Nikon D750 – 2018/19 noch aktuell?

2014 habe ich einen ersten Bericht über die Nikon D750 geschrieben, er ist auf der deutschsprachigen Seite der Nikonians (www.nikonians.de) veröffentlicht. Viel hat sich seitdem getan in der Fotowelt, immerhin liegt 2014 nun schon 4 Jahre zurück, eine Ewigkeit in Zeiten moderner Technik.

Und es ist viel passiert seitdem: Fujifilm hat mit der dritten Sensor-Generation in der X-T3 und einem schnelleren und zuverlässigeren Autofocus eine durchaus brauchbare Alternative auf den Markt gebracht, wenn auch mit APS-C-Sensor. Sony hat mittlerweile seine dritte Generation der A7-Vollformat-Modelle im Handel, deren „Einstiegsmodell“, die A7 III in den Tests als D750-Alternative gehandelt wird, und von Nikon selber und Canon gibt es nun ebenfalls spiegellose Alternativen namens Z6 und R.

Dazu hat Nikon selbst für alle, deren Foto-Budget etwas Spielraum verträgt, vorher noch eine mehr als veritable DSLR-Alternative vorgestellt: die D850. Und so kenne ich auch einige Fotografen, die mit sich ringen: rund 1’600 Fr. für eine eigentlich vollkommen ausreichende D750, oder rund das Doppelte für das Nonplusultra aktueller DSLR-Kamerakunst?

Oder doch besser auf die Spiegellosen setzen, die zwar ob ihres Haben-Wollen-Faktors noch deutlich teurer sind, dafür aber kleiner, leichter, moderner?

Bevor wir uns die D750 noch einmal genauer anschauen gilt es einen Blick über den Tellerrand des Gehäuses zu werfen: für welchen Zweck wird die Kamera benötigt? Welche Infrastruktur um das Gehäuse herum brauche ich für meine Arbeit?

Denn am Ende und auf lange Sicht liegt hier der Hund begraben, die wesentliche Entscheidung fällt nicht für die Kamera, sondern für das System. Ein Gehäuse zu ersetzen, das ist eigentlich Kinderkram. Mal teurer, mal weniger teuer, aber in sich abgeschlossen. Interessant wird es, wenn man das Drumherum betrachtet: Objektive natürlich, aber auch L-Winkel oder einfache Adapter für den Schnellwechselkopf auf dem Stativ, Blitz, Taschen, Speicherkarten und so weiter.

Zweck

Video

Jemand, der sich hauptsächlich mit Video beschäftigt, der kann sich an dieser Stelle ausklinken. Denn auch wenn sich mit DSLR’s im Allgemeinen, mit der D750 im Speziellen wirklich schöne und technisch einwandfreie Videos erstellen lassen: es ist ziemlich mühsam, und eine Nikon Z6 oder Sony A7III sind einfach dafür gemacht. Zum Filmen muss bei der DSLR der Spiegel aus dem Weg sein, man arbeitet im Live-View-Modus, der Echtzeit-Betrachtung auf dem Monitor, und hier haben DSLR’s einfach zu viele Nachteile. Der relativ langsame AF ist sicherlich der gravierendste Punkt, sofern man nicht mit manueller Scharfstellung arbeitet. Aber auch die fehlende Sensor-Stabilisierung im Gehäuse, das Wegklappen des Spiegels… es ist immer nur die zweitbeste Lösung. Eine DSLR ist per Definition eine Spiegelreflexkamera, und wenn ich den Spiegel wegnehme, dann ist es eine Spiegelreflexkamera ohne Spiegel, eine Notlösung, die ihre Systemvorteile nicht nutzen kann, bestenfalls ein guter Kompromiss. Da ich keine Videos mache, sondern in erster Linie Fotos, ist das für mich allerdings kein Kriterium.

Foto allgemein

Anders sieht es bei denen aus, die eine Kamera hauptsächlich zum Fotografieren nutzen. Nicht umsonst ist die D750 das Ergebnis einer über 60-jährigen Evolution im Bau von Spiegelreflexkameras für die Fotografie. Handling, Bildqualität, vor allem aber die immense Geschwindigkeit des Systems (Einschalten, Auslöseverzögerung, Autofocus auch bei wenig Licht). Dazu kommt der grosse Sensor, der auch über 4 Jahre nach seiner ersten Präsentation immer noch zum Besten gehört, was man für diesen Betrag kaufen kann.

