Genauso kann das Rückspulen
eingestellt werden, entweder automatisch nach dem letzten Bild, oder
manuell per Rückspultaste (bzw. Tastenkombination, damit das nicht aus
Versehen passiert).
Es mag sich um ein Problem an meiner speziellen Kamera handeln, aber
mit der Einstellung "Vorspulen zum ersten Bild beim Schliessen der
Rückwand" muss der Film sehr vorsichtig eingelegt werden. Steht die
Lasche nicht ziemlich genau auf der Markierung, macht die Kamera einfach
nichts. Erst wiederholtes Öffnen und Ausrichten der Lasche führt zum
gewünschten Erfolg. Das ist äusserst unangenehm, wenn man unter
Zeitdruck arbeitet, z.B. bei einer Hochzeit.
Belichtungskorrektur bei Programmautomatik
Ein Punkt, der mit bei Canon sehr gut gefallen hat, war die Bedienung
der Belichtungskorrektur: mit dem vorderen Einstellrad wurde das
Programm geshiftet (d.h. ohne Veränderung der Belichtung die
Zeit-Blenden-Kombination verändert), mit dem hinteren Einstellrad
konnte die Belichtung korrigiert werden, d.h. gezielt über- oder
unterbelichtet werden.
Mit der Nikon geht beides über das hintere Einstellrad: einfach drehen
führt zum reinen Shiften im Programm, gleichzeitiges Drücken des
Knopfes für die Belichtungskorrektur sorgt für Unter- oder
Überbelichtung gegenüber dem vom Programm vorgeschlagenen Wert. Nach
anfänglicher Skepsis (Knöpfchendrücken...) hat sich diese Arbeitsweise
aber vor allem durch Position und Ausführung des Knopfes als sehr
zuverlässig und angenehm erwiesen.
Berücksichtigen sollte man dabei eines (es steht sogar im Handbuch):
bei Verwendung der Matrix-Messung ist das gezielte Über- oder
Unterbelichten eine ziemlich witzlose Sache, weil man nicht weiss,
auf Grund welcher Elementen im Bild die Kamera selber zu ihrer
Zeit-/Blendenkombination gekommen ist. Auch wenn wir vermuten, dass
das weisse Brautkleid die Belichtung nachhaltig beeinflusst, indem
der Belichtungsmesser zu dem Schluss gekommen sein sollte, dass das
Bild viel zu hell ist und daher automatisch zu viel "abdunkelt",
kann die schlaue Matrixmessung diesen Trugschluss sehr wohl bemerkt
haben, da sie das Bild tatsächlich auswertet und mit Hilfe
gespeicherter Algorithmen einen richtigen Belichtungswert ermittelt
hat. Belichtungskorrekturen sind also sinnvoll nur in Kombination
mit der mittenbetonten oder noch besser der Spotmessung einsetzbar.
Sucher
Der Sucher ist an dieser Kamera das Beste. War schon der High
Eyepoint-Sucher der F3 eine Offenbarung gegenüber den popeligen
Gucklöchern der kleinen Modelle, der Sucher der F100 ist noch eine
Stufe besser. Ich habe noch mit keiner anderen Kleinbildkamera
gearbeitet, die eine so gute Bildkomposition über den Prismensucher
ermöglicht. Ein riesiges, auch mit Brille vollständig einsehbares
Bild, alle erforderlichen Informationen am unteren Bildrand, das
ganze hell und klar bei jedem Licht.
Manuelle Objektive
Ein Punkt, der für und gegen die F100 spricht: manuelle Objektive können
anders als bei der F80 mit Belichtungsmessung verwendet werden (allerdings
keine Matrix-Messung mehr, nur noch Mittenbetont oder Spot), es wird
jedoch anders als bei der F4 oder F5 die aktuell eingestellte Blende
des Objektivs nicht im Sucher oder dem LCD-Schirm auf dem Gehäuse
angezeigt. Mir persönlich ist das gar nicht gross bewusst geworden, weil
ich bei manuellen Objektiven in der Regel mit Blendenvorwahl und
Zeitautomatik arbeite und die Blende dabei vor dem Blick in den Sucher
einstelle. Wenn jedoch die aktuelle Blende kontrolliert werden soll, ist
jedes Mal ein Blick auf das Objektiv notwendig. Wer also seinen
Schwerpunkt bei manuellen Objektiven sieht und die hochautomatisierte
Kamera aus anderen Gründen benötigt, sollte sich vielleicht eher bei einer
F5 oder F4 umschauen. Für Menschen wie mich, die manuelle Objektive
auf der F100 nur gelegentlich nutzen, ist diese Eigenheit zwar
gewöhnungsbedürftig, aber nicht unbedingt kritisch.
