Sigma DP1, DP2 und DP3 Merrill

Der Holger, der kommt spät, wird sich so mancher denken, der das hier liest, schliesslich sind die Merrills schon länger durch die Quattros ersetzt worden, alte Hüte gewissermassen, die schon damals keiner haben wollte.

Mag sein, wenn einen immer nur das Neueste interessiert, aber in diesem Fall ist der alte Hut nach meiner Auffassung sogar die bei weitem bessere Kamera. Zumindest, wenn man sie so nutzt, dass es ihrem etwas speziellem Naturell entgegenkommt. Dazu kommt, dass die Preise statt um die 1’000.00 EUR / CHF herum mittlerweile eher bei rund 400.00 liegen, sofern man überhaupt eine findet.

Ich hatte bereits das Vergnügen mit der allerersten Sigma DP1, und damit auch mit allen Nachteilen, die dieser Kamera anhafteten: langsamer Autofocus, langsames Speichern, alles über ISO 100 unbrauchbar, kein Sucher, schwache Batterie. Das Einzige, was die DP1 für mich konnte, waren wundervolle Bilder bei stabiler Kameraposition: auf dem Stativ, auf einer festen Unterlage, denn dann war ISO 100 angesagt, egal bei welchem Licht, und dann kamen auch die wunderschönen Farben und die extreme Schärfe selber der ersten DP1 zur Geltung.

Die erste DP1 habe ich heute noch, wenn ich sie auch kaum mehr nutze. Meine „normalen“ Bilder auf Events, Hochzeiten, Feiern entstehen mit Nikons D750, auf Reisen und Familientreffen begleitet mich Fujifilms X100T, aber im Büro, sauber in einer kleinen Tasche verpackt, liegt mein ganz spezielles Trio samt Zubehör: die Sigma DP3 Merrill mit (entsprechend Kleinbild) 75 mm, die DP2 Merrill mit 45 mm und schliesslich die DP1 Merrill mit 28 mm Brennweite, alles drei mit Gegenlichtblende und Zweitakku. Und mit dabei der winzig kleine Panokopf von PT4Pano samit Winkel mit den Bohrungen für die drei Sigmas sowie die Nikon Coolpix A.

DP? Merrill?

Wer sie nicht kennt: Sigmas DP-Linie besteht aus aktuell 4, damals 3 Kameras, die nur für einen einzigen Zweck entwickelt wurden: höchste Bildqualität bei relativ kleinen Abmessungen. Die kleinen Kisten sind daher nur unwesentlich grösser als eine Zigarettenpackung, haben jedoch einen grossen APS-C-Sensor (wie Nikons DSLR im DX-Format, z.B. die Nikon D7200). Der Sensor ist ausserdem sehr speziell, mehr dazu unten im Text. Nach der ersten Generation (und deren Iterationen) bekam die zweite Generation der DP-Kameras den Zusatznamen „Merrill“, nach dem Ingenieur, Fotografen und Erfinder des speziellen Foveon-Sensors der Kameras, dem Amerikaner Richard Billings Merrill (oder einfacher Dick Merrill), der am 17. Oktober 2008 verstorben ist. Der Sensor ist auch in Sigmas Spiegelreflexkamera zu finden, der SD, das Spezielle an den kleinen DP’s ist jedoch die Kombination aus kleinen Abmessungen, hervorragendem Sensor und ebenso hervorragenden Objektiven. Die aktuelle DP-Reihe hat den Zusatz-Namen „Quattro“ bekommen, neben den drei bisherigen Modellen gibt es nun noch eine DP0 mit einem (entsprechend Kleinbild) 21 mm Weitwinkel-Objektiv. Nun aber zum Thema: die DP-Modelle im richtigen Leben.

