Fujifilm X-T2

Mit dem Test der Fujifilm X-Pro2, die Foto Marlin in Basel mir zur Verfügung stellte, war eigentlich schon klar, was als nächstes folgen würde: der Kauf der X-T2.

Der Sucher der X-Pro2 war nicht meines: erstens bin ich Linksauge, so dass mir die Kamera sowieso das ganze Gesicht blockiert, wenn ich durch den Sucher schaue. Zudem nutze ich auch bei meiner X100T ausschliesslich den elektronischen Sucher, so dass die wunderbare Hybrid-Technik mit optischem und elektronischem Sucher bei mir sowieso nur Perlen vor die Säue sind, vergebene Liebesmühe. Dann liebe rein elektronisch, grösser und konsequent. X-T2 eben.

Als ich das notwendige Kleingeld zusammen hatte, fragte ich also nach der X-T2, und siehe da, es war noch gerade ein Exemplar am Lager. Mit 18-55 Standardzoom, ausserdem noch den Batterie-Handgriff, den es als Set für nur CHF 100.00 mehr dazu gab, sowie zwei Zusatzakkus, um auch meine Events in voller Länge abdecken zu können.

Daheim packte ich die edle schwarze Kiste aus. Fujifilm schafft es wie Apple bereits mit der Verpackung eine Anmutung von Eleganz und Qualität auszustrahlen, die im Einklang steht mit dem vielen Geld, das man für die kleine Schachtel hinblättern muss. Was dann zum Vorschein kommt, enttäuscht nicht:

Ein relativ kleines, sehr dichtes und wunderschön anzufassendes Gehäuse. Gefühlt das, was eine Nikon Df (mit einem kleinen Anteil Leica) hätte sein sollen: eine perfekte und kompakte Kamera, mit Einstellrädern für alle wichtigen Funktionen, einem relativ kleinen Griff vorne, einem schön integrierten „Daumenhaken“ an der Rückseite, dem horizontal und vertikal klappbaren Bildschirm, und vor allem mit vielen frei belegbaren Funktionstasten und dem genialen AF-Cursor auf der Rückseite. Das ganze in einer Qualität, die das „Made in Japan“ auf der Rückseite mehr als glaubhaft erscheinen lässt. Aber schauen wir uns erst einmal die Details an. Etwas sachlicher, natürlich.

Dies hier soll, wie immer auf meinen Seiten, kein zweites Handbuch, kein technischer Test, keine komplette Beschreibung werden. Subjektive und persönliche Erfahrung und Bewertung, mehr nicht. Für Rückmeldungen, Korrekturen und Ergänzungen bin ich dankbar, sachliche Kritik ist erlaubt und erwünscht.

 

Haptik und Bedienung

Mir fehlt zwar der Vergleich mit der X-T1, die ich nur einmal an der Photokina 2014 kurz in den Händen hatte, dafür hatte ich jedoch die X-Pro2 in den Händen, nutze die X100T regelmässig und bin in der Wolle gefärbter Nikon-Fotograf, aktuell mit der D750, davor D800, D300 und viele andere mehr.

Zwar ist das Gehäuse der X-T2 klein im Vergleich zu meinen Nikons, dadurch kann es schon einmal passieren, dass man aus Versehen irgendeinen Knopf erwischt, wenn man sie aus der Tasche holt. Einmal in der Hand fühlt sie sich jedoch perfekt an, ein optimaler Kompromiss zwischen meiner Nikon D750, deren fliessende Form perfekt in die Hand einpasst, und den klassischen Gehäusen wie der F3 oder FM2n, die geradlinig und etwas steif eher das Gefühl eines Werkzeuges als einer Kamera hinterliessen.

Für X100-Besitzer, egal ob erstes Modell, S oder T: die X-T2 wirkt noch etwas dichter, qualitativ hochwertiger. Sozusagen die X100 in Erwachsen.

Was macht dieses Gefühl aus? In erster Linie wohl die Kombination aus einer sehr ausgewogenen Form, der sauber und spielfrei eingepassten Bedienungselemente, dem relativ satten Gewicht und den Materialien und Oberflächen, kühlem Metall und griffigen gummierten Flächen.

