Nikon FM2n

Nikon FM2n: das klingt schon etwas verstaubt, und so mancher, der Film nur noch aus Opas Schuhkarton kennt, wird sich fragen, warum hier kostbare Bit und Bytes für so einen alten Hobel verschwendet werden. Aber soooo einfach ist das nun auch wieder nicht. Und wenn man sich die Preise für diese Kamera einmal anschaut, nicht nur für neuwertige, sondern auch ganz gut ausgelutschte Teile, dann kann einem doch der Verdacht kommen, dass an dem Ding noch etwas dran ist.

Ich arbeite hauptsächlich mit DSLR’s und mit spiegellosen Systemkameras. Aktuell mit der Sony A7 und Nikon D750, vorher mit D800, D600, D300s, D300, D200, D70s, D40 und D70. Inklusive eines Diebstahls und mehrerer Verkäufe ist meine D750 die neunte DSLR in unserem Haushalt, seit wir mit der D70 angefangen haben, digital zu fotografieren. Von der Kamera über den PC und Mac bis zum HP Drucker ist alles auf digital abgestimmt. Wozu brauche ich dann noch eine FM2n?

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Es ist der Reiz des Einfachen. Zeit, Blende, Entfernung. Fertig. Eine Handvoll Metall und Glas, nicht viel grösser als der Multifunktionshandgriff einer DSLR. Mit einer Knopfbatterie für die Belichtungsmessung, notfalls geht es aber auch ohne. Jeder Schuss ist kostbar: eines von 36 Bildern, nicht von Tausenden. Jedes Bild kostet Zeit: Entwicklung, Scannen, ich sehe frühestens nach rund einer Woche, was aus meiner Vision geworden ist. Nicht 20 Bilder im Dauerfeuer, sondern eines, höchstens zwei, überlegt, gut überlegt.

Das ist die Freude am Einfachen. Klar, dass ich mit der FM2n nicht Veranstaltungen fotografiere, an denen Leute später ihre CD mit Bildern haben wollen. Mit der FM2n fotografiere ich Erinnerungen. Erinnerungen an Reisen, Erinnerungen an meine Kinder, an meine Welt. Und Eindrücke. Nicht die nackte Realität, sondern das, was ich sehe. Meistens in schwarz-weiss, weil ich die Abstraktion liebe (und Farben mit der DSLR viel besser manipulierbar sind). Und fast immer mit Ilford XP2-Super, weil der sich so gut scannen lässt.

Die FM2n ist meine analoge Reisekamera (wie die Leica M), vor allem dann, wenn ich z.B. nur mit Handgepäck im Flieger nach Wien muss, mit wenig Gepäck und einem freien Nachmittag. Ich habe fast zwei Wochen gebraucht, bis ich endlich alle Bilder gescannt und bearbeitet hatte. Ich hatte nur den einen Nachmittag, nur das eine Licht, und ich kannte mich nicht aus. So habe ich einfach die Eindrücke meines Spaziergangs festgehalten. Zwei Filme, 70 Bilder, das war alles. Aber es war schön.

Geschichte

Die FM2n gibt es eigentlich gar nicht. Auf den Kameras steht immer FM2 drauf, egal ob n oder nicht n. Das n findet sich nur in der Seriennummer, und es ist am Zeitenrad zu sehen: die erste FM2 von 1982 hatte eine Blitz-Syncronzeit von 1/200 Sekunde (die rot markierte Zeit auf dem Drehrad), während das verbesserte Modell ab 1983 dann eine von 1/250 Sekunde hatte. „Verbessert“ ist ein relativer Begriff: auch die erste FM2 ist ein solides Arbeitspferd, und mir sind keine Macken bekannt, die den Griff zur FM2n ratsamer erscheinen lassen würden. Wie immer ist es vor allem das geringere Alter der FM2n, das von Vorteil sein kann.

1989 wurde auch die FM2n noch einmal verbessert, ohne dass sich etwas am Namen änderte. Erkennbar ist die Änderung am Verschluss: statt den mit einer Wabenstruktur versehenen Verschlusslamellen waren diese nun glatt.