Foto Familie, Veranstaltungen, Freizeit

Für das Interesse an einer Nikon D750 setze ich einen gewissen Anspruch an die Bildqualität und die Flexibilität eines DSLR-Systems voraus. Wer nur ein paar Bilder in den Ferien knipst, der wird sich kaum Gewicht und Grösse einer Vollformat-Kamera antun, sondern entweder mit dem Smartphone oder einer der handlichen APS-C-Systeme fotografieren, egal ob mit oder ohne Spiegel.

Wer aber gerade von den unwiederbringlichen Erlebnissen des eigenen Lebens, der Familie, der Reisen und Anlässe perfekte Bilder heimbringen möchte, Erinnerungen, die grossformatig an der Wand oder in einem hochwertigen Fotobuch Erinnerungen für kommende Generationen festhalten, der hat mit der D750 eine der besten Kameras, die man für Geld kaufen kann.

Hochzeiten und ähnliche Feste

Wenn man sich die shotkit-Seite anschaut, wo Fotografen ihre Ausrüstung und Bilder präsentieren, dann stellt man fest, dass die D750 gerade bei Hochzeitsfotografen sehr gut vertreten ist. Das hat vor allem mit dem extrem guten Autofocus zu tun, der auch bei sehr wenig Licht, wie man es in der Kirche und am Abend nun mal hat, noch zuverlässig scharf stellt. Dazu kommt vor allem aber die Qualität des Sensors bei hohen ISO: ich fotografiere regelmässig unter solchen Bedingungen, auch Hochzeiten, und kann entspannt mit ISO 6400 und wenig mehr als Kerzenlicht arbeiten. Oder mit grösserer Schärfentiefe, weil ich noch abblenden kann, wo früher einmal bei ISO 1600 Schluss war (oder noch weniger, wenn ich an die analogen Film-Tage denke).

 

Der einzige Nachteil der D750 in diesem Umfeld, den sie sich mit allen DSLRs teilt, ist der Spiegelschlag: gerade beim Ja-Wort, der ersten Kommunion oder einer Ansprache, bei der der Redner sowieso zu leise spricht, habe ich das dezente „Klack-Klack“ des Spiegels schon verflucht. Andererseits: wenn ich Zuhörer bin, weil meine Frau fotografiert, dann stelle ich auch fest, dass mich der Spiegelschlag als Fotograf vor allem deshalb stört, weil ich ihn direkt vor dem Gesicht habe. Ist man nicht der Fotograf, so hört man zwar ein leises Geräusch, es ist aber lange nicht so störend, wie man es direkt hinter der Kamera wahrnimmt.

In Sachen AF wird die Erfahrung zeigen, ob die neuen Spiegellosen der D750 das Wasser reichen können: zwar behauptet Canon, die R könne bis zu einem EV von -6 noch scharfstellen (die D750 bis -4), allerdings mit der Einschränkung, dass sich der Wert auf ein Objektiv mit Blende f/1.2 bezieht (was kaum jemand überhaupt besitzt). Ich bin gespannt, ob im richtigen Leben überhaupt die Werte der D750 erreicht werden. Selbst die hochgelobte Sony A7III ist in der dritten Generation so weit, dass sie „fast“ so gut ist wie die D750, aber eben nur fast. Besser ist bei den aktuellen Spiegellosen lediglich die Abdeckung fast des gesamten Sucherbildes mit AF-Punkten, sowie Dinge wie Augen- und Gesichtserkennung. Es hängt also in erster Linie von der eigenen Art zu arbeiten ab, ob man das benötigt oder nicht: ich entscheide erstens selber, und ich arbeite nur mit einem AF-Punkt, dafür aber im 3D-Tracking-Modus. Und das kann Nikon perfekt.