Zwar ist der Handgriff rechts vorne nur gering ausgeprägt (vor allem im Vergleich zu meiner D750), er ist trotzdem hervorragend zu greifen.  Das liegt vor allem an der Kombination mit einem kleinen „Horn“ auf der Rückseite, hinter das der Daumen greift, dank der ausgeprägten Form und der griffigen Gummierung lässt sich die Kamera mit minimaler Kraft perfekt halten.

Am Ende kauft man die X-T2 ja doch tendentiell eher zum Fotografieren, nicht nur zum Halten. Und wie gut das geht, ob sich damit wie so oft im Internet beschrieben tatsächlich die DSLR ablösen lässt, das soll nun behandelt werden.

 

Das System

Vorweg noch ein paar Gedanken zum System. Nicht umsonst heissen die Dinger Systemkameras, nicht nur Wechselobjektivkameras. Denn mit dem Kauf einer Fujifilm, einer Nikon, Canon oder Oympus entscheidet mach sich primär für ein System. Dazu gehören einmal natürlich die Wechselobjektive, vor allem aber gehört dazu auch die Lichttechnik, Batteriehandgriffe und vieles mehr, je nach Einsatzgebiet und Anforderungen.

Die Dominanz der beiden grossen DSLR-Systeme Nikon und Canon hat primär mit diesem Systemgedanken zu tun: über die vielen Jahre, die diese Systeme an den Anforderungen der Berufsfotografen gewachsen sind, hat eine entsprechende Infrastruktur hervorgebracht, die aufzuholen für die Newcomer keine einfache Sache ist.

Sony ist ein Musterbeispiel für dieses Problem: sie haben dazumal Minolta gekauft, dazu lange schon bewiesen, dass sie hervorragende Kameras bauen können, beliefern die Besten der Besten mit ihren Sensoren, nur: mit dem System will das immer noch nicht wirkich klappen. Sony-Fans warten seit Jahren auf eine durchgängige Objektiv-Palette, auf ein System, das diesen Namen wirklich verdient. Es gibt zwar langsam mehr und meistens auch qualitativ hochwertige Objektive, die Preise sind jedoch grösstenteils utopisch hoch, und die Lücken, die im System klaffen, sind immer noch riesig. Ein wirkliches Konzept ist hier nur mit Mühe zu erkennen.

Nikon andererseits scheint sich in einem anderen Bereich nie wirklich zu einer klaren Entscheidung durchgerungen zu haben: zwar ist der FX-Bereich dank ihrer professionellen Kundschaft perfekt bestückt, im DX-Bereich, also im Bereich der kleineren DSLRs mit APS-C-Sensor, scheint man sich nicht wirklich aufraffen zu können: bis zur D300s wurden tolle Gehäuse im professionellen Bereich gebaut, dann war erst einmal Sendepause: alle Energie ging in den FX-Bereich. Gleichzeitig fehlen bis heute wichtige Objektive für DX: weitwinkelige Festbrennweiten fehlen ganz, die Masse wird durch mittelmässige Zooms abgedeckt, für herausragende Qualität muss man zu den FX-Linsen greifen, die wiederum den möglichen Grössenvorteil des kleineren Sensors nicht nutzen.

Ausgerechnet Fujifilm scheint in diesem Bereich alles richtig gemacht zu haben:  das erste Standard-Zoom, das 18-55mm f/2.8-4, war schon kein klassisches mittelprächtiges Kit-Zoom, sondern ein vollwertiges Objektiv hoher Qualität. Schlag auf Schlag kamen die wesentlichen Festbrennweiten dazu, so dass heute, nur knappe 5 Jahre später, vom Ultra-Weitwinkel als Zoom und Festbrennweite bis zum langen Tele alles für nicht einmal zu viel Geld zu haben ist.

