Fujifilm X-Pro2

Mit der Fujifilm X-E2 und anschliessend mit der X100T bin ich erstmals auf diese Kameras mit dem speziellen X-Sensor gekommen, wobei bei der X100T neben dem Sensor auch die Kamera selber mit ihrer handlichen Grösse, dem hybriden Sucher und dem schönen und hochwertigen Äusseren eine Rolle spielte. Dass die 16 Megapixel nicht viel Raum zum beschneiden liessen und vor allem der Autofocus relativ behäbig arbeitetet, darüber konnte ich für den Einsatz als Reise- und Familienkamera hinwegsehen: wenn es schnell gehen musste oder bei wenig Licht fotografiert wurde, griff ich sowieso zur Nikon.

Fujifilm X-Pro2

Nach einiger Zeit mit der Sony A7 und einem Testwochenende mit einer Sony A7IIR war mein Interesse an spiegellosen Systemkameras in diesem Bereich sowieso erst einmal gedeckt: vor allem an das Handling der Nikon D750, ihre Geschwindigkeit vor allem des AF bei allen Lichtverhältnissen, aber auch die Bildqualität bei wenig Licht ist keine der Alternativen herangekommen. Zudem konnte ich mich mit den Sonys nie anfreunden: Alles interessante Kameras, aber in meinen Augen nicht wirklich für „ernste“ Fotografie geeignet, d.h. für Aufträge, wo man liefern muss, egal ob Licht, Umstände und Wetter günstig sind oder nicht.

So hat mich denn auch die Ankündigung der neuen Fujifilm X-Pro 2 wenig interessiert, zumal ich schon bei der X100T den optischen Sucher eigentlich nie nutze, da der elektronische für die Anforderungen an die Reise- und Familienfotografie ausreichend schnell ist, vor allem aber das Bild sehr gut so wiedergibt, wie ich es auch später am Bildschirm sehen würde. Den ganzen Aufwand um einen hybriden Sucher kann man sich also für meine Ansprüche sparen, mehr interessierte mich da schon der grössere rein elektronische Sucher der X-T1. Aber so viel Geld für eine Kamera mit einem mittlerweile 4 Jahre alten Sensor mit 16 Megapixeln… das war nicht meins.

Mit der Ankündigung der X-T2 änderte sich das: wäre der 24 Megapixel-Sensor im APS-C-Format so viel schlechter als der meiner Nikon D750 im FX-Format? Wäre es nicht schön, eine X-T2 zumindest als Zweitkamera zu nutzen, vor allem bei Hochzeiten und anderen Feiern in der Kirche, wo sie mit ihrem lautlosen elektronischen Auslöser und der kleinen Abmessung auch weniger auffiele?

Da „einfach mal kaufen und ausprobieren“ mein Budget definitiv sprengte, nutzte ich einen Termin in Basel zu einem Besuch bei meinem Lieblings-Fotofachgeschäft Foto Marlin in der Aeschenvorstadt 21, direkt neben der Tramhaltestelle Bankverein, um mich einmal nach einen Testgerät zu erkundigen. Eine X-T2 gab es noch nicht (und sie würde auf Wochen hinaus nicht verfügbar sein, weil Anfangs zu wenige Einheiten ausgeliefert würden), aber ich könne eine X-Pro2 ausprobieren, die denselben Sensor habe. Zudem sei der AF der X-Pro2 bereits sehr viel schneller als der der X100T, so dass ich einen ersten Eindruck davon sammeln könne, der der X-T2 sei dann noch einmal etwas rasanter.

Das war zwar nicht mein Plan, aber man lernt nie aus, und manchmal stösst man ja auf solchen Umwegen auf die wirklich interessanten Dinge im Leben, die, die man eben so nicht geplant hatte. Ich sagte also zu, und zu meiner Überraschung war die Kamera dann nicht erst am Freitag für ein Wochenende, sonderm am Montag für die ganze Woche noch dazu verfügbar. Also, nichts wie hin zu Foto Marlin, mein ich-bin-an-allem-Schuld-Papier unterschreiben, und schon konnte ich das Trumm mit nach Hause nehmen.

