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Nikon F3
Die Kamera
Gebrauchtkauf
HP oder nicht HP ?
Das Gehäuse
Film einlegen und die 80 im Sucher
Belichtungssteuerung und Belichtungsmessung
Spiegelvorauslösung
Objektivanschluss
Objektive
Anwendung
PLUS-Punkte
MINUS-Punkte
Bewertung
Auch wenn sich die digitale Fotografie immer mehr ausbreitet, die modernen
Filmkameras immer mehr ihren digitalen Kollegen ähneln mit Bildschirmen,
Belichtungscomputern und Individualfunktionen, so machen auch diese
Geräte das Bild letzten Endes nur über eine Kombination aus Zeit, Blende
und der richtigen Schärfeneinstellung. Dass man diese Steuerung auch dem
menschlichen Gehirn überlassen kann, zeigen die Bilder der klassischen
Fotografen wie Ansel Adams oder Bresson, die heute noch unerreicht sind.
Die neuen Kameras führen aber auch dazu, dass die Preise für gebrauchte
klassische Geräte sehr tief gesunken sind. So kann sich auch der Amateur,
der ja mit seiner Ausrüstung kein Geld verdient, mittlerweile Profiqualität
aus den 80ern und 90ern zum Preis eines neuen Einstiegsgehäuses erwerben.
Nachfolgend ist die klassische Profikamera schlechthin beschrieben, das
Arbeitspferd vieler Profis und der Traum vieler Amateure, die Nikon F3.
Die Kamera
Die Nikon F3 wurde 1980 als Nachfolgerin der F2 lanciert und war, wie die
heutige F5, auf die Presse- und Berufsfotografen zugeschnitten. Das äusserte
sich in der Solidität, den Einstellmöglichkeiten sowie der Modulbauweise der
Kamera. Trotzdem hatte die F3 einen schweren Start: die elektronische Steuerung
des Verschlusses war den meisten Fotografen noch ein Graus, sie fürchteten
die Abhängigkeit von Batterien und die mögliche Anfälligkeit der Elektronik
vor allem bei Feuchtigkeit. Viele gaben ihre F2 nicht her, bis sie
auseinanderfiel. Nikon hatte dieser Skepsis Rechnung getragen und sogar einen
mechanischen Zusatzauslöser in die Kamera gebaut, mit dem bei einer festen
Zeit von 1/60 Sekunde unabhängig vom elektronisch gesteuerten Auslöser
fotografiert werden konnte. Trotz dieser Skepsis setzte sich die Elektronik
aber dann doch durch, und die F3 wurde DIE Kamera schlechthin, sie wurde
noch bis 2001 gebaut, überlebte also ihre Nachfolgerin F4 und F4s und sogar
die Einführung der F5.
Von der F3 gab es mehrere Serien- und Sondermodelle. Nach dem Start mit der
F3 kam 1983 die F3HP dazu. Diese hatte einen High Eyepoint-Sucher, also einen
Sucher, der sich mit grösserem Augenabstand einsehen liess. Dadurch wurde
das Prisma etwas schwerer und grösser, vor allem für Brillenträger stellte
der bessere Suchereinblick aber eine deutliche Verbesserung dar. Da der
Sucher wechselbar ist, kann auch eine normale F3 mit dem HP-Sucher ausgerüstet
werden.
Ein weiteres Modell der F3 war ganz aus Titan gefertigt, die F3-T. Erst nur
in silber verfügbar, wurde sie später auch in schwarz ausgeliefert. Sie galt
als die robusteste Kamera überhaupt und war grundsätzlich mit dem HP-Sucher
ausgestattet.
Lange Zeit hielt eine Highspeed-Variante der F3 den Rekord in der Geschwindigkeit.
Wie die EOS 1RS, die diesen Rekord brach, verfügte sie über einen teildurchlässigen
feststehenden Spiegel und konnte per Motor 14 Bilder pro Sekunde schiessen.
