Fujifilm X100T

Meinen erster Kontakt mit der kleinen X100 (damals noch ohne S oder T) hatte ich auf der Photokina 2010: Fujifilm stellte die ersten Vorserienmodelle der X100 aus, festgeschraubt auf einem Stab, so dass man zwar einen ersten Blick durch den Sucher nehmen konnte, so richtig „anfühlen“ aber noch nicht möglich war. Ich war trotzdem begeistert: fast wie meine erste „richtige“ Kamera überhaupt, einer 35mm Messucher-Kamera von Ricoh, der 500 GX. Nur schöner, klarer in den Details, mit einem wahrscheinlich sehr guten Objektiv (das konnte ich damals nur vermuten, ging aber davon aus, weil Fuji ja zuvor schon wunderbare Objektive gebaut hat), und dem einmaligen Hybrid-Sucher.

Als die X100 dann tatsächlich verfügbar war, habe ich sie mir doch nicht gekauft: zu langsam, zu teuer, mit rund 12 Megapixel auch zu wenig Auflösung für meinen Geschmack.

Dann kam die X100s: eigentlich alles, was ich zu meckern hatte, war erledigt, nur teuer blieb sie noch. Aber ich hatte mit der Zeit immer mehr Berichte von Nutzern gelesen, aber auch von Umsteigern auf die anderen X-Kameras, die X-E1 und die dann erschienene X-T1. Da die Sensoren all dieser Kameras identisch waren, beschloss ich, einen „gemischten“ Umstieg zu proben: statt der X100s kam die damals relativ frische und günstige X-E2 in meine Fototasche. Ich wollte wissen, wie gut der X-Sensor wirklich war, ohne das viele Geld für die X100s oder die X-T1 auszugeben. Das Ergebnis war ernüchternd: die Schlussfolgerung, die ich ziehen durfte, ist auf den deutschsprachigen Seiten der Nikonians nachzulesen.

Trotzdem suchte ich weiter nach der „perfekten“ Reisekamera, die, die man auf den Spaziergang mit dem Hund mitnimmt, zum Kundentermin im Tessin in den Rucksack wirft oder auf jedes Treffen mit Freunden und Familie einsteckt, die jeden-Tag-Kamera für perfekte Bilder ohne viel Aufwand. Ich fand sie nicht, weder in Form der Sony A7 (zu gross, zu schwer, zu laut, zu langsam), noch in Form der Nikon Coolpix A (28 mm sind für diese Zwecke für mich zu weitwinkelig, auch wenn die Qualität der Bilder mich absolut begeistert), noch in der Sony RX100 (zu kleiner Sensor). Gleichzeitig schaute ich meine Event- und Reisebilder durch, die ich mit den Nikon DSLR’s gemacht hatte, und stellte fest, dass der Grossteil der Bilder mit um die 35 mm Brennweite herum entstanden war.

So landete ich immer häufiger auf der Fujifilm X100T-Seite meines bevorzugten Online-Fotohändlers, und irgendwann klickte ich dann doch auf „Bestellung abschliessen“ für eine schwarze X100T im Set mit der Leder-Bereitschaftstasche und der Streulichtblende samt Adapterring.

Und eines kann ich vorab schon sagen: diesen Kauf habe ich nicht bereut.

Die X100F hat in der Zwischenzeit ja die T abgelöst, die Neuigkeiten dabei sind auch durchaus bemerkenswert: vor allem der AF-Joystick, das zweite Funktionsrad vorne und natürlich der neue Sensor bringen die Kamera auf den aktuellen technischen Stand. Als gleichwertigen Backup für eine X-T2 oder X-PRo2 dürfte die F sehr verlockend sein, die grössere Pixel-Zahl lässt mehr Spielraum für Ausschnitte, der AF ist schneller und die Bildqualität vor allem bei wenig Licht wohl etwas besser. Die T wird aber durch das Erscheinen der F nicht wirklich schlechter, zumal auch das Objektiv unverändert geblieben ist. Von daher werde ich meine T wohl noch länger nutzen, auch dürfte manchem Interessenten eine günstigere T besser ins Budget passen als eine neue F.

Aber kommen wir erst einmal zu den Äusserlichkeiten und technischen Details der T. Wie bei den meisten elektronischen Geräten wird es wenige Menschen geben, die jede Funktion in- und auswendig kennen, und so gehe auch ich davon aus, dass ich durchaus einige Fähigkeiten der Kamera nicht oder zu wenig kenne, als dass ich kompetent darüber berichten könnte. Wer also einen klassischen technischen Bericht aller Funktionen und Einstellungen erwartet, der liegt hier sowieso schief, ich vermittle meine persönliche Erfahrung, alles andere darf der geneigte Leser auf dpreview.com oder ähnlich kompetenten Technik-Seiten nachlesen.