Und ein Trumm ist es wirklich: denn die Testkamera (die offenbar nigelnagelneu direkt aus der Schachtel kam) war mit dem wunderschönen 16-55 mm f/2.8 Zoom bestückt. Und eine konstante Blende 2.8, wenn auch ohne Anti-Wackel-Technik, einem Metall-Kunsstoff-Gehäuse und Wetterfestigkeit, das alles gibt es nicht in ein paar Gramm, das ist schon eine richtige Masse, ähnlich wie das 17-55mm f/2.8 von Nikon (das ebenfalls ohne VR auskommen muss).

X100T vs. X-Pro2

Natürlich ist diese Kombination nicht mehr die „japanische Leica M“ mit kleiner Festbrennweite, sondern eher das Gegenstück zum Nikon-Klotz mit kleinerem Gehäuse, dafür aber mit einer Flexibilität und hoffentlich auch Bildqualität, die den Vergleich mit meiner D750 erlauben würde.

Aber nun mal eines nach dem Anderen.

Das Gehäuse

Die X-Pro2 ist eine Maschine:  schwarz, übersäht von klassischen Bedienungselementen, Qualität, wo man hinfasst. Die flache Griffschale vorne rechts wirkt etwas aufgesetzt, was jedoch den Vorteil hat, dass zwar wenig Volumen, dafür aber eine griffige Kante den Halt auch mit dem grossen Zoom ermöglicht. Das Gehäuse ist ein Traum für Freunde klassischer Metallverarbeitung: Boden und Deckel fassen sich kühl an, saubere Gravuren, perfekte Verarbeitung und einwandfreie Oberflächen lassen das Herz jedes Qualitätssicherungsfachmanns höher schlagen. Zumal die X-Pro2 ein wirklich solides Gefühl hinterlässt: anders als die X-Pro1, die sich immer etwas „hohl“ anfühlte, hat man hier den Eindruck solider Masse.

Die Bedienelemente sind, natürlich, klassisch: Zeit und Blendenkorrektur mit wunderschönen Einstellrädern auf der Oberseite der Kamera, ISO-Werte als Teil des Zeitenrades, und, je nach Objektiv, noch ein solide metallisch klickender Blendenring, der im Fall des 16-55mm f/2.8 sauber in 1/3-Blendenstufen einrastet.

Auf den Bildern kann man sehen, wie sehr die X-Pro2 trotz aller Neuerungen der Fujifilm-Linie treu bleibt: die Oberseite unterscheidet sich kaum, die Rückseite nur durch die leicht geänderte Verteilung der Knöpfe von der X100T,  die wie eine Schrumpf-Version der neuen grossen Schwester aussieht.

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Aber kommen wir erst einmal zu den Bedienungs-Elementen. Die auffälligsten und Fujifilm-typischen Elemente des Gehäuses sind die klassischen Drehräder auf der Oberseite. Während bei der X100T nur Zeiten und Belichtungskorrektur abgedeckt werden, ISO also via Fn-Taste oder Menü eingestellt werden muss, ist bei der X-Pro2 die ISO-Einstellung im Zeitenrad integriert: den äusseren Ring des Zeitenrades kann man hochziehen, dann lässt er sich unabhängig von den Zeiten drehen, so dass in einem kleinen Sichtfenster auf der Oberseite der gewünschte Empfindlichkeitswert zwischen 200, 12’800, L, H und A eingestellt werden kann. Wie bei den Zeiten auch ist das nur die eine Hälfte der Möglichkeiten: vor allem die genaue Einstellung von A lässt sich via Menü dann doch noch separat definieren, indem drei Voreinstellungen für die Kombination aus tiefstem und höchstem ISO-Wert definiert und ausgewählt werden können.

Diese Integration der ISO-Einstellung in das Zeitenrad hat für viel Kritik gesorgt, das Hochziehen des Ringes um das Zeitenrad sei unpraktisch, ein separates Rad wäre viel besser gewesen und so weiter und so fort. Ich persönlich muss sagen, dass ich die Lösung sehr schön finde: anders als bei der X-T1 oder X-T2, die ja noch den Sucher-Buckel in der Mitte des Gehäuses trägt und damit die Räder links und rechts davon etwas vor versehentlichen Verstellungen schützt, müsste ein drittes Rad bei der X-Pro2 exponiert irgendwo oberhalb des optischen Suchers platziert werden. Neben der Tatsache, dass dies alles andere als ansprechend aussähe, wäre auch die Gefahr der versehentlichen Verstellung viel grösser. Es mag nicht jedem gefallen, ich halte die gewählte Lösung jedoch auf dieser Kamera für die Beste.