Wenn man sich für eine Kamera entscheidet, entscheidet man sich (zumindest als einigermassen versierter Hobby- oder Semipro-Fotograf) primär für das System. Kameras kommen und gehen, Objektive und Zubehör aber bleiben und machen es mit der Zeit auch immmer schwerer und teurer, in ein anderes System einzusteigen. Dessen sollte man sich bewusst sein, und es sei schon an dieser Stelle gesagt, dass Fujifilm sich zwar wirlich gut gemacht hat, dass aber auch andere Mütter hübsche Töchter haben. Trotz allem Hype um Spiegellos und Fujifilm sollte man sich sehr genau die eigenen Anforderungen anschauen, bevor man entscheidet. Es ist nicht alles Gold, was glänzt, und jedes System, jede Kamera ist immer auch ein Kompromiss. Darum prüfe, wer sich ewig (oder zumindest längerfristig) binde…

 

Sensor und Bildqualität

Vor allem für semiprofessionelle (und womöglich professionelle) Umsteiger ist die Bildqualität ein zentraler Punkt. Nachdem ich viele Jahre auf einen brauch- und bezahlbaren FX-Sensor, also einen Sensor im klassischen Kleinbild-Format hingefiebert habe und Nikon eine Reihe der besten Exemplare überhaupt in ihren Kameras verbaut, war der „Rückschritt“ auf einen halb so grossen APS-C-Sensor in der Fuji schon eine schwierige Entscheidung. Sensorfläche ist sehr grundsätzlich durch nichts zu ersetzen als durch noch mehr Sensorfläche. Die einzelnen Bildpunkte werden grösser, können bei weniger Licht mehr Photonen einfangen, bieten einen höheren Dynamikumfang und geringeres Rauschen, und wo weiter und so fort. In anderen Worten: grösser ist besser.

Die Frage ist also, wie gross der Unterschied tatsächlich ist, wo die Unterschiede liegen, und ob dies bei den anliegenden Aufgaben des individuellen Fotografen überhaupt eine Rolle spielt. Dazu kommt, dass es auch zwischen Sensoren gleicher Grösse durchaus Unterschiede gibt. Ein guter DX-Sensor ist also durchaus nicht automatisch besser als ein FX-Sensor, wenn letztere nichts taugt. Es hängt also, wie so häufig, auch vom Einzelfall ab.

Fujifilm wirbt mit dem X im Sensor. Diese Sensoren haben einen anderen Aufbau als das klassische Bayer-Muster, das bei Nikon und anderen die Regel ist. Dabei soll durch die unregelmässigere Anordnung der einzelnen Farbrezeptoren die Moire-Anfälligkeit verringert werden, obwohl die Kameras ohne AA-Filter auskommen, was der Schärfe zugute kommt. Im Prinzip korrekt, die Schärfe ist auch wirklich toll, gerade diese Anordnung sorgt aber auch für zwei Nachteile: zum Einen passt keine der Softwarepakete zur RAW-Bearbeitung wirklich perfekt (vor allem Lightroom hatte anfangs grausam Schwierigkeiten mit den Fujifilm-Dateien), zum Anderen traten auch bei mir (im Fall der X-E2) die berüchtigten „Würmchen“ und Wasserfahren-Effekte vor allem in Gras, Blättern und Rindenstrukturen auf. Selbst mit der X-T2 kommt es hin und wieder zu Strukturen, von denen ich sicher bin, sie nicht fotografiert zu haben, das lässt sich aber in der Regel über eine vorsichtige Anpassung der Schärfe-Regler leicht beheben. Das Software-Problem ist mittlerweile auch kein es mehr: mit Iridient gibt es ein Paket, das offenbar optimal mit den X-Dateien zurechtkommt, ich persönlich bin bei Lightroom geblieben, auch hier werden die Daten mittlerweile hervorragend dargestellt.