Die Farbe: schwarz oder silber?

Wer nicht sowieso eine klare Präferenz bezüglich der Farbe hat, der wird an diesem Punkt wohl länger nagen: schwarz oder silber? Unauffällig oder klassisch? Oder ist diese Kamera in Schwarz überhaupt unauffällig, kommt sie dann nicht doch mehr wie eine „normale“ Kamera daher? Betont silber nicht den klassischen, unscheinbaren Look? Man kann stundenlang darüber diskutieren, hirnen, überlegen, am Ende gibt es in der Regel keine wirklich befriedigende Lösung. Ich persönlich habe das schwarze Exemplar gewählt, würde aber, das muss ich zugeben, beim nächsten Mal doch die silberne wählen. Warum? Ich finde sie doch etwas schöner… Oder doch nicht? Aber eben, rein sachlich gibt es überhaupt keine Differenz, technisch und auch preislich ist die X100T in allen Farben absolut identisch.

Das Äussere

Auf den ersten Blick wirkt die kleine X100T absolut klassisch. Nur von vorne betrachtet ist für den Laien kaum auszumachen, ob es sich um eine digitale oder eine analoge Kamera handelt. Höchstens den kleinen Fn-Knopf neben dem Auslöser würde man an einer analogen Kamera wohl nicht finden, und das Rad für die Belichtungskorrektur wäre zumindest befremdlich. Dafür sticht der Sucher hervor, gross und schön, an eine Leica oder ältere Messsucher-Kamera erinnernd.

Der Rest ist Klassik pur: ein kleiner Auslöser mit integriertem Gewinde für einen Drahtauslöser, den An-/Aus-Knopf, der sich um den Auslöser legt, das Zeitenrad mit Werte von 1 bis 4000, A, B und T, und schliesslich der Blitzschuh. Von vorne gesehen ist links neben dem Objektiv noch ein Hebel zu sehen, der früh entweder die Filmrückspulung gelöst hätte oder den Selbstauslöser, heute ist er für die Umschaltung der Funktion im Hybrid-Sucher zuständig.

Richtig digital wird es natürlich auf der Rückseite: der Bildschirm ist nicht zu übersehen, und auch die Tastenvielfalt ist alles andere als analog. Trotzdem: von den kleinen Kameras mit grossem Sensor, die am Markt verfügbar sind, ist diese nach meiner Auffasung eine der schönsten. Nun muss Schönheit nicht gleichbedeutend mit guter Funktionalität oder perfektem Ergebnis sein, wie überall gibt es die wirklich Schönen, aber eben auch die nur Schönen. Zu welcher Sorte die X100T gehört, davon hatte ich schon gelesen, die eigene Erfahrung hat dies dann aber bestätigt.

Aber schauen wir uns die Kamera einmal im Detail an, nicht im Sinne einer Beschreibung (dazu ist das Handbuch da), sondern im Hinblick auf die Leichtigkeit und Logik der Bedienung, die Qualität des Ergebnisses und die Freude an der Arbeit mit dieser kleinen Bildermaschine.

Handling

Wie gut oder schlecht die Bedienung ist, das hängt stark von der Nutzung einer Kamera ab. Ein Studiofotograf hat andere Anforderungen als ein Sportprofi, Hochzeiten verlangen andere Einstellungen und ein anderes Vorgehen als Street und Events. Letztere beiden, also Street, Events, dazu noch Familien- und Reisefotografie, das sind meine Anwendungsgebiete für die X100T. Dazu ist sie noch meine Backup- und Geräuschlos-Kamera in der Kirche, egal ob Hochzeit oder Kommunion.

Für diese Themen ist die X100T gemacht: unauffällig, klein, lautlos. Aber ist sie auch schnell genug?

Mit schnell meine ich nicht nur das Einschalten, den AF und die Auslöseverzögerung. Mit schnell meine ich auch, dass Einstellungen schnell den sich ändernden Umgebungsbedingungen angepasst werden können, dass man die aktuellen Werte prüfen kann, ohne sich erst durch verschachtelte Menüs klicken zu müssen.

