X100T oder X100F?

Wer meinen Bericht über die X100T gelesen hat, der weiss, dass ich von dieser Kamera schwer begeistert bin. Die Optimierung von Lightroom für den Sensor, die zu einer wirklich brauchbaren RAW-Bearbeitung der Bilder geführt hat, und die neuen Modelle mit besserem Autofocus und 24 MP-Sensor in Form vor allem der X-T2 haben schliesslich dafür gesorgt, dass ich für meine Auftragsarbeiten weg von der Nikon D750 und hin zur X-T2 gegangen bin. Meine Nikons nutze ich weiterhin, aber für alle Arbeiten vor allem in der Kirche, wo Stille ein wesentliches Kriterium ist, und natürlich bei allen Einsätzen, wo das Gewicht der Ausrüstung eine Rolle spielt, kommt nur noch die X-T2 zum Einsatz.

Die nächste Frage war nun die nach dem Backup. Vor allem kirchliche Anlässe, egal ob Kommunion, Firmung oder Hochzeiten, sind nicht wiederholbar. Das heisst auch, dass jedes Gerät, das ich einsetze, über eine Reserve verfügen muss. Bei den Nikons war das einfach: eine zweite Nikon lag immer bereit, um notfalls einspringen zu können.

Für die X-T2 hatte ich einen anderen Plan: ein grosser Teil der Bilder bei diesen Anlässen entsteht im Bereich von (auf Kleinbild umgerechnet) 35 mm Brennweite. Ich hatte für die X-T2 auch schon das sehr schöne, aber grosse und schwere 23 mm f/1.4 R – Objektiv gekauft, dann aber doch wieder zurückgegeben: die X100T würde beides gleichzeitig erfüllen, die (umgerechnet auf Kleinbild) 35 mm Brennweite, und dazu noch das Backup-Gehäuse, falls die X-T2 einmal ausstiege.

Nicht so optimal waren für mich jedoch zwei Dinge: ausgerechnet die kleine Kamera, mit der ich erstens die kritischen, zweitens die Mehrheit der Bilder machen würde, hatte den älteren Sensor mit geringerer Auflösung, vor allem aber den langsameren und (vor allem im schlechten Licht der Kirche) unzuverlässigeren Autofocus.  Zudem nervte die ungleiche Bedienung, die Verteilung der Knöpfe und Funktionen war zu unterschiedlich, der fehlende Joystick für den AF schlicht nervend.

Vor diesem Hintergrund war ich begeistert, als Fujifilm die X100F ankündigte:  identischer Sensor, AF-Joystick, aufgeräumte Bedienung, Knöpfe ähnlich oder identisch wie bei der X-T2, und dazu noch der selbe Akku! Eine so perfekte Kombination hätte ich mir nicht einmal vorstellen können.

Aber grau ist alle Theorie. Als die ersten Exemplare hierzulande verfügbar waren (Ende Februar / Anfang März) und bei mir zufällig ein Vater-Sohn-Wochenende in London anstand, konnte ich eine der wenigen verfügbaren F zum Testen mit auf die Reise nehmen und ausführlich benutzen. Interessant war der Vergleich für mich vor allem vor dem Hintergrund, dass ich im Herbst 2016, also wenige Monate zuvor, ebenfalls ein Wochenende in London mit der X100T verbracht hatte.

Das Ergebnis sei hier vorweggenommen: ich habe sie im Anschluss sofort gekauft, das Ergebnis hat mich mehr als überzeugt.

Die grundlegenden Gedanken zu dieser Sorte Kamera im Allgemeinen, zur X100s/T/F im Speziellen finden sich im Bericht über die X100T, diese will ich hier nicht noch einmal wiederholen. Statt dessen möchte ich auf die für mich wesentlichen Unterschiede eingehen, und auf die Frage, für wen der Mehrpreis einer F gegenüber einer (derzeit noch neu erhältlichen, später sicherlich günstigeren gebrauchten) T wirklich Sinn macht.

Dein eines muss ich hier festhalten: in Sachen Bildqualität geben sich die beiden Kameras kaum etwas. Schon der 16 MP-Sensor der ersten X-Generation war hervorragend, die X-T1 wurde schon von Berufsfotografen genutzt, und Bildqualität war dazumal schon einer der wichtigsten Argumente für den Umstieg auf Fujifilm. Der Sprung von 16 auf 24 Megapixel ist nett, weil man etwas mehr beschneiden kann, einen sichtbaren Unterschied bei normalen Vergrösserungen (Druck, Fotobuch, Bildschirm) wird man aber auch mit der Lupe kaum finden können.  Bildqualität ist also, das sei hier festgehalten, kein wirklicher Grund für einen Umstieg.

Wo liegen also die Punkte, die den Mehrpreis für mich gerechtfertig haben?