Mit nunmehr 24 Megapixeln löst die X-T2 gleich hoch auf wie meine Nikon D750. Die reine Datenmenge reicht also auch für grosszügiges Beschneiden aus, in Kombination mit den wirklich sehr guten Objektiven ist bei tiefen ISO-Werten und ausreichend Licht für mich kein Unterschied in der Bildqualität auszumachen. Manchmal bilde ich mir ein, in den Nikon-Dateien eine feinere Farb- und Helligkeitsverteilung entdecken zu können, belegen konnte ich das am Ende jedoch nicht. Wer also primär im tiefen ISO-Bereich fotografiert, sich mit Landschaften, Architektur, Portraits etc. Beschäftigt, der dürfte auf der Seite der Bildqualität keine Abstriche machen müssen. Im Gegenteil: gerade in diesen Bereichen sind die Filmsimulationen noch eine wunderschöne Ergänzung, die zudem auch nachträglich in Lightroom bei der RAW-Bearbeitung ergänzt werden können.

Meine Sorge war daher eher die Dunkelheit: manch einer mag den Kopf schütteln, was man mit ISO 6400 noch fotografieren will, bei meiner Arbeit ist dies jedoch eher die Regel als die Ausnahme: Kirchenfeste, Hochzeiten, Anlässe. Meist in Innenräumen, meist in die Nach hinein. Und fast immer ohne Blitz. Und hier kommt der grosse Sensor der D750 tatsächlich noch zum Tragen: die Qualität der Bilder ist sichtbar besser, die Details werden feiner aufgelöst, das Rauschen ist minimal besser. Erstaunlich ist dabei das „minimal“: denn so gross, wie ich das befürchtet und aus meiner Erfahrung mit der X-E2 auch erwartet hatte, ist der Unterschied tatsächlich nicht. Etwa eine halbe bis eine ganze Blende, was aber in meinem Fall dadurch kompensiert wird, dass ich Objektive mit grösserer Öffnung einsetzen kann, wo ich genau diese Blende offener fotografiere, und das auf Grund des kleineren Sensors bei gleicher oder leicht grösserer Schärfentiefe.

So ist es am Ende eine Frage der Abwägung: klar hätte ich am liebsten einen FX-Sensor, besser noch eine Leica SL oder Fujifilms neues GFX Mittelformatsystem, aber abgesehen von den Kosten steht dem auch bei den DSLR’s der relativ laute Spiegelschlag entgegen (in der Kirche macht das definitiv keine Freude), dazu Grösse und Gewicht von Kamera und Objektiven. In meinem Fall hat vor allem der leise Auslöser und fehlende Spiegelschlag den Ausschlag gegeben, die Abstriche in der Bildqualität zu akzeptieren, weil die sonstigen Vorteile für mich schwerer wiegen. Aber eben, da smuss jeder mit sich selber ausmachen und es nach seinen Prioritäten gewichten.

 

Handling

Wer meinen Bericht zur X100T gelesen hat, der weiss, dass ich ein grosser Freund des klassischen Bedienkonzeptes bin. Ich bin davon überzeugt, dass dies nicht nur eine Folge der Tatsache ist, dass ich mit den „oldschool“-Kameras aufgewachsen bin: eindeutige Knöpfe, Räder und Schalter, klar beschriftet und markiert, mit einer sauber spürbaren Rückmeldung sind nach meiner Erfahrung in vielen Bereichen des Lebens die optimale Lösung, wenn es um Werkzeuge geht, um Dinge, die eine Funktion erfüllen. Man denke nur an das iPhone: klar hat es die Revolution hin zum Touchscreen eingeleitet, weg von der Tastatur der Nokias und Blackberrys. Nur: was ist mit das Beste am iPhone? Genau: die Taste zum Stummschalten. Ein Griff, auch ohne optische Kontrolle, und die Kiste ist leise.

Optimal ist die Verbindung von alter und neuer Welt: die variable Belegung von Tasten, die Tiefe der Anpassung des Systems über den Bildschirm, ohne jedoch die wichtigsten Werkzeuge und Elemente in die virtuelle Welt zu verschieben.

Gegenüber der X-Pro2 und X100T kommt bei der X-T2 noch ein zusätzliches Rad dazu, mit dem der ISO-Wert direkt eingestellt werden kann. Lediglich die Bedeutung des „A“, des Automatik-Verhaltens, muss noch über den Bildschirm definiert werden, denn davon kann man mehrere Varianten einstellen.