Um es kurz zu machen: sie ist in jedem Fall ausreichend schnell. Perfekt sind natürlich die Einstellräder und der Blendenring um das Objektiv: Ich muss nicht wissen, wofür «A» oder «S» steht und welches Rädchen in welchem Fall mit welcher Taste welche Funktion ausübt: wenn ich eine automatische Blende haben will oder einen spezifischen Wert, stelle ich dies am Blendenring ein. Das selbe bei der Zeit. Ein direkter Eingriff am eindeutigen Bedienelement, keine verschachtelten Abhängigkeiten.

Das selbe gilt für die Zeit: ob sie auf Automatik steht oder auf einem spezifischen Wert, das sehe ich mit einem Blick auf das Rad.

Damit werden mit dem Bedienkonzept vor allem Fotografen glücklich, die die Grundlagen der Fotografie kennen: denn statt des PMAS-Rades, ergänzt durch die Motivprogramme und das meist grüne Symbol für den „Idiot-Mode“, wie sie auf praktisch allen Einsteiger-DSLR‘s zu finden sind, reduziert die X100T nicht nur auf das Wesentliche, sondern legt es auch noch an den richtigen Ort: die Blende an das Objektiv, die Zeit an das Zeitenrad. Keine Mode-Taste, keine Drücken-und-Drehen, einfach den gewünschten Wert einstellen, fertig.

Licht und Spiegelungen

Ausreichend Licht ist allerdings Voraussetzung: wenn es so dunkel wird, dass ich den Wert auf dem Blendenring oder dem Zeitenrad nicht mehr erkennen kann, dann habe ich natürlich ein Problem. Allerdings bin ich dann nicht der Einzige: in der Regel hat dann auch der Autofocus der X100T ein Problem, Scharfstellen wird dann zur Glückssache. Wer wie ich mit der Nikon D750 gewohnt ist, dass die Kamera noch scharf stellt, wenn ich selber das praktisch nicht mehr beurteilen kann, der muss mit der X100T wieder kleinere Brötchen backen.

Die Lesbarkeit der Skalen bei wenig Licht ist übrigens der Hauptgrund, warum ich bei der nächsten X100(F?) ziemlich sicher die silberne Version wählen werde, wo die schwarz ausgelegten Zahlen auf dem hellen Grund besser zu sehen sein sollten, wenn das Licht schwächer wird.

Zurück zum Handling. Perfekt gelöst sind die vielen Möglichkeiten, Funktionen auf spezifische Tasten der Kamera zu legen. Auf diese Weise umgeht man das Menü weitgehend: ISO, Weissabgleich, Autofocus-Betriebsart, Filmsimulation, alles Wichtige kann auf die diversen Tasten der Kamera, unter anderem auch die 4 Wippen auf der Rückseite, gelegt werden.

Ein Sonderfall ist die Funktion für die Steuerung des AF-Punktes: anders als bei der X-T2, X-Pro2 und X100F, wo eine Art kleiner Joystick den direkten Zugriff auf das AF-Feld zulässt, muss ich hier per Tastendruck erst die AF-Feldauswahl einschalten, bevor ich das Feld verschieben kann. Umständlich, vor allem dann, wenn man den direkten Zugriff der Nikon oder gar den Joystick der X-T2 gewöhnt ist. Mit der X100T stört das in meinem Fall jedoch nicht wirklich: ich arbeite meistens mit einem fest mittig eingestellten AF-Feld, peile mein Schärfe-Ziel an, halte den Auslöser angedrückt und suche dann den gewünschten Bildausschnitt.

Gesichtserkennung oder andere „intelligente“ AF-Funktionen nutze ich mit der kleinen Kamera nicht.

Mit den „grossen“ Fujis teilt sich die X100T den Druck auf das hintere Einstellrad: ich habe es so eingestellt, dass das Bild vergrössert dargestellt wird. Bei der Aufnahme (mit dem EVF) wie bei der Wiedergabe kann ich so kontrollieren, ob die Schärfe an der richtigen Stelle sitzt, ohne auch nur die Kamera vom Auge zu nehmen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Handling der Kamera für ihre Zwecke hervorragend ist: schnell, direkt, und bei individueller Konfiguration perfekt auf die spezifischen Bedürfnisse zugeschnitten.

So niedlich die X100T aussieht: in vielen Punkten ist sie extrem professionell. Das bedeutet: viele Möglichkeiten, aber auch, sofern man nicht einfach rein automatisch arbeiten will, einiges zu erlernen und zu definieren. Optimal ist das natürlich, wenn man die X100T als Zweitkamera zu einer X-T2 oder X-Pro2 nutzt und die Tastenbelegung ähnlich aufbaut. Dann geht die Bedienung schnell in Fleisch und Blut über.