Allerdings hat die Sony eines gemeinsam mit der D750, nämlich den zweiten Speicherkartenschacht. Das ist eines der am hitzigsten diskutierten Themen in den Foren: brauche ich zwei Karten, oder reicht eine XQS-Karte wie bei Nikon, oder sogar eine einfache SD-Karte wie bei Canons R? Wer Hochzeiten fotografiert, dem wird mit nur einer Karte immer unwohl sein: gerade Nikon hat die Doppelkarte ja unter die Fotografen gebracht, umso unverständlicher ist daher für mich, dass bei den Z-Modellen jetzt wieder darauf verzichtet wird. Klar, XQS ist wesentlich sicherer (auf Grund einer sehr anderen Speicherverwaltung als bei den SD-Karten), und ich habe in den vergangenen 14 Jahren noch nie ein Bild wegen einer defekten Speicherkarte verloren. Nur: mit der Argumentation bräuchte ich mich auch im Auto nicht mehr anschnallen, einen Unfall habe ich in der Zeit nämlich auch nicht gehabt. Und beides, die defekte Karte wie der Unfall, könnte trotzdem jederzeit passieren. Wer dem Hochzeitspaar nicht mit leeren Speicherkarten gegenübertreten möchte (im Fall der Fälle), der sollte immer zwei Karten einsetzen, die parallel und unabhängig speichern.

Reise

Wer reist und nebenher nur ein paar Bilder machen will, der ist mit dem Smartphone in der Regel schon gut bedient, alternativ mit einer Fujifilm X100F für den, der RAW bearbeiten oder einfach mehr Kontrolle und perfekte Bildqualität trotz handlicher Grösse haben möchte.

Wer aber reist, um zu fotografieren, der wird auch zwei oder drei Objektive mitnehmen, eventuell ein Stativ, Batterien, Ladegerät, Polfilter, und was man sonst noch alles braucht. Bei der Menge an Technik spielt es keine so grosse Rolle mehr, ob es (bei gleicher Sensorgrösse) eine grössere DSLR oder eine kleinere Spiegellose ist: der grosse Sensor bestimmt die Objektivgrösse, und die ist bei beiden ungefähr identisch. Nur ein Umstieg auf eine Olympus / Panasonic (MFT) oder Fujifilms X-E3 (APS-C) würde hier ein Erleichterung bringen.

Die D750 ist jedoch gemessen an ihrer Bildqualität eine perfekte Reisekamera: eine der leichtesten und handlichsten Vollformat-Kameras, dazu heute relativ günstig und leicht zu ersetzen, da überall erhältlich und schnell lieferbar, so dass ein Diebstahl oder Überfall kein ernsthafter Beinbruch ist (sofern man die Speicherkarte nachts oder unterwegs separat lagert). Vor allem in Kombination mit zwei kleinen Festbrennweiten aus der f/1.8-Serie (20, 24, 28, 35, 50 und 85 mm) ist die D750 ein handliches Leichtgewicht mit enormer Bildqualität.

Sport

Wer Sport beruflich fotografiert, der dürfte eher im Lager der D5- oder D500-Fotografen zu finden sein. Trotzdem setzen wir seit Jahren die D750 im Vereinssport ein: zwar ist sie nicht so schnell wie eine D5, weil aber gerade im Vereinssport das Licht häufig schlecht ist (Flutlicht oder Halle) und Anlässe meist am Abend stattfinden, spielt die D750 hier ihre Sensor- und AF-Vorteile wie bei den Hochzeiten aus. ISO bis 12’800, dazu ein Objektiv mit konstanter Blende (70-200 mm f/4, weil es so schön leicht und extrem schnell ist), damit kann jeder Anlass zuverlässig abgedeckt werden.

Studio und Location

Wir setzen die D750 oft im Studio und vor Ort ein. Manchmal mit den Nikon-Systemblitzen, wenn wir beweglich sein müssen und die D750 mit ihrem eingebauten Blitz als Master nutzen, meist aber mit zwei oder drei Studioblitzen und dem Funkauslöser. In diesem Bereich habe ich schon einige Kameras getestet, die D750 ist für mich nach wie vor (fast) unschlagbar: Einstellungen, der klappbare Bildschirm, die Vergrösserung auf dem Bildschirm für die manuelle Scharfstellung, das geringe Gewicht, wenn ich aus der Hand arbeite, das perfekte Handling der Kamera, und schliesslich die Bildqualität. „Fast“ unschlagbar, weil speziell die D850 von Nikon alles noch ein bisschen besser kann, allerdings wiegt sie spürbar mehr, und sie kostet auch entsprechend mehr. Und weil ich bei Aufträgen immer ein zweites Gehäuse brauche, zur Sicherheit und um Objektivwechsel zu vermeiden, also schneller arbeiten zu können, habe ich lieber zwei D750-Gehäuse statt einer Super-D850 (dazu müsste ich hauptamtlich fotografieren, dann würde es sich vielleicht lohnen).