Die FM2 selber war die Nachfolgerin der FM, dem rein mechanischen Schwestermodell der FE, die über einen elektronischen Verschluss und Zeitautomatik verfügte. Während die FE und ihre neuere kleine Verwandschaft FG sehr schnell durch die immer stärker automatisierten Modelle (F301, F501, F601, F801, F90…) abgelöst wurde, war die rein mechanische FM2n bis kurz nach der Jahrtausendwende neu im Geschäft erhältlich und wurde sogar noch 2001 durch die FM3a abgelöst, die Krönung der FM-Serie mit einem hybriden Verschluss, der sowohl elektronisch als auch mechanisch funktionierte und so eine Zeitautomatik ermöglichte (eigentlich hätte die FM3a eher FE2 heissen müssen). Erst die digitalen Kameras beendeten die Produktion der FM-Serie im Jahr 2006. Zusammen mit dem M-Modellen von Leica waren die FM die letzten hochwertigen mechanischen Kameras, die in Serie gefertigt wurden. Heute ist neben den einfacheren Voigtländer-Messsucher-Kameras nur noch die Leica M im gehobenen Bereich auf dem Markt, nachdem auch die Zeiss Ikon eingestellt wurde (sie ist vereinzelt noch neu zu finden, dies sind jedoch Restbestände).

Nikon-Fans bleibt also nur noch die Suche nach gebrauchten Geräten, von denen es glücklicherweise aber noch sehr viele in gutem Zustand auf dem Markt gibt. Die Mechanik bringt es zudem mit sich, dass auch alte Geräte gut repariert werden können.

Das Gehäuse der FM2n

Das Gehäuse ist sehr filigran, verglichen mit den neuen DLSR-Boliden, aber auch im Vergleich zur F3 oder den einfacheren FG-Modellen.

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Wie bei den meisten damaligen Kameras ist die Rückseite sehr übersichtlich: der Sucher (rund, mit einem sehr dünnen, aber effektiven Gummiring, der die Brille vor dem Verkratzen schützt, und auf dessen Vorhandensein man beim Kauf eines älteren Modells achten sollte), ein Halter für die Filmlasche, fertig. So mancher wünscht sich ein Fenster, durch das man den Film sehen könnte. Das gibt es sogar: die Rückwand der FM3a passt auch an die FM2n, die Frage ist nur, ob man eine finden kann.

Auf der Vorderseite der Kamera geht es ähnlich übersichtlich weiter. Zwei Hebel und ein Knopf, mehr ist da nicht. Von vorne aus gesehen liegt der Knopf auf der rechten Seite, er dient der Entriegelung des Objektivbajonetts. Wie bei allen Nikon-Kameras wird das Objektiv beim Ansetzen gegen den Uhrzeigersinn gedreht, bis es einrastet, zum Abnehmen drückt man den Entriegelungsknopf und dreht das Objektiv im Uhrzeigersinn.

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Einer der beiden Hebel auf der (vom Fotografen aus gesehenen) rechten Seite sitzt direkt neben dem Objektiv, mit ihm kann man das Objektiv auf die eingestellte Arbeitsblende abblenden. Damit man beim Blick durch den Sucher etwas sieht, arbeiten alle heutigen Spiegelreflexkameras mit einer automatischen Springblende: die Blende im Objektiv ist immer ganz offen, erst beim Auslösen springt sie automatisch auf die eingestellte Öffnung. Damit man jedoch die Möglichkeit hat, die aus einer kleineren Blendenöffnung resultierende Tiefenschärfe zu beurteilen, kann man bei vielen Kameras manuell abblenden. Das Bild wird bei kleiner Blende dann sehr dunkel, aber man kann das Ergebnis viel besser beurteilen. Manche moderne DSLR’s haben diese Funktion ebenfalls, meist wird sie hier jedoch elektrisch, nicht mechanisch ausgelöst. Das Problem dabei ist, dass es nur zwei Sichten gibt: ganz auf, oder ganz zu. Der mechanische Hebel der FM2n hat den Vorteil, dass man die Blende langsam schliessen kann, das Auge kann sich an die Dunkelheit gewöhnen, zudem sieht man die Zwischenstufen und muss nicht mit der Blende herumprobieren, bis die Tiefenschärfe dem eigenen Gusto entspricht.

Der zweite Hebel auf der Frontseite ist der Selbstauslöser. Wird er gespannt, läuft beim Auslösen erst einmal ein kleines Uhrwerk ab, bevor der Verschluss zuschnappt.