Traditionalist?

Speziell bei Berichten zu neuen Leica-Kameras gibt es immer sofort jede Menge Kommentare, die die Liebhaber dieser Kameras in die Ecke seniler Traditionalisten in Lederhosen stellen, die zu viel Geld für Image und Schmuck-Kameras ausgeben. Zwar bewegen sich die Fujis nicht in den Preisregionen der Leicas, die Kritik am Bedienkonzept klingt jedoch oft ähnlich. Das halte ich für eine grobe Fehleinschätzung: bei aller Rechnerleistung und tollen Bildschirm-Menüs stellt die mechanische Nutzer-Schnittstelle immer noch ein ergonomisches Optimum dar: direkter Zugriff, haptische Rückmeldung, eindeutiger Zustand. Am Ende ist Fotografie immer noch primär eine Kombination aus Zeit, Blende, Film-/Sensor-Empfindlichkeit und Entferungseinstellung, mehr nicht. Diese vier Grössen sollten immer direkt im Zugriff des Anwenders sein, der Zustand ohne Menü, ohne Bildschirm direkt verifizierbar. Die Bildschirm-Menüs sind eine geniale Ergänzung, sie sollten jedoch vor allem die „indirekten“ Parameter übernehmen, die eher grundlegenden Einstellungen der Kamera.

Zu den Leica-Preisen sei zudem gesagt, dass jeder, der sich in industrieller Fertigung und Kostenrechnung auskennt, diese durchaus nicht für übertrieben hoch hält: ein relativ kleines Unternehmen, das zum grossen Teil in Deutschland fertigt, hat immer das Dilemma, dass kaum grosse Stückzahlen erreicht werden können (weder vom Produkt noch von den Kapazitäten her), gleichzeitig aber die Kosten von Personal über die Produktion bis hin zu Abgaben und Infrastruktur weit über denen der asiatischen Konkurrenz liegen. Eine hiesige Produktion, die Menschen hier Arbeit und Lohn gibt, ist also praktisch nur im High-Tech- oder eben im High-Quality-Bereich möglich, wo der Aufwand honoriert werden muss. Dies nur als Kommentar, nicht zum  eigentlichen Thema, aber weil es mich immer wieder einmal umtreibt…

ISO-Automatik

Die ISO-Automatik erhält in diesem Bericht einen eigenen Absatz, der zudem direkt nach dem Handling kommt, und dafür gibt es einen Grund: die Logik und die Bedienung sind für meine Anforderungen sehr gut gelöst.

Anders als die X-T2 besitzt die X100T kein eigenes Einstellrad für den ISO-Wert. Ich habe mir die ISO-Einstellung direkt auf die kleine Taste mit dem roten Punkt neben dem Auslöser gelegt, die normalerweise für das Filmen zuständig wäre (was ich nicht nutze, aber man kann auch eine der anderen Tasten verwenden).

The Blackfriar

Beim Druck auf die Taste erscheint die Auswahl der ISO-Werte von 200 bis 6400, dazu L (für 100), H (für einen Wert zwischen 6400 und 51200, den man spezifisch festlegen kann), sowie 3 Automatik-Werte.

Die drei Automatik-Werte lassen sich mit verschiedenen Kombinationen von maximalem ISO-Wert und längster Verschluszeit belegen. So kann man sehr schnell umschalten zwischen einem festen Wert, einer Automatik für unbewegte Szenen (mittelhoher ISO-Wert, relativ lange Verschlusszeit) und Werten für z.B. Sport, d.h. hoher ISO-Wert, kurze Verschlusszeit. Diese Möglichkeit, gleich 3 Automatik-Kombinationen vorzubelegen, gefällt mir extrem gut.

Das Objektiv

Das winzige Objektiv mit der schönen Lichtstärke f/2.0 ist perfekt für die Kamera: ein klassisches 35er (auf Kleinbild umgerechnet), das sich für Portraits genauso gut einsetzen lässt wie für Landschaften, Reisebilder oder Events. Durch die Blende 2.0 sind unscharfe Hintergründe möglich, die Schärfe ist dabei schon hervorragend.

Die Bedienung ist ebenfalls einfach: der Blendenring lässt sich mit Hilfe der beiden „Ohren“ gut greifen, lediglich der Ring für die manuelle Scharfstellung ist ziemlich schmal und zwangsläufig ziemlich dicht am Blendenring, so dass er nicht so einfach zu greifen ist. Wer regelmässig mit manueller Scharfstellen arbeitet, dürfte mit einer X-E2s mit grösserem Wechselobjektiv glücklicher werden, für Gelegenheits-Handbediener ist die Lösung jedoch mehr als ausreichend. Zumal es je nach Einstellung des Hybridsuchers auch ordentlich Hilfe beim Scharfstellen gibt: drücke das Drehrad, und im elektronischen Sucher wird das Bild vergrössert. Oder schalte im optischen Sucher das kleine digitale Fenster dazu, dieses sorgt für den selben Effekt.