Auslöser und Spiegelschlag
Nun, eigentlich nichts besonderes, so ein Auslöser, den hat
schliesslich jede Kamera. Der Unterschied zwischen diesem hier und
anderen, mit denen ich gearbeitet habe, ist die nicht spürbare
Verzögerung: wenn ich abdrücke, reagiert die Kamera sofort und
sehr direkt. Auch ist der Spiegelschlag so gut gedämpft, dazu das
Gehäuse relativ schwer und kompakt, so dass man keine Schwingung
wahrnimmt. Nach dem eigentlichen Auslösen erfolgt der Filmvorschub
selbst im leisen Modus so schnell, dass die Kamera meistens schon
wieder aufnahmebereit ist, bevor ich selber es bin.
Das alles mag manchem Leser vielleicht etwas seltsam oder auch
überkandidelt vorkommen, aber wer schon einmal unter Zeitdruck und
schwierigen Verhältnissen Bilder machen musste (Hochzeiten, Feste,
Konzerte) weiss, wie wichtig dieses Verhalten einer Kamera ist. Es
trägt neben der Ergonomie sehr viel zu dem Eindruck bei, ob eine
Kamera sich wie verlängerte Augen und Finger anfühlt, oder ob es
eher ein Gerät ist, das man bedient, aber nicht "im Blut" hat. Ein
ähnlich direktes Verhalten kenne ich nur von der F3 und der
Leica IIc (bei den M's soll es wohl auch so sein, die hatte ich
aber leider noch nicht in den Fingern).
Fernauslöser und Spiegelvorauslösung (oder eben keine...)
Ein Punkt, mit dem ich nicht so glücklich bin. Die F80 hat wie die F3,
FM-3a und andere wunderschöne Kameras ein richtiges gutes altes
Drahtauslösergewinde. Die F100 nicht, hier ist eine spezielle
elektrische Kabelfernbedienung erforderlich. Klar, mit der kann man
dann auch noch Dinge machen, die ein Drahtkabel nicht beherrscht,
ich wäre aber glücklicher gewesen, wenn beides möglich wäre.
Auch eine Spiegelvorauslösung fehlt an dieser Kamera. Ich muss
allerdings sagen, dass ich noch kein Bild geschossen habe, bei dem ich
sagen müsste, das wäre mit Spiegelvorauslösung jetzt aber schärfer
gewesen. Gemäss Nikon ist der Spiegelschlag so perfekt gedämpft,
dass eine Vorauslösung nicht notwendig ist. Und für die wenigen
Spezialfälle wie Astro- oder extreme Makrofotografie kann man ja
die F5 kaufen. Die hat nämlich Spiegelvorauslösung, und die neue
F6 ebenfalls.
Nun, nachdem bereits eine um den Faktor 5 billigere Canon EOS 30 eine
(wenn auch nur über eine Funktion, nicht über einen mechanischen Hebel
ansteuerbare) Spiegelvorauslösung verfügt, bin ich von diesem Manko
nicht besonders begeistert. Klar, mechanisch wie bei der F3 wäre
optimal, aber zumindest eine elektronische Vorauslösung im Rahmen der
vielen Individualfunktionen hätte einer so guten Kamera nicht schlecht
zu Gesicht gestanden. Aber das gehört in die oft unerfindlichen
Entscheidungen unserer Kamerahersteller, genau wie die fehlende
Spotmessung aller einfacheren Canon-Modelle.
Film oder Digital ?
Nanu, was soll denn die Frage an dieser Stelle ? Keine Angst, ich will
hier keine Grundsatzdiskussion beginnen. Es ist mehr die Frage, ob im
Zeitalter der D70 eine F100 überhaupt noch eine sinnvolle Investition
darstellt. Für viele Menschen offenbar nicht, sonst würden die Preise
dieser schönen Kamera kaum so gefallen sein. Und auch ich muss zugeben,
dass 95 % meiner Bilder mittlerweile digital entstehen, alle
Auftragsarbeiten wie Veranstaltungen oder Bilder für die Gemeinde
sowieso, da ich sie fast ausschliesslich digital zur Verfügung stellen
muss, aber auch alle privaten Farbbilder, sowie neuerdings auch viele,
die ich farbig und schwarzweiss benötige, dank Photoshop und dem HP 7960.
Wozu also noch eine F100 ? Nun, bei 95 % digital bleiben noch 5 % analog.
