Fujifilm X-E3 mit Fujinon XF 23mm f/2.0

Die Entscheidung

Nach der Lektüre meines Berichts über die Fujifilm X100F dürfte der geneigte Leser den Eindruck gewonnen haben, ich würde diese Kamera nie und nimmer verkaufen, sie bestenfalls durch einen würdigen Nachfolger ersetzen, wenn denn einmal einer käme.

Das dachte ich selber auch, als ich den Artikel schrieb, aber das Leben ändert sich, genauso wie die Anforderungen an das eigene Werkzeug. Eine Phase mit diversen Aufträgen, die zusätzliche Investitionen auf der DSLR-Seite erforderten (Studioblitze, Ultraweitwinkel etc.), gleichzeitig über Monate keine Reise, kein Ausflug, das Ende vom Lied war dann zwangsläufig, dass die X100F den aktuellen Prioritäten weichen musste.

Vermisst habe ich die X100F aber trotzdem: beim Winterspaziergang mit den Hunden, bei der Geschäftsreise, bei der ich mir einbildete, ich hätte sie mitgenommen besässe ich sie noch (was kaum der Realität entspricht, aber man könnte ja, wenn man nicht hätte….).

Krüger Brothers

Nun standen und stehen wieder mehrere Anlässe an, die eine kleine und / oder geräuschlose Kamera erfordern, will man sich nicht den DSLR-Klotz um den Hals hängen: ein kleines Wohnzimmer-Konzert, ein Wochenende mit Freunden in Budapest, ein Jahrgangstreffen ergrauter Schulkameraden in Rom, alles Dinge, zu denen ich definitiv nicht mit meiner geliebten und bewährten, aber relativ schweren und vor allem relativ lauten D750 fahren wollte.

(Nikon, falls Du das hier liest: ich würde keinen Artikel über eine Fujifilm schreiben, wenn es für die Z oder die D zwei oder drei Pancakes gäbe, wunderbare kleine Reise-Objektive mit z.B. 24, 35 und 75 mm Brennweite, und nicht nur die immer grösser und schwerer werdenden AF-S und S-Objektive, die optisch perfekt sein mögen, aber viel zu gross und schwer sind für ein immer-dabei-Set!).

Meine kleinste APS-C-Kamera, die robuste und reisefreundliche Nikon Coolpix A, ist mir für diese Art von Anlässen zu weitwinkelig (28 mm, zudem zu nah am iPhone dran), ausserdem würde ich gerne mit zwei Brennweiten reisen: einmal mit dem 35 mm (entsprechend Kleinbild), dazu aber auch noch mit einem leichten Tele, für Details, Street und alles, was man näher holen will.

Damit kam auch der „Rückkauf“ der X100F nicht mehr in Frage: nicht nur, dass ich kein Objektiv würde wechseln können, auch nervten mich zwei Dinge an dieser hübschen kleinen Kamera, nichts gravierendes, aber doch zumindest kaufentscheidendes: das zu kleine Objektiv, das als Nebenwirkung einen so fummeligen Blendenring hat, dass dessen Bedienung zwar funktioniert, aber keine wirkliche Freude macht, und auf das sich nicht einmal die Streulichtblende einfach aufstecken lässt: es muss immer erst der Bajonettring aufgeschraubt werden, womit dann der Original-Objektivdeckel nicht mehr passt. Dazu kommt der optische Sucher, den ich nie verwendet habe und damit einen der eigentlichen Highlights der X100F komplett ignoriere, bzw. für etwas zahle, was ich anschliessend nie brauche.

Das Ziel war damit also definiert: eine Reisekamera mit Wechselobjektiven, so klein, leicht und leise wie möglich, mit elektronischem Sucher, und natürlich mit einer Bildqualität, die meiner D750 kaum nachstehen durfte.

Nun schaute ich mir die diversen Alternativen an, die meine Lieblings-Fotohändler anboten, und verbrachte tatsächlich mehrere Wochen mit der Qual der Wahl, bevor ich schliesslich eine Entscheidung traf.