Fazit Zweck und Einsatzmöglichkeiten

Bis auf den Video-Bereich, für den es definitiv bessere Lösungen gibt, ist die D750 nach wie vor eine der besten Lösungen für alle, die Fotografie ernsthaft betreiben: ein fast perfektes Werkzeug, dass weniger durch einzelne herausragende Eigenschaften auffällt als durch ein optimales Gesamtkonzept. Die Mischung aus dem kompakten Gehäuse, dem immer noch hervorragenden Sensor, dem Handling, der Konfigurierbarkeit (mit den beiden Speicherplätzen U1 und U2) hat dafür gesorgt, dass die D750 in fast allen Feldern der Fotografie immer noch eine der besten Lösungen darstellt. Dazu kommt ein enorm breites Angebot an Zubehör genauso wie eine extrem umfangreiche Objektivpalette, egal ob von Nikon selber oder den Drittherstellern wie Zeiss, Tamron, Sigma, Tokina und Anderen.

Die Infrastruktur: Objektive und Zubehör

Zwar ist mit der digitalen Kamera das Gehäuse mehr als nur der lichtdichte Behälter für den Film (den man wechseln konnte, was beim Sensor ja eher nicht der Fall ist), aber am Ende entscheidet nicht primär der Sensor über das Ergebnis, sondern, neben dem Auge des Fotografen, vor allem das Objektiv.

Und Objektive gibt es für die D750 für jeden Zweck: vom Ultra-Weitwinkel bis zum extremen Tele, vom Tilt- und Shift-Objektiv (von Weit bis Tele) bis zu Spezialobjektiven für Mikroskopie, industrielle Zwecke etc.

Dazu kommt der riesige Gebrauchtmarkt: die D750 kann mit praktisch allen Objektiven mit dem F-Bajonett bestückt werden, die in den letzten 50 Jahren gebaut wurden.

Und wer bei Nikon selber nichts findet, der kann sich bei Tamron, Tokina, Sigma und Zeiss umschauen, dazu kommen neue, teils ehemalige Billiganbieter wie Samyang, die nun ebenfalls günstige, aber optisch hervorragende Alternativen vor allem bei speziellen Festbrennweiten anbieten.

Zwar können gerade spiegellose Systemkameras durch ihr kleines Auflagemass über einen Adapter fast alle Fremd-Objektive ebenfalls aufnehmen, meine Erfahrung (mit der Sony A7 und der Fujifilm X-T2) ist aber die, dass das immer nur Notlösungen sind: das Handling passt nicht wirklich zusammen, der Adapter verlängert das Objektiv und erhöht das Gewicht, und nicht bei allen Objektiven funktioniert alles, nicht nur der AF, selbst die Blendensteuerung ist bei älteren Linsen nicht immer gegeben. Möglich also ja, aber in meinen Augen auch nicht mehr als eine Notlösung.

Wer ernsthaft fotografiert, der sollte auch weitere Elemente um die Kamera herum beachten: L-Winkel oder andere Stativ-Adapter, die es kameraspezifisch von einer ganzen Reihe von Herstellern gibt, den Batterie- und Multifunktions-Handgriff, der die Kapazität auf mehrere tausend Bilder pro Akku-Ladung erhöht und im Hochformat für optimales Handling sorgt, Blitzgeräte, Silikon-Schutzhüllen für erschwerte Umgebungsbedingungen und vieles mehr.

Nicht nur, dass diese Dinge überhaupt verfügbar sind, es gibt auch dank des Alters der Kamera und vor allem des Systems den Vorteil, dass vieles davon, Zubehör wie Objektive, gebraucht zu finden ist, so dass eine umfangreiche und perfekt aufeinander abgestimmte Ausrüstung auch mit wenig Geld aufgebaut werden kann.