Alle Einstellräder sind gross und griffig. Und die zwei grössten, die für Zeit und ISO, besitzen zudem eine sehr schöne Sperrfunktion: anders als bei Nikon, wo einige Räder den gleichzeitigen Druck eines Sicherungsstiftes benötigen, um sie drehen zu können, wird bei der X-T2 verriegelt oder entriegelt. Stift unten: kein Drehen. Stift oben: einfach drehen, ohne gleichzeitig drücken zu müssen. Simpel, aber sehr gut gelöst.

Wie fühlt sich das Ganze nun bei der Arbeit an? Hervorragend. Dazu trägt auch der neue Joystick für die Steuerung des AF-Feldes seinen Teil bei: das Verschieben des Focus-Feldes ist ein Kinderspiel damit, und ein Druck darauf bringt das Feld sofort wieder in den Mittelpunkt zurück.

Vermissen tue ich gegenüber meiner D750 in erster Linie deren beide Benutzerspeicher U1 und U2. Mit denen kann ich die komplette Konfiguration speichern, einmal z.B. für die Kirche, einmal für Landschaft und Panorama, mit einem Dreh ist alles umgestellt. Das dauert bei der X-T2 zwangsläufig länger. Zudem fehlt mir bei Dunkelheit die Beleuchtungsfunktion der D750: den Einschaltknopf noch weiter nach rechts drehen, und im oberen Bildschirm geht das Licht an, ich kann alle Werte kontrollieren. Die X-T2 gibt mir die meisten Informationen zwar beim Blick durch den Sucher, von aussen mal schnell die Blende kontrollieren ist aber im Dunkeln praktisch nicht möglich, am Objektiv ist unter diesen Umständen nichts zu sehn, der Blick durch den Sucher oder auf den Schirm ist dann unumgänglich.

Das sind jedoch Kleinigkeiten im Vergleich zum Rest der Bedienung: der direkte Zugriff, die perfekte Form, der Bildschirm, der sich sowohl für das Horizontal- als auch für das Vertikalformat herauslappen lässt (und bei dem der AF genauso schnell funktioniert wie beim Blick durch den Sucher), haptisch und im Handling ist die X-T2 eine der besten Kameras, die ich bisher in die Finger bekommen habe.

 

Sucher

Dazu trägt auch der Sucher bei. Klar, es ist ein rein elektronischer, was ich aber durchaus als Vorteil, nicht als Nachteil empfinde. Gemessen vor allem an der Grösse der Kamera selber ist der Durchblick riesig: selbst mit Brille habe ich eine Sicht auf die Welt, die der meiner FX-Nikons in Nichts nachsteht. Mit dem Vorteil, auch die Auswirkungen der Einstellungen direkt sehen zu können: Unter- oder Überbelichtung, Filmsimulation, Farben, Weissabgleich, alles im Bild. Keine vergessene Belichtungskorrektur, die man erst daheim am Bildschirm bemerkt. Dazu flackert und flimmert (fast) nichts, allenfalls ein alter Bildschirm im Bild sorgt hin und wieder für komische Effekte, alles andere funktioniert einwandfrei. Wunderbar ist auch der in meinem Fall immer aktive Horizont oder Wasserwaage, der die Ausrichtung der Kamera wesentlich erleichert und späteres Beschneiden der Seiten durch Drehungskorrektur verhindert. Schade nur, dass nur in zwei Achsen gemessen wird, das Kippen, wie meine Nikon es anzeigen kann, fehlt leider.

 

Autofocus

Der Autofocus mit seiner fehlenden Treffsicherheit und Geschwindigkeit war dazumal der wichtigste Grund, warum die X-E2 bei mir ein relativ kurzes Leben hatte: zu viel Ausschuss, zu langsam, bei Dunkelheit unbrauchbar.