Im Vergleich zum 23mm f/1.4 Wechselobjektiv von Fujifilm, wie ich es auf der X-T2 nutze, scheint das kleine 23er der X100T in den Ecken etwas weicher, vor allem bei offener Blende, insgesamt jedoch ist die Schärfe auf sehr gutem Niveau. Mit Blende 2 lassen sich unscharfe Hintergründe schon bei mittleren Portrait-Entfernungen erzeugen, und mit Blende 11 ist von vorne bis hinten alles scharf bei Landschaftsaufnahmen, erst bei Blende 16 wird das Bild durch die Beugungsunschärfe wieder etwas weicher.

Anders als bei den meisten anderen Kompakt-Kameras besitzt das 23er der X100T keinen Anti-Wackel-Mechanismus. Für absolute Schärfe ist daher eine relativ kurze Verschlusszeit, ein kleines Stativ oder auch nur eine stabile Auflage notwendig. Nach vielen Kameras und Objektiven mit integrierter Anti-Wackel-Technik bin ich aber doch weitgehend zu den einfacheren Objektiven zurückgekehrt: klar hilft die Technik in vielen Situationen, sie geht aber in den meisten Fällen auch auf Kosten der Bildqualität: feinster Kontrast und Schärfe werden dem Komfort geopfert. Insofern ist die X100T eher ein Freund der reinen Lehre, die sauberes Arbeiten erforderlich macht, dies aber auch mit hervorragenden Ergebnissen belohnt.

Der Verschluss

Ein grosser Vorteil der X100T gegenüber den Wechselobjektiv-Fujifilmkameras ist der Zentralverschluss im Objektiv. Natürlich kann man ihn ganz umgehen und wie bei der X-T2 nur den elektronischen Auslöser einsetzen. Das ist auf Wunsch dann vollständig geräuschlos.

Wenn man jedoch einen mechanischen Verschluss benötigt, dann hat dieser zwei Vorteile: er ist immer noch extrem leise, in der Regel also nicht hörbar. Anders als die Schlitzverschlüsse der Systemkameras kann er zudem mit Blitzgeräten über alle Zeiten synchronisiert werden. Das ist vor allem beim Aufhellblitzen bei Tageslicht sinnvoll, wenn wegen viel Licht und offener Blende (für unscharfen Hintergrund z.B.) eine 1/4000 Sekunde genutzt werden soll.

Der ND-Filter

Wenn selbst die kurze Verschlusszeit bei Sonne und offener Blende nicht ausreicht, dann hat die X100T zudem eine Besonderheit, mit der die Belichtung zusätzlich beeinflusst werden kann: einen integrierten ND-Filter. Dieser per Funktion zuschaltbare Filter sorgt dafür, dass noch weniger Licht auf den Sensor fällt. Nützlich ist das nicht nur im Beispiel des Blitzens bei Sonnenschein, sondern auch, wenn man sehr lange Belichtungszeiten benötigt, um z.B. fliessendes Wasser in einen Nebel-Effekt zu verwandeln, oder um Passanten aus einem Stadtbild „aufzulösen“.

Der Sucher

Der Sucher ist natürlich eines der besonderen Merkmale dieser Kamera. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich die Hälfte davon im Grunde nicht benötige: ich arbeite praktisch ausschliesslich mit dem elektronischen Sucher, so dass der ganze Aufwand, den Fujifilm mit dem herrlichen optischen Sucher und vor allem der Integration der beiden Welten betreibt, bei mir weitgehend nutzlos in der kleinen Kamera herumliegt.

Leica-Fotografen werden dennoch ihre Freude am optischen Sucher haben: ein klares Bild, dazu die Sicht auf die Realität, und neu noch wahlweise mit einer kleinen digitalen Einblendung, die die genaue Schärfe in einem Lupenbild anzeigt.

Warum mir das am Arm vorbeigeht? Ganz einfach: der elektronische Sucher ist nicht nur so gut, dass er wirklich zu gebrauchen ist, er zeigt auch noch das Bild genau so, wie es später einmal wird, inklusive Belichtungskorrektur, Filmsimulation (und damit Farben und Kontraste), Unter- und Überbelichtung, alles, was das Bild am Ende ausmacht.