Panorama

Fangen wir gleich mit dem Thema an, für das ich meine DP’s am liebsten einsetze: Panoramas. So speziell die hochaufgelösten Bilder der DP Merrills schon im Normalzustand sind: ein Panorama aus 6 und mehr dieser Aufnahmen ist nicht nur riesig gross, sondern bietet eine atemberaubende Bildqualität. Nicht nur die spezielle Darstellung der Farben, auch der extrem Reichtum an Details verschlägt einem die Sprache. Dazu kommt, dass es kaum eine Kamera geben dürfte, die in einer derart kleinen Packung eine so extreme Bild- und Farbqualität liefern kann.

Ein Beispiel: das gesamte Panorama

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Ich empfehle absolut, ein solches Panorama einmal in der Originalgrösse anzuschauen und vor allem hineinzuzoomen: hier kann man es herunterladen.

Die Kameras

Aber kommen wir zu den Details. Allen drei Merrills gemeinsam ist der famose Sensor im APS-C-Format mit rund 15 Millionen Bildpunkten. Anders als bei „normalen“ Kameras bildet ein Bildpunkt aber nicht nur eine einzige Farbe ab, sondern immer alle drei: das Geheimnnis des Foveone-Sensors. Um die Schärfe und den Detailreichtum dieses Sensors zu erreichen, wäre rechnerisch ein Bayer-Sensor mit rund 46 Megapixeln notwendig. Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte, an den Detailreichtum und die Schärfe meiner alten D800 von Nikon mit 36 Megapixeln kommen die Sigmas aber auf jeden Fall entspannt heran. Zugute kommt der Sigma zudem, dass sie mangels Bayer-Muster auch keinen AA-Filter benötigt, selbst wenn Stoffe oder regelmässige Muster im Bild erscheinen: ohne Bayer kein Moire, und ohne AA-Filter noch mehr Schärfe.

Gemeinsam haben sie auch das robuste, extrem einfache Gehäuse: gewissermassen im Bauhaus-Stil sind alle drei Merrills in solides Metall verpackt, ein rechteckiges Kästchen ohne Schnickschnack, die Essenz der Kamera gewissermassen. Der Minimalismus hat Auswirkung auf die Bedienung, es ist jedoch nicht so, dass man grundsätzlich in verschachtelte Menüs tauchen müsste, die wichtigsten Funktionen finden sich direkt hinter den wenigen Tasten, die die Kameras bieten. Eine komplette Betriebsanleitung spare ich mir, ich komme später nur auf die wichtigsten Punkte.

Die Objektive

Der sofort sichtbare Unterschied zwischen den drei ungleichen Geschwistern liegt im Objketiv. Während das 28er und das 50er noch halbwegs kompakte Linsen sind, hat das 75er (immer umgerechnet auf Kleinbild) schon die Ausmasse *richtiger* Objektive, wie man sie von kleinen DSLR’s oder Systemkameras gewohnt ist.

Und das ist gut so: denn neben dem Sensor sind die Objektive mit das Erstaunlichste, das mir in meinem langen Fotografenleben bis heute untergekommen ist. Denn anders als bei vielen kleineren Knipsen, anders auch als die Linse der Fujifilm X100T, an der speziell bei Blende 2.0 erkennbar ist, dass das Objektiv ein (wenn auch sehr guter) Kompromiss aus möglichst kleiner Abmessung und hoher Lichtstärke ist, sind die drei Objektive der Merrills offenbar kompromisslos auf höchste Qualität ausgelegt. Offene Blende bedeutet hier zwar nur 2.8, dafür ist aber bereits ganz offen weder ein Randabfall noch ein Aufweichen der Schärfe zu sehen. Verzerrung, Randabfall, Farbverschiebungen: alles kein Thema. Die Objektiv-Kamera-Kombination ist schlicht perfekt, besser als jedes mir bekannte Wechselobjektiv. Sigma hat natürlich den Vorteil, keinen Kompromiss für Wechselbarkeit berücksichtigen zu müssen, jedes dieser Objektive ist fest mit genau einem Gehäuse und dem passenden Sensor verbunden, entsprechend kann es auch für diesen, und nur für diesen Job gerechnet und ausgelegt werden.