In die erste Runde kamen folgende Kameras:

  • Olympus PEN-F mit der 17mm f/1.8 Festbrennweite
  • Sony A7 (das Original) mit dem 35mm f/2.8 von Zeiss, Alternativ dem Samyang 35mm f/2.8
  • Sony A7 II mit ebendiesen Objektiv-Alternativen
  • Fujifilm X-T2 mit dem 23mm f/2.0
  • Fujifilm X-E3 mit dem 23mm f/2.0

Die Olympus flog als erste raus: wunderschön, ein Traum für Retro-Fans, mit wirklich sehr kleinen und hochwertigen Objektiven, aber einem doch zu kleinen Sensor für den hohen Anteil an Fotografie bei schlechten Lichtverhältnissen, mit dem ich mich herumschlagen muss, und dafür auch sehr teuer.

Die originale Sony A7 reizte mich, weil sie für eine Vollformat-Kamera wirklich extrem klein und flach ist. Dazu gefällt mir das Finish, die glatte Lack-Oberfläche, und das 35mm Pancake von Zeiss. Ich entschied mich jedoch gegen sie, weil mir der Auslöser zu laut, der AF zu unzuverlässig und das Zeiss-Objektiv zu teuer waren. Ich habe diese Kamera schon einmal für rund ein halbes Jahr besessen, dann aber genau aus diesen Gründen wieder verkauft. Schade, denn das Gehäuse und das Objektiv wären eigentlich ein Traum, eine Realität gewordene Nikon FM2n in der digitalen Welt.

Die Version II der Sony A7 fasste ich ebenfalls ins Auge, zumal sie mittlerweile relativ günstig zu kaufen ist. Eine „Handprobe“ im Geschäft sorgte dann jedoch für das vorzeitige Aus: die A7 II ist genau so viel grösser, dicker und schwerer, dass genau das tolle Gefühl einer kleinen, aber vollwertigen Kamera verloren geht, das ich an der ersten A7 so liebe. Natürlich gibt es IBIS (interne Antiwackel-Technik), den geräuschlosen elektronischen Auslöser und einen besseren Autofocus, aber das Gesamtpaket war mir dann doch zu dicht an der D750, und ich wollte kein zweites „grosses“ System parallel zu meiner Nikon aufbauen.

Die X-T2 von Fujifilm füllt genau die Lücke unterhalb der D750: FM2n-Gefühl, klein, leise, und wegen der X-T3 auch günstig im Angebot zu haben. Dazu genau die kleinen Festbrennweiten, die bei anderen Herstellern immer seltener werden: das 23mm f/2.0, dazu das kurze Tele 50mm f/2.0, und neu noch das 16mm f/2.8, noch kleiner, aber offenbar rattenscharf und durchaus bezahlbar. Eine X-T2 hatte ich zudem eine Zeit lang statt der D750 schon genutzt, so dass ich sie gut kannte, und wenn ich auch wegen der Auftragsarbeiten, die in Sachen AF und ISO meist sehr kritisch sind, zur Nikon zurückgekehrt bin, so würde die X-T2 als relativ kleine Reisekamera doch ihren Zweck optimal erfüllen.

Eigentlich wäre es das wohl gewesen, der Entscheid gefallen, wenn mir nicht rein zufällig ein Sonderangebot von digitec.ch aufgefallen wäre (das gut versteckt erst nach mehrfachem Blättern überhaupt zu finden war): eine von 8 Fujifilm X-E3 mit dem 23 mm f/2.0 für ganze 899 Franken, also knapp 800 EUR, oder fast zum Preis des Gehäuses das Objektiv mit dazu. Nachdem ich für mein Geld auch hart arbeiten muss, der Sensor der gleiche ist wie in der X-T2 und das ganze Paket noch sehr viel kleiner und handlicher ausfällt, fiel mir die Entscheidung leicht: das war meine Reise- und Fast-Immer-Dabei-Kamera, vor allem mit dem kleinen 23er-Objektiv, entsprechend 35mm im Kleinbild-Format.

Der einzige „Nachteil“ war die Farbe: das kleine Ding gab es nur in Silber für den Preis, in Schwarz hätte sie über 300 Franken mehr gekostet. Das war es mir nicht wert, und später war ich über die Farbwahl sogar froh: gerade bei Street-Fotografie und Anlässen wird die Kamera noch weniger ernst genommen, als das bei meiner schwarzen X100F der Fall war, ich werde immer wieder gefragt, ob die noch mit Film funktioniere, und die Menschen sind ähnlich offen für ein Bild, wie sie es bei einem Smartphone-Foto sind (im Gegensatz zu den Reaktionen, wenn sie die Nikon mit 24-70mm f/2.8 wahrnehmen, da ist es schnell vorbei mit der Entspannung).