Die Kamera

Zur Kamera selber gibt es so viele Artikel im Netz, dass ich mir eine erneute Beschreibung spare. Wichtiger ist aus meiner Sicht die Frage zur Positionierung im Jahr 18/19: ist die D750 im Vergleich noch dort, wo sie 2014 war? Gibt es Alternativen, die vieles, was 2014 der Hit war, heute alt aussehen lässt?

Die Konkurrenz

Nikon-intern gibt es auf der DSLR-Seite die D850, die Hierarchie- und Kostenmässig über der D750 rangiert. Natürlich ist sie mit der fast doppelten Auflösung, dem fehlenden AA-Filter, einem schnelleren Prozessor und neuem AF der D750 in Vielem überlegen, nur: sie wiegt 40% mehr, sie ist deutlich grösser, und sie kostet rund das Doppelte der D750. Sind ihre Bilder auch doppelt so gut? Das muss jeder für sich beurteilen: Landschafts- und Studiofotografen werden vor allem die Auflösung begrüssen, Sportfotografen die Geschwindigkeit, für den grössten Teil der Anwendungen aber kann ich einen Vorteil, der dem Zuwachs an Gewicht, Grösse und Preis entspricht, nicht erkennen. Zumal die Dateigrösse mehr Rechenleistung in der Nachbearbeitung wie auch doppelt so viel Speicherplatz erfordert. Trotzdem: für Qualitäts- und Details-Fanatiker ist die D850 eine Alternative, ein Art Über-D750 mit allen Vorteilen einer Nikon DSLR.

Die derzeit stärkere Konkurrenz kommt jedoch nicht von DSLR-Alternativen, egal ob von Nikon selber oder dem ewigen Konkurrenten Canon, sondern aus dem Lager der spiegellosen Systemkameras.

Sony hat mit der A7 heute die dritte Generation am Start, ihr kann ich jedoch aus mehreren Gründen nicht so viel abgewinnen. Einmal sind Haptik, Handling und das Menü auch im dritten Anlauf für jemanden, der seit Jahren mit Nikon arbeitet, schlicht ein Elend: Geräte bestenfalls, aber keine Werkzeuge, deren Form sich nahtlos dem Zweck anpasst, die nach kurzer Zeit blind und flüssig bedient werden könnten. Dazu kommt das immer noch eingeschränkte Angebot an Objektiven: es ist wesentlich besser geworden, das stimmt, und die neuen G-Objektive sind optisch absolut hervorragend. Neben der relativ begrenzten Auswahl sind es aber vor allem die Preise, die mich abschrecken: ein Set aus den wichtigsten Festbrennweiten mit Blende f/1.8 und zwei Standardzooms mit konstanter Blende f/4 kostet für die A7 einiges mehr als für meine Nikon. Wer filmt, für den mag Sony eine Alternative sein, das „Denken“ in Fotografie, die Hingabe zu diesem Thema kann ich bei Sony jedoch auch heute noch nicht wirklich erkennen. Das mag jedoch jeder beurteilen, wie er will.

Nikons eigene Z-Serie dürfte auch zu einer Kannibalisierung innerhalb von Nikon führen, natürlich auch durch den FTZ-Adapter, der alten Nikon-Fotografen die Nutzung all ihrer schönen Objektive auch in der neuen spiegellosen Welt ermöglicht. Mich persönlich interessieren die Z6 und Z7 natürlich, jedoch sind sie zumindest aktuell schlicht zu teuer: was kann die Z6 mehr, das einen Aufpreis von aktuell rund CHF 600.00 rechtfertigt (oder bis über CHF 1’000, wenn man die D750-Aktionen abwarten kann, die es immer wieder gibt)? Sicher, Spiegellos ist ohne Zweifel die Zukunft, aus meiner Sicht ist der Schritt von der D750 zur Z6 jedoch noch zu klein, als dass sich die Mehrkosten lohnen würden. Zumal die spezifisch für dieses System konstruierten Objektive erst in den kommenden Jahren erscheinen werden. Natürlich kann ich meine F-Objektive dank Adapter weiterverwenden, aber sind mir die Nachteile der Spiegellosen wie kürzere Akku-Laufzeit, Frontlastigkeit bei schweren Objektiven und eben nur ein Speicherkartenfach einen Mehrpreis wert? Im Moment noch nicht, denke ich.