Die Unterseite der Kamera ist ebenso übersichtlich wie die Front, hier finden sich lediglich das Stativgewinde, das Batteriefach sowie der Anschluss für den Winder, den elektrischen Motorantrieb der Kamera, den es optional zu kaufen gab. In einer Vertiefung findet sich ein kleiner Stift, dies ist die Entriegelung des Filmvorschubs. Ihn muss man drücken, damit man dann den Film mit der Kurbel zurückspulen kann. Beim Einlegen eines neuen Films springt die Verriegelung automatisch wieder heraus.

Anders als bei modernen DSLRs haben die linke und rechte Seite der Kamera ausser den Gurtösen überhaupt nichts zu bieten.

Bleibt also die Oberseite. Das sehr schmale und kleine Prismengehäuse mit dem Blitzschuh sitzt prominent in der Mitte. Blitzen ist wie mit der F3 auch mit der FM2n keine sehr befriedigende Angelegenheit, es gibt keine TTL-Blitzbelichtungsmessung, hier ist Handarbeit angesagt. Wenigstens gibt es den Norm-Blitzschuh, so dass anders als bei der F3 zumindest kein Adapter verwendet werden muss.

Vom Fotografen aus gesehen links sitzt die Rückspulkurbel, die gleichzeitig die Entriegelung der Rückwand übernimmt. Damit die Rückwand entriegelt werden kann, muss man einen kleinen Hebel links von der Kurbel nach hinten ziehen und gleichzeitig die Kurbel selber nach oben. Der kleine Hebel ist eine Sicherung, um zu verhindern, dass die Rückwand aus Versehen geöffnet wird, sollte man mit der Kurbel einmal irgendwo hängenbleiben.

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Auf der rechten Seite von aussen nach innen findet sich der Aufzugshebel, das Fenster mit dem Bildzähler sowie das Zeitenrad. Der Aufzugshebel schaltet die Kamera ein und aus: will man fotografieren, zieht man den Hebel ein Stück nach hinten, er rastet dann ein. Damit wird der Auslöser freigegeben und die Belichtungsmessung aktiviert, sofern man eine Batterie in der Kamera hat. Ein sehr schönes und einfaches Prinzip, nur „Linksaugen“ wie ich, d.h. Menschen, die ein dominantes linkes Auge haben und damit durch den Sucher blicken, haben den Aufzugshebel immer im rechten Auge stecken. Kein gravierender Punkt, man gewöhnt sich daran.

Vor jedem Foto muss man den Verschluss spannen und den Film ein Bild weitertransportieren. Das kann man mit einem vollständigen Schwung des Hebels machen, oder mit mehreren Teilschwüngen. Weiter als ein Bild geht nicht, die Kamera sperrt automatisch. Ich pflege den Verschluss immer erst vor einer Aufnahme zu spannen, damit die Federn des Mechanismus nicht im gespannten Zustand bleiben, wenn die Kamera nicht verwendet wird. Allerdings nervt es etwas, wenn man ans Spannen nicht gedacht hat, ein schnelles Bild schiessen will und sich nichts tut. Es bleibt also Geschmackssache, ob man lieber kurz vor oder sofort nach einer Auslösung den Verschluss neu spannt.

Das Zeitenrad hat zwei Funktionen: einerseits stellt man mit ihm die gewünschte Verschlusszeit ein (durch Drehen), andererseits kann man das Rädchen anheben und in dem Sichtfenster auf dem Rad die Filmempfindlichkeit des verwendeten Films einstellen. Für eine -/+-Korrektur der Belichtungsmessung braucht man keinen separaten Knopf, es genügt, das Rad der Filmempfindlichkeit nach Bedarf zu verstellen.

Nikon FM2n Die Zeiten können von 1 bis 1/4000 Sekunde und B eingestellt werden. Die 1/4000 Sekunde war das grosse Highlight der FM2, und auch wenn sie im richtigen Leben sehr selten benötigt wird, so vermittelt sie doch das schöne Gefühl, dass die Zeiten im „normalen“ Bereich relativ genau sein müssen, wenn ein so weiter Bereich mechanisch abgedeckt werden kann. Wer Zeiten von mehr als 1 Sekunde benötigt, der muss selber zählen: mit der Einstellung „B“ bleibt der Verschluss so lange geöffnet, wie man den Auslöser gedrückt hält. Da der Verschluss mechanisch bedient wird, sind der Langzeitbelichtung keine Grenzen gesetzt. Bei modernen elektronischen Verschlüssen kann es dagegen schon einmal passieren, dass der Verschluss schlapp macht, weil der Akku leer ist.