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Makro

Kaum jemand wird eine DP für Makro-Aufnahmen kaufen, oder auch nur auf die Idee kommen, abwegig ist dies jedoch nicht: die DP3 mit ihren 50 mm (eff. 75 mm) ermöglicht fast „echte“ Makro-Aufnahmen bis zum Massstab 1:3 ohne weitere Zusätze. Speziell für Blumen- und Insektenliebhaber ist das eine Option, zumal die Kamera durch die kleinen Abmessungen auf Wanderungen in die Natur leicht mitgenommen werden kann und auch nur ein kleines und leichtes Stativ erfordert.

Streulichtblenden

Bei diesem Perfektionismus erstaunt es mich immer wieder, dass Streu- oder Gegenlichtblenden nicht serienmässig mitgeliefert werden. Hier haben sich wohl die Kaufleute durchgesetzt: was man extra verkaufen kann, bringt zusätzliche Marge. In diesem Fall, da die Kamera ja in erster Linie und vor allem wegen der Bildqualität gekauft wird, halte ich dies jedoch für einen Fehler. Da es aber nun mal so ist, empfehle ich auf jeden Fall den Erwerb der passenden Streublenden für jede der DP’s. Nicht, dass ich eine hohe Empfindlichkeit gegen Streulicht festgestellt hätte, aber kein oder weniger Streulicht ist immmer besser als Streulicht, egal wie gut die Vergütung und das Objektiv selber in dieser Hinsicht sind. Während die Blende des längeren DP3-Objektivs eine „normale“ Tüte ist, sind die der DP1 und DP2 eher eine Art Deckel mit kleinem Ausschnitt, die auf diese Weise das Objektiv abdecken. Der Nachteil der beiden kleinen Streulichtblenden ist, dass sie lose im Gepäck herumfliegen, weil sie nicht gleichzeitig mit dem Objektivdeckel aufgesetzt werden können. Die sehr grosse Streulichtblende der DP3 lässt sich bei Nichtgebrauch verkehrt herum auf das Objektiv setzen und spart so Platz in der Fototasche.


Autofocus und manuelle Scharfstellung

Entgegen den Behauptungen auf vielen Seiten ist der Autofocus der DP’s schnell. Vor allem verglichen mit der ersten DP1, aber selbst gegenüber meiner Nikon kann ich keine wesentliche Verzögerung feststellen, solange es hell genug ist und die Kamera etwas zum Focussieren findet. Zudem gibt es ähnlich wie bei Systemkameras keine Fokusfehler wie Front- oder Backfocusing: da die Schärfe auf dem Sensor selber, und nicht auf separaten AF-Sensoren gemessen wird, ist es auf dem Bild scharf, ohne Wenn und Aber.

Allerdings muss ich zugeben, dass ich trotz aller dieser positiver Aspekte den Autofocus höchst selten, nämlich nur beim Einzelbild nutze. Sobald ich Panoramas mache, und das ist meistens der Fall mit den drei DP’s, dann stelle ich manuell scharf. Die Umschaltung ist ein Tastendruck auf die obere der vier Wippen auf der Rückseite, anschliessend erscheint eine Entfernungsskala unten im Bildschirm. Interessant wird es jedoch erst, wenn man den Auslöser andrückt (wie für den Autofocus) und gleichzeitig die Entfernung am Objektiv verstellt: sofort springt das Bild auf eine enorme Vergrösserung, so dass milimetergenau scharfgestellt und die Schärfe auch bestens kontrolliert werden kann. Kann ich beim Autofocus nur hoffen, dass er und ich das selbe Ziel anvisiert haben, so ist die manuelle Scharfstellung mit dieser intensiven Rückmeldung absolut sicher. Unter dem Strich bedeutet das für mich: wenn ich auf dem Stativ arbeite und Zeit habe, immer manuell, wenn ich unterwegs und aus der Hand fotografiere, immer Autofocus. Und beides ist für die jeweilige Situation optimal.

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Automatik?