Die X-T2 ist um Welten besser. Zugegeben: das Niveau der Nikon D750 erreicht auch sie immer noch nicht, was AF bei Dunkelheit betrifft, sie kommt der Sache aber schon sehr sehr nahe. Schön ist vor allem die grosse Abdeckung des Sucherfeldes, in Kombination mit dem Joystick zur Verschiebung des aktiven AF-Feldes lässt sich hervorragend damit arbeiten. Dinge wie Gesichtserkennung und 3D-Tracking nutze ich zugegebenermassen mit der Fujifilm nicht, daher kann ich hierzu keine Aussage treffen.

Eine Sache, die ich an der X-T2 liebe, ist dagegen die Genauigkeit des Autofocus. Anders als bei meinen DSLRs, an denen ich mit jedem Objektiv die Feineinstellung der AF-Korrektur vornehmen muss, sitzt die Schärfe bei jeder Linse wie angegossen. Das ist technisch bedingt, mit dem nun ausreichend schnellen AF ergibt sich daraus aber ein tolles Werkzeug auch in kritischen Situationen.

 

Objektive

Was allerdings auch die entsprechenden Objektive voraussetzt. Der Unterschied der Scharfstellung ist zwischen den diversen Objetiven von Fuji sehr deutlich zu spüren. Ausgerechnet meine Lieblings-Linsen, das 35er und das 23er in der Variante mit Blende 1.4, die zu den ersten Objektiven im X-System gehörten, arbeiten hör- und spürbar mechanisch, lauter und langsamer als die jüngeren Verwandten. Selber ausprobieren konnte ich das 16-55 mm f/2.8 Zoom, das unheimlich schnell und leise arbeitet, aber auch die beiden Standard-Zooms 18-55mm und 55-200mm stehen dem nur wenig nach. Die drei kleinen Festbrennweiten mit Blende f/2.0 konnte ich noch nicht testen, sie sollen ebenfalls extrem schnell und leise sein.

An Events arbeite ich meist mit dem Standardzoom (und der X100T mit ihrer Festbrennweite als zweiter Kamera), diese Kombination funktioniert einwandfrei. Für Landschaft und Familie ziehe ich Festbrennweiten vor: ich liebe unscharfe Hintergründe und das Hervorheben des Kernsubjektes, trotz der etwas kürzeren Brennweite als bei Nikons FX-Sensor gelingt das mit den lichtstarken Fujifilm-Festbrennweiten auch hervorragend. Sei sind schon offen sehr scharf, das Bokeh ist wunderschön, so dass auch f/1.4 einwandfrei nutzbar ist.

Das einzige Problem, das ich bisher mit den Objektiven bisher hatte, war der elende Plastick-Rückdeckel: bei Wanderungen im Winter hat er sich an einigen Objektiven offenbar durch die Kälte so zusammengezogen, dass er auch mit Gewalt nicht abzukriegen war. Statt des gewünschten Objektivwechsels blieb mir nichts anderes übrig, als das Objektiv unverrichteter Dinge wieder nach Hause tragen, es dort wieder aufzuwärmen, bis ich es schliesslich montieren und noch einmal loslaufe konnte. So etwas ist mir in all den Nikon-Jahren noch nie passiert, mit Fujifilm dagegen gleich mehrmals. Was hilft mir ein Wechselobjektiv, wenn ich es nicht wechseln kann?

 

Im Einsatz

Der reguläre Betrieb der X-T2 ist dagegen ein Grund zur Freude. Abgesehen davon, dass ein komplettes Set bestehend aus X-T2 mit montiertem Standardzoom, dazu das 55-200 Tele und das 14er Superweitwinkel in eine extrem flache und kleine Manfrotto Sling-Tasche passen, die kaum etwas wiegt, so dass sie nun wirklich auf fast jedem Spaziergang und auf jeder grösseren Wanderung dabei ist, ist es vor allem die probemlose Vielseitigkeit, die mir Freude macht:

Egal ob mit dem Monitor auf dem Stativ oder Überkopf, per Sucher im „Normalbetrieb“, AF und Einstellungen verhalten sich immer gleich. Kein Live View, der mich mit lautem Spiegelschlag begrüsst, kein langsamer AF am Bildschirm, einfach umschalten, und es geht geräuschlos weiter.

In der Kirche und unter Menschen ist die Unauffälligkeit und vor allem die Geräuschlosigkeit eine Wohltat: wenn man beim Ja-Wort oder während der Erstkommunion eine Stecknadel fallen hören würde, macht die Kamera: nichts. Kein Flap-flap des Spiegels, kein Hallo-ich-bins-der-Fotograf-Geräusch, einfach Stille. Dazu die Grösse von Kamera und Objektiv, die Kinder und scheue Menschen viel weniger einschüchtert und viel häufiger Schnappschüsse ermöglicht.

Dies sind auch die Gründe, wegen derer ich eine minimale Einschränkung der Bildqualität bei schlechten Lichtverhältnissen einzugehen bereit bin. Solange die Kamera auch unter schwierigen Bedingungen gut funktioniert. Anders als die X-E2 dazumal tut die X-T2 das auch.

Dazu kommt die perfekte Konfigurierbarkeit der Kamera über die vielen Funktionstasten und in meinem Fall noch die Kombination mit der X100T, die sich gerade für Anlässe sehr schön ergänzen.

 

Batteriehandgriff

Ein weiterer Grund für den Einsatz der X-T2 an meinen Anlässen ist die Verfügbarkeit des Batteriehandgriffs. Er macht die Kamera zwar grösser und deutlich schwerer (was mich jedoch sehr viel weniger stört als ein lauter Spiegelschlag), hat aber einen unschätzbaren Vorteil: 2 zusätzliche Akkus.

Den Nachteil aller bisherigen Spiegellosen, nämlich den hohen Stromverbrauch durch die vielen Bildschirme, kann Fujifilm offenbar auch nicht beheben. Also dreht man den Spiess um: statt eines Akkus können mit dem Handgriff gleich drei verwendet werden, so dass eine Sitzung mit über 1000 Bildern auch ohne Akkuwechsel möglich ist. Immer noch Kinderkram verglichen mit meiner Nikon, die macht das mit einem einzigen Akku, aber es erfüllt seinen Zweck. Zudem kann ich die Kamera mit Handgriff ruhiger halten (des höheren Gewichtes wegen), und für vertikale Bilder sind die Bedienelemente besser zu erreichen.

Im normalen Betrieb, auf Wanderungen oder im Alltag ist der Griff nicht an der Kamera, die zusätzlichen Akkus liegen im Rucksack, dann habe ich aber in der Regel auch die Zeit, in Ruhe den Akku zu wechseln, wenn die Anzeige das drohende Ende der betriebsnotwendigen Energie ankündigt.

 

Blitz

Mit der X-T2 kommt ein kleiner Aufsteckblitz, den man bei Bedarf montiert. Ich muss gestehen, dass ich das kleine Ding nicht einmal ausprobiert habe: wenn ich blitzen muss, dann brauche ich etwas „Richtiges“, also mit ausreichend Leistung für viel Licht und schnelle Wiederholraten. Und wenn ich nur ein bisschen aufhellen muss, dann verwende ich sowieso meistens die X100T mit dem kleinen integrierten Blitz.

Für ernsthaftes Blitzen habe ich mir nun den EF-X500 von Fujifilm bestellt, da er noch nicht angekommen ist, kann ich dazu jedoch noch nichts sagen. Möglich, dass das mal einen eigenen kleinen Artikel gibt.

 

Fazit

Zum Verkauf aller Nikons habe ich mich nicht durchringen können. Das vorweg. So gut die Fujifilm ist, so selten ich die Nikon noch aus dem Schrank hole (eine Vergeudung von Ressourcen, ich weiss), ganz auf den FX-Sensor zu verzichten, das habe ich nicht über mich gebracht. Es gibt immer noch Situationen, vor allem bei wenig Licht, wenn ich mich auf den Autofocus absolut verlassen muss, oder wenn höchste Bildqualität gefragt ist, wo ich sie vorziehe.