Die Filmempfindlichkeit lässt sich von ISO 12 bis 6400 einstellen. Damit dürfte die Mehrheit der Anwender ausreichend Spielraum haben.

Nun, das waren schon alle Hebel und Schalter an dieser kleinen Kamera. Kommen wir zur Bedienung.

Film einlegen

Wie oben beschrieben: Hebelchen neben der Rückspulkurbel nach hinten ziehen, gleichzeitig die Kurbel anheben, und schon schnappt die Rückwand auf. Auf der rechten Seite ist die Auffangspule mit mehreren Schlitzen, hier führt man die Filmlasche vorsichtig ein und schiebt sie so weit wie möglich hinein. Anschliessend zieht man die Filmdose nach links und legt sie in die Aufnahme. Mit dem Aufzugshebel spule ich den Film jetzt schon ganz leicht vor, um zu sehen, dass die Lasche fest in der Spule sitzt und nicht wieder herausrutscht. Dann schliesse ich die Rückwand und spule den Film bis zum 1. Bild vor. Als letzten Schritt drehe ich die Rückspulkurbel oben an der Kamera dann im Uhrzeigersinn vorsichtig so weit zurück, bis sie an einen Widerstand kommt. Damit ist die Lose des Films beseitigt, er liegt nun schön straff im Gehäuse.

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Wer häufig mit wechselnden Filmsorten arbeitet, sollte eine Lasche von der Verpackung des Films in die Aufnahme dafür auf der Gehäuse-Rückwand stecken. So weiss man auch nach längerer Pause, welcher Film gerade eingelegt ist.

Film herausnehmen

Wenn sich der Film nicht mehr weiter vorspulen lässt, ist in der Regel das Ende des Films erreicht. Auf keinen Fall mit Gewalt vorspulen, vor allem bei sehr kaltem Wetter ist dabei schon so mancher Film gerissen.

Als erstes wird jetzt auf der Unterseite der Kamera der kleine Stift vollständig ins Gehäuse gedrückt, anschliessend kann man den Film mit der Rückspulkurbel in die Filmdose zurückspulen. Es bleibt einem selber überlassen, ob man den ganzen Film in die Dose spult (einfach drehen, bis kein Widerstand mehr zu spüren ist), oder ob man die Lasche draussen lassen möchte, in diesem Fall sollte man mit dem Rückspulen aufhören, wenn man an einem kurzen Widerstand spürt, dass die Lasche aus der Auffangspule rutscht.

Jetzt kann wie oben beschrieben die Rückwand geöffnet und der Film entnommen werden.

Objektive

Die FM2n ist kompatibel zu fast allem, wo Nikon draufsteht und was einen Blendenring hat, und noch zu einigen Objektiven anderer Hersteller. Der Blendenring ist wichtig, weil die Steuerung der Blende ja nicht wie bei den modernen Automaten über das Gehäuse erfolgt, sondern von Hand am Objektiv eingestellt werden muss. Es können also alle manuellen Objektive benutzt werden, aber auch alle AF-Objektive mit Blendenring. Nicht eingesetzt werden können die Objektive mit dem „G“, diese verfügen über keinen Blendenring mehr, und auch Funktionen wie AF-S und VR können mangels Strom nicht genutzt werden (zumal diese Objektive ebenfalls über keinen Blendenring verfügen).

Es gab zwar schon in der vor-AF-Zeit Zoomobjektive, diese erreichten in der Regel aber selten die Qualität heutiger Objektive, noch weniger die der Festbrennweiten. Zudem ist das Handling nicht sehr berauschend, man bräuchte drei Hände, um einigermassen zügig einstellen zu können: Zoomen und Scharfstellen, beides manuell, lässt so manche schöne Aufnahme entwischen, weil man einfach nicht schnell genug ist. Zudem kommt der Vorteil des kleinen leichten Gehäuses der FM2n ja vor allem dann zur Geltung, wenn ein ebenso kleines und leichtes Objektiv damit kombiniert wird.

Nikon FM2n Ich persönlich habe drei Lieblingsbrennweiten auf diesem Gehäuse:

Das Weitwinkel 24 mm f/2.8 AI, das ich vor allem bei Reisen verwende, wenn ich nicht nur das eigentliche Objekt, sondern auch einen Eindruck der Umgebung einfangen möchte. Es ist das Objektiv, das ich auf der FM2n am häufigsten benutze.