Bei der Belichtung verlasse ich mich bei Einzelaufnahmen auf die Kamera, für Panoramas stelle ich jedoch auf manuell um. Hier ist es ja wichtig, dass alle Bilder mit den selben Belichtungseinstellungen gemacht werden, da sie ja später zu einem einzigen Bild zusammengefügt werden. Die manuelle Bedienung ist dabei so einfach wie die Zeit- oder Blendenautomatik: das Drehrad um den Auslöser verstellt die Blende, die beiden Wipptasten links und rechts von der OK-Taste auf der Rückseite machen das selbe mit den Zeiten. Das hört sich zwar nicht furchtbar intuitiv an, ist es auch nicht, wenn man die Kamera selten in die Hand nimmt, es erfüllt jedoch seinen Zweck bestens. Einsteiger-DSLR’s mit nur einem Drehrad funktionieren auch nicht anders. Bei der Belichtungsmessung verlasse ich mich auf die Elektronik der Kamera und passe nur an, wenn die Lichtverhältnisse es erfordern.

Über die diversen Belichtungsarten ist die Bedienung konsequent: wenn die Blende verstellt werden kann (A und M), dann macht man das am Rad, bei der Zeit an den beiden Wippen. Bei P (Programmautomatik) verschiebt man mit dem Rad die Zeit-Blenden-Kombination ohne Änderung des Lichtwertes, hinten an den Tasten sorgt man für die gewünschte Belichtungskorrektur (+/-).

Generell ist die Bedienung per Drehrad um den Auslöser sehr gut gelöst. Weniger schön ist die Wahl der Belichtungsmethode: statt des klassischen Drehrades mit P, A, S, M gibt es nur eine Mode-Taste, mit der neben P, A, S und M auch noch mehrere Speicherplätze abgerufen werden können. Einmal gelernt, ist das im Grunde kein Problem und funktioniert sehr gut. Dennoch: hier haben sich die Box-Designer meines Erachtens an der falschen Stelle durchgesetzt, ein Rad mit den selben Auswahlmöglichkeiten wäre auch optisch nicht soooo schlimm gewesen. Kein wirklicher Beinbruch, aber ein Punkt, wo doch die Form über die Funktion zu gehen scheint.

Akku

Gab es anfangs noch viel Gemecker und Theater um die kurzen Akkulaufzeiten der DP-Kameras, so ist das in letzter Zeit etwas abgeflaut. Das dürfte damit zu tun haben, dass sich auch mit der zunehmenden Verbreitung der spiegellosen Systemkameras die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass allgemein Kameras mit grossem Sensor und immer-an-Bildschirm (also ohne optischen Sucher) Batteriefresser sind. Dennoch sind die DP’s noch extremer: komme ich mit meiner Fuji X100T schon mal nur auf 250 Bilder, so ist bei den DP’s auch schon mal nach 70 Bildern Schluss, vor allem dann, wenn ich den Bildschirm lange brauche, um Einstellungen für Panoramas bei schwierigem Licht vorzunehmen. Es ist also weniger das Fotografieren, als vielmehr der Bildschirm und der Sensor, die auch Strom brauchen, wenn man nur einstellt.

Mich persönlich stört das allerdings nicht: ich habe immer mehrere Akkus dabei, und wenn man diese Eigenschaft kennt, dann kann man sich darauf einstellen. Für Events oder Hochzeiten, wo ein Akkuwechsel in der Hektik des Geschehens ein absolutes No-Go ist, sind die DP’s sowieso nicht gedacht, und bei den Themen, für die ich sie verwende, nervt es höchstens mal, wenn man nicht aufgepasst hat und der Bildschirm mitten in einer Panorama-Reihe dunkel wird. Selber schuld, muss man sagen, denn es gibt ja eine Akku-Anzeige, die man einfach nur beachten muss.