Dennoch ist der optische Sucher nicht nur optisch ein Schmuckstück, zusammen mit dem eingeblendeten Fenster zur Schärfekontrolle lässt er sich auch funktional einsetzen.

Blitz

Anders als meine X-T2 verfügt die X100T über einen kleinen eingebauten Blitz. Ich nutze ihn selten, aber die wenigen Male, die ich ihn zum Aufhellen gebraucht habe, hat er hervorragende Ergebnisse gebracht. Vor allem im Langzeit-Modus ist das interessant: der Hintergrund säuft nicht ganz ab, sondern wird noch dargestellt.

Ich vor The Shard und der Themse

Neben dem internen Blitz hat die X100T einen Blitzschuh, mit dem externe Blitze eingesetzt werden können. Dies sogar für relativ professionelles Arbeiten: neben der Einstellung, dass zum Blitzen der externe Blitz verwendet werden soll, kann alternativ ein Commander-Modus aktiviert werden, mit dem der externe Blitz als Commander für weitere Blitze, z.B. einer Blitzanlage, fungiert.

Allerdings können einen die Funktionen der Kameras auch zur Verzweiflung treiben, was das Blitzen betrifft: dann nämlich, wenn das sich der Blitz schlicht nicht aktivieren lässt. Im Menü ist das Symbol dann einfach ausgegraut, ohne einen Hinweis, wie man sie nun zum Leben erwecken kann.

Dies liegt daran, dass es verschiedene Kamera-Einstellungen gibt, die sich mit der Blitzfunktion beissen. Wenn eine dieser Funktionen aktiv ist, kann der Blitz nicht zugeschaltet werden. Es mag noch mehr geben, mich persönlich haben aber folgende Einstellungen am Blitzen gehindert:

  • Der Verschluss muss auf „Mechanisch (ms)“ stehen, mit elektronischem Verschluss ist Blitzen nicht möglich.
  • Der Ruhemodus der Kamera muss ausgeschaltet sein (im Menü unter dem ersten „Schraubenschlüssel“).
  • Der Drive-Modus muss Einzelbild sein, bei Continous wird der Blitz ebenfalls ausgeschaltet, der er nicht schnell genug nachladen kann.

An diesen Punkten merkt man auch wieder, dass das kleine Schmuckstück ein wirklich ernsthaftes Werkzeug ist, dessen Möglichkeiten zur Einstellung auf DSLR-Niveau sind. Absolut genial für versierte Fotografen, auch wenn es Einsteiger wohl hin und wieder abschreckt oder nervt.

Die Bildqualität

Die Farbwiedergabe der Fujifilm-Kameras scheint die Fotogemeinde zu spalten: die Einen schwärmen davon, die Anderen würden sie nicht einmal mit der Zange anfassen. Ich persönlich bin vom Ergebnis der Kamera begeistert: vor allem seit der Möglichkeit der Auswahl der Filmsimulation in Lightroom habe ich extreme Freude an den Bildern der Fujifilm.

Westminster Bridge und Palace of Westminster

16 Megapixel sind heute zwar nicht mehr der Hit, mit 24 und mehr Megapixeln bei anderen Kameras gewöhnt man sich leicht an, den definitiven Ausschnitt erst vor dem Bildschirm festzulegen. Hier sollte man das bereits beim Fotografieren tun, das kleinere Bild lässt grosszügiges Beschneiden nur bedingt zu, vor allem, wenn man gross drucken möchte.

Den fehlenden AA-Filter vor dem Sensor vermisse ich nicht: Moirè ist kein Thema, dafür ist die Schärfe und Auflösung der Details eine wahre Freude. Vorausgesetzt, man hat sehr ruhig fotografiert, die Kamera irgendwo aufgelegt oder ein Stativ genutzt (was allerdings den Sinn der kleinen Reisekamera konterkarikiert). Gerade weil Objektiv und Sensor so offensichtlich gut aufeinander abgestimmt sind fällt Bewegungsunschärfe umso deutlicher ins Auge. Und mangels irgendeiner Stabilisierung ist man auf seine ruhige Hand, eine kurze Verschlusszeit oder eben irgendeine Art der Auflage für die Kamera angewiesen, wenn die Lichtverhältnisse zu Wünschen übrig lassen.

Über die Bearbeitung der RAW-Dateien streiten sich die Gelehrten, mittlerweile, das muss ich sagen, ist die Qualität der Bilder auch nach der Bearbeitung in Lightroom auf einem hervorragenden Niveau. Dazu kommt nun ja auch hier die Möglichkeit, die Filmsimulationen anzuwenden, so dass man nicht parallel zur RAW-Datei die JPG-Variante speichern muss, um in den Genuss dieser Voreinstellungen zu kommen. Die angeblich beste Software für die X-Files der Fujifilm-Kameras ist Iridient, aber diese steht aktuell nur für Mac zur Verfügung.

Oft ist nachzulesen, dass die JPG-Qualität der Fujifilm-Kameras aus der Kamera dermassen perfekt wäre, dass man sich das Bearbeiten der RAW-Dateien problemlos sparen könne. Für einen Teil der Bilder und bei sauberer Belichtung mag das stimmen, ich teile diese Meinung jedoch nur bedingt. Wenn man wirklich das Optimum aus den Fotos herausholen möchte, kommt man um das digitale Labor in Lightroom nicht herum. Für reine Erinnerungsbilder ist das natürlich überflüssig, für ernsthafte Fotografie, also vor allem Bilder, die in irgendeiner Form veröffentlicht oder gar verkauft werden, sollte man nicht darauf verzichten.

Filmsimulationen

Die Filmsimulationen sind eine sehr schöne Sache, egal ob man sie direkt in der Kamera einstellt oder während der Nachbearbeitung in Lightroom. Nach meiner Erfahrung hängt es jedoch sehr stark vom Motiv, dem Licht und den Farben ab, ob eine Filmsimulation bessere oder spezielle Ergebnisse bringt als das Standard-Profil des Sensors. In meinem Fall deckt das Standard-Profil rund 80% meiner Bilder am besten ab, nur spezielle Bilder, vor allem Portraits oder Natur-Aufnahmen, profitieren nach meinem Geschmack von den Filmsimulationen. Wo ein Bild jedoch von der Simulation profitiert, da wäre ich ohne die Hilfe der Software kaum manuell hingekommen.

WiFi und App

Die WiFi-Verbindung ist ein grosser Pluspunkt der Kamera: die Verbindung zum Smartphone ist sofort hergestellt (das Smartphone muss dazu mit der Kamera verbunden werden, dadurch wird natürlich eine evtl. bestehende Internet-Verbindung gekappt). Ich benutze die Verbindung fast ausschliesslich zur Fernauslösung der Kamera, zumal man auf dem Smartphone vorab noch die Bildkomposition kontrollieren und per Fingerzeig den AF-Punkt bestimmmen kann.

Speziell auf dem Tablet ist auch das Betrachten der Bilder interessant, der grosse Bildschirm lässt eine ganz andere Beurteilung zu als der kleine Monitor der Kamera oder des Smartphones. Alles in Allem also eine gute Lösung, praktisch und brauchbar umgesetzt.

Leder-Bereitschaftstasche

Das ist in meinem Fall bei der Bereitschaftstasche weniger der Fall. Ich habe mir das hübsche Teil in Schwarz gekauft, weil die Kamera damit sehr kompakt bleibt und trotzdem gut geschützt ist.

Die Bereitschaftstasche ist perfekt verarbeitet und bringt alles mit, um gut zu schützen und in Ehre und mit klassischer Patina zu altern. Dazu kommt, dass ein kleiner Deckel den Akku- und SD-Karten-Wechsel ermöglicht, ohne dass man das schöne Teil abnehmen muss. Eigentlich perfekt, wenn da ein kleines Detail nicht wäre.

Dieses kleine Detail sind die „Bügel“, kleine Lederriemen, die an den beiden Ösen über den Kameragurt laufen und die ganze Tasche mit der Kamera verbinden. Eigentlich funktioniert auch das einwandfrei, allerdings nur, solange man den dünnen Original-Gurt von Fujifilm verwendet. Ich bin kein Freund der Standard-Gurte, egal bei welcher Kamera. Für die X100T habe ich ein wunderschönes knallrotes Band von Artisan & Artist gekauft, mit breiten Lederlappen an den Ringen, die die Kamera vor Kratzern schützen. Nur, dass diese Schutzlappen nun dafür sorgen, dass die beiden Riemchen nicht mehr über den Gurt gezogen werden können, die Bereitschaftstasche also nicht mehr befestigt werden kann.

Selber schuld, wird mancher sagen, womit er durchaus recht hat. Denn mit dem Seriengurt passiert das nicht, da passt die Tasche wie angegossen. Aber es sollte erwähnt sein.