Die winzig kleine Standardbrennweite 45 mm f/2.8 P, ebenfalls für Reisen, wenn ich so klein wie möglich packen muss. Das Objektiv ist relativ selten, sehr teuer, aber extrem klein und scharf. Es verfügt nur über 4 Linsen, ist ein Tessar-Typ, also sehr einfach gebaut, verfügt aber wegen der geringen Anzahl von Glasflächen und der modernen Vergütung über eine hervorragende Bildqualität, vor allem bei Schärfe und Kontrast. Wegen der schmalen Ringe für Blende und Entfernung muss man aufpassen, dass man nicht daneben greift. Dies ist jedoch Übungssache, mit der Zeit „vergreift“ man sich nicht mehr.

Das dritte Objektiv im Bunde ist das 200 mm f/4.0 AI, ein klassisches Teleobjektiv, das ich fast ausschliesslich für Portraits und Landschaftsaufnahmen verwende, insgesamt aber eher selten in der Fototasche habe. Schärfe und Kontrast sind hervorragend, die Bildqualität ist ebenfalls so gut, dass ich es auch an der D300 einsetze. Lediglich die fehlende Anti-Wackel-Technik stört, bei dieser Brennweite spürt man das deutlich. So verwende ich dieses Objektiv meistens mit Stativ.

Das war’s dann auch schon, was die Objektive betrifft. Die Geschmäcker sind hier selbstverständlich verschieden, alleine aus Kostengründen werden die meisten FM2n-Freunde bei der Standardbrennweite auf die Exemplare mit Blende 1.8 oder 1.4 zurückgreifen, von denen es auch sehr viel mehr am Markt zu finden gibt. Und im Weitwinkelbereich ist vielen das 24 mm zu extrem, das 28er oder gar 35er entspricht eher der normalen menschlichen Sichtweise.

Die rein manuellen Objektive sind mittlerweile weitgehend aus Nikons Verkaufsprogramm verschwunden. Mit etwas Glück findet sich noch Lagerware beim Händler, in der Regel wird man jedoch in den Auktionshäusern auf gebrauchte Exemplare zurückgreifen müssen.

Interessant ist eine neue Entwicklung am Markt: Zeiss und neu auch Voigtländer bieten jetzt Objekive für Nikon an, vom extremen Weitwinkel (18 mm) bis zum kurzen Tele, allesamt klassische Objektive mit manueller Scharfstellung, weiter Öffnung und wunderbarer Verarbeitung und Materialanmutung. Bildqualität und Handling sind auf Leica-Niveau. Strapazieren die wunderschönen Zeiss-Objektive den Geldbeutel doch ganz kräftig, so sind die Voigtländer-Optiken mit derzeit ab rund 349 EUR auch für Normaverdiener bezahlbar. Sie haben zudem den Vorteil, „gechipt“, also mit einem Prozessor ausgestattet zu sein, so dass diese Objektive auch an DSLRs, selbst den „kleinen“ Modellen wie D3300, D5500 oder D7200 sauber inklusive Belichtungsmessung funktionieren, natürlich mit manueller Scharfstellung.

Film – und wie weiter?

Mit dem belichteten Film in der Hand steht man heutzutage natürlich etwas dumm da. Farbfilme werden zwar noch überall angenommen, entwickelt und vergrössert, nach meinem Eindruck aber in immer schlechter werdender Qualität, da sich die Labore immer mehr auf die Verarbeitung digitaler Datenträger spezialisiert haben und die Filme eher stiefmütterlich behandeln.

Am besten ist in jedem Fall dran, wer einen guten Filmscanner sein eigen nennt. Ich habe das Glück, einen Nikon Coolscan V nutzen zu können, der einmal neu für rund EUR 600 zu haben war, aber auch mit dem Vorgängermodell IV kann man sehr gute Ergebnisse erzielen. Wer nicht nur Bilder fürs Internet erzeugen will, dem möchte ich vom Flachbettscanner abraten (mit Ausnahme hochwertiger Modelle wie derzeit den Modellen Epson V700 und V750, diese kommen dem reinen Negativscanner sehr sehr Nahe und haben den Vorteil, dass damit auch Mittelfomat und Grossformat-Negative gescannt werden können). Für die weitere Bearbeitung benötigt man natürlich noch den PC oder Mac, ein Bildbearbeitungsprogramm wie Photoshop, Lightroom, Gimp oder ähnliches. Und einen guten Drucker, einen DVD-Brenner und jede Menge Arbeitsspeicher und Platz auf der Festplatte.