Batterie und Speicherkarte

Fangen wir mit den kleinen Dingen an, die auch die ersten sind, die man nach dem Auspacken der Kamera handhaben muss. Die Batterie ist wieder die gute alte W126S, also genau das Teil, das auch schon in der X-T2, X-T3, X-Pro2, X100F und den meisten anderen Fujifilm-Kameras ihren Dienst tut. Dafür alleine sollte Fujifilm einmal den Nobelpreis bekommen! Wer eine X-T3 für die „ernsthafte“ Fotografie nutzt, eine X-H1 vielleicht noch zum Filmen und eine X-E3 oder X100F für die Reise, der braucht für alle nur eine einzige Sorte Batterien, ein Ladegerät, und sie können beliebig untereinander getauscht werden. Herrlich!

Weniger herrlich und eine Sache, die mich schon den letzten Nerv gekostet hat, ist die Aufbewahrung dieser Batterien. Serienmässig kommen sie alle mit so einer labbrigen Verpackung aus einem gummiähnlichen Material. Die Batterien da rein oder raus zu fummeln ist schon ein Akt, zudem verschwinden die Teile gerne unter dem ganzen Kram in der Fototasche und sind kaum mehr zu sehen, weil halb durchsichtig und eben weich wie Plastiktüte, einfach widerlich. Ich wünsche mir eine feste Kappe, wie Nikon sie für die Kontaktseite hat, die sich aufklippsen lässt, offenbar scheint das aber ein grösseres Problem zu sein.

Wie bei vielen Kompakten steckt die SD-Karte im Batteriefach, so dass sie kaum erreicht werden kann, wenn die Kamera auf einem Stativ montiert ist. Es gibt auch nur ein Fach (wer mehr braucht, der kaufe sich die X-T2), aber ich denke, dass ist in diesem Bereich klassenüblich. Ich nutze ein 128 GB-Karte von Sandisk, damit lassen sich auch grössere Anlässe ohne Kartenwechsel abfeiern.

Das Gehäuse

Das Gehäuse der X-E3 ist minimal kleiner als die X100F, wenn auch nur ohne Objektiv. Der obere Teil besteht aus Metall, der Rest ist Kunststoff, wohl auch die Bodenplatte, obwohl sie nach Metall aussieht. Die X-E3 macht damit nicht einen ganz so soliden Eindruck wie die X100F, sie fühlt sich aber auch kein bisschen „billig“ an.

Rein optisch ist die kleine Kamera wunderschön: gegenüber der X-E2s wurde die Rückseite aufgeräumt, der 4-Wege-Controller ist weg, dafür gibt es einen AF-Joystick und vor allem einen nun schön bündig eingelassenen Bildschirm. Es gab viel Gejammer darüber dass der Bildschirm nicht klappbar sei, aber meines Erachtens gibt es genug Alternativen im Fujifilm-Programm  mit klappbaren Bildschirmen, mir persönlich ist die Kompaktheit, die klare und aufgeräumte Rückseite und die Robustheit (wo nichts klappt, da kann auch weniger kaputt gehen) in diesem Fall wichtiger.

Neu ist der Bildschirm aber berührungsempfindlich und ersetzt so auch den alten 4-Wege-Controller. Einmal wischen nach links, nach rechts, nach oben oder unten sind die Funktionen, die man fast vollkommen frei konfigurieren kann, so dass man keine Sprünge ins Menü braucht, um häufig benutzte Funktionen zu verändern.

Was für mich als Linksauge wichtig ist: da der Sucher an der kleinen X-E3 Leica-mässig ganz auf der linken Seite sitzt, „bedient“ meine Nase immer wieder ungewollt den Bildschirm. Das ist vor allem dann ärgerlich, wenn der AF auf diese Weise eingestellt werden kann, was hier der Fall ist.

Die gute Nachricht ist jedoch: diese Funktionen können deaktiviert werden, und extrem gut gelöst ist in meinen Augen die Tatsache, dass trotz ausgeschaltetem Berührungs-AF die Wischgesten immer noch funktionieren (auch wenn ich mit der Nase selbst die Wischgeste hin und wieder auslöse, aber das ist kein Problem, ein leichter Druck auf den Auslöser, dann ist die ungewünschte Funktion wieder weg).

Auf der Oberseite der Kamera findet sich noch das Zeitenrad sowie die Belichtungskorrektur, klassische Elemente des Fujifilm Retro-Looks. Der X-E3 fehlt die in meinen Augen famose Einstellung des ISO-Wertes, wie sie die X-T2 hat (ins Zeitenrad integriert), aber dieses Thema kann man auf eine der frei programmierbaren Tasten oder eben eine Wisch-Richtung des Bildschirmes legen. Was den Vorteil hat, dass dann nicht nur die direkt zugänglichen ISO-Werte im direkten Zugriff sind, sondern auch die diversen Automatik-Varianten (mehr dazu später, weil das ein wichtiger Punkt ist).

Die Bedienung

Das Handling der Kamera ist perfekt, in meinen Augen besser als das der X100F: durch das etwas längere Objektiv ist vor allem der Blendenring viel einfacher zu greifen, zudem halte ich die Kamera gerne mit der linken Hand unter dem Objektiv, was bei der X100F schlicht nicht geht.

Was mich gegenüber meiner D750, aber auch der X-T2 am meisten nervt, ist der Kartenschacht im Batteriefach unter der Kamera: auf dem Stativ komme ich nicht dran, und selbst das Herausholen ist eine Pfriemelarbeit, man muss sie mit dem Fingernagel erwischen, nichts, was wirklich Freude macht. Klar, bei einer so kleinen Kamera ist das anders wohl kaum lösbar, und es entfällt auf diese Weise auch eine weitere Klappe am Gehäuse, trotzdem… nicht meins.

Vor Einsätzen stelle ich in der Regel die ISO-Automatik so ein, dass alle erdenklichen Situationen abgedeckt werden. Anschliessend stelle ich das Programmwahlrad auf „A“ (Zeitautomatik bzw. Blendenvorwahl), konkret arbeiten tue ich dann nur noch mit der Blende (Steuerung der Schärfentiefe, Entscheid, ob bewegte oder eher unbewegte Objekte fotografiert werden und die Zeiten länger oder kürzer sein dürfen) sowie dem Belichtungskorrekturrad.

Beide Werte kann ich direkt an den Einstellrädern kontrollieren, ich sehe sie aber auch im Sucher, so dass ich die Kamera nicht vom Auge nehmen muss und trotzdem alles ohne Knöpfchendrücken und Rädchendrehen einstellen kann: Blendenring am Objektiv, Korrekturrad oben hinter dem Auslöser.

Für mich ist das die absolut perfekteste Art, eine Kamera zu bedienen. Ich bin bekennender Nikon-Fan, weil die Ergonomie der Kameras einfach super ist, die Bildqualität sowieso, dass sie aber den Blendenring am Objektiv aufgegeben haben, das werde ich ihnen nie verzeihen.

(Ergänzung: mit den Z-Modellen hat Nikon den Blendenring am Objektiv jetzt zumindest teilweise wieder eingeführt: der Ring für die Entfernungseinstellung kann zum Blendenring umfunktioniert werden, wenn man sowieso fast nur mit dem AF scharfstellt. Super, freut mich total, aber das bedeutet, dass es nach wie vor keine optische Kontrolle gibt ausser im Sucher / Bildschirm, weil der „Blendenring“ virtuell bleibt und keine feste Rasterung besitzt. Also: besser als gar kein Blendenring, nicht so schön wie der mechanische von Fujifilm).

Der Wackel-Dackel

Einer der grössten Kritikpunkte an vielen Fujifilm-Kameras (auch der Semiprofessionellen X-T3) ist die fehlende Anti-Wackel-Technik. In Foren liest man immer wieder in Kommentaren, dass dem Schreiber nie, nie wieder eine Kamera ohne Anti-Wackel-Technik im Gehäuse ins Haus käme, nur über seine Leiche.

Ich halte das für übertrieben. Es hängt vor allem davon ab, wofür man die Kamera benötigt: wer viel filmt, für den macht das Sinn, da die Anti-Wackel-Technik im Gehäuse nach meiner Erfahrung vor allem bei den kürzeren Brennweiten gut funktioniert, und weil vor allem beim Filmen, wo man ja mit der Kamera „fährt“, nicht nur der Bruchteil einer Sekunde beruhigt werden muss.

Anders sieht es bei reiner Fotografie aus, und vor allem bei längeren Brennweiten: eine gute Anti-Wackel-Technik, die direkt ins Objektiv eingebaut ist, speziell für dessen Brennweitenbereich gerechnet, ist auch heute noch kaum zu schlagen. Besser ist nur noch die Kombination aus Gehäuse- und Objektiv-Technik, weil so auch Drehbewegungen der Kamera abgefangen werden (anders als bei der reinen Objektivstabilisierung, diese korrigiert nur Verschiebungen links / rechts bzw. oben / unten).

Ich würde mich zwar über diese Technik freuen, so sie die Kamera nicht grösser und schwerer machen würde, aber: was nicht da ist, kann nicht kaputtgehen. Vor allem für Kameras, die mittlerweile nicht mehr jedes Jahr durch neue Modelle ersetzt werden müssen, sondern über Jahre perfekte Ergebnisse liefern sollen, verzichte ich auf so viel Bling-Bling wie möglich. Und gerade mit den kleinen Lichtstarken Festbrennweiten, wie Fujifilm sie anbietet, auf einer Kamera, die meist ungeschützt in den Rucksack oder die Arbeitstasche geworden wird und einiges aushalten muss, sind klein und robust wichtige Aspekte.

Es gibt einen Punkt, in dem ich die Gehäuse-Anti-Wackeltechnik trotzdem vermisse: nur zu gerne würde ich vom Stativ mit der Sensor-Verschiebung hochauflösende Bilder schiessen können, wie das bei Pentax oder Olympus möglich ist. Durch die Sensor-Verschiebung um je einen Pixel könnte so ein Bild erzeugt werden, das nicht nur eine unsinnige Anzahl an Bildpunkten aufweist, sondern vor allem die Interpolation des Bayer-Sensors umgeht, jeder Bildpunkt kann „richtig“ ausgewertet werden. Nun ja, man kann nicht alles haben, zudem macht die besondere Anordnung der RGB-Filter im X-Trans-Sensor das Thema wohl auch nicht einfacher, aber man darf sich ja was wünschen 🙂

Das Objektiv

Eigentlich ein blöder Titel, schliesslich ist die X-E3 eine Kamera mit Wechselobjektiven, aber es ist eher allgemein gemeint. Meine Erfahrungen mit den Fujifilm-Objektiven sind bestens: die kleinen Festbrennweiten sowieso, egal ob mit grösster Blende f/2 oder f/1.4, die wertigen Metalltuben, die griffigen Einstellringe und die Bildqualität sind perfekt. Vor allem die Grösse ist imposant, nämlich imposant klein: während bei Sony und Canon nur einzelne Exemplare von kleinen Objektiven existieren (in beiden Fällen das 35mm Pancake), Nikon so was schon lange überhaupt nicht mehr im Angebot hat, sind viele Festbrennweiten von Fujifilm so klein, dass man bequem 2-3 davon in den Manteltaschen dabei haben kann, ohne eine grössere Fototasche zu benötigen.

Die kleine X-E3 nutze ich im Moment ausschliesslich mit der Festbrennweite 23mm f/2.0, parallel zu meiner Nikon D750 in Situationen, wo ich unauffällig fotografieren, wenig schleppen oder eine Kamera nur auf Verdacht mitnehmen will, ohne konkreten Auftrag. Das kleine Objektiv lässt sich gut greifen (vor allem für den, der wie ich die Blende manuell bedient), dazu lässt sich der Blendenring gut bedienen: er klickt satt durch die 1/3-Werte, Schade nur, dass die Klicks beim Drehen an den „vollen“ Blenden nicht satter sind, so dass man besser fühlen könnte, wann die „vollen“ Blendenwerte eingestellt sind.

Gut ist auch die mitgelieferte Sonnenblende: erschien sie mir erst suspekt, weil sie etwas billig und klobig gefertigt schien, so ist sie im täglichen Gebrauch doch perfekt: ebenfalls sehr klein, vor allem aber kann der vordere Objektivdeckel einfach auf die Streulicht-Blende aufgesetzt werden, anders als bei den grösseren Gegenlichtblenden der meisten Objektive am Markt, die zwar verkehrt herum auf das Objektiv gesteckt werden können, aber eben auch jedes Mal in Bereitschaft versetzt werden müssen.

Fotografieren

Schluss mit der reinen Technik, letztendlich habe ich die X-E3 gekauft, um Bilder mit ihr zu machen. Und dies vor allem auf Reisen: während ich Auftragsarbeiten in der Regel mit Nikons D750 oder der seit kurzem der Z6 erledige, dafür entsprechend hochwertige, aber auch schwerere Objektive einsetze, will ich auf Reisen oder an Anlässen in meiner Freizeit ohne Last fotografieren, aber, und das ist ein wichtiges Aber: mit einer vergleichbaren Qualität der Bilder.

Damit entfallen schon einmal alle wirklich kleinen Kompaktkameras (das kann heute mein iPhone besser), aber auch die teils sehr teuren 1″-Kompakten wie die Sony RX100 in ihren diversen Varianten. Letztere besass ich über lange Zeit, es war eine tolle Kamera, aber am Ende ist sie mir zu klein (ruhiges Halten alleine oder die Bedienung bei manueller Einstellung ist eine Herausforderung). Die berüchtigten Sony-Menüs machten es ebenfalls nicht einfacher, und auch wenn der Zoom ein Vorteil gegenüber meinem iPhone war, so war die Bildqualität dann doch nicht so viel besser, als dass ich das kleine Ding immer zusätzlich mit mir herumgeschleppt hätte. Als eines Tages der Bildschirm schwarz blieb, verschwand sie in der Schublade und wurde weder repariert noch ersetzt.

Zwar wäre auf Reisen ein Zoom eine tolle Sache, wegen des geringen Gewichtes, der tollen Lichtstärke und der Bildqualität habe ich mich jedoch für das kleine 23er (23mm f/2.0, entsprechend 35mm in Kleinbild/Vollformat) entschieden. Das kleine Paket habe ich entweder mit der Handschlaufe gesichert in der Hand, oder mit dem Gurt über der Schulter. Dank des flexiblen Systems von PEAK ist zwischen beiden schnell gewechselt, in beiden Fällen ist die Kamera sofort greifbar und parat.

Meistens arbeite ich, wie bereits gesagt, mit der Zeitautomatik (Blendenvorwahl) A, stelle die Blende nach Bedarf ein, um die Schärfentiefe zu kontrollieren, und halte die Zeiten Dank Auto-ISO im verwacklungsfreien Bereich. Das Rad für die Belichtungskorrektur liegt dabei perfekt im Zugriff: mit dem Daumen kann man es selbst ohne Augenkontakt einstellen. Hin und wieder ist es mir jedoch passiert, dass ich es unabsichtlich verstellt habe: zwar ist es relativ schwergängig, das passiert also nicht jedes Mal, wenn man die Kamera in die Fototasche legt, aber Vorsicht ist trotzdem geboten: ein Blick auf die Belichtungskorrektur schadet nie, zumindest als Kontrolle.

Fast immer nutze ich den Sucher: er ist schön gross (wenn auch nicht so gross wie der der X-Tn-Modelle), lediglich bei besonderen Aufnahmen auf dem kleinen Reise-Stativ oder bei über-Kopf-Aufnahmen ziehe ich den Bildschirm vor.

Interessant ist die Reaktion vieler Musiker bei den „Wohnzimmer-Konzerten“, die Freunde von uns regelmässig organisieren: Musiker, meist aus dem Blues-, Country- und Liedermacher-Genre, die einen Abend in ihrem Wohnzimmer live und oft unplugged vor etwa 20 -25 Gästen spielen, ein entspannter, sehr privater und schöner Anlass mit selbstgemachtem Buffet / Fingerfood auf dem Küchentisch und interessanten Gesprächen. Wenn ich mit der kleinen X-E3 aufkreuze ergeben sich oft Gespräche mit den Musikern, die ausdrücklich fotografiert werden wollen, und die an der kleinen X-E3 gar nicht lang genug herumfingern können: vor allem die Mischung aus Retro-Look, Format und Leistungsfähigkeit der Kamera fasziniert und führt zu interessanten Gesprächen. Entsprechend locker und entspannt fällt dann auch das Fotografieren aus. Und dank des elektronischen Auslösers störe ich dabei auch in ruhigen Passagen die anderen Zuhörer nicht.

Bildqualität

Die X-E3 besitzt den selben Sensor, den bereits die X-T2 hatte. Und dieser Sensor war und ist gut genug selbst für eine Menge Berufsfotografen, vor allem im Event- und Hochzeitsbereich. Wer zudem weniger mit RAW-Dateien arbeitet, sondern die fertigen JPGs aus der Kamera bevorzugt, der wird die wunderbaren Filmsimulationen nutzen, für die Fujifilm bekannt geworden ist.

Erstaunlicherweise ist die Bildqualität der RAW-Dateien gegenüber meiner Zeit mit der X-T2 noch wesentlich besser geworden, als sie es damals schon war. Das hat jedoch weniger mit Fujifilm zu tun (der Sensor ist ja noch der selbe), sondern vor allem mit Adobe: die heutige Version des Adobe RAW-Converters behandelt die Fujifilm-Dateien um Welten besser als die damalige Version. Dies äussert sich vor allem darin, dass es z.B. im Blattwerk oder anderen feinen, unregelmässigen Strukturen heute keine „Würmer“ mehr gibt, Gebilde, die nach dem Schärfen früher unschöne Strukturen ergeben haben. Auch Details und Farben werden besser umgesetzt, so dass ich heute Bilder von vor zwei Jahren, die ich nochmals verwende, als RAW-Datei erneut überarbeite.

Krüger Brothers in Concert, Fujifilm X-E3, ISO 3200

Mit ISO 200 bei Tageslicht wunderbare Bilder machen, das kann auch mein iPhone, dafür brauche ich eigentlich keine Kamera. Interessant wird es bei Dunkelheit, bei Konzerten, Familienfeiern, bei Lichtstimmungen nach Einbruch der Nacht. Genau dann schlägt die Stunde der X-E3 mit der 35er Festbrennweite: bis ISO 3200 sind die Bilder farblich hervorragend, mit minimalem Rauschen (das sich einfach entfernen lässt), absolut zu gebrauchen. Dank des kleineren Sensors, darauf resultierender kleinerer Brennweite kann ich mit der E-X3 gegenüber meiner Vollformat-DSLR D750 mit einer um einen ganzen Lichtwert offeneren Blende fotografieren, ohne Schärfentiefe zu verlieren. Das bedeutet umgekehrt, dass ich mit ISO 3200 da arbeiten kann, wo ich mit der D750 schon bei ISO 6400 bin.  Und damit eine absolut vergleichbare Bildqualität erreiche. Wer nicht glaubt, dass sich aus der kleinen X-E3 und einer der handlichen Festbrennweiten eine Bildqualität wie von der Vollformat-Kamera herausholen lässt, der sollte genau das einmal ausprobieren. Natürlich sind auch dieser Kamera Grenzen gesetzt, und die mehr als doppelte Sensorfläche der D750 ist letzten Endes auch sichtbar, wenn man Bild neben Bild vergleicht. Aber: der Unterschied ist dermassen gering, dass es für die meisten Bilder vollkommen unerheblich ist. Die Komposition, das Thema, die Belichtung haben mehr Einfluss auf das Bild als die Differenz, die sich aus der Sensorgrösse ergibt.

Weissabgleich und Belichtung

Für mich liegt einer der grössten Vorteile der X-E3 in ihrem Weissabgleich: anders als die Bilder, die ich mit der D750 schiesse, muss ich die Bilder der Fujifilm-Kameras praktisch überhaupt nicht nachbearbeiten. Der Weissabgleich stimmt fast immer, ist dabei aber vor allem nicht einfach „neutral“, sondern gibt die Lichtstimmung perfekt wieder. Nachts haben die Bilder eine Wärme, wie wir sie im Kunstlicht wahrnehmen, tags sind sie klar und neutral, aber fast immer so, dass nichts angepasst werden muss.

Krüger Brothers in Concert, Fujifilm X-E3, ISO 3200

Gegenüber der Nikon, bei der ich in der Regel auf die Lichter belichte (oder allgemein etwa 0.3 bis 0.7 Blenden unterbelichte, um die Bilder in Lightroom später wieder aufzuhellen), hat das Vorgehen bei dem Fujifilm-Sensor keine Vorteile. Mit meiner Nikon mache ich das, weil helle Stellen leicht „ausbrennen“, also einfach weisse Flächen ergeben, die keine Kontur mehr enthalten. Dagegen können dunkle Stellen über mehrere Blenden nach oben „gezogen“, also aufgehellt werden, ohne dass die Bildqualität sichtbar darunter leidet.

Fujifilm hat nach meiner Erfahrung wesentlich mehr Zeichnung auch in sehr hellen Stellen, gleichzeitig führt nachträgliches Aufhellen dunkler Stellen zu mehr Rauschen. Es gibt zwar nicht so furchtbare violette Farbstiche, wie sie bei Canon die Regel sind, aber auch das Rauschen ist nicht so schön, dass ich es bewusst in Kauf nehmen würde.

Der Vorteil im Arbeitsablauf ist der, dass ähnlich wie beim Weissabgleich sehr viel weniger nachträglich korrigiert werden muss, man verliert weniger Zeit in der Nacharbeit der RAW-Dateien. Und man kann JPGs direkt aus der Kamera einfacher verwenden, weil sie ohne Bearbeiten schon besser aussehen als die der Nikon D750. Aus letzteren kann man mehr herausholen, aber man muss es auch wollen. Und können natürlich.

Autofocus

Wie bei vielen einfacheren spiegellosen Systemkameras ist der Autofocus zwar nicht schlecht, im Vergleich zu selbst einfachen DSLRs jedoch vor allem bei wenig Licht langsamer und unzuverlässiger. Andererseits funktioniert der AF auf praktisch der gesamten Bildfläche, anders als bei kleineren DSLRs oder auch meiner D750. Und auch die Gesichtserkennung hilft oft, bei Portraits und Bildern von Personen Schärfe und Belichtung (!) perfekt auf den richtigen Punkt zu bringen. „Oft“ und „meistens“ sind jedoch genau die Punkte, die verhindern, dass ich die X-E3 in kritischen Situationen einsetze, wo wenig Licht, schnelle Bewegungen und Bilder zusammenkommen, die ich auf jeden Fall liefern muss. Dann schlägt die Stunde der Nikon-Kameras, aber eben, das sind Situationen, die bei den meisten Fotografen weniger auftreten.

Matt Woosey in Concert, Fujifilm X-E3, ISO 3200

Verglichen mit der X-T2 ist der Autofocus nach meinem Gefühl ebenbürtig, also für alles, was Familie, Landschaft, Reise, Konzerte, Event ist, vollkommen ausreichend. Und Welten besser als der AF der ersten Sony A7.

Fazit

Ich bin von Fujifilms E-X3 extrem beeindruckt. Nicht, weil sie alles besser kann als alle anderen. Sondern weil sie in einer extrem kleinen Verpackung eine Leistung liefert, die an die doppelt so teurer Spiegelreflex- und Systemkameras problemlos herankommt. Ich habe schon mehrmals Bilder von Events veröffentlicht, die zur Hälfte mit der Nikon D750, zur anderen Hälfte mit der X-E3 gemacht wurden. Und niemand hat einen Unterschied feststellen oder die jeweilige Kamera einem Bild zuordnen können, niemand. Das sagt über die Qualitäten der Kamera viel aus.

Matt Woosey in Concert, Fujifilm X-E3, ISO 3200

Natürlich hat sie ihre Grenzen: der Autofocus könnte schneller sein und bei weniger Licht funktionieren, der Sucher etwas grösser sein, der Bildschirm klappen können, die Anti-Wackel-Technik integriert sein, und so weiter und so fort. Das gibt es alles, es nennt sich dann Fujifilm X-H1 oder X-T3, aber mit allen diesen Extras wachsen auch Preis und Grösse der Kamera. Der Reiz der X-E3 liegt für mich darin, dass sie ähnlich wie Leicas legendäre M die Reduktion auf grundlegende Eigenschaften in perfekter Qualität auf kleinstem Raum hinbekommt, mit Spitzen-Objektiven für viele Bereiche ausgestattet werden kann und trotzdem erschwinglich und handlich bleibt (das „erschwinglich“ unterscheidet sie auch von der Leica M).

Als Reise-, Event- und kleine Immer-(Oft-)-dabei-Kamera mit perfekten Objektiven (vor allem mit dem Quartett der kompakten und leichten Festbrennweiten 16 / 23 / 35 und 50 mm) ist sie derzeit aus meiner Sicht praktisch konkurrenzlos und absolut zu empfehlen. Zumal sie in diesem Umfeld nicht nur tolle Bilder liefert, sondern mit ihrem klassischen Aussehen auch häufig für Gesprächsstoff und Offenheit auf Seiten der Fotografierten sorgt.

Insgesamt also eine Empfehlung, 5 Sterne in Gold oder ein kleiner Kamera-Oscar, jedenfalls eine der besten kleinen Systemkameras, die ich bisher kennenlernen durfte.