Die Widerstände der Räder beim Verstellen sind übrigens perfekt: gut zu fassen, gut zu drehen, aber nicht so leichtgängig. Das Zeitenrad ist zwischen den Zeiten selber frei drehbar, auf „A“ jedoch blockiert es und muss mit dem Knopf in der Mitte freigegeben werden. Die Belichtungskorrektur ist wunderbar direkt zu greifen, allerdings greift da auch hin und wieder etwas anderes als meine Finger, mehr dazu weiter unten.

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Die Rückseite trägt die üblichen Bedienungsknöpfe und Schaltwippen. Der Bildschirm ist schön, gross und hoch auflösend, allerdings auch feststehend, so dass Freunde der Veranstaltungs- oder Makrofotografie in Bodennähe oder überkopf sicherlich etwas vermissen werden.

Interessant ist die Zahl der frei belegbaren Tasten: insgesamt 6 Stück können weitgehend frei aus einer grossen Anzahl von Funktionen belegt werden. Wer also viel fotografiert und damit die Bedienung intuitiv lernt, der kann sich praktisch jede Funktion individuell dorthin legen, wo er es für seine Priorität und seinen Umgang mit der Kamera benötigt.

Und endlich, endlich gibt es zwei SD-Kartenfächer! Bei Hochzeiten, Kommunion und ähnlichen Anlässen gibt es keine zweite Chance. Und wenn mir auch noch nie eine Karte wirklich versagt hat: ich will immer ein Backup, direkt auf der Kamera. Das Risiko, ein nicht wiederholbares Ereignis zu versemmeln, wenn man schon als Fotograf das Vertrauen der Feiernden geniesst, ist einfach zu hoch. Und da ist die zweite Karte ein absolutes, unumgängliches Muss.

Menü

Gegenüber meiner X100T hat sich das Menü zum Besseren geändert: Die anfängliche Gruppierung nach Bildqualität, AF/MF, Kameraeinstellungen etc. ist wunderbar logisch, man kann sich die Punkte leicht merken. Es ist das erste Menü, das an das der Nikons herankommt oder sie sogar übertrifft. Zudem muss man sich nicht so oft darin aufhalten: die vielen frei belegbaren Funktionstasten und die Einstellräder lassen nach einer längeren Startsitzung, an der erst einmal alles konfiguriert werden sollte, einen fast Menü-freien Betrieb zu.

Hier macht sich allerdings auch die Ausrichtung der Kamera an ernsthaftere Fotografen bemerkbar: natürlich kann man alles auf Automatik lassen, JPG normal als Dateiformat, und losknipsen. Nur: dafür braucht man keine solche Kamera, dann tut es das iPhone eigentlich auch (mit dem Vorteil, dass man es immer dabei hat). Und die Kamera hat wohl nicht umsonst das „Pro“ im Namen: erst die Arbeit mit den Einstellungen und Parametern macht sie interessant, und vor allem die enormen Möglichkeiten zur persönlichen Konfiguration. Aber eben: wenn man sie einmal im Monat aus dem Schrank holt, bringt das wenig: die Belegung der Tasten will geübt sein, ansonsten sucht man nur herum.

Insgesamt also ein sehr positiver Eindruck, wozu noch kommt, dass über die Q-Taste ein Menü der wichtigsten Einstellungen aufgerufen werden kann, das man sich zudem selber zusammenstellen kann, so dass selbst das Menü noch konzentriert und mit ziemlich direktem Zugriff anwendbar ist.

Der Sucher

Neben den Drehrädern sticht natürlich der Sucher ins Auge. Der Hybrid-Sucher, der sich zwischen klassischem optischen und rein digitalem Sucher umschalten lässt, ist neben dem Sensor eines der Herzstücke dieser Fujifilm-Kameras.

Mit einem Knopf hinten neben dem Sucher lässt sich einstellen, ob man den Bildschirm (mit Sensor-Umschaltung auf den Sucher), nur den Sucher mit Sensor-Umschaltung, nur den Sucher oder nur den Bildschirm nutzen möchte. Ich arbeite meisten mit „nur dem Sucher“ ohne Sensor, weil mich die Einschalt-Zeit nervt, die vergeht, wenn der Sensor mein Auge bemerkt und den Sucher einschaltet. Der dann ständig aktive Sucher verbraucht zwar etwas mehr Strom, vor allem bei Veranstaltungen ist es mir das jedoch wert.

An einem vorderen Hebel kann man dann noch das Verhalten im Sucher selber steuern: rein optisch, rein digital, oder optisch mit eingeblendetem digitalen Bild, das ein vergrössertes Detail darstellen kann, so dass auch die manuelle Fokussierung optimal unterstützt wird.

Bereits mit meiner X100t konnte ich ja umfangreiche Erfahrung mit dem Hybrid-Sucher sammeln. Ich muss zugeben, dass ich dieses System zwar sehr ansprechend finde, wirklich anfreunden kann ich mich jedoch nicht damit. Allerdings liegt das zu einem grossen Teil an mir selber: ich bin Linksauge, benutze also den Kamerasucher immer mit dem linken Auge. Rechtsaugen, die wohl mehr als 75 % der Menschheit wie der Fotografen ausmachen, geniessen hier wie bei der Leica ja den Vorteil, dass das linke Auge frei bleibt, man nicht den Bildschirm mit der Nase verschmiert und so auch schneller und flexibler arbeiten kann. Das ist bei mir nicht der Fall: ich verschwinde immer ganz hinter dem Gehäuse, und mit der Nase bin ich am oder neben dem Bildschirm (weshalb ich auch kein Freund der neuen Touchscreens bin, wo ich zu allem Überfluss noch den Fokuspunkt mit der Nasenspitze verschieben würde).

Dazu kommt, dass ich die genaue Vorschau auf das fertige Bild, die die digitale Sucher-Variante liefert, dem Blick auf das Umfeld der optischen Version vorziehe. In anderen Worten: den optischen Sucher nutze ich so oder so kaum, so dass ich zwar das klassische Aussehen der X100T und der X-Pro2 liebe, für mich tatsächlich aber der rein digitale Sucher der X-T2, der zudem noch grösser darstellt, wohl die bessere Lösung wäre.

Der Autofokus

Das ist ein spannendes Thema, vor allem für die, die von der DSLR kommen und einen Wechsel auf Spiegellos überlegen. Alle meine bisherigen Versuche in diese Richtung waren gründlich misslungen: ob einfach zu langsam, egal ob bei viel oder wenig Licht (Fujifilm XE-2, X100T), bei wenig Licht (Sony A7), schnell genug intern, aber mit einem zu schwammigen und langsamen Auslöser (A7RII), bisher habe ich nichts in den Fingern gehabt, das meiner Nikon D750 auch nur ansatzweise gewachsen gewesen wäre.

Bisher. Denn die X-Pro2 ist die erste Spiegellose, mit der ich beides habe: einen extrem schnellen und zuverlässigen Autofokus, und das auch noch bei (fast) allen Lichtverhältnissen. Das Objektiv spielt dabei natürlich auch eine Rolle, das 16-55mm f/2.8 Zoom ist auf jeden Fall bestens auch für widrige Verhältnisse geeignet. Die neuen kleinen Festbrennweiten dürften das ebenfalls sein (23mm und 35mm, beide mit Blende f/2.0, während nach den Berichten anderer Fotografen vor allem die älteren Objektive noch etwas langsamer reagieren.

Besonders beeindruckend finde ich den neuen AF-Steuerknopf auf der Rückseite. Mit dem Daumen lässt sich das aktive AF-Feld wie bei einer Spielkonsole blitzschnell überall hin schieben, ohne dass man die Position des Daumens ändern müsste, wie das bei den meisten DSLR der Fall ist. Und mit einem Druck auf den Knopf springt das AF-Feld wieder in die Mitte. Diese Bedienung ist absolut genial, und man fragt sich, warum da nicht schon früher jemand drauf gekommen ist.

Dazu gibt es noch einen Vorteil: anders als bei den bisherigen DSLR’s funktioniert der AF immer gleich schnell, egal ob man über den Sucher oder über den Bildschirm arbeitet. Wobei es dann natürlich von Vorteil wäre, wenn der Bildschirm klapp- und schwenkbar wäre…. Aber das ist ein anderes Thema. Oder ein anderes Gehäuse: das der X-T2.

Der Auslöser

Für Leute wie mich, die viel in Kirchen und an Zeremonien fotografieren, ist ein schneller, aber ruhiger Auslöser das A und O. Und wohl auch der Grund, weshalb ich immer wieder spiegellose Systemkameras teste, obwohl ich in Sachen Handling und Bildqualität mit meiner Nikon D750 mehr als zufrieden bin. Wenn nur der Spiegelschlag nicht wäre…

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Die Sony A7 hatte dasselbe Problem: zwar keinen Spiegel, aber praktisch genauso viel Lärm. Dazu eine gefühlt Verzögerung beim Auslösen, die wohl weniger mit dem Verschluss selber, sondern mehr mit dem langen und schwammigen Weg des Auslöseknopfes zu tun hatte. Die A7Rii ermöglicht zwar den geräuschlosen, elektronischen Verschluss und besitzt einen sehr viel besseren AF, trotzdem konnte ich mich mit dem Handling der Kamera und dem Auslösegefühl selber nicht wirklich anfreunden.

Die X-Pro2 ist auch in diesem Punkt hervorragend: schon der normale mechanische Auslöser fühlt sich sehr mechanisch an, und das Geräusch ist eine Pracht, fast einer Leica würdig: ein leises, extrem kurzes „Klick“, das selbst in der Kirche kaum stört. Und: es kann ganz ausgeschaltet werden, die Kamera funktioniert dann tatsächlich geräuschlos. Alles in allem also genau mein Ding.

Handling

Im Handling, also in der Handhabung, Haptik und Ergonomie im Fotografiebetrieb, gibt es, wie immer, Licht und Schatten. Wer wirklich mit der Kamera arbeitet und sie weitgehend blind bedienen kann, der muss trotz aller Schönheit der mechanischen Fujis feststellen, dass die ergonomischen Gehäuse der DSLR-Konkurrenz ihre Vorteile haben: die tiefe Griffmulde der D750 (sie sie hier stellvertretend für andere Kameras ihrer Preis- und Leistungsklasse genannt, da ich sie nun einmal habe und kenne), die Position der Knöpfe und Schalter, das ist ganz offensichtlich das Ergebnis einer ebenfalls nun schon längeren Evolution. Die direkte Sichtbarkeit der Einstellungen an den wunderschönen Rädern der Fujifilm ist dann mühsam, wenn man keine Zeit oder kein Licht hat: im Dunkeln sind die schönen Skalen und gravierten Werte schlicht nicht zu sehen. Natürlich finde ich alles auch im Sucher oder auf dem Bildschirm, anders als bei der DSLR, wo ich immer dort nachschaue und daher sofort weiss, wie ich welchen Wert wo finde, ist dies bei der Fujifilm bei Weitem nicht so intuitiv.

Andererseits muss ich eines festhalten: wenn sich die X-Pro2 ergonomisch auch nicht so „flüssig“ anfühlt wie meine Nikon, wirklich behindern tut das klassische Design in der Regel nicht. Es sorgt jedoch für etwas ganz anderes, was sich allerdings nicht so sehr sachlich beschreiben lässt: die Lust und Freude am Fotografieren. Die X-Pro2 habe ich mir bei fast jedem Spaziergang mit dem Hund umgehängt, weil es einfach Spass macht. Und: gerade der Fokusknopf, gerade die Blenden- und Zeitsteuerung sind Dinge, die ich an diesem System liebe.

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Einen eher gravierenden Punkt muss ich allerdings noch erwähnen, etwas, das ich in der Art noch bei keiner meiner Kameras erlebt habe: ich trage die Kamera in der Regel an einem Sun-Sniper-Gurt, so dass die Kamera kopfüber an meiner Seite hängt. Ich kann sie schnell greifen, sie stört nicht beim Laufen, und sie ist komfortabel auch über längere Strecken zu tragen. Nur: mehrere Male habe ich die Kamera hochgenommen, schaue durch den Sucher, drücke den Auslöser für die Scharfstellung an, und es passiert scheinbar… nichts. Das heisst, irgendwas passiert, aber das Bild bleibt für mich komplett verschwommen. Andere Male ist das Bild im Sucher schon komplett überbelichtet, obwohl ich keine Belichtungskorrektur eingestellt hatte.

Des Rätsels Lösung ist einfach: Beim Tragen sind die Dioptrien-Verstellung des Suchers und / oder die Belichtungskorrektur-Drehscheibe an meine Kleidung gestossen und haben sich so verstellt. Da der Sucher ganz links am Gehäuse sitzt und das Korrekturrad noch einmal links am Sucher, und das Belichtungskorrekturrad nicht wie bei der X-T2 noch durch einen Knubbel für den Daumen „geschützt“ wird, sondern direkt am Rand des Gehäuses sitzt, führt offenbar jeder Kontakt mit Jacke / Hose unter ungünstigen Bedingungen schon zu einer Verstellung. Zumal vor allem das Rad für die Belichtungskorrektur relativ leicht verstellbar ist und nicht fixiert werden kann.

Zwar sitzen bei meiner X100T die Räder ähnlich, jedoch ist die Kamera so viel leichter, dass sie offenbar nicht die notwendige Kraft überträgt, um die Räder zu verstellen.

Das jedoch sind die einzigen Kritikpunkte, die ich habe, und sie sind nicht Fujifilm-, sondern eher X-Pro2 spezifisch. Da ich als „Linksauge“ vom seitlichen Sucher eh nicht viel profitiere, lassen sich diese Kritikpunkte relativ einfach über den Kauf einer X-T2 statt der X-Pro2 lösen, zumindest für mich. Und wer „normale“ Kameragurte nutzt, wird diese Problem auch nicht haben, da dann schon der Gurt und die Tragweise dafür sorgen, dass das Problem keines ist, die Räder sind dann nämlich automatisch besser geschützt.

Das Objektiv

Die Test-Kamera kam mit dem 16-55mm f/2.8 Objektiv. Der Eindruck von Qualität und Solidität ist umwerfend, der Blendenring klickt in Drittelstufen, dass einem Ingenieur das Herz aufgeht, und auch Zoom- und AF-Ring laufen butterweich, gerade fest genug, vollständig ohne Spiel. Auch die Bildqualität ist entsprechend, nämlich einfach perfekt.

So sehr das Objektiv technisch beeindruckt, mit dieser Kamera war es für mich trotzdem nicht die optimale Lösung: mit Grösse und Gewicht würde es perfekt an eine kleine DSLR mit tiefer Griffmulde passen, oder eben an eine X-T2 mit Akku-Griff. An der X-Pro2 wirkt es jedoch stark frontlastig: sie ist nach meinem Gefühl eher die Kamera für eine kleine Festbrennweite. Aber das ist im Grunde Gefühlsduselei, rein sachlich ist das Objektiv perfekt einsetzbar.

Das Einzige, was mir fehlt, ist die Anti-Wackel-Technik. Das verwundert mich insbesondere, weil das Mittelklasse-Kit-Zoom, das 18-55 f/2.8-4.0 diese hat. Wer die 2 mm zusätzliche Brennweite im Weitwinkel nicht braucht und auf eine feste Blende, die Wetterfestigkeit und den schönen Blendenring keinen Wert legt, der ist mit diesem zudem kompakteren und leichteren Zoom eventuell sogar besser bedient. Zudem es eines der besten Kit-Zooms ist, die derzeit am Markt verfügbar sind.

Fotos

Letzten Endes zählt das Bild, und hier kommt Fujifilm ihre lange Tradition und das Wissen um Optik und Bildverarbeitung zu Gute. Ich war und bin schon mit den Bildern meiner X100T sehr zufrieden, für Auftragsarbeiten bieten sie aber für mich zu wenig Luft zum Beschneiden. Der neue Sensor bringt die Auflösung auf D750-Niveau. Dazu kommt der fehlende AA-Filter, was zusätzlich für eine hervorragende Schärfe sorgt, sowie natürlich die vielen wunderbaren Film-Simulationen von Fujifilm, die mittlerweile ja auch in Lightroom zur Verfügung stehen für diejenigen wie mich, die ausschliesslich mit RAW-Dateien arbeiten.