Speziell für Pressefotografen war die F3-P gedacht, die auf jeglichen Firlefanz
wie den mechanischen Auslöser oder die Sucherabdeckung verzichtete, aber dafür
bereits die zusätzlichen Dichtungen aufwies, die sie weitgehend vor Regen
und Staub schützten.
Die Kamera, die ich auf ebay erwarb, war eine ganz normale schwarze F3 aus
dem Jahre 1983, sehr gut erhalten fast ohne Gebrauchsspuren, aber mit einer
kräftigen Delle am Prismengehäuse. Mit dabei waren das Original-Handbuch
sowie ein Buch des Laterna Magica - Verlages, das die Lücken des (doch etwas
knapp gehaltenen Handbuchs) füllte.
Zusammen mit der Kamera kaufte ich drei offensichtlich häufig gebrauchte
Objektive: das 50 mm / 1.4 AIS, das legendäre 105 mm / 2.5 AIS sowie ein
noch älteres 28 mm / 3.5 Weitwinkel.
Gebrauchtkauf
Die F3 ist immer noch neu zu kriegen. In Basel steht eine der letzten in der
Vitrine eines Fotohauses, für den stolzen Preis von 3200 Franken, runde
2200 Euro. Ähnlich werden solche Modelle auf ebay gehandelt, zumal wenn es
sich um ein Titan-Modell handelt. Für Amateure und Normalverdiener also
unerschwinglich. Sucht man nach den älteren Modellen, sinken die Preise aber
beträchtlich: ab 250 Euro inklusive 50 mm - Objektiv wird man leicht fündig,
besonders schöne Exemplare höheren Alters sind ab ca. 300 Euro zu haben.
Da viele dieser Kameras ihr Leben bei Berufsfotografen gefristet haben,
sollte man jedoch sehr aufpassen, kein zu stark verbrauchtes Gerät zu erwerben.
Wie bei den alten Rolleis und Leicas auch ist hier die Gefahr eines Schadens
am Verschluss durch reine Abnutzung gegeben, eine Reparatur übersteigt
schnell den Kaufpreis des Gehäuses. Als Amateur ist man daher sicher gut
beraten, 100 Euro mehr auszugeben, aber sich auf ein gut erhaltenes Exemplar
aus privater Hand zu konzentrieren. Mechanik und Elektronik der Kamera sind
auf harten Berufseinsatz ausgelegt, so dass ein wenig benutzte Exemplar,
auch wenn es aus den 80ern stammt, noch ein langes Leben vor sich haben dürfte.
HP oder nicht HP ?
F3 mit HP-Sucher kosten deutlich mehr als F3 mit dem normalen Sucher. Sollte
man sich den Aufpreis gönnen ? Nach meiner Erfahrung spielt das keine grosse
Rolle. Für Brillenträger ist der Sucherein- und -überblick besser, weil das
gesamte Sucherbild auch bei grösserem Abstand vom Okular eingesehen werden
kann. Der Nachteil ist jedoch, dass die Vergrösserung des Suchers etwas
geringer ist als beim Standardsucher, das Sucherbild also minimal kleiner
ausfällt. Menschen mit grossen Brillen oder einem Hang zur eiligen Fotografie
(hochreissen, zielen, abdrücken) fahren also mit der HP - Version besser,
für alle anderen ist der normale Sucher meiner Ansicht nach die bessere
Lösung. Ich ziehe sie sogar vor, obwohl ich Brillenträger bin, die geringfügig
grössere Darstellung des Sucherbildes ist mir persönlich wichtiger beim
Scharfstellen als der bessere Überblick.
Einheitlich bei beiden Suchern ist das 100% - Sucherbild, man sieht also
genau das, was später auch auf dem Film landet. Bei gerahmten Dias und
Vergrösserungen aus dem Versandlabor muss man dabei aber aufpassen: ein
kleiner Rand verschwindet immer hinter dem Dia-Rahmen, bzw. wird vom Labor
beschnitten. Wer selber Vergrössert oder Scant, für den hat das volle
Sucherbild aber Vorteile.
Das Gehäuse
An der F3 ist so ziemlich alles einstellbar und auszutauschen, was das
Fotografenherz begehrt. Nachfolgend eine kurze Aufzählung der Ausstattung,
ohne weiter auf Details einzugehen, die sind im Handbuch zu finden.
- wechselbarer Sucher (Standard, HP, Lichtschacht, Lupe, Sportsucher)
- wechselbare Mattscheiben
- Spiegelvorauslösung mechanisch über einen separaten Hebel
- Tiefenschärfenkontrolle (mechanisch)
Das sind die vier Punkte, in der sich die F3 von den meisten modernen
Mittelklassekameras unterscheidet. Der wechselbare Sucher dürfte den meisten
Amateuren noch ziemlich egal sein, die Spiegelvorauslösung ist aber eine
sehr schöne Sache, zumal sie direkt über einen Hebel ausgelöst wird, und
nicht über das Drücken diverser Knöpfchen oder Einstellungen der
Individualfunktionen. Einfach Hebel drücken, fertig.
Die mechanische Tiefenschärfenkontrolle hat gegenüber der elektronisch
gesteuerten den Vorteil, dass man die Blende langsam schliessen kann, so
dass sich das Auge an die Dunkelheit im Sucher gewöhnt und der Verlauf beim
Schliessen erkennbar wird. Die elektronische Kontrolle ist besser als gar
keine, diese hier aber noch mal eine kleine Steigerung.
Das Gehäuse verfügt über einen niedlichen kleinen Griffwulst auf der
rechten Seite. Oben rechts liegen Spannhebel und das Zeitenrad, links der
Filmrückspulknopf, in den die ISO-Einstellung und die Korrektur der
Belichtungswerte integriert sind. Gleichzeitig übernimmt dieser Knopf noch
die Funktion des Blitzschuhs, wobei allerdings ein zusätzlicher Adapter
notwendig ist. Damit wären wir auch schon beim grössten Nachteil, den diese
Kamera gegenüber moderneren Kollegen hat: das Blitzen.
Der Preis für den auswechselbaren Sucher ist das Fehlen eines Standard-Blitzschuhs.
Über entsprechende Kontakte und Ausformungen am Filmrückspulknopf kann ein
Adapter aufgesteckt werden, an dem wiederum der Blitz angeschlossen werden
kann. Da aber gleichzeitig nur eine maximale Syncro-Zeit von 1/80 sec. zur
Verfügung steht, kommt hier keine rechte Freude auf. Zumal die neueren Nikon
wie die F90x, F80, F100 bis runter zur F55 mit der 3D-Matrix-Belichtungsmessung
und Blitzbelichtungsmessung auf einem Stand sind, der dieses Gebiet perfekt
abdeckt. Also, für Blitzfreaks ist das eine massive Einschränkung.
Für available-light-Fotografen und solche, die es werden wollen, spielt
das natürlich keine Rolle.
Das ganze Gehäuse besteht aus Metall und ist enorm robust. Und auch ziemlich
schwer. Obwohl die F3 kleiner ist als die meisten modernen Kameras dieser
Klasse, wiegt sie knapp anderthalb Pfund, noch ohne Objektiv. Solides
Werkzeug, keine Frage. Damit könnte man Nägel in die Wand schlagen ! Sie
ist für ihre Robustheit berühmt geworden. Allerdings besteht ein Unterschied
zwischen den ersten Modellen und denen, die in den 90ern gefertigt wurden:
später wurde die Elektronik auf der Platine eingeschweisst, so dass sie vor
Staub und Feuchtigkeit geschützt war, während die ersten Modelle noch ohne
diesen Schutz auskommen mussten. Auf die Haltbarkeit im normalen Einsatz hat
das offenbar keine Auswirkung, jedenfalls hat mein Gehäuse noch nie versagt,
und auch in den Erfahrungsberichten anderer Benutzer habe ich noch keine
Hinweise auf speziell durch die Gehäuse der ersten Modelle verursachten
Probleme gefunden.
Für die F3 ist der Motorantrieb MD4 verfügbar, zu dem ich allerdings
mangels Erfahrung nichts sagen kann. Das manuelle Vorspulen des Films ist so
gut gelöst, dass ich einen solchen auch noch nie vermisst habe. Der Spannhebel
ist kugelgelagert, so dass das Spannen des Verschlusses und das Vorspulen des
Films mit einer Leichtigkeit und Präzision funktioniert, dass es eine wahre
Freude ist. Man muss nur daran denken...
Film einlegen und die 80 im Sucher
Die F3 verfügt noch nicht über die modernen Einzugsmechanismen, so dass der
Film hier noch mit der Lasche in die Fangspule gesteckt werden muss, dann
vorsichtig etwas vorspulen, und erst, wenn der Film sicher nicht mehr
herausrutscht, die Rückwand schliessen und noch 2 mal spannen, bis der
Zähler auf Bild 1 steht. Eine gewöhnungsbedürftige Besonderheit ist dabei,
dass die Anzeige der Belichtungszeit im Sucher immer bei 80 stehen bleibt,
bis der Filmzähler auf die 1 springt. Damit wird dafür gesorgt, dass bei
den ersten Auslösungen, die ja nur dazu dienen, den Film zum 1. Bild zu kriegen,
nicht mit eventuell eingestellten langen Zeiten geknipst wird oder, wenn der
Deckel auf dem Objektiv und die Zeitautomatik eingestellt ist, diese versucht,
die Dunkelheit durch lange Belichtungszeit auszugleichen.
Bei mir führte diese Eigenheit nach dem Einlegen des ersten Films erst einmal
dazu, dass ich die Belichtungsmessung für defekt hielt. Ich konnte mitten in
die Sonne peilen, das Mistding bewegte sich nicht von seiner 1/80 Sekunde weg,
egal welche Blende ich einstellte. Also kaufte ich erst mal eine neue Batterie,
aber das Ergebnis was das selbe. Erst als ich aufgab und den Film einfach mal
vorspulte, um wenigstens die restlichen Funktionen der Kamera prüfen zu können,
kam plötzlich Leben in die Anzeige und es standen alle Zeiten zur Verfügung.
Jetzt fand ich auch den Hinweis im Handbuch, eine Batterie zu spät.
DX-Codierung ist natürlich auch nicht, hier tut es noch ein Rändelrad unter
der Rückspulkurbel, mit dem man die gewünschte Filmempfindlichkeit
einstellen kann. Daran gekoppelt ist auch die Belichtungskorrektur, die
ich jedoch bisher noch nie verwendet habe, weil ich meistens manuell arbeite.
Zurückspulen am Ende des Films ist dann wieder eine rein mechanische
Angelegenheit. Wenn sich der Spannhebel nicht mehr weiter bewegen lässt
und der Film voll ist, drückt man einen kleinen Stift am Boden der Kamera
und kann anschliessend den Film über die Kurbel links neben dem Suchergehäuse
zurückspulen. Damit hat man es auch in der Hand, ob der Film ganz in die
Patrone einzogen werden soll, oder ob man die Lasche draussen lassen will.
Die Kamerawand wird dann geöffnet, indem die Rückspulkurbel nach oben
gezogen wird. Allerdings verfügt die F3 über einen kleinen Hebel unter der
Rückspulkurbel, der erst nach rechts geschoben werden muss, bevor die
Kurbel angehoben und die Rückwand der Kamera geöffnet werden kann. Damit
wird ein versehentliches Öffnen der Rückwand verhindert.
Belichtungssteuerung und Belichtungsmessung
Die F3 verfügt neben der manuellen Einstellung von Zeit und Blende über
eine Zeitautomatik (Blendenvorwahl). Moderne Vollautomatik-Programme sucht
man also hier vergebens. Die Blende wird noch über den Blendenring am
Objektiv eingestellt, was zur Folge hat, dass die neuen 'G'-Objektive nicht
verwendet werden können (bei ihnen wird die Blende nur noch über die Kamera
gesteuert, keine Möglichkeit der Einstellung am Objektiv).
Die Zeiten reichen von 8 bis 1/2000 s, nicht gewaltig im Vergleich zu
modernen Kameras, im Regelfall aber mehr als ausreichend. Zumal sie dank
der elektronischen Steuerung sehr präzise eingehalten werden.
Für die Belichtungsmessung steht nur die klassische mittenbetonte Messung
zur Verfügung. Dabei geht ein markierter Kreis von 12 mm Durchmesser
(ca. 13 % der Fläche) mit 80% in die Messung ein, ziemlich viel, ähnlich
einem dicken Spot. Nikon hat das in neueren Kameras wieder auf 75 %
zurückgenommen. Bei der Messung muss man also schon etwas darauf achten,
was für Objekte sich in der Bildmitte befinden, diese Art der Messung setzt
also ein bisschen Mitdenken und Beurteilung des Objektes voraus. Wem das
nicht behagt, dem sei die moderne 3D-Matrix-Messung der neuen F-Kameras ans
Herz gelegt, die zudem auch fast alle über die Möglichkeit der echten
Spot-Messung verfügen. Wird diese Eigenheit jedoch berücksichtigt, sind die
Ergebnisse sehr gut und vor allem konstant.
Eine Besonderheit der F3 ist, dass der Belichtungsmesser im Gehäuseboden
unter dem Rückschwingspiegel sitzt. So spielt es keine Rolle, was für ein
Sucher oder welche Mattscheibe eingesetzt wird, weil sie keinen Einfluss
auf die Belichtungsmessung haben. Interessant ist auch, dass kein teildurchlässiger
Spiegel verwendet wird, sondern der Spiegel in der Mitte eine Perforation
aufweist, lauter kleine Löcher, die das Licht passieren lassen. Sie sind
praktisch nur mit der Lupe zu erkenne, ein geniales Detail, dass aber auch
den Aufwand erkennen lässt, der bei dieser Kamera betrieben wurde.
Damit in der Zeitautomatik (A) ein anderer Punkt im Bild angemessen werden
kann als nur das Zentrum des aufgenommenen Bildes, verfügt die Kamera über
einen AE-Lock-Button, also eine Messwert-Speichertaste. Sie liegt vollkommen
griffgünstig links unten neben dem Bajonett (von vorne gesehen) und wird
einfach mit dem kleinen Finger gedrückt. In der Praxis sieht das so aus,
dass man zur Belichtungsmessung das relevante Objekt anpeilt, dann per
kleinem Finger die Speichertaste drückt und gedrückt hält, den endgültigen
Bildausschnitt wählt und abdrückt. Die Speichertaste muss dabei bis zur
Auslösung gedrückt bleiben.
Im Sucher wird am oberen Rand die eingestellte Blende über ein kleines Fenster
angezeigt, während die Zeit sowie ein +, - oder +/- -Symbol in einem kleinen
LCD-Fenster am oberen Rand links erscheinen. Diese sparsamen Anzeigen waren
für mich anfangs das grösste Problem bei der Umstellung von moderneren
Kameras auf die F3. Die EOS 50 zeigt neben Zeit und Blende (beleuchtet) auch
eine grafische Darstellung der Abweichung der aktuellen Einstellung von dem,
was der Belichtungsmesser der Kamera ermittelt hat, in Form eines Balkens
mit '+' und '-' - Werten. Hier ist immer sofort zu erkennen, wie weit und
auf welcher Seite des Messwertes man sich mit den Einstellwerten befindet.
Bei der F3 ist die Richtung zwar erkennbar, weil '+' oder '-' auch hier Über-
oder Unterbelichtung erkennbar machen. Die Differenz zum Messwert, also der
Grad der Über- oder Unterbelichtung, lässt sich aber nur ermitteln, indem
man z.B. die Blende soweit verstellt, bis das '+/-' - Symbol erscheint, das
den Messwert kennzeichnet, und von da aus die eventuell gewollte Differenz
bei der Verstellung von Blende oder Zeit selber mitzählt. Ausserdem sind
diese Werte nicht beleuchtet, eine Beleuchtung kann über ein Knöpfchen am
Suchergehäuse eingeschaltet werden.
Mehrfachbelichtungen werden über einen kleinen Hebel neben dem Spannhebel
vorgenommen. Wird er umgelegt, wird mit dem Spannhebel nur noch der Verschluss
gespannt, aber nicht mehr der Film vorgespult.
Spiegelvorauslösung
Die Spiegelvorauslösung ist eine schöne Funktion, die immer dann eingesetzt
wird, wenn der Spiegelschlag, also die Vibrationen, die das Hochklappen des
Spiegels beim Auslösen verursacht, auf dem Foto bemerkbar werden könnten.
Das ist insbesondere bei Makro- und extremen Telefotos der Fall, aber auch
in der normalen Fotografie bei Zeiten um die 1/8 Sekunde herum. Bei kürzeren
Zeiten ist der Verschluss schon wieder zu, bis die Vibrationen durch den
Spiegelschlag bemerkbar werden, bei längeren Zeiten ist der Moment des
Spiegelschlags im Verhältnis zur Gesamtbelichtungszeit aber so kurz, dass
er auf dem Bild nicht sichtbar wird. Bei manchen modernen Kameras ist die
Funktion der Spiegelvorauslösung mit dem Selbstauslöser verknüpft. Über
Individualfunktionen lässt sich einstellen, ob der Selbstauslöser normal
funktionieren soll, oder aber die Spiegelvorauslöung 2 Sekunden vor Aufnahme
auslöst. Das ist zwar grundsätzlich besser als gar keine Möglichkeit der
Spiegelvorauslösung, ob man aber im richtigen Moment immer die Nummer der
Individualfunktion im Kopf hat, wage ich aus eigener Erfahrung zu bezweifeln.
Durch die einfache Lösung, einfach nur einen Hebel umlegen zu müssen, kommt die
Spiegelvorauslösung bei mir sehr häufig zum Einsatz, im Prinzip immer, wenn
ich Natur und Landschaftsbilder vom Stativ mache. Für Street- und Eventfotografen
(wie es so schön auf Neudeutsch heisst) ist das sicher kein Kriterium, hier
macht Spiegelvorauslösung keinen Sinn.
Objektivanschluss
Das F-Bajonett ermöglicht den Zugang zu einem riesigen Objektiv-Sortiment.
An der F3 können neben den alten AI- und AIS-Objektiven aber auch die meisten
modernen AF-Objektive verwendet werden. Ausnahmen stellen lediglich die neuen
G-Typen dar, da sie über keinen Blendenring mehr verfügen. Und auch VR (also
die Anti-Wackel-Technik) kann mit dieser Kamera nicht genutzt werden. Das
F-Bajonett war daher auch eine der wichtigsten Gründe für mich, wieder zu
Nikon zu wechseln. So kann ich bei knappem Budget mit einer älteren Kamera
und sehr guten manuellen Objektiven beginnen, später auch AF-Objektive
dazukaufen und diese sowohl auf der F3 als auch auf AF-Modellen nutzen.
Die einzige Firma, die eine ähnliche Konstanz bei der Entwicklung hat, ist
Pentax mit dem K-Bajonett, im Gegensatz zu diesen ist aber bei Nikon mit
der FM3a auch heute noch ein komplett mechanisches Modell im Angebot.
Von vorne gesehen befindet sich an der Kamera rechts neben dem Bajonett der
Knopf, mit dem das Objektiv entriegelt wird. Anschliessend wird es im
Uhrzeigersinn gedreht und kann dann vom Gehäuse abgenommen werden. Das
Aufsetzen erfolgt analog, sowohl Gehäuse als auch Objektiv haben je eine
Markierung, die sich beim Ansetzen des Objektivs gegenüberliegen sollten.
Objektive
Auch wenn ich oben von "alten" AI- und AIS-Objektiven sowie von "modernen"
AF-Optiken gesprochen habe, so hat das nichts mit der Qualität der Objektive
selber zu tun. Vor allem bei den Festbrennweiten sind vor allem die AIS-Typen
häufig mechanisch und optisch besser als ihre AF-Nachfahren. Dies hat vor
allem damit zu tun, dass die Entwicklung in den letzten 20 Jahren unter einem
enormen Kostendruck stattfand. So sind neuere Objektive häufig nicht besser,
sondern nur billger in der Herstellung. Der Vorteil ist natürlich, dass eine
gute Reflex mit Standardoptik heute für 500 Euro und weniger zu bekommen ist,
während z.B. für die damals populäre Minolta 101 SRT mehr als das Doppelte
hinzublättern waren. Und die SRT war beileibe noch kein Spitzenmodell !
Der Vorteil für F3-Fotografen liegt heute eindeutig darin, dass gebrauchte
Spitzenobjektive aus den 80ern heute für sehr wenig Geld zu bekommen sind,
aber gleichzeitig optisch und mechanisch moderne AF-Objektive übertreffen.
Ein wesentlicher Grund, statt eines modernen Mittelklasse-Fotocomputers mit
lichtschwachem Zoom-Objektiv ein älteres Mechanik-Teil mit Festbrennweiten
zu erwerben.
Meine 3 Festbrennweiten werde ich in Einzelberichten vorstellen, an dieser
Stelle sei nur gesagt, dass ich mit allen dreien mehr als zufrieden bin.
Anwendung
Die Hauptanwendung meiner F3 liegt in der Landschafts- und Naturfotografie
sowie bei Portraits. Menschen und Veranstaltungen kommen nur tagsüber oder
mit hochempfindlichem in Frage, weil ich für diese Kamera keinen Blitz besitze
(wegen der oben beschriebenen Schwächen im Vergleich zu modernen Nikon-Gehäusen).
Ein weiteres Feld ist die Nachtfotografie. Der klassische Drahtauslöseranschluss
und die Spiegelvorauslösung machen die Arbeit bei langen Belichtungszeiten
sehr einfach.
Meistens arbeite ich mit der F3 vollständig manuell. Das heisst: gewünschte
Blende einstellen, Zeit ungefähr, dann Belichtungsmessung auf einen Gegenstand,
der etwa dem Helligkeitswert von 18%-Grau entspricht, Blende und / oder Zeit
so korrigieren, dass der gewünschte Belichungswert (gemäss Messung, Unter-
oder Überbelichung) erreicht wird, Bildausschnitt wählen, scharfstellen und
Abdrücken. Das hört sich ziemlich umständlich an, im richtigen Leben bin ich
aber mit dieser darauf ausgelegten Kamera schneller, als wenn ich bei einer
AF-Kamera manuelle Korrekturen vornehmen möchte.
Zum Nachteil werden die fehlenden Automatik-Funktionen natürlich, wenn keine
Zeit für Einstellungen bleibt (Kinder, Feiern, Tiere etc.), oder wenn mit
Blitz gearbeitet werden sollte. Bei Veranstaltungen lässt jedoch fast immer
über die Voreinstellung von Blende und Zeit regeln, indem eine brauchbare
Kombination für die herrschenden Lichtverhältnisse ermittelt wird. Diese
Schnappschusseinstellung lässt dann extrem schnelles Arbeiten zu, vor allem
bei Negativfilm mit entsprechendem Belichtungsspielraum.
Das kleine Gehäuse und die Robustheit machen die F3 zur idealen Begleiterin
auf Reisen. Ob zu Fuss in den Bergen, auf Städtetouren oder einfach nur auf
Geschäftsreisen, diese Kamera ist fast überall mit dabei. Wenn ich ganz wenig
Platz habe, begleitet sie mich mit dem 50 mm Standardobjektiv, kann ich mehr
mitnehmen, habe ich das 28 mm Weitwinkel und das kurze Tele mit 105 mm dabei.
Das grosse Sucherbild hilft bei der Wahl des Ausschnittes und dem Scharfstellen.
Dies ist vor allem im Vergleich mit Einsteigerkameras wie der EOS 300 oder
Nikons F65 eine enorme Verbesserung. Wer von diesen Kameras kommt, wird
feststellen, dass es eben doch möglich ist, das ganze Sucherbild auf einmal
zu sehen, und das noch richtig gross und hell.
PLUS-Punkte
- Modularität (Sucher, Mattscheiben, Objektive, Zubehör)
- Robustheit, Qualität
- Lage und Ausführung der Bedienelemente
- Suchereinblick (100%-Abdeckung und Augenabstand)
- Anschluss für klassischen Drahtauslöser
- Spiegelvorauslösung
- Ersatzteile und Zubehör noch lange problemlos erhältlich
MINUS-Punkte
- Belichtungsinformationen im Sucher knapp ausreichend
- Verwendung von Blitz eingeschränkt
- im Vergleich zu modernen F-Modellen eingeschränkte Belichtungsmessfunktionen
Bewertung
Auf meiner persönlichen Hitliste steht diese Kamera ganz weit oben. Sie
spielt ihre Stärken ganz klar dort aus, wo Geschwindigkeit oder Blitzbelichtung
keine so grosse Rolle spielen, hier ist deutlich spürbar, dass sei als Werkzeug
für Berufsfotografen entwickelt wurde. Im Gegensatz zu anderen Klassikern
dieses Kalibers wie den alten manuellen Canon-Modellen sind für die F3 nach
wie vor alle Zubehörteile erhältlich, es passen sowohl alte als auch nagelneue
Objektive, so dass auch ein Amateur über die Zeit eine sinnvolle Kombination
aus AF- und MF-Objektiven und Gehäusen aufbauen kann, ohne vollständig
zweigleisig fahren zu müssen.
Das Handling der Kamera ist vorbildhaft, jeder Hebel sitzt dort, wo die
Finger ihn suchen, im Gegensatz zu modernen Kamera-Computern kann man die
Bedienungsanleitung nach einmaligem Studium im Schrank lassen, die Kamera
ist weitgehend selbsterklärend.
Funktionen wie wechselbare Mattscheiben und die mechanische Spiegelvorauslösung
sind in der Amateurklasse kaum zu finden und in der aktuellen Profiklasse
nicht zu bezahlen. Durch die lange Bauzeit lässt sich für jeden Geldbeutel
eine F3 finden, vom gut gebrauchten Modell aus den 80ern bis hin zum ladenneuen
Gerät Baujahr 2001. Damit sind auch Wartung und Ersatzteile für mindestens
die nächsten 10 Jahre sichergestellt.
Insgesamt halte ich diese Kamera daher für optimal, wenn manuelle Fotografie,
Landschaft, Natur und Architektur im Vordergrund stehen, oder als robuste
Zweitkamera in einer AF-Nikon-Ausrüstung.
Dies ist die erste Version des Nikon F3 - Berichtes. Er wird formal sicher noch
überarbeitet, auch kommen noch Bilder hinzu.
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