Trotz des Schwerpunktes im Vollformat-Bereich muss ein Konkurrent erwähnt werden, der Nikon sicherlich noch mehr zu schaffen macht als der alte Konkurrent Canon oder gar Sony: die APS-C-Kameras von Fujifilm. Fujifilm ist eine alte, fest in der Fotografie verankerte Firma, die schon Objektive für Hasselblad gebaut hat, mit der „Texas-Leica“, der Sucherkamera im 6×9-Negativformat Geschichte schrieb, und die in relativ kurzer Zeit ein ganzes System aus dem Boden gestampft hat: das Fujifilm X-System, mit Kameras wie der X-T3, der X-Pro-Serie und natürlich der kleinen X100-Baureihe. Vor allem die Objektive wurden klug aufgebaut: Standard-Kit-Zooms wie das 18-55mm f/2.8-4, das qualitativ vielen Profi-Linsen der Konkurrenz heimleuchtet, kleine, günstige Festbrennweiten, dazu aber auch sehr kurze und längere Zooms, alles in optischer und haptischer Spitzenqualität mit viel Metall, schönen Gravuren und Spitzenoptik. Ich selber habe länger mit der X-T2 gearbeitet, sie war meine digitale Wiedergeburt von Nikons FM2n und F3, Kameras, die ich mir immer von Nikon gewünscht und nie bekommen habe.

Dass ich am Ende doch wieder zu meiner D750 zurückgekehrt bin, das hat mit mehreren Dingen zu tun: so schön die klassische Form der Fujifilm-Kameras ist, wenn man viel mit der Kamera arbeitet, dann ist das Handling der D750 doch um einiges praktischer. Die Kamera liegt besser in der Hand, die Funktionen sind zwar nicht so schön offensichtlich wie im klassischen Fujifilm-Design, aber wenn sie in Fleisch und Blut übergehen, dann sind sie besser und einfacher zu handhaben als die schönen Drehräder und Schalter, die doch immer wieder Sichtkontakt benötigen. Dazu kommt der Sensor: so gut der X-Sensor ist, und er ist wirklich kaum vom FX-Sensor der D750 zu unterscheiden, was die Bildqualität betrifft, so sehr habe ich den Schärfentiefe-Effekt des grösseren Sensors und der damit längeren Brennweiten vermisst. Dazu hat mir auch immer ein spezielles Allround-Objektiv gefehlt, das wohl demnächst noch kommt, für mich aber gefühlte Jahre zu spät: ein (auf Vollformat umgerechnet) 24-120mm Zoom mit fester Blende f/4 und höchster Bildqualität. Nikon hat dieses Objektiv gleich zwei Mal: einmal für die FX-Kameras, als 16-80mm f/2.8-4 aber auch für seine APS-C-Kameras (DX in Nikon-Sprech), und beide sind ideale Begleiter bei Reisen und Events.

So ist mir von Fujfilm am Ende nur die X100F geblieben, eine Kamera für Unterwegs, Events und Familie, zu der es meines Erachtens im Moment keine Alternative gibt, deren Bildqualität fast auf dem Niveau meiner D750 liegt.

Die Zukunft

Wie geht es weiter mit Nikon Spiegelreflexkameras? Soll ich noch in das F-Bajonett investieren, Objektive kaufen, die zwar später einmal über den FTZ-Adapter weiter genutzt werden können, aber die Vorteile der grossen Öffnung des Z-Systems nicht nutzen?

Das Z-System steht erst am Anfang einer sicherlich sehr langen Entwicklung. Wie schnell (oder eben langsam) neue Objektive auf den Markt kommen, das hat man bei der Konkurrenz beobachten können, und traditionell gehört Nikon nicht zu denen, die grosse Mengen in kurzer Zeit liefern können. Es werden also noch einige Jahre ins Land gehen, bevor das Z-System einen ähnlichen Umfang haben wird wir das der Spiegelreflex-Nikons mit ihrem F-Bajonett.