Und diese 5 % fotografiere ich fast ausschliesslich schwarzweiss. Das
hängt natürlich mit der Kamera selber zusammen, vor allem auf
Wanderungen und bei schlechtem Wetter ist mir die F100 lieber als die
(zumindest gefühlsmässig) empfindlichere D70. Und trotz aller digitalen
Speichermöglichkeiten: ein Negativ von einem wertvollen Bild zu besitzen
ist mir lieber als unendlich viele digitale Kopien. Denn dieses Negativ
kann ich notfalls auch ohne Computer zu einem Bild machen. Andererseits
kann ich dank Scanner aus dem Negativ auch ein Bild für den Computer
oder die Ausgabe aus dem Drucker erzeugen. Alle Bilder (ausser die von
der Kamera selber) auf dieser Seite sind so entstanden. Und von einigen
dieser Bilder habe ich mit dem Drucker Vergrösserungen im A4-Format
gemacht, die ich im Nasslabor nicht besser hinbekommen hätte. Und mit
der Kombination schwarzweiss und Scanner bin ich unabhängig vom Labor.
Filmentwicklung kann man in der kleinsten Küche selber durchführen,
aber für ein "richtiges" Positivlabor reicht es bei mir nicht, zumindest
solange das Haus voll Kinder, Hund und sonstigen Bewohnern ist. Der
Scanner hat das Problem gelöst, und so kommen jetzt alle Bilder aus
dem Drucker, egal ob das Original eine Datei aus der D70 war, ein
Kleinbildnegativ aus der F100 oder F3, oder sogar ein
Mittelformatnegativ, das über den Flachbettscanner eingescant wurde.
Eine Zeit lang war ich versucht, Film ganz auf die F3 zu reduzieren und
die F100 zu verkaufen. Der Haken an der F3 ist aber die fehlende
Automatisierung: keine vernünftige Blitzbelichtungsmessung, keine
Automatik, die einem in eiligen Situationen hilft. So habe ich denn
beide behalten, werden sie auch selten benutzt, so hat doch jede
spezifische Vorteile. Umgekehrt habe ich auch die F3 nicht hergegeben,
sie ist kleiner, leichter, unauffälliger, besser zu bedienen, wenn
man rein mechanisch, d.h. ohne Automatismen arbeitet, und sie hat die
Spiegelvorauslösung.
So stehen jetzt 3 Generationen von Nikon-Kameras in meinem Schrank,
F3, F100 und D70, und jede hat ihr Einsatzgebiet. Auch wenn ich mein
Geld nicht mit der Fotografie verdiene, so ist die D70 doch das
"Arbeitstier". Mit ihr werden alle Auftragsbilder gemacht, Veranstaltungen
und Sport. F3 und F100 dagegen sind für das Vergnügen da, wenn Zeit und
eine CD keine Rolle spielen.
Mein Traum wäre eine Kombination aus 2 Kameras, nämlich meiner F100
und einer "richtigen" D100, nicht der D100, die Nikon bereits auf dem
Markt hat und die eigentlich eine F80 ist mit etwas mehr Ausstattung,
sondern die Film-F100 als Digitalkamera, gleich gross, gleich schwer,
gleich robust, und gleich gut zu Bedienen. Die D2X sieht von den
technischen Eigenschaften ganz so aus, nur ist sie etwas zu gross und
vor allem deutlich zu teuer für gewöhnliche Sterbliche, die mit den
Fotos kein Geld verdienen.
So ist die F100 von allen Kameras, die ich in den Händen hatte, die
Beste. Das ist ein einfaches Fazit, und wer ernsthaft fotografiert
und zumindest teilweise Film verwendet, dem sei sie ans Herz gelegt.
Zumal die Preise selbst der ladenneuen Modelle so in den Keller
gerutscht sind, dass sie auch für den Amateur erschwinglich geworden
ist.
Bevor dem Profi oder Freak die Tränen kommen ob dieses Berichtes und
vieler Eigenschaften und Möglichkeiten, die gar nicht beschrieben sind: die
Kamera kann deutlich mehr als ich. Die Einstellmöglichkeiten und
Steuerungen bis hin zur Studioblitzanlage sind so umfangreich, dass
ich sie nicht alle nutze und daher auch nicht beschreiben kann. Wer
also weitergehende technische Anforderungen hat, möge bitte die
Nikon-Homepage,
www.nikonians.org oder auch
www.photo.net besuchen,
dort finden sich Menschen, die noch wesentlich besser über spezifische
Eigenschaften der Kamera Auskunft geben können.
Für Fragen, Korrekturvorschläge oder eins auf die Ohren stehe ich
unter Kontakt gerne zur Verfügung. Vielen Dank !
|