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Olympus Mju II

Olympus Mju II
Das Ziel
Die Auswahl
Die Entscheidung
Die Kamera
Fotografieren
Fazit

Ursprünglich hatte ich nicht vor, die kleine Olympus hier auf diesen Seiten zu erwähnen, da es im Prinzip nicht viel zu berichten gibt: Aufmachen, Peilen, Abdrücken, Zumachen. Dachte ich einmal. Und mit grossartigen Ergebnissen habe ich auch nicht gerechnet, sie war als reine immer-dabei-Kamera gedacht, als ich sie kaufte. Doch in dem kleinen Kästchen steckt weit mehr, als man bei ihrem Anblick (und dem des Preisschildes) vermutet. Zudem stellt sie einige Anforderungen an den Anwender, gerade wegen ihrer Automatismen, so dass sie wohl letzten Endes mehr als eine Bemerkung wert ist.

Das Ziel

Die schönsten Bilder finden meistens nur im Kopf statt. Zumindest bei mir. Denn ich sehe sie immer dann, wenn ich gerade keine Kamera dabei habe: auf Reisen, Spaziergängen, im Regen, wenn der Hund raus muss... sprich überall, wo man alles erwartet, nur kein Bild. Also muss eine Kamera her, die immer dabei ist, bei jedem Spaziergang mit dem Hund, in der Aktentasche auf der Geschäftsreise, im Prinzip immer.

Mju II offen Die Kamera muss klein, leicht und robust sein. Aber sie soll trotzdem für technisch hervorragende Bilder taugen. Damit scheidet schon einmal APS aus (zu kleine Negative, ausserdem wollte ich nicht noch ein Filmformat neben Kleinbild und Mittelformat verwalten müssen).

Zoom kam von vornherein nicht in Frage, einerseits stört mich das Sirren beim Ein- und Ausfahren der Zooms von Kompaktkameras, zweitens macht es sie grösser, drittens sind die Lichtstärken der kleinen Teile alles andere als brauchbar, am langen Ende sogar teilweise mit 9.5 oder noch schlechter. Damit war klar, dass es eine Festbrennweite sein musste.

Die Auswahl

Der Markt für kleine Kameras mit Festbrennweite hoher Qualität ist nicht gerade riesig. Im Wesentlichen sind zum jetzigen Zeitpunkt folgende Kameras neu am Markt verfügbar:

  • Olympus Mju II
  • Ricoh GR1v (und ihre Verwandten)
  • Minox GT
  • Rollei Prego 30
  • Konica Big Mini F

sowie die Edelkompakten Minolta TC-1, Leica Minilux und Contax T2 / T3. Letztere fielen sofort aus der Wahl. Sie sind wunderbar, und hätte ich das Geld, ich würde sofort zu einer dieser edlen Kästchen greifen. Aber mit meinem Budget und der Vorstellung einer Kamera, die evtl. auch mal ersetzt werden muss nach Schaden oder Diebstahl, war der Kauf nicht zu vereinbaren. Selbst gebraucht auf ebay nicht, offenbar ist der Wertverlust hier nicht besonders hoch.
Eine Kamera fehlt leider, die Yashica T5 (oder T4 Super, wie sie in den USA hiess). Sie war genial: Zeiss Tessar Objektiv (mit dem "Adlerauge" wurde sie auch beworben), einem integrierten Winkelsucher, so dass auch unauffällig mit der Kamera vor der Brust Bilder gemacht werden konnten, kleinen Abmessungen, einem guten Autofocus und Belichtungsautomatik. Aus mir unverständlichen Gründen wird sie nicht mehr produziert, offenbar haben Marketingentscheidungen bei Zeiss zum Aus für dieses Kleinod geführt, das in der Tasche auch vieler Berufsfotografen auf der Welt überall mit dabei war.

Die Entscheidung

Kurz die Gründe, warum die oben aufgeführten Konkurrenten der Olympus nicht zum Zuge kamen:

  • Ricoh GR1v: ein Traum, vor allem die manuellen Einstellmöglichkeiten und das 28 mm - Objektiv. Aber: zu teuer
  • Minox GT: noch ein Traum, auch zu teuer, aber vor allem störten mich die fehlenden Einstellmöglichkeiten bei der Belichtungssteuerung. Zwar kann hier indirekt über die Einstellung der Filmempfindlichkeit sowie den Gegenlichtschalter gearbeitet werden, dies war mir jedoch zu umständlich. Zwar kann ich bei der Olympus auch nichts einstellen, aber dafür konsequent nichts, während bei der Minox noch die manuelle Entfernungseinstellung ohne weitere Hilfsmittel dazukam.
  • Rollei : knapp vorbei, einerseits ist für meine Anforderungen die kleinste Entfernung des Objektivs mit knapp 90 cm gegenüber 35 cm der Olympus zu gross, andererseits gefiel mit der Objektivschutz der Olympus besser, der einerseits als Hauptschalter fungiert, andererseits das Objektiv sehr gut schützt.
  • Konica Big Mini F: ähnlich wie Rollei, fehlender Objektivschieber, ausserdem hatte ich mit einer Konica A4 zwar früher wunderbare Bilder gemacht, die Kamera hatte sich aber mechanisch als nicht besonders robust erwiesen.
Am Ende blieb die kleine Olympus übrig, zudem war dies keine irreversible Investition, ca. 100 Euro können auch mal in den Sand gesetzt werden, und die Gebrauchtpreise auf ebay liegen auch nur knapp darunter, so dass in jedem Fall kein grosser Verlust zu befürchten war.