 

Kombination mit der X-T2

Zentral für mich, wenn sicherlich auch nicht für alle Fotografen, ist die Angleichung der Benutzeroberfläche der Kamera wie auch ihrer Leistungsfähigkeit und vor allem der Batterie an die X-T2. Eine Kamera, die als Backup oder in Kombination für eine andere, leistungsfähige Kamera genutzt wird, muss unbedingt so ähnlich wie möglich funktionieren. In der Hektik einer Hochzeit, eines offiziellen Anlasses habe ich keine Zeit und keinen Nerv, nach Einstellungen zu suchen. Ich bereite die Kameras so vor, dass alles übereinstimmt (Uhrzeit, Belegung der Funktionstasten, ggf. Filmsimulation etc.), anschliessend kann ich beliebig das Gehäuse wechseln, ohne gross herumfummeln zu müssen. Dass neu jetzt auch noch der Akku zwischen beiden Modellen identisch ist, bedeutet für mich eine riesige Erleichterung: war das bei Nikon auf Grund der ewigen Haltbarkeit des Akkus kein wesentlicher Punkt, so ist das bei spiegellosen Systemen allgemein ein wichtiges Kriterium, da hier oft schon nach 300 Bildern ein Wechsel angesagt ist. Nur noch zwischen Voll und Leer unterscheiden zu müssen, nicht mehr auch noch nach Kamera, das ist in der Hektik einer Veranstaltung eine enorme Erleichterung.

Wer nur mit einer Kamera fotografiert, oder wer die X100S/T/F nur als separate Kamera z.B. für Reisen einsetzt, für den ist diese Angleichung an die anderen X-Kameras sicherlich kein wesentliches Kriterium.

 

Autofocus

Der zentrale Punkt in der Bedienung der Kamera ist sicherlich das neue AF-Modul, zusammen mit dem Joystick, der eine flüssige Positionierung des aktiven AF-Feldes ermöglicht. Immer wieder taucht der Wunsch nach einem Touch-Screen in den Foren auf, ich bin jedoch extrem froh, dass es diesen (noch) nicht gibt. Ich arbeite fast ausschliesslich mit dem Sucher, dabei ist ein Touch-Screen nicht nur überflüssig, sondern eher nervig, wenn man z.B. mit der Nase den Fokuspunkt setzt, ohne es zu wollen. Auch ein Klapp-Bildschirm, wie er immer wieder gefordert wird, ist für diese Art von Kamera relativ unsinnig: natürlich wäre es nett, aber es macht die Kamera im Zweifelsfalle anfälliger, komplexer und teurer. Einer der Vorteile aller X100-Modelle ist ja gerade der der robusten kleinen Konstruktion, eine Reisekamera par excelence.

Die Zuverlässigkeit des Autofocus hat massiv zugenommen. Wenn sie auch bei wenig Licht noch nicht die Perfektion meiner D750 erreicht, so kann ich mich jetzt doch weitgehend darauf verlassen (was bei der T definitiv nicht so war). Eine Geschwindigkeit, die auch für Schnappschüsse ausreichend ist, dazu eine hohe Genauigkeit, die für minimalen Ausschuss sorgt, ergeben in Kombination mit dem grossen Sucher, der eine gute visuelle Kontrolle ermöglicht, ein Werkzeug auch für wichtige Anlässe.

 

Layout

Auch wenn das Gehäuse als solches gleich gross geblieben ist, so stellt die Verschiebung der Tasten und die Ergänzung durch ein weiteres Drehrad vor dem Auslöser  eine enorme Verbesserung gegenüber der T dar. Vor allem die Tatsache, dass nun alle Tasten auf der Rückseite mit dem rechten Daumen erreicht werden können und kein Fummeln links und rechts notwendig ist macht die Bedienung vor allem in hektischen Situationen sehr viel einfacher und besser.

Besonders gefreut hat mich die Verschiebung des Display/EVF-Umschalters von der linken Seite rechts neben den Sucher: erstens sitzt er hier ähnlich wie bei der X-T2, zweitens aber ist er wesentlich besser und schneller zu erreichen. Da ich oft zwischen Bildschirm und Sucher umschalte stellt dies für mich eine sehr zentrale Verbesserung dar.

 

Und die negativen Punkte?

Nichts auf dieser Welt ist perfekt, auch eine X100F nicht. Zwar ist es schön, dass Adapterring und Streulichtblende der X100-Vorgänger nach wie vor passen, damit besteht jedoch auch weiterhin das Problem, dass man nur entweder diese oder den regulären Objektivdeckel aufsetzen kann, nie beides zusammen. Auch das aussermittige Stativgewinde ist geblieben, wobei das bei dieser Art Kamera sicherlich kein zentrales Kriterium darstellt.

Zwar ist die Q-Taste praktisch, weil alle Einstellungen (konfigurierbar) auf dem Bildschirm dargestellt werden und schnell angepasst werden können. Nicht so schön ist, dass die Q-Taste genau da sitzt, wo ich die Kamera greife, wenn ich sie aus der Tasche hole oder. Das Problem aller kleinen professionellen Kamera ist natürlich, dass viele Tasten und wenig Fläche zwangsläufig dazu führen, dass kaum Platz zum Greifen bleibt. „Q“ sitzt jedoch denkbar ungünstig, zumindest für meine mittelgrossen Finger und Hände.