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Qualitativ, dass muss ich hier sagen, gibt es eigentlich keinen Grund mehr, auf das kleinere APS-C Format hinunter zu schauen. Wenn ich Bilder der Fujifilm mit denen meiner Nikon D750 mische, dann erkennt man die Fujifilm-Bilder allenfalls an den besonderen Farben, aber ganz sicher nicht an einer schlechteren Bildqualität. Selbst bei hohen ISO ist mit dem neuen Sensor kein wesentlicher Unterschied mehr zu sehen. Zumal ich mit APS-C einen Vorteil habe: durch den kleineren Sensor und die damit effektive kürzere Brennweite erhalte ich die selbe Schärfentiefe bei eine Stufe offenere Blende. In anderen Worten: wo ich bei Veranstaltungen die Nikon mit ISO 6400 und Blende 4 nutze, erhalte ich eine vergleichbare Wirkung mit der Fujifilm bei ISO 3200 und Blende 2.8.  Auf FX fotografiere ich kaum mit dieser Blende bei Veranstaltung, es sei denn, ich will gezielt freistellen (was weiterhin natürlich eine Domäne der grösseren Sensoren und längeren Brennweiten ist, das beisst die Maus der Physik keinen Faden ab).

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Fazit

Mit der X-Pro2 ist Fujifilm für meine Begriffe in der Spitzengruppe heutiger Kameratechnik angekommen: perfekte Verarbeitung, ein gut strukturiertes Menü, jede Menge individuell programmiere Funktionstasten, ein sehr schneller AF, ein sehr leiser und schneller Auslöser, eine wirklich hervorragende Bildqualität, und dazu noch die Fujifilm-Spezialitäten wie die Filmsimulationen.

Wer eine spiegellose Systemkamera sucht, oder im Grunde sogar wer überhaupt eine Systemkamera sucht, kommt an Fujifilm nicht mehr einfach so vorbei. Und mit der Qualität des Sensors verschwimmt auch die Grenze zum echten Kleinbildformat (FX) immer mehr. Zumal Fujifilm ein Arsenal an sehr guten Objektiven bietet, vor allem im Bereich kleiner Festbrennweiten, die für Street- und Eventfotografen ideal sind.

Bei der X-Pro2 stellt sich allenfalls die Frage nach dem Form-Faktor: ich als Linksauge kann von der Anordnung des Suchers zu wenig profitieren, zudem nutze ich den optischen Teil des Hybridsuchers zu wenig. Für die Einen mag genau dieser Sucher der ausschlaggebende Grund sein, zur X-Pro2 zu greifen, für mich war die Woche mit dieser Kamera eher insofern interessant, als ich nun mit um so mehr Spannung und Vorfreude die X-T2 erwarte. Denn der grössere elektronische Sucher, dessen „klassische“ Anordnung in DSLR-Manier, dazu der kipp- und schwenkbare Monitor, das trifft eher meine Anforderungen an eine Kamera.

Ob ich eines Tages ganz von meiner D750 auf eine X-T2 (oder 3, oder 4, wer weiss) umsteigen werde, das kann ich noch nicht sagen. Für meine Arbeit in der Kirche ist der lautlose elektronische Verschluss natürlich extrem verlockend, mit der Qualität des neuen Sensors sollte auch die Bildqualität bei hohen ISO gut genug sein bzw. in Grössenordnungen schlechter als meine FX-Nikon, mit der ich ganz gut leben kann.

Objektiv gesehen bekommt die X-Pro2 auf Grund meiner Erfahrung 4.5 von 5 Punkten, den halben Punkt ziehe ich lediglich wegen der leichten Verstellbarkeit der Dioptrien- und Belichtungskorrektur-Räder ab.

Vielen Dank an Foto Marlin in Basel für die Möglichkeit, die Kamera zu testen.