Die Kamera

Die Mju II gibt es in schwarz und champagnerfarben, als Standardversion sowie in einer DeLuxe-Ausführung mit Datenrückwand udn Panoramafunktion. Ich erwarb die champagnerfarbene Standardversion. Dazu kam noch eine kleine Ledertasche von Olympus, die ähnlich wie die Telefontasche am Gürtel befestigt werden kann, sowie eine Ersatzbatterie (übertriebene Vorsicht, wie sich herausstellte, wenn der Blitz selten zum Einsatz kommt, hält die Batterie eine mittlere Ewigkeit).

Mju II geschlossen Geschlossen ist die Vorderseite einfach zu, der Schieber verdeckt das Objektiv vollkommen und erstreckt sich über die halbe Kamera. Er ist gleichzeitig Hauptschalter, die Kamera wird durch das Öffnen des Schiebers auch eingeschaltet.

Unter dem Schieber liegen das Objektiv, ein Vierlinser 35 mm / 2.8, die Sensoren für Autofocus und Belichtungsmessung, der Blitz und der Sucher.

Auf der Oberseite findet sich nur ein angenehm grosser Auslöser, kitschig verchromt, sieht schrecklich aus, ist aber sehr gut zu ertasten, wenn man die Finger mal wieder woanders hatte und das Auge nicht vom Sucher nehmen möchte.

Auf der Rückseite sind neben einem kleinen LCD-Feld zwei kleine und eine ganz kleine Taste zu finden.

Das LCD-Feld zeigt nach dem Einschalten den Bildstand an (die Nummer des aktuellen Bildes des Films), sowie den Ladezustand der Batterie und Blitz- / Belichtungseinstellungen, soweit sie vorgenommen wurden. In der Standardeinstellung nach dem Einschalten der Kamera ist dies immer (leider immer, es lässt sich nichts voreinstellen) automatische Blitzzuschaltung sowie Mehrfeld-Messung des Autofocus.

Mit dem linken der kleinen Knöpfe auf der Rückseite lassen sich durch mehrfaches Drücken folgende Einstellungen vornehmen:

  • 1 x drücken: immer Blitz
  • 2 x drücken: nie Blitz
  • 3 x drücken: Blitz bei Bedarf mit Vorblitz gegen rote Augen
  • 4 x drücken: immer Blitz, mit Vorblitz gegen rote Augen
  • beim 5. Mal drücken landet man wieder in der Standardeinstellung (Blitz bei Bedarf).
Mju II geschlossen Werden beide Tasten gleichzeitig gedrückt, schaltet die Kamera auf eine Art Spotmessung von Autofocus und Belichtungsmessung um, die ungefähr im Bereich des kleinen Kreuzes in der Mitte des Sucherbildes liegt.

Die kleine Taste ganz rechts löst die vorzeitige Rückspulung des Films aus.

Das Gehäuse ist spritzwassergeschützt, zumindest, solange es geschlossen bleibt. Transport im Regen ist also kein Problem, Fotografieren im Regen sollte aber mit Vorsicht genossen werden.

Fotografieren

Erst die schlechten Nachrichten, dann die guten...

Der Blitz ist eine mittlere Katastrophe. Besser als gar nichts, wenn wirklich einmal nur Tante Emma im Halbdunkel fotografiert werden soll, sozusagen besser als gar kein Bild, unter allen halbwegs brauchbaren Verhältnissen ist der erste Griff nach dem Einschalten jedoch das zweimalige Drücken der linken Taste, um ihn auszuschalten.

Das Problem ist hier das kleine Kameraformat, dadurch liegt der Blitz so dicht an der optischen Achse, dass rote Augen praktisch vorprogrammiert sind.

Olympus Mju II, Fuji Superia 400 Weiter ist die vollständige Automatisierung nicht das Gelbe vom Ei. Das einzige, was sich einstellen lässt, ist die Funktion des Blitzes (ja, nein, mit Anti-Rote-Augen, mit Hintergrund), sowie die "Spotschaltung". Weder eine Unendlichkeitseinstellung, eine Korrektur der Filmempfindlichkeit, eine Belichtungskorrektur oder auch nur die Kontrolle der von der Kamera ausgewählten Zeit- und Blendenwerte sind möglich. So ist ein bisschen Übung mit der Kamera notwendig, bis man ein Gefühl dafür kriegt, wie sie "denkt". Wer also mehr unter Extremsituationen fotografiert, wo die manuelle Einstellung unbedingt notwendig ist, wäre mit einer Rollei 35 oder einer Ricoh GRv besser bedient.