SD-Karte

Wie bei vielen kleinen Kameras sitzt auch bei den Sigmas die SD-Karte unter derselben Klappe an der Unterseite, unter der auch der Akku daheim ist. Für Leute wie mich, die viel mit dem Stativ und vor allem einer kleinen universellen Kamera-Adapterplatte arbeiten, war das früher nervend: man kann nicht während des Fotografierens auf dem Stativ kurz die Karte wechseln, sondern muss immer alles abschrauben. Allerdings, das muss ich zugeben, ist das heute kein Punkt mehr, der mir Kopfschmerzen macht: meine kleinste Karte hat heute 32 GB, die „normalen“ 64, und für längere Ausflüge sind 128 GB in der kleinen Kamera, gross genug auch für viele Bilder in voller Auflösung und RAW-Format. Zudem habe ich einen Adapter von RRS gefunden, der so klein ist, dass das Akkufach immer zugänglich bleibt. Problem gelöst.

Schnell allerdings sollte die Karte sein: rund 50 MB werden im RAW-Format geschrieben, und auch wenn der Pufferspeicher so gross ist, dass rund 7 Bilder in Folge ohne Verzögerung aufgenommen werden können: sobald der Puffer voll ist, dauert es. Und da kommt die Geschwindigkeit der Speicherkarte zum Tragen. Ich persönlich habe ausschliesslich noch Sandisk Extreme Pro Karten im Einsatz, sie sind nicht nur relativ schnell, auch habe ich noch nie mechanische Probleme mit ihnen gehabt, sie scheinen mir sehr zuverlässig zu sein. Was an den Sigmas auch von Vorteil ist, da sie nur über einen einzigen Kartenschlitz verfügen, anders als z.B. meine Nikon, wo ich bei wichtigen Anlässen immer auf 2 Karten parallel schreiben kann, so dass eine defekte Karte nicht den Verlust der Bilder bedeutet.

RAW

Kommen wir zur eigentlichen Archillesfärse der Sigma DP-Kameras: dem RAW-Dateiformat. Es ist das Format der Wahl: eine solche Kamera zu kaufen und zu nutzen setzt in meinen Augen die Nutzung des RAW-Formates voraus. Die DP kaufe ich für optimale Bildqualität, damit dann JPG zu fotografieren wäre absolut widersinnig. Die RAW-Dateien enthalten so viel mehr Informationen, dass man sie einach nutzen muss. Das allerdings wird einem nicht einfach gemacht: das Format ist so speziell, dass kein herkömmliches Programm es verarbeiten kann: kein Photoshop, kein Lightroom, kein garnichts. Nur Sigma PhotoPro 6 kann das, und dieses Programm ist, vorsichtig ausgedrückt, äusserst gewöhnungsbedürftig.

Die Software kann man sich kostenlos von der Sigma-Seite herunterladen und installieren. Im Grunde funktioniert sie wie ein klassischer Dateibrowser: in das Verzeichnis mit den Bildern gehen, schon tauchen sie auf. Man kann die Bilder dann bearbeiten (das ist schon weniger klassisch und einfach), die Änderungen in der RAW-Datei speichern und / oder das Ergebnis exportieren.

Ich werde mich über die Software an dieser Stelle nicht weiter auslassen. Sie ist nicht so schlecht, wie es oft beschrieben wird, aber auch nicht wirklich brauchbar, wenn man grössere Mengen an Bildern bearbeiten muss. Ich habe daher einen Weg gefunden, der mir die notwendige Freiheit und Geschwindigkeit gibt, auch grössere Mengen an Fotos schnell und sauber zu bearbeiten:

Einlesen der Bilder in der Sigma-Software. Bei Bedarf Anpassen der Farbtemperatur (Weissabgleich). Das ist der einzige Schritt, den ich hier vornehme, da hierfür die RAW-Daten unabdingbar sind. Keine weiteren Änderungen, sondern Markieren aller Bilder, anschliessend Export in das verlustfreie TIFF 16 – bit-Format.

Die TIFF-Dateien lese ich anschliessend in Lightroom ein, hier wird dann der Rest gemacht, also Helligkeit, Farbe, Kontrast etc. bis hin zur Erzeugung der Panorama-Bilder aus den Einzeldateien, sofern es sich um Panos handelt.