Ob der Film, den man scannen will, aus dem Labor kommt oder ob man selber entwickelt, spielt keine Rolle. Selber entwickeln ist bei klassischen s/w-Filmen eigentlich die optimale Lösung, man braucht kein Labor, ein dunkler Raum (notfalls ein Schrank) zum Einspulen des Films in die Entwicklunsgdose tut es, der Rest kann im Badezimmer stattfinden.

Wohl dem, der noch über ein ganzes Nasslabor verfügt samt Vergrösserer und Schalen, oder zumindest den Raum dafür. Vergrösserer und komplette Dunkelkammer-Ausrüstungen feinster Qualität werden heute zu Spottpreisen auf dem Internet verramscht, eine paradiesische Fundgrube für Anhänger der analogen Fotografie.

Wer gar nichts selber machen will und über das nötige Kleingeld verfügt, dem stehen auch noch die wenigen verbliebenen Fachlabore wie Photo-Studio 13 in Leinfelden-Echterdingen (bei Stuttgart) und Zürich zur Verfügung. Ich persönlich lasse meine Filme allerdings am liebsten bei Fotopresto GmbH in Basel entwickeln, einem kleinen, absolut perfekten Labor, das sehr liebevoll von zwei Schwestern aufgebaut wurde und tollen Service bietet.

Fotografieren

Das Fotografieren mit der FM2n unterscheidet sich nicht unwesentlich vom Fotografieren mit einer DSLR. Eigentlich ist es ganz einfach, denn es gibt kaum etwas einzustellen. ISO bringt der Film mit, Weissabgleich gibt es nicht, man muss nicht entscheiden, ob man im RAW oder JPG-Fotografieren will, oder ob die Auflösung fein, mittel oder normal sein soll, der Farbraum muss nicht ausgewählt werden (man braucht noch nicht einmal wissen, was das ist), man muss nicht entscheiden, ob man den Autofocus über die Auslösteaste oder die AF-L-Taste steuern will, keine Entscheidung muss über die Belichtungsmessung gefällt werden, weder Spot, noch Mittenbetont oder gar Matrix, genauso unwichtig ist die Wahl des AF-Messfeldes, und auch die Frage, welchen VR-Modus man am besten wählt, ist vollkommen überflüssig.

Alleine die Zeit und die Blende müssen gewählt werden, die Entfernung eingestellt, und fertig, abdrücken, das war’s. Natürlich kann man das Ergebnis auf keinem hochauflösenden Bildschirm sehen, Vorstellungskraft, Geduld und die Vorfreude auf das Ergebnis sind die altmodischen Tugenden, die der FM2n-Fotograf mitbringen sollte.

Auch ist mit Bild Nr. 36 oder 37 ein Filmwechsel angesagt. Aber nicht nur deshalb, auch der aufwändigen Bearbeitung wegen, die in meinem Fall das Scannen mit sich bringt, überlegt man sich die Bilder gut, schiesst keine 10 Stück auf Verdacht und in der Hoffnung, es möge das Richtige dabei sein.

Wenn man extrem schnell sein will oder muss (Schnappschüsse), stellt man Blende und Zeit so ein, dass ein tiefer, dem erwarteten Objekt entsprechender Bereich scharf ist, anschliessend braucht man im Prinzip nicht einmal mehr durch den Sucher zu schauen, wenn das Objektiv weit genug ist, geht auch peilen und abdrücken. Umgekehrt lassen sich mit den weit öffnenden längeren Objektiven (Blende 1.4 bis 2.8, 50, 85, 105, 200 mm) wunderbar Portraits schiessen, mit einer ganz flachen Schärfeebene und wunderbar weichem und verschwommenem Hintergrund.

Die Kamera macht heute auch nicht mehr den geringsten Eindruck auf anderen Menschen. Man kann fast direkt draufhalten, es gibt kaum jemanden, der wegläuft oder abwehrt, irgendwie wird die kleine silberne (oder schwarze) Kamera im Vergleich zu den DSLR-Boliden mit den riesigen Frontlinsen einfach nicht mehr ernst genommen.