 

Und was ist geblieben?

Primär natürlich das Objektiv: auch wenn es immer wieder mal Kritik einstecken muss wegen einiger Randunschärfe im Nahbereich bei offener Blende, so wird beim Betrachten der Bilder schnell klar, dass Fujifilm gute Gründe hat, diese Konstruktion über alle X100-Varianten beizubehalten. Schärfe und Auflösung werden auch vom neuen Sensor nicht ausgereizt, bei normalen Aufnahmeabständen, wie sie von Portrait bis Reisefotografie üblich sind, ist von Unschärfen nichts mehr zu sehen, selbst bei offener Blende nicht. Wer wirklich einmal im Marko-Bereich arbeitet, der sollte auf Blende 4 gehen, ab da ist auch in diesem Fall alles scharf bis in die Ecken.

Geblieben sind auch die Abmessungen, so dass auch die Leder-Bereitschaftstasche und das meiste sonstige Zubehör passen. So ist auch das F-Modell keine wirkliche Hosentaschen-Kamera, in einer Manteltasche lässt sie sich jedoch schon perfekt unterbringen.

 

Filmsimulationen

Schwarzweiss-Fotografen werden an einem Detail grosse Freude haben: die Möglichkeit, mit der Acros-Simulation dieses bekannten Fuji-Schwarzweissfilms arbeiten zu können. Ich persönlich finde das zwar schön und interessant, in der Regel arbeite ich jedoch sowieso eher mit Silver Effex Pro in Lightroom, wenn ich schöne Schwarzweissbilder benötige. Die sonstigen Filmsimulationen finden sich sowohl in der T als auch der F, in beiden Fällen können sie auch später in Lightroom zugeordnet werden. Kein grossartiger Unterschied also an dieser Stelle.

 

Die Schönheit

Eine Kamera sollte natürlich vor allem schöne Bilder produzieren können, speziell bei der X100 war aber von Beginn an die Kamera selber auch Objekt einer gewissen ästhetischen Bewunderung. Und genau hier legt die F gegenüber den Vorgänger-Modellen noch einmal richtig nach: die Bereinigung der Rückseite, das viel klarere Design, die nun gerade Schmalseite neben dem Auslöser (die vorigen Modelle besassen hier noch eine kleine Schräge), das alles führt zu einer nicht nur schönen, sondern auch sehr hochwertigen Wahrnehmung der Kamera.

 

Upgraden oder doch nicht Upgraden?

Wo Geld keine grosse Rolle spielt, ist die F natürlich die einfache Wahl. Andererseits: wer auf Flickr einmal die Galerien mit Bildern der diversen X100-Modelle vergleicht, der stellt schnell fest, dass die Unterschiede bei den Kameras offenbar überhaupt keine Rolle spielen. Hervorragende Bilder gibt es aus allen Lagern, das ist mehr eine Frage der Augen und des Hirns hinter dem Sucher, nicht so sehr der Kamera.

Es ist so, wie ich es bereits zu Beginn des Berichtes geschrieben habe: geht es rein um das Ergebnis, um die Bildqualität, dann ist es vollkommen egal, mit welcher X100 man arbeitet. An den Bildern jedenfalls ist kein Unterschied erkennbar, der auch dem geschulten Auge selbst bei genauer Betrachtung auffiele.

Die F ist primär dann sinnvoll, wenn schwierige Bedingungen bei der Aufnahme herrschen: wenig Licht (Kirche, Festsaal, Restaurant, Kneipe) und schnelle oder unvorhersehbare Objekte fotografiert werden sollen (Kinder, Tiere).

Sinnvoll ist der Kauf einer F auch und vor allem dann, wenn sie als Zweitgehäuse eine X-Pro2 oder X-T2 ergänzen soll. Gleiche Akkus, fast gleiches Tasten- und Bedienkonzept, das sind gravierende Gründe für jeden, der ernsthaft fotografiert oder Ergebnisse auch unter schwierigen Bedingungen unter allen Umständen abliefern muss.

Wer jedoch einfach eine der besten Allround- und Reisekameras sucht, wer für eine kleine, aber perfekt manuell konfigurierbare Kamera nicht zu viel Geld ausgeben will oder als Hauptsystem sowieso eine ganz andere Schiene fährt (Nikon, Canon etc.), für den ist die T mehr als ausreichend. Und wer überhaupt erst einmal ein Gefühl für diese Art von Kamera und Fotografie bekommen will, wer erst einmal testen muss, ob sie oder er überhaupt mit der kleinen Festbrennweite klarkommt, mit dem klassischen Bedienkonzept und dem X-Sensor, der sollte vielleicht erst einmal mit einer gebrauchten S oder T beginnen.

Für mich persönlich, für meine Randbedingungen, ist die Entscheidung klar: die T bekommt einen neuen Besitzer, die X100F wird Reise- und Zweitkamera zur X-T2.