Ich vermeide es also weitgehend, mich überhaupt mit Sigma PhotoPro herumzuschlagen, sondern nutze es nur für den Weissabgleich und die Transformation in ein „normales“ verlustfreies Format, das ich in Lightroom oder einem anderen Programm meiner Wahl bearbeiten kann. Die einzigen beiden Nachteile sind einmal die riesigen Datenmengen, die erzeugt werden (aus den RAW-Dateien mit locker über 50 MB pro Datei werden TIFFS, die mit rund 85 MB noch grösser sind), zum Anderen die Tatsache, dass die TIFFs nicht so flexibel zu bearbeiten sind wie RAW-Dateien. Mit beidem kann ich jedoch gut leben, Speicher und Rechenleistung sind ausreichend vorhanden und auch nicht mehr so teuer wie noch vor wenigen Jahren. Und das Ergebnis ist es wert: für eine vergleichbare Bildqualität müsste man schon auf der Kameraseite wesentlich tiefer in die Tasche greifen und irgendetwas zwischen der Nikon D810 und einer Mittelformat-Pentax kaufen, um vergleichbare Ergbenisse zu erzielen.

Handling

Die meisten Punkte sind ja bereits angesprochen, daher nur noch eine kurze, eher allgemeine Bemerkung zum Handling. Die Meinungen gehen bei diesen Kameras weit auseinander: von katastrophal bis zu perfekt habe ich schon alles im Internet gefunden. Die Wahrheit liegt im Auge des Betrachters einerseits, im Einsatz der Kameras andererseits.

Nach meiner Erfahrung sind die DP’s sehr gut zu bedienen, wenn man sich einmal ausführlicher mit ihnen beschäftigt und mit den wesentlichen Funktionen und Handgriffen übt und arbeitet. Natürlich hat der schwarze Klotz nicht die gefühlte Ergonomie einer handschmeichelnden Nikon, die perfekt an die Anatomie der menschlichen Hand angepasst ist. Andererseits ist sie nach dem ersten Kennenlernen so klar und frei von Bling-Bling, dass eigentlich jeder, der sich etwas ernsthafter mit diesen Maschinchen befasst, alle Einstellungen und Abläufe aus dem FF beherrschen sollte.

Die DP’s sind in dieser Hinsicht wie Maschinen: der Zweck heiligt die Mittel, und diese sind so sachlich und frei von Design-Spielereien, dass dem fotografischen Minimalisten das Herz aufgehen müsste.

Monochrome

Durch den Aufbau des Sensors und den fehlenden AA-Filter verfügen die DP’s über eine besondere Fähigkeit, die Farbinformationen in absolut verlustfreie Schwarzweiss-Bilder umzuwandeln. Da keine Bildpunkte interpoliert, also aus ungefähren Informationen berechnet werden, die Farbinformation aber trotzdem vollständig zur Verfügung steht (anders als bei der Leica Monochrome), führt die Transformation zu Monochrom in der Sigma Pro Software zum Besten, was diesseits klassischen s/w-Films für Geld zu kaufen ist. Ohne den Verlust der enormen Schärfe und Auflösung wird eine Bandbreite an Grautönen und Helligkeiten erzielt, wie das mit kaum einer anderen Kamera möglich ist. Wer sich also für digitales Schwarzweiss interessiert, der sollte ein Auge auf die Merrills werfen.

Was fehlt?