Das waren aber auch schon die Nachteile dieser kleinen Kamera. Die grössten Vorteile sind auch schnell aufgezählt:

Kleiner Preis, kleines Gewicht, kleine Abmessungen.

Der Schutzschieber vor dem Objektiv ist gleichzeitig Hauptschalter, das Gehäuse ist zumindest im geschlossenen Zustand vor Spritzwasser geschützt. Aber das Beste an diesem kleinen Haufen Plastik ist das Objektiv: ein Vierlinser mit 35 mm Brennweite und Lichtstärke 2.8. Die Bilder, die ich damit erzielt habe, sind praktisch nicht von denen mit den Spiegelreflexkameras zu unterscheiden. Lediglich die fehlende Kontrolle über Autofocus, Zeit und Blende schränken die Benutzung ein, qualitativ sind kaum Grenzen gesetzt.

Im täglichen Umgang ist ein empfindlicher Film von Bedeutung. Offenbar ist die Kamera so programmiert, dass sie eine möglichst kurze Verschlusszeit zu erreichen versucht, so dass bei ISO 100 - Filmen häufig mit offener Blende gearbeitet wird. Das ergibt einerseits Probleme mit der Schärfentiefe, andererseits ist in diesem Bereich auch die Grenzen des kleinen, aber feinen Objektives zu erkennen. Problematisch ist dabei vor allem, dass man ja nicht sieht, worauf die Kamera jetzt eigentlich scharf gestellt hat, so dass die Schärfe häufig auf eher nebensächlichen Dingen zu liegen kommt.

Himmelried, bei Basel Ich verwende meistens einen 400er Farbnegativfilm, hin und wieder auf den CN 400 von Kodak oder XP2 von Ilford für s/w-Bilder. Die Ergebnisse mit diesen Filmen sind sehr gut, Vergrösserungen 20 x 25 cm ohne Probleme machbar. Die Grenzen hierfür liegen weniger bei Kamera und Objektiv, als vielmehr in der Verwackelung. Einerseits ist die Kamera extrem klein und leicht, andererseits hat man sie ja in der Regel gerade dann dabei, wenn man kein schweres Stativ und sonstige Hilfsmittel rumschleppt. Meistens muss daher ein Baum oder Laternenpfahl als Stütze für den Fotografen dienen, zusätzlich habe ich mir für ein paar Euro ein kleines Plastik-Klappstativ gekauft, dass zur Not mal auf einem Tisch / Baumstumpf / Stein aufgestellt werden kann damit die Kamera mit Selbstauslöser verwacklungsfreie Bilder macht.

Empfehlenswert ist in diesem Zusammenhang die Infrarot - Fernbedienung. In Kombination mit einem Ministativ lassen sich damit Ergebnisse erzielen, die einer so kleinen Kamera kaum zuzutrauen wären.

Für Reisende mag noch ein Punkt kritisch sein: es gibt keine Unendlich - Einstellung des Objektivs. Fotografieren durch Fenster von Flugzeug oder Zug ist damit also kaum möglich, da der aktive Autofocus ziemlich sicher auf die Scheibe bzw. den darauf klebenden Dreck scharfstellt, im besten Falle noch auf das eigene Spiegelbild. Hier haben die teureren Kollegen der Mju II Vorteile, die eine manuelle Einstellung der Schärfe ermöglichen.

Charmey, Schweiz

Fazit

So reizvoll die Edelkompakten mit ihren grösseren Einstellmöglichkeiten sind, an dem Tag, an dem meine Mju II den Geist aufgibt, werde ich die nächste kaufen. Gerade die Tatsache, dass es sich um eine relativ billige, aber mit absolut hochwertigem Objektiv ausgestattete Kamera handelt, sorgt dafür, dass sie auch mit dabei ist, wenn man sie braucht. Und gegenüber all den Zoom-Kameras bedeutet die Festbrennweite neben dem kompakten Gehäuse vor allem den Vorteil der grossen Blende. 2.8 lässt fotografieren auch in relativ dunklen Räumen ohne Blitz zu, empfindlicheren Film vorausgesetzt.

Insgesamt ist die Kamera also für alle zu empfehlen, die mit der kompletten Automatisierung keine Probleme haben. Puristen und Manualisten sei eine gebrauchte Rollei 35S zu empfehlen, sie kostet kaum mehr, fühlt sich an wie ein Tresor, ist aber natürlich nicht so schnell und einfach zu bedienen wie die Olympus.



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