Ich gehe auch davon aus, dass die D750 noch mindestens ein Update erfahren wird: Dinge wie Touch-Screen, BSI-Sensor und XQD-Kartenschacht dürften hier auch noch auftauchen, egal ob das dann D760 oder D750s oder wie auch immer heissen wird.

Auf der Seite der spiegellosen Systemkameras hat die Entwicklung erst begonnen: wer hier investiert, der zahlt einerseits jetzt noch horrende Preise, andererseits investiert er natürlich in ein System, das über die Jahre noch wachsen wird.

Die wirklich grossen Sprünge in der Bildqualität werden wir nur noch begrenzt erleben: natürlich sind in den Labors Sensoren unterwegs, die bei ISO-Werten von über 100’000 noch einwandfreie Bilder liefern, nur halte ich es für fraglich, wer ausserhalb des Journalismus und der professionellen Sportfotografie solche Werte tatsächlich benötigt. Der Schwerpunkt liegt aktuell eher im Autofocus: Augen- und Gesichtserkennung, Focus-Tracking, zuverlässiges Scharfstellen auch bei wenig Licht. Dazu kommen teilweise nützliche Funktionen wie die Speicherung von Bildern bereits beim Andrücken des Auslösers und nach dem Auslösen, so dass man sich den perfekten Moment nachträglich aussuchen kann, ausserdem Bilder mit veränderlichen Schärfeebenen und weitere Gimmicks, die mit der eigentlichen Fotografie immer weniger zu tun haben.  Nach meiner Erfahrung sind viele dieser Dinge Software-Spielchen, die die Bedienung und die Menüs der Kamera unnötig komplizieren, die eben gemacht werden, weil man es über die Software relativ einfach kann und es sich in den Eigenschaftslisten der Vergleichstests gut macht.

Was sagt das nun aber über den heutigen Entscheid für eine D750, eine Spiegellose, oder gar das Warten auf bessere Zeiten, noch mehr Technik vom Feinsten?

Fazit

Waren die DSLRs der ersten Jahre ab ca. 2004 noch einem etwa 2-jährigen Innovations-Rhythmus unterworfen, der jedes Mal auch tatsächlich wesentliche Verbesserungen in Bildqualität, Rauschen, Geschwindigkeit brachte, so hat sich er Rhythmus jetzt auf eher klassische Zeiträume verlangsamt. Die D750 ist heute noch so gut, dass in der Regel eher das Können des Fotografen Grenzen setzt als die Qualität der Kamera, und das wird auch noch einige Jahre so bleiben.

Technisch und bildmässig messbar bessere Kameras gibt es aktuell nur im deutlich teureren Bereich (Nikon D850, die Mittelformate von Fujifilm, Hasselblad und Leica), vergleichbare Kameras wie Nikons Z6, Sonys A7 III oder Canons R sind ebenfalls teurer, weil neu und hipp, dazu sind Objektive meist noch rar und teuer, ohne dass das die Bildqualität, das Ergebnis, spürbar besser ausfällt.

Wer in erster Linie fotografiert, nicht filmt, für den ist die D750 aus meiner Sicht auch vier Jahre nach der Lancierung dieser Kamera eine gute und langfristige Investition. Vor allem in Kombination mit Cashback-Aktionen, Black Friday oder Cyber-Monday-Angeboten kauft man mit einer D750 eine Kamera, mit der viele Profis ihr tägliches Brot verdienen, die noch auf Jahre Ergebnisse liefern wird, deren Grenzen selten die Kamera, sondern meistens das Können des Fotografe sein dürften.

Ich selber hatte die Z7 samt Adapter und Objektiv sofort bei Erscheinen bestellt, nach der ersten Euphorie diese Bestellung doch wieder storniert und stattdessen bei einem Sonderangebot für ein Tamron 15-30mm f/2.8 Superweitwinkel zugegriffen. Mit diesem habe ich bereits den ersten Auftrag fotografiert, natürlich mit der D750, und ich habe es nicht bereut, im Gegenteil. Denn bis heute ist die D750 für mich die Kamera, die ich auf die sprichwörtliche einsame Insel mitnehmen würde, dürfte ich nur eine aussuchen.