Streulichtblende

Ich bin ein Freund von Gegen- oder Streulichtblenden und nutze sie eigentlich immer. Wozu Bildqualität herschenken, nur weil die Sonne von vorne seitlich kommt und Schlieren auf der Linse beleuchtet? Zudem schützen die meisten Streulichtblenden das Objektiv auch mechanisch, falls ich mit der Kamera einmal irgendwo anecke.

Auf das Objektiv der X100T lässt sich eine Streulichtblende nicht so einfach aufstecken. Das originale Exemplar sieht zwar wunderschön aus und ist hochwertig aus Metall gefertigt, zur Befestigung muss man allerdings erst einen Abdeckring vom Objektiv schrauben, einen Bajonettring aufschrauben, darauf kann dann die Streulichtblende befestigt werden.

Selbst das wäre kein Problem, wenn sie denn halten würde. Das Bajonett der Blende ist allerdings so locker in den Toleranzen, dass es praktisch ohne Kraftaufwand gedreht werden kann. Werfe ich die Kamera samt Streulichtblende in die Tasche, dann muss ich nicht lange herumlaufen, bis die Teile lose herumklappern.

Dazu kommt, dass der wunderschöne Blech-Objektivdeckel mit der Streulichtblende nicht kompatibel ist. Ohne einen separaten Deckel irgendeines Drittanbieters, der sich wie bei den meisten Objektiven im Filtergewinde festkrallt, ist das Objektiv ohne Schutz, solange Adapterring und / oder Gegenlichtblende montiert sind.

Kleinigkeiten, die aber durchaus ärgerlich sind.

Das richtige Leben

Neben allen technischen, haptischen und ergonomischen Details ist die für mich wichtigste Eigenschaft der Kamera jedoch eine ganz andere: sie macht Freude, sie sorgt für eine Leichtigkeit des Mitnehmens und Fotografierens, die ich mit meinen „grossen“ Kameras so nie empfunden habe. Daher ist die X100T auch (fast) immer dabei: beim Spaziergang mit dem Hund, bei der Weihnachtsfeier eines Kunden, beim Ausflug in die Berge. Egal, ob ich dann wirklich ein Bild mache oder doch nicht, ihre Optik, die mechanische Qualität, die Grösse sorgen dafür, dass man sie einfach problemlos mitnimmt und gerne nutzt. Und das ist für meine Begriffe das beste Kompliment, das man einer Kamera machen kann. Denn eine Regel gilt immer noch: die beste Kamera ist die, die man dabei hat. Und wenn das die X100T ist, dann hat man gegenüber den meisten Smartphones nicht nur irgendeine gute Kamera dabei, sondern ein Werkzeug, das vom vollautomatischen Schnappschuss bis zur vollkommen manuell kontrollierten Bild- und Belichtungskomposition alles erlaubt, genau wie die grosse. DSLR.

London Eye

Fazit

Nichts ist perfekt, und so hat natürlich auch die X100T ihre kleinen Schwachstellen, deren Gewichtung jeder für sich selber entscheiden muss. Kein Zoom, keine Anti-Wackel-Technik, relativ rudimentäre Film-Möglichkeiten, kein beweglicher Bildschirm, kein doppelter Karten-Schacht, relativ übersichtliche Akku-Laufzeiten, die lose Streulichtblende und so weiter und so fort. Wer das alles will, der sollte sowieso eher zu etwas Grösserem greifen, denn die X100T hat ihren Schwerpunkt woanders: eine kleine Immer-dabei-Maschine für echte und ernsthafte Fotografen, für Freunde hervorragender Bilder und voller Kontrolle über das Bild, dazu ein absolut leiser Verschluss, ein lichtstarkes und extrem scharfes Objektiv, eine perfekte manuelle Bedienung aller Parameter.

Das Nachfolgemodell, die X100F, kommt noch professioneller daher, mit höherer Auflösung, einer Verschiebung aller Knöpfe der Rückseite nach rechts, einem vorderen Einstellrad. Das alles lässt mich relativ kalt, der einzige Punkt, der mich wirklich interessieren würde, ist der neue Akku: es ist der selbe, den auch die X-T2 oder X-Pro2 nutzt, damit würde sich der Akku-Salat, den ich heute pflege, etwas vereinfachen. Ob dies jedoch ein Grund ist, eine neue Kamera zu kaufen? Wohl weniger. Und angesichts der Qualitäten der X100T dürfte es viele Interessenten geben, die das Erscheinen der X100F vor allem dafür nutzen dürften, die T endlich zu einem günstigeren Preis zu kaufen. Lohnen tut es sich in meinen Augen auf jeden Fall.