Für die meisten Themen jedoch, egal ob Reise, Veranstaltungen, Kirchenanlässe oder Familiäres und die tägliche Arbeit ist die X-T2 meine Hauptkamera geworden. Nicht nur der Grösse wegen und der Tatsache, dass ich sie viel öfter und einfacher mitnehme, als das vorher mit der Nikon der Fall war. Dazu kommen die wirklich hervorragenden und ebenfalls kompakten Objektive: in meinem Fall das 14er, 23er und 35er, dazu die beiden Zooms. Im Grunde ist die X-T2 die beste X-Kamera, die ich je in den Fingern hatte. Und die nun auch in den Eigenschaften von der Bildqualität bis zum Autofocus so gut geworden ist, dass ich nun auch in das System um die Kamera herum investieren kann.

Dies ist jedoch vor allem der Tatsache zu verdanken, dass ich mit der Kirchenfotografie einen hohen  Wert auf die Geräuschlosigkeit lege. Ohne diesen Umstand wäre die Entscheidung schwieriger: anders als die X100T, zu der es in der aktuellen Fotowelt eigentlich keine Alternative gibt, sind die DSLRs vor allem im FX-Bereich für viele Aufgaben nach meiner Auffassung immer noch unschlagbar gut. Wo Spiegelschlag keine Rolle spielt, wo auf dem Stativ sowieso die Vorauslösung genutzt werden kann, die grössere Systemvielfalt und die Bildqualität eine grosse Rolle spielen, da würde ich meine D750 auf jeden Fall vorziehen. Klar ist das Habenwollen-Gefühl der kleinen Fujis sehr ausgeprägt, am Ende ist es jedoch eine Frage von Werkzeug und Ergebnis, und da hat hat die Nikon immer noch die Nase vorne.

So ist es denn in meinen Augen wie so oft eine Frage der persönlichen Prioritäten und Randbedingungen, unter denen die Kamera letzten Endes benutzt werden soll. Wer noch nicht in ein System investiert und damit die freie Wahl hat, der fährt mit der X-T2 in jedem Fall nicht schlecht. Wer schon viel Geld in Nikon oder Canon investiert hat, Objektive und Zubehör besitzt, der sollte sich den Umstieg gut überlegen. Es gibt einige Vorteile (wie die Lautlosigkeit), bessere Bilder macht aber auch eine X-T2 nicht wirklich, vor allem im Vergleich zu den FX-Sensoren. Und in der Regel halte ich es für die beste Lösung, das, was man hat, sofern es ausreichend gut ist und die persönlichen Anforderungen erfüllt, intensiv zu nutzen, die Bedienung in Fleisch und Blut übergehen zu lassen, so dass man sich aufs Bild konzentriert, nicht auf das Material. In dem Moment spielt es dann keine grosse Rolle mehr, mit welchem System man arbeitet.

 

Zusammengefasst:

+ Kleines, kompaktes Gehäuse in perfekter Qualität

+ Hervorragende Bildqualität für einen APS-C-Sensor

+ Filmsimulationen in der Kamera und in Lightroom

+ Sehr gute Bedienelemente, mechanisch wie elektronisch

+ umfangreiche Konfigurierbarkeit, Funktionstastenbelegung

+ Laufzeiterweiterung über Handgriff mit zwei zusätzlichen Akkus

+ Autofocus im Vergleich zu anderen X-Kameras wesentlich verbessert

+ Systembedingt gegenüber DSLR Autofocus perfekt auch bei Live View

+ Sehr gute AF-Bedienung über Joystick

+ Sehr gutes Sortiment an Objektiven im System

 

– Akkulaufzeit immer noch sehr beschränkt, auch wenn Batteriehandgriff für Abhilfe sorgt

– mechanische Skalen bei Dunkelheit nicht erkennbar

– Zuverlässigkeit Autofocus bei schwachem Licht zwar besser als ältere X, aber nicht auf DSLR-Niveau

– Noch kaum Objektive von Fremdherstellern verfügbar