Kauf

Da die FM2n nun schon einige Jahre nicht mehr produziert wird, muss man beim Kauf die übliche Vorsicht walten lassen. Auch kann es sinnvoll sein, etwas Geld für eine Überholung einzuplanen, bei der die mechanischen Komponenten gereinigt, justiert und geprüft sowie die Dichtungen am Gehäuse ersetzt werden. Ich persönlich bevorzuge Modelle, die nicht mit Motor betrieben wurden, da sie in der Regel mechanisch weniger belastet wurden. Silberne Modelle sind in der Regel etwas günstiger zu bekommen als schwarze, die mit einem Titan-Gehäuse ausgestatteten Modelle FM2/T dafür um so teurer, zumal sie auch relativ selten sind. Ebenfalls sehr teuer sind Exemplare des Sondermodells, das Nikon zur Jahrtausendwende produziert hat. Inhaltlich unterscheiden sich weder die Titan- noch die 2000er-Modelle von den normalen FM2 und FM2n, so dass, wer einfach nur fotografieren will, mit dem Standardtypen ohne Einschränkungen billiger fährt. Spezifische Probleme sind mit dieser Kamera nicht bekannt, im Wesentlichen sollte man schauen, dass keine Sturz- oder Schlagschäden vorliegen, die zu einer Verschiebung von Prisma oder Bajonett führen könnten.

Fazit

Die FM2n von Nikon ist ein kleines Goldstück. War sie bis ca. 2006 noch sehr teuer zu finden, so hat der Verfall der analogen Fotografie zu Preisen im Bereich um 200 EUR für gut erhaltene Exemplare gesorgt. Sicher kommt sie nicht so häufig zum Einsatz, das meiste ist nun mal digital, aber auf Reisen oder auch im eher künstlerischen Bereich ist die Kamera mit ihren kleinen Abmessungen, der Unauffälligkeit und der Robustheit optimal. Unter „Expeditionsbedingungen“, d.h. ohne Strom und unter widrigen Umständen, ist sie ein optimaler Begleiter. Sie funktioniert ohne Batterie, wenn es sein muss, und ihr einziges Manko sind die fehlenden Dichtungen gegen Staub und Regen. Vor allem reagieren die meisten Menschen sehr viel weniger scheu auf diese kleine Kamera. Sicherlich ist sie nicht so leise wie eine Leica M, der Spiegelschlag ist schon sehr deutlich zu hören, aber insgesamt sieht die Kamera eher niedlich als bedrohlich aus, was diese Situationen sehr viel einfacher macht.

Auch Einsteigern in die ernsthafte Fotografie würde ich die FM2n als Kamera für eine grundlegende Lernphase empfehlen: zwar vereinfacht die sofortige Rückmeldung und Bildkontrolle der DSLRs das Lernen der fotografischen Zusammenhänge, die Vielzahl an Einstellmöglichkeiten an diesen Kameras macht ein Teil des Effektes aber wieder zunichte, da die Abhängigkeiten der Parameter zu komplex sind. Den optimalen Lerneffekt erzielt man mit der FM2n und Diafilm: kein Labor, keine Bildschirm- oder Scanner-Einstellung pfuschen einem ins Handwerk, lediglich die Eigenschaften des Films beeinflussen das Ergebnis, und natürlich die grundlegenden Einstellungen Zeit, Blende und Entfernung. Gebrauchte Diaprojektoren finden sich günstig und in rauhen Mengen.

Die FM2n und ihr Nachfolger und letzter Mohikaner dieser Reihe, die FM3a, stellen eine der besten und günstigsten Möglichkeiten zur Nutzung des riesigen und qualitativ hochwertigen Arsenals an neuen und gebrauchten Objektiven von Nikon und neu auch Zeiss sowie Voigtländer dar. Diese Geräte werden bei guter Pflege noch funktionieren (und vom Feinmechaniker repariert werden können), wenn die vielen digitalen Fotocomputer unserer Tage längst den Weg alles Irdischen gegangen sein werden.

Eigentlich sollte jeder ernsthafte Fotograf eine solche Kamera besitzen, und sei es nur, um sich der Grundlagen der Fotografie bewusst zu bleiben und hin und wieder einen guten alten Film einlegen zu können.