Natürlich fehlt einiges an den kompakten Kisten: keine Anti-Wackel-Technik, kein 4K-Video (genaugenommen nicht einmal HD oder irgend etwas wirklich brauchbares), keine Motiv-Programme, nichts. Anders gesagt: eine reine Fotografie-Maschine. Wem einer der zuvor genannte Punkte fehlt, der schaut sich möglicherweise die falsche Kamera für seine Zwecke an. Der einzige Punkt, der durchaus in die Philosophie der DP’s gepasst hätte, ist die Anti-Wackel-Technik, mit ihr hätte die Kritik an der schlechten Bildqualität bei höheren (nicht hohen) ISO-Werten zumindest ein Stück weit aufgefangen werden können. Aber was soll’s: wo nichts ist, kann nichts kaputt gehen, und wer so mechanisch arbeitet, wie diese kleinen Wunderwerke der Optik das erfordern, der kommt auch sehr gut ohne aus.

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Fazit

Nach der Lektüre dieses Textes dürfte der geneigte Leser zu dem Schluss kommen, dass man schon einen Sprung in der Schüssel haben muss, um Freude an diesen kleinen Maschinen haben zu können. Das mag sein, als Betroffener kann ich darüber nicht wirklich urteilen, das Ergebnis spricht für meine Begriffe jedoch eindeutig für die kleinen schwarzen Kästen.

Es ist auch immer eine Frage des Vergleiches: wer Freude an hoher Bildqualität hat, wer sauber und gewissenhaft arbeitet, wer grosse Vergrösserungen liebt und Bilder nicht nur für Facebook macht, der wird an den DP’s seine Freude haben. Für mich ist die Arbeit mit den DP’s eher mit der Arbeit mit der Fachkamera vergleichbar: die mühsame und komplizierte Einstellerei, das Gewicht und die langsame Arbeit, alles, um ein besonderes Bild höchstmöglicher Qualität mit einem besonderen Etwas zu erzeugen. Die DP’s bieten zwar wenig zum Schleppen und nicht viel zum Verstellen, bewusstes und zielgerichtetes Arbeiten, mühsame Bildbearbeitung und ein aussergewöhnliches Ergebnis sind jedoch Parallelen zur Welt des Grossformates.

Belohnt wird man vor allem, wenn man ein wirklich gut gelungenes Panorama bei WhiteWall oder einer anderen Vergrösserungs- und Rahmungsmanufaktur unter Acryl in mindestens einem Meter Breite hat vergrössern lassen: Farben und Details sind atemberaubend.

Die DP’s sind also in meinen Augen keine Knipsen für zwischendurch und unterwegs (man kann sie natürlich durchaus auch einfach in der Handtasche mitnehmen, bei ausreichend Licht oder zusammen mit einem kleinen Reise-Tisch-Stativ sind dann natürlich auch perfekte Aufnahmen möglich), sondern ernsthafte Kameras, deren innere Grösse ihre äusseren Abmessungen weit übersteigen.

Das haben wohl auch einige Fotografen festgestellt: die Merrills sind nur noch schwer zu finden, offenbar gibt, wer eine hat, diese nicht mehr her, auch wenn sie zu Lebzeiten (sprich: als sie noch neu verkauft wurden) eher wenig gefragt waren.

Die neuen Quattros sind ähnlich gut, ihre Dateien etwas leichter zu verwalten, da kleiner, die Bildqualität nach allem, was ich gelesen habe, auf vergleichbarem Niveau. Wem also die moderne Form der Quattros gefällt, wer keine alten Merrills mehr findet oder schlicht keine gebrauchte Kamera kaufen will, der ist mit diesen Nachfolgern der Merrills ebenfalls bestens bedient.

Gäbe es 5 Sterne zu vergeben, für Landschafts- und Naturfotografen wären es deren 5. Potrait und Stills sind ebenfalls perfekt, weniger Sterne werden es, wenn man im Bereich Event / Hochzeiten zu Hause ist, und vollkommen unbrauchbar sind die DP’s natürlich für Sport und alles, wo man hohe ISO-Werte benötigt. Aber dafür gibt es schon lange andere, bessere Lösungen im DSLR- und Systemkamera-Bereich.

Für konkrete Fragen schreibt einfach, und wenn ich noch Bilder nachreichen kann, tue ich das. Die der Kameras selber fehlen noch, ich werde sehen, was ich machen kann 🙂

Holger Wahl / 20. August 2016