Leica M2

Die Leica M2

Es gibt Auktionen im Internet, bei denen ich einen relativ kleinen Betrag setze in der Hoffnung, durch einen Zufall einmal der einzige oder letzte Bieter zu sein und so zu einem netten Objekt zu kommen, dass man nicht wirklich braucht, das man sich aber schon länger einmal gewünscht hätte. Auf diese Weise bin ich stolzer Besitzer einer kleinen Leica M2 geworden, ohne sie wirklich zu brauchen, aber mit dem lang gehegten Wunsch, eine dieser Ikonen der Fotografie einmal in der Praxis nutzen zu dürfen und Erfahrung damit zu sammeln.

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Vorweg kann ich schon sagen, dass aus dem bisschen Ausprobieren meine Haupt-Reisekamera geworden ist, die fast immer mit dem Laptop zusammen im Arbeitskoffer wohnt und mich auf vielen Geschäfts- und privaten Reisen begleitet (in Konkurrenz lediglich zur Rolleiflex, die bei vergleichbarer Grösse schönere, weil grössere Negative erzeugt, wenn es denn nicht digital sein soll).

Zuerst aber war ich lediglich stolzer Besitzer eines Gehäuses, ohne Objektiv, was für einen Fotografen einen relativ sinnfreien Zustand darstellt. Der „gute Zustand“, der in der Auktion angepriesen worden war, entpuppte sich auch als leichte Übertreibung, denn die Zeiten liefen sehr unsauber, vor allem aber war der Messsucher schon ohne Objektiv so erkennbar verschoben, dass eine Reparatur unerlässlich schien.

Da ich sowieso mit einer längeren Zeit rechnete, um ein passendes Objektiv zu einem günstigen Preis zu finden, schickte ich die kleine Kamera zu Leica nach Nidau (der schweizerischen Niederlassung), wo sie in kurzer Zeit für einen wirklich überschaubaren Betrag überholt, richtig eingestellt und sogar mit einer neuen Belederung versehen wurde, so dass sie bis auf die normalen Abnutzungserscheinungen („Patina“) nun fast wie neu daherkam.

In der Zwischenzeit hatte ich auch ein passendes Objektiv gefunden, ein 50 mm Summicron mit der Lichtstärke 2, Baujahr ungefähr 1992, das wegen der schwarzen Farbe zwar optisch nicht so ganz perfekt zur silbernen Leica passte, aber dafür von perfekter Qualität war. Nun konnte es also losgehen, einen Belichtungsmesser hatte ich ja schon von der Rolleiflex und Sinar, Film lag ebenfalls noch herum, und so stand den ersten Erfahrungen nichts mehr im Weg.

Die Bilder in diesem Bericht (ausser denen von der Kamera selber) sind alle mit dem Kodak Ektar 100 entstanden, per Nikon Coolscan V eingescant (Vuescan, weil die Nikon-Software auf meinem 64-bit-System nicht läuft). Zu der Software-Seite werde ich gelegentlich einmal einen eigenen Bericht verfassen, nur so viel: es hat eine Weile gedauert, bis ich einen brauchbaren Workflow heraushatte, jetzt aber bin ich wieder ein absolut zufriedener Analog- und Scan-Anhänger, Dank VueScan, ColorNeg und Lightroom.

Ich denke, dass fast jeden Liebhaber der Fotografie einmal der Wunsch packt, eine Messsucherkamera im Allgemeinen, eine Leica M im Speziellen nutzen zu können. Generationen der bekanntesten Fotografen haben mit diesen Kameras Bilder geschossen, die Geschichte machten und vielen von uns in Erinnerung geblieben sind. Dazu kommt in Zeiten von „Foto-Computern“, High-Tech-Kunststoffen, komplexen Menüs und unzähligen Knöpfen, Rädern und Schaltern die Anziehungskraft der reinen Mechanik, der klaren und robusten Metallkonstruktion, der klassischen manuellen Objektive höchster Qualität und Lichtstärke.

Leica ist allen Irrungen der letzten Jahrzehnte zum Trotz eine legendäre Firma geblieben. Zudem ist sie eine der ganz wenigen Unternehmen in diesem Bereich, die noch in Europa, speziell in Deutschland fertigen, ausserdem einen Service selbst für 50 Jahre alte Kameras bieten, so dass man mit einer Leica letzten Endes nicht nur ein Gerät kauft, sondern ein Konzept, eine Überzeugung, die rational nicht wirklich sinnvoll erklärt werden kann.

Ein guter Teil der hohen Kosten einer Leica erklärt sich auch mit der langfristigen Reparatur- und Wiederverkaufsmöglichkeit. Wohl die Wenigsten kaufen eine Leica mit dem Vorsatz, die zwei Jahre später gegen das dann aktuelle Modell zu tauschen. Bei meinen Digital-Nikons plane ich jeweils genau das, weil sie Werkzeuge sind, genutzt werden, um dann gegen neuere, bessere Werkzeuge getauscht zu werden, solange sie gebraucht noch relativ hohe Preise erzielen. In erster Linie ein Frage der Wirtschaftlichkeit, selbst bei nicht hauptberuflicher Nutzung. Die M2 dagegen werde ich nicht verkaufen: sie verliert keinen Wert, auch wenn noch mehr Jahre ins Land gegangen sein werden und Film immer schwerer zu beschaffen sein wird. Sie wird noch lange repariert und gewartet werden können, sei es von Leica, sei es von einem spezialisierten Feinmechaniker, und wenn ich auch nicht viele Bilder mit ihr mache, so ist es schon schön, hin und wieder einen Film zu belichten, nur um wieder einmal die „Wurzeln“ der Fotografie zu spüren, ohne Zoom, ohne AF, ohne Matrixmessung, sogar ohne Batterie.

(Anmerkung: es ist kein Wunder, dass Leica immer wieder mit wirtschaftlichen Problemen kämpfen muss, wenn so wenige Leicas als Werkzeuge gekauft werden, die regelmässig ersetzt werden müssen, und so viele, die den stolzen Besitzer für den Rest seines Lebens glücklich und zufrieden fotografieren lassen. Wie soll man mit solchen Leuten Geld verdienen? Oder gar mit solchen, die sich Leicas nur gebraucht leisten können und im besten Fall einmal wenige hundert Euro für eine Reparatur bei Leica abliefern?)

Wer jetzt zu dem Schluss kommt, dass der Holger eindeutig spinnt, der liegt wohl nicht so ganz daneben. Aber wie bei allen Verrückten gilt: solange sie ihre Freude haben und niemandem damit schaden, sollte man sie einfach in Ruhe lassen. Denn wir sind glückliche Menschen, mit wenig zufrieden, wie sinnlos und überