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Giger Museum Gruyere

Stativ

Ziel
Typen
Transport
Fazit

Stative sind etwas für Qualitätsfanatiker. Weniger für Anhänger der Schnappschüsse. Und für bestimmte Themen der Fotografie unabkömmlich. Ich selber fotografiere viel mit Stativ, habe aber wenige verschiedene benutzt in meinem fotografischen Leben, so dass ich hier weniger über die Vorzüge und Nachteile der verschiedenen Modelle und Marken berichten kann, als vielmehr über grundsätzliche Ausführungen und vor allem den praktischen Einsatz. Grundsätzlich ist nachfolgend von beweglichen Dreibeinstativen die Rede, Studio-, Repro-, Leuchten- und sonstige Spezialstative seien hier ausgenommen.

Das erste Stativ, dass ich von meinem Vater übernahm, war ein leichtes Alustativ mit einem fest installierten Kopf. Die Beine liessen sich dreifach ausziehen, der Kopf wurde über zwei Hebel verstellt, und die Kamera musste über eine kleines Rändelrad festgeschraubt werden. Ich hatte das Stativ zwar oft dabei, weil es so schön klein und leicht war, benutzt habe ich es aber praktisch nie, weil

  • es viel zu lange dauerte, die Kamera auf den Kopf zu schrauben
  • die Einstellerei über die zwei Hebel viel zu umständlich war
  • die Beine durch das Gewicht der Kamera immer wieder langsam in sich zusammensanken
  • und bei Wind das ganze wackelte wie ein Kuhschwanz.
Jahre später, in denen ich mich immer mehr über die nie ganz scharfen Bilder ärgerte, die ich produzierte, kaufte sich mein Vater ein Manfrotto-Stativ mit Kugelkopf. Was für ein Unterschied ! Das ganze Stativ wog um die 5 kg. Die Beine wurden nicht mit Klemmen, sondern vernünftigen Drehgriffen festgestellt. Stand das Stativ, konnten weder Wind noch eine schwere Kamera das Dreibein in Bewegung setzen. Der Kugelkopf hatte eine Schnellkupplung: die Kamera war in einer Sekunde auf dem Kopf drauf, in der nächsten wieder runter. Und der Kopf selber liess sich butterweich in alle Richtungen verschwenken und mit einem einzigen Hebel arretieren. Ab der Sekunde wusste ich: genau das brauchte ich auch !

Aus Kostengründen erwarb ich dann jedoch nicht das Manfrotto-Stativ, sondern eines von Cullmann. Das hat nur einen Auszug, dafür ist es äusserst stabil, und die Beine werden ebenfalls über Klemmen festgestellt. Aber was für Klemmen ! Das ganze kostete etwa 150 Euro, und es begleitet mich überall hin, wenn ich auf Fototour bin.

Ziel

Ein Stativ wird immer eingesetzt, wenn höchstmögliche Schärfe das Ziel ist. Vor allem bei Aufnahmen, bei denen viel Tiefenschärfe gewünscht wird und damit eine kleine Blende (16 oder 22) eingestellt wird, ergeben sich selbst bei Tageslicht Belichtungszeiten im Bereich von 1/2 bis über 1 s, je nach Filmempfindlichkeit und Bewölkung. Solche Zeiten können nur noch mit Stativ erreicht werden.

Aber auch bei kurzen Belichtungszeiten ist der Einsatz eines Statives sinnvoll, um so mehr, je länger die Brennweite des Objektivs wird. Man denke daran, wie sehr beim Blick durch ein Fernglas schon ein leichtes Zittern der Hände zu Verwacklung führt. Der selbe Effekt tritt bei Teleobjektiven auf, hier macht er sich stark bemerkbar, aber im kleineren Mass trifft das auch auf Normalbrennweiten und selbst Weitwinkel zu.

So ist es im Grunde in allen Situationen sinnvoll, ein Stativ zu benutzen, wo Zeit und Objekt die Verwendung zulassen. Letzten Endes kostet eine Vergrösserung immer gleich viel, egal ob sie scharf oder unscharf ist, aber besonders befriedigend ist es, wenn man von einem gelungenen Bild auch mal ein Vergrösserung im Posterformat machen kann und der Eindruck höchtens durch Korn, nicht aber durch Unschärfe getrübt wird.

Typen

Stative unterscheiden sich im Wesentlichen durch das Material, aus dem sie gemacht sind, die Anzahl der Auszüge der Beine, die Mittelsäule und ihre Bedienung, die Arretierungsmöglichkeiten, die Grösse, sowie mögliche "Sonderausstattungen". Und natürlich dem Kopf, wobei der im Prinzip unabhängig vom Unterbau gewählt werden kann.

Material

Die meisten Stative bestehen heute aus Aluminium. Daneben kommen für leichtere, aber dennoch stabile Stative vermehrt Titan, Magnesiumlegierungen und vor allem Carbon in Frage. Eine Sonderstellung nehmen die Holzstative von Berlebach ein. Esche hat wunderbare Schwingungsdämpfende Eigenschaften, weswegen das Holz auch für Hammerstiele verwendet wird. Sofern niedriges Gewicht keine Rolle spielt (was z.B. bei Bergtouren oder Radwanderungen der Fall ist) würde ich die Investition in teure Materialien sparen und den Vorteil eines soliden Gewichts der guten Alu- oder Holzstative wählen. Neben der mechanischen Stabilität ist hohes Gewicht der beste Garant für einen ruhigen Stand eines Statives.

Auszüge

Die Beine eines Statives können einfach bis vierfach ausziehbar sein. Je mehr Auszüge ein Stativ hat, desto grösser ist der Längenunterschied zwischen Packmass und grösstem Auszugsmass. Ein kurzes Stativ mit nur einem Auszug wird also insgesamt relativ kurz bleiben, während es mit 3 Auszügen schon eine beachtliche Höhe erreichen kann.

Grundsätzlich gilt: so wenig Auszüge wie möglich. Die Gründe: - jeder zusätzliche Auszug stellt eine Verbindungsstelle zwischen zwei Rohrteilen dar und ist weniger stabil als das Rohr selber. Mehr Auszüge = geringere Stabilität - Jeder Auszug ist eine potentielle Zugangsmöglichkeit für Dreck. Vor allem bei der Naturfotografie, wo man sich Wetter und Umgebung nicht immer aussuchen kann, sind weniger Auszüge von Vorteil. Mit weniger Auszügen verringert sich auch das Risiko mechanischer Schäden. - Zeit. Jeder Auszug muss gelöst, ausgezogen und wieder befestigt werden. Bei drei Beinen. Und nach der Aufnahme müssen alle Auszüge wieder zurückbefördert werden. Sofern also nicht kleinste Packmasse erzielt werden müssen, sollte dem zusammengeschoben längeren Stativ mit weniger Auszügen der Vorrang gegeben werden vor einem Wunderzwerg mit vielen Auszügen.

Die Richtung des Auszuges unterscheidet sich ebenfalls von System zu System. In der Regel sitzt das Hauptrohr oben, die darin enthaltenen Auszüge werden bei Bedarf nach unten ausgefahren. Damit sitzen allerdings auch genau die Teile des Auszugs am nächsten an Boden und Dreck, die später wieder im Hauptrohr verschwinden und den Dreck dorthin mitnehmen können. Ein Vorteil meines relativ einfachen Cullmann-Statives liegt hier darin, dass das äussere Rohr jedes Beines die Basis bildet, d.h. die Füsse bleiben am Boden stehen und der Auszug erfolgt nach oben. Damit ist die Führung der Beine besser gegen Schmutz vom Boden geschützt ist.

Arretierung

Aus meiner Erfahrung sind mir 3 Möglichkeiten der Arretierung der Auszüge bekannt:

  • Klemmen (unter dem Kopf oder direkt am Auszug)
  • Drehgriffe
  • Flügelmuttern
Welches System bevorzugt wird, ist eher Geschmackssache. Beachtet bzw. vor dem Kauf geprüft werden sollten jedoch die folgenden Punkte:
  • Stabilität: hält die Verbindung auch einem grösseren Kameragewicht stand, ohne langsam den Halt zu verlieren ?
  • Lösbarkeit: ist das Anziehen und vor allem Lösen mit vernünftigem Kraftaufwand, vor allem aber auch ggf. mit klammen Fingern oder Handschuhen möglich ?
  • Haltbarkeit: weisst die Konstruktion Verschleisspunkte auf (vor allem bei Klemmen beachten !), sind die Griffelemente so stabil, dass sie auch bei starkem Anzug nicht biegen oder brechen, und sind alle Elemente der Arretierung und des Auszugs ausreichend gegen Dreck und Witterung geschützt ?
Mittelsäule

Optimal wäre keine Mittelsäule. Sie trägt nämlich nichts zur Stabilität, nur zu Höhe bei. Dabei verlängert sich der Hebelarm, den die Kamera bildet, ohne das die Grundfläche grösser würde. Andererseits ist Höhe definitiv ein Thema, so dass die Mittelsäule letzten Endes doch ihre Berechtigung hat. Wichtig bei der Mittelsäule ist ihr Durchmesser, ihre Führung, der Mechanismus zur Bewegung, sowie die Arretierung.

Je dicker eine Mittelsäule ist, desto besser ist sie nach meiner Erfahrung zu handhaben. Sie ist stabiler, meistens auch schwerer, und auf Grund ihres grösseren Umfangs auch leichter zu klemmen.

Die Führung, das heisst das Stück, in dem die Mittelsäule läuft, sollte so lang wie möglich sein, um eine gute Stabilität zu gewährleisten. Vor allem sollte sie aber auch gut gegen Schmutz abgedichtet sein, damit aus dem Laufen nicht ein Kratzen wird. Um ein versehentliches Verdrehen während der Höheneinstellung zu vermeiden, weisen viele Mittelsäulen eine Nut auf, in die eine entsprechende Feder in der Führung greift. Das ist eine sehr hilfreiche Sache, wenn man nach vielem Probieren und Einstellen den richtigen Ausschnitt hat und nur noch die Höhe verändern möchte.

Einfache Mittelsäulen werden von Hand verschoben, noblere Modelle über eine Kurbel oder gar hydraulisch. Der richtige Mechanismus ist eine Frage des Geldbeutels und des Kameragewichtes. Eine schwere Mittelformatausrüstung ist hydraulisch oder via Kurbel wesentlich bequemer und genauer zu handhaben, als wenn man sie von Hand stemmen muss. Für eine Kleinbildausrüstung mit normalen Objektiven reicht die manuelle Verstellung aber völlig. Wichtig ist in jedem Fall, dass die Mittelsäule nach dem Lösen der Arretierung nicht einfach nach unten durchrutscht und in freiem Fall auf den Anschlag knallt. Der Mittelsäule dürfte das wenig ausmachen, der Kamera aber um so mehr.

Womit wir bei der Arretierung währen. Persönlich eingesetzt habe ich bisher nur Systeme mit Flügelmuttern sowie grossen Feststellringen um die Säule herum. Das einfache System mit den Flügelmuttern hatte den Nachteil, dass die Säule wie beschrieben nach dem Lösen im freien Fall nach unten fiel, wenn man nicht genau aufpasste und die Flügelmutter gaaaanz vorsichtig löste. Der Feststellring lies sich wesentlich besser steuern, offenbar lässt die Klemmung hier so langsam nach, dass das Durchrutschen verhindert wird.

Je nach System kann die Mittelsäule noch weitere Aufgaben übernehmen. In den meisten Fabrikaten lässt sie sich verkehrt herum einsetzen, so dass auch Aufnahmen knapp über dem Boden möglich sind. Allerdings liegt der Fotograf bei dieser Übung unter seinem Stativ, was in der Praxis nicht allzu häufig vorkommen wird. Wenn häufiger bodennah fotografiert werden soll, ist es sinnvoller, ein Stativ zu erwerben, dessen Beine auch horizontal abgespreizt werden können.

Ein Sonderfall ist das MA 055 Pro B von Manfrotto, hier kann die Mittelsäule über eine spezielle Halterung im Kopf auch quer eingesetzt werden und so als Ausleger dienen. Auf diese Weise kann auch ähnlich wie mit einer Repro-Halterung senkrecht auf den Boden fotografiert werden, ohne dass die Beine des Stativs im Bild erscheinen. Andere Firmen bieten ähnliche Lösungen, häufig unter dem Titel Makro- oder Repro-Set.

Die Grösse

Ausser für Spezialaufgaben (Makro, Bodenstativ) sollte ein Stativ immer so gross wie möglich sein. Nun wird der geneigte Leser seine eigene Grösse bis Augenhöhe messen, die Kamera samt Kupplungsplatte davon abziehen, und den Wert für die maximal sinnvolle Grösse halten. Im Prinzip richtig, das Problem ist nur, dass diese Rechnung nur auf dem platten Lande gilt. Stellen wir uns aber eine Aufnahme an der Uferböschung eines Flusses vor: 2 Beine stehen auf einem Felsen im Wasser, das dritte steht dank Böschung ganz eingefahren oberhalb im Gras, und wir noch darüber. Das ursprünglich mannshohe Stativ reicht uns de facto nur noch bis knapp über das Knie ! Umgekehrt erfordern viele Objekte aber auch einen erhöhten Kamerastandpunkt, sei es ein Messestand, eine Landschaft oder ein Gebäude: hier hilft dann nur die Leiter für den Fotografen, der dann froh ist, wenn das Stativ auf eigenen Beinen stehen kann, und nicht auch noch erhöht werden muss, was in der Regel nicht mit Stabilitätsgewinn einher geht.

Wenn man die oben genannten Punkte addiert, erhält man aus den Faktoren a) wenig Auszüge, b) hohes Gewicht und c) grosse Höhe des Stativs eine ungefähre Vorstellung davon, was einen erwartet, wenn man fanatisch der Schärfe verfällt: ein Stativ, dass nur noch in einen Kleinbus passt, vom (nicht vorhandenen) Assistenten geschleppt werden muss und kaum mehr zu bezahlen ist. Und das ist gar nicht so weit von der Realität entfernt !

Wem jetzt Zweifel kommen am Sinn eines Statives, dem sei gesagt, dass der Aufwand lohnt. Erstens muss natürlich jeder für sich entscheiden, was er schleppen und bezahlen kann, es gibt also auch kleinere Alternativen, zweitens ist das Ergebnis aber in jedem Fall die Mühe wert, der Unterschied zwischen Bildern mit Stativ und ohne Stativ ist schon im Format 10 x 15 cm zu erkennen, ganz zu schweigen von Situationen, in denen ein Bild ohne Stativ überhaupt nicht gemacht werden kann.

Der Kopf

Über den Kopf streiten sich die Gelehrten, das es kracht. Man betrachte nur die vielen Seiten in den jeweiligen Newsgroups auf dem Internet. Wie vieles andere auch in der Fotografie ist der Stativkopf eine Frage mehrerer Faktoren:
  • Aufnahmesituation
  • verwendete Kamera und Objektiv
  • persönliche Präferenzen
Mir persönlich sind folgende Köpfe bekannt:
  • Kugelköpfe
  • 2D- und 3D - Neiger ohne Getriebe
  • 2D- und 3D - Neiger mit Getriebe
Der Kugelkopf ist von der Bedienung her die einfachste Variante. Im einfachsten Fall wird eine Flügelschraube oder ein Rändelrad benötigt, um den Kopf zu lösen oder festzustellen. Gelöst kann die Kamera in alle Richtungen verstellt werden, mit einem Dreh wird sie befestigt. Edlere Köpfe haben zusätzlich eine separate Drehebene, so dass die Kamera horizontal unabhängig vom Kugelkopf verstellt werden kann. Das Tüpfelchen auf dem i ist dann noch die Friktionseinstellung, ein Mechanismus, mit dem die Gängigkeit des Kugelkopfes separat gesteuert werden kann. Sie ist vor allem für den Einsatz mit schweren Kameras oder langen Objektiven wichtig, damit diese nach dem Lösen der Feststellschraube nicht einfach nach vorne wegkippen.

Der Vorteil des Kugelkopfes liegt klar in seiner schnellen und unkomplizierten Bedienung, die ihn vor allem für Allroundfotografen, Familie, Natur und Portrait interessant macht.

Nachteile hat er, wenn exakte Ausrichtung erforderlich ist: durch das gleichzeitige Verstellen um mehrere Achsen ist schon die genaue horizontale Ausrichtung nicht einfach zu erreichen, jedes Verstellen bringt alle Achsen gleichzeitig aus dem Lot. Weiter ist vor allem bei der Makrofotografie von Nachteil, dass mit dem Anziehen der Feststellschraube fast immer noch eine kleine Bewegung des Kopfes verursacht wird. Es kann einen zum Wahnsinn treiben, wenn man immer ein bisschen höher "zielen" muss, dann den Kopf feststellt, nur um in der Kontrolle wieder ein leichtes Verrutschen festzustellen. Allerdings tritt dieser Nachteil nicht bei allen Kugelköpfen in gleichem Mass auf. Der MA 308 von Manfrotto hat mir viel weniger Probleme dieser Art bereitet als mein billigerer Kopf von Cullmann.

2D- und 3D-Neiger sind so konstruiert, dass jede Achse für sich verstellt werden kann. In der Regel erfolgt die horizontale Drehung zentral und wird über ein Rändelrad oder eine Flügelmutter fixiert, während die Achsen im Raum über Hebel bedient werden, deren Feststeller im Griff intergriert ist (drehbare Griffe, oder separate Feststeller).

Bei den einfachen Modelle ohne Getriebe erfolgt die Verstellung des Kopfes direkt über separate Hebel je Achse, als rein mechanischer Hebelarm. Die Bewegung am Griff entspricht genau der Bewegung der Kamera, ähnlich wie beim Kugelkopf kann auch hier das Feststellen des Hebels zu einer leichten Bewegung der Kamera führen. Solche eher einfachen Köpfe sind meines Erachtens eher für das Filmen geeignet, wo Schwenks um eine Achse ausgeführt werden müssen. In der Fotografie kommt das eher selten vor, hier wird ein separates Einstellen der Achsen vor allem dann benötigt, wenn die Kameraposition extrem genau kontrolliert werden muss, wie z.B. in der Makrofotografie. Wer sich aber intensiver mit dieser beschäftigt, wird über kurz oder lang eher bei den Köpfen mit Getriebe landen.

Bei diesen besonders edlen Neigern mit Getriebe erfolgt die Verstellung indirekt, wie der Name schon sagt, über ein Getriebe im Kopf, ähnlich wie die Lenkung im Auto (via Lenkgetriebe) anders als beim Motorrad die Stellung der Räder erst indirekt beeinflusst. Der grosse Vorteil der Getriebeköpfe liegt darin, dass Drehbewegung und Verstellweg entkoppelt sind, man also über eine entsprechende Untersetzung sehr feine Verstellungen ohne Erschütterungen und Korrekturen vornehmen kann. Diese Köpfe sind nicht ganz billig und kommen vor allem im Bereich der Makro- und Landschaftsfotografie zum Einsatz.

Sonderausstattungen

Das wichtigste Zubehör ist meines Erachtens die Schnellkupplung. Damit wird das Stativ in extrem kurzer Zeit einsatzbereit gemacht. Muss die Kamera für jeden Einsatz erst mühsam auf den Kopf geschraubt werden, geht die Wahrscheinlichkeit, dass das Stativ verwendet wird, gegen Null (Ausnahme fester Studioeinsatz, oder Kamera immer auf dem Kopf). Eine einfache Schnellkupplung ist schon ab ca. 25 Euro zu kriegen. Das Grundmodul wird auf den Stativkopf geschraubt und verbleibt dort. Das eigentliche Kupplungsstück wird unten an der Kamera befestigt. Diese Teile sind billig, so dass man je Kamera eines kaufen sollte. Jetzt wird die Kamera nur noch aufgesetzt und je nach Modell über einen Hebel oder eine Feder geklemmt.

Für den Transport sind eine Tasche und / oder sogenannte leg wraps eine feine Sache. Die Tasche schützt das Stativ, ein Modell, dass auch das Tragen wesentlich verbessert, habe ich aber noch nicht gefunden. Mehr hierzu weiter unten.

leg wraps sind so eine Art Socken für die Stativbeine, meistens aus Neopren. Die Vorteile sind vor allem ein besseres Tragen auf der Schulter, weil die Beine dann gepolstert sind, sowie eine gute Kälteisolierung, so dass einem im Winter nicht die Hände abfallen beim Hantieren mit dem Stativ. Für Naturfotografen kommt noch hinzu, dass Geräusche gedämpft werden, die durch das Anschlagen irgendwelcher Teile an die Stativbeine entstehen.

Von Manfrotto gibt es einen Stativgurt, der in eine Gewindebuchse am Kopf eingeschraubt wird und dessen anderes Ende man um die Beine wickelt. So lässt sich das Stativ gut auf dem Rücken tragen, ohne dass es separat verstaut werden muss.

Damit man die ganzen Kleinteile wie Objektivdeckel, Belichtungsmesser und ähnliches im Feld nicht auf den Boden legen muss, gibt es kleine Dreieckstücher, die zwischen den Stativbeinen befestigt werden und mit dem Aufstellen des Stativs eine Ablage bilden.

Häufig können die Gummifüsse gegen Spikes ausgetauscht werden, so dass man in feuchtem Waldboden einen besseren Halt findet. In manchen Modellen sind diese Spikes sogar integriert und können duch die Gummikappen hindurch ausgezogen werden.

Je nach Modell und Einsatz gibt es weiteres Zubehör, vor allem im Bereich der "Helferlein", mit denen zusätzliche Blitze, Greifer und ähnliches am Stativ befestigt werden kann.

Transport

Das leidigste Thema. Ich möchte immer ein Stativ mit mir haben, aber tragen möchte ich es nicht. Nachdem ich über keinen Aissistenten verfüge, dem man das Teil auf den Buckel schnallen kann, sind Lösungen gefragt, die das Übel wenigstens so weit wie möglich erleichtern.

Gurt

Ähnlich wie beim Gewehr gibt es für einige Stative als Zubehör einen Gurt, mit dem sich das Teil gut auf dem Rücken tragen lässt. Zwar ist es damit schnell einsatzbereit und einfach zu schultern, zwei Nachteile sind jedoch, dass einmal kein Stativ unter ergonomischen Gesichtspunkten konstruiert wurde und häufig steife Schultern und blaue Flecken das Ergebnis einer längeren Tour sind. Zweitens ist der Rücken dann 'besetzt', kein Platz mehr für weiteres Gepäck. Ideal ist so ein Gurt also vor allem, wenn nur kurze Wege vom Auto zurückgelegt werden müssen, mit der Fototasche in der Hand.

Fotorucksack

Viele, vor allem grössere Fotorucksäcke verfügen über eine Stativtasche oder einen integrierten Stativgurt. Das halte ich für die beste Lösung, wenn häufig Reisen oder Touren in die Natur unternommen werden. Das Stativ wird stehend seitlich oder quer liegend festgeschnallt, im Rucksack selber befinden sich die weitere Ausrüstung sowie das persönliche Gepäck. Gute Rucksäcke sind nicht billig, hier unterscheiden sie sich nicht von den normalen Tourenrucksäcken, aber sie sind ihren Preis wert. Achten sollten man vor allem darauf, dass ein breiter Hüftgurt einen Teil der Last abfängt, die Verteilung der Last gleichmässig ist, der Rücken belüftet wird und die Ladung nicht verrutschen kann. Eine Patentlösung gibt es nicht, jeder muss sich einen seiner persönlichen Statur angepassten Rucksack suchen.

Auto

Nachdem das beste Stativ nichts nützt, wenn es zu Hause im Schrank liegt, habe ich das Teil meistens im Kofferraum des Wagens dabei. Dabei sollte man aber unbedingt darauf achten, dass es nicht lose herumfliegt. Darunter leiden sowohl das Auto als auch das Stativ. Auch sollte es gegen Verschmutzung geschützt sein, also am besten in einer Tasche oder einer Plastikhülle transportiert werden.

Fahrrad

Für Touren mit dem Fahrrad ist das optimale Stativ eine wenig brauchbare Sache. Hier muss ein Kompromis gefunden werden zwischen Gewicht und Grösse des Stativs und dem, was man auf eine Tour mitnehmen kann. Eine andere Lösung ist die, das Fahrrad selber als Stativ zu nutzen. Hierzu gibt es kleine Klemmstative, die am Lenker befestigt werden können. Auf diese passt auch wieder Kugelkopf und eine Schnellkupplung, so dass man den gewohnten Komfort durchaus erhalten kann. Ein Problem kann aber die fehlende Höhenverstellung sein. Eine tiefe Kameraposition lässt sich erreichen, indem das Fahrrad hingelegt wird. Eine wesentlich höhere als die am Lenker ist aber kaum zu schaffen. Andererseits ist kaum ein tourentaugliches Stativ höher als eben diese Lenkerposition, so dass zumindest kleine und leichte Kameras auf Tour optimal mit einer solchen Lösung festgestellt werden können.

Einsatz

Wann ein Stativ sinnvoll eingesetzt werden kann, dazu habe ich in der Einleitung eigentlich schon genug gesagt. Wichtig ist aber auch, wie es eingesetzt wird, um einen möglichst grossen Effekt zu erzielen.

Stand

Das schwerste und solideste Stativ nützt wenig, wenn es auf einer Tribüne steht, die unter dem Getrampel der Zuschauer bebt und schwankt. Ein solider Standort ist Bedingung, auch wenn man hierzu manchmal erst grössere Klettertouren unternehmen muss.

Beine und Mittelsäule (in dieser Reihenfolge) sollten nur so weit wie notwendig ausgezogen werden. Je kompakter die Konstruktion bleibt, desto weniger anfällig für Erschütterungen ist sie.

Man muss vor allem auf einen geraden Stand achten. Mir ist schon einmal das ganze Stativ samt Kamera bei einem Windstoss umgefallen, weil es nicht sauber senkrecht stand, sondern ein Bein zu wenig ausgezogen war und das Ganze dann Übergewicht bekam. Glück im Unglück, die Kamera landete genau auf meiner Jacke, es war nichts passiert, aber so etwas kann auch anders ausgehen.

Stabilisierung

Neben dem richtigen Untergrund und einer guten Position kann das Stativ auch zusätzlich stabilisiert werden. Dies ist vor allem bei Wind notwendig. Die einfachste Variante ist eine Stofftasche oder ein Netz, das mit Sand oder Steinen gefüllt und unter das Stativ gehängt wird. Das Gewicht stabilisiert die Konstruktion und verhindert Vibrationen.

Alternativ lässt sich ein Stativ auch mit Hilfe eines Erdnagels und eines Gurtes stabilisieren, indem es über den Gurt mit dem Erdnagel am Boden befestigt und der Gurt dann straff angezogen wird.

Fazit

Wem es jetzt graust ob der ganzen Technik, dem zusätzlichen Gewicht und dem Aufwand, der getrieben werden kann / muss, sollte sich nicht abschrecken lassen. Auf Geschäftsreisen habe ich auch kein Monsterstativ dabei, sondern ein ganz kleines, billiges Plastikteil für ein paar Euro, kleiner als ein Stift, das im Fall der Fälle zusammen mit der kleinen Olympus Mju II Aufnahmen unter Umständen ermöglicht, die sonst nicht gemacht werden könnten.

Wer sich intensiver mit der Fotografie beschäftigt, wird über die Jahre wohl mehr als ein Stativ sein eigen nennen: das "richtige", aber schwere Stativ für die Fototour, das kleine Reisestativ für den Familienurlaub, und das Ministativ für den Aktenkoffer. Und das Bodenstativ für die tiefe Aufnahmeposition. Und und und... auch auf diesem Gebiet sind dem technikorientierten Fotoliebhaber kaum Grenzen gesetzt.

Viele weiter Informationen zu diesem Thema sowie eine Menge Antworten zu modellspezifischen Fragen finden sich wieder in den englischen und deutschen Foren bei www.nikonians.org oder unter www.photo.net, hier leider nur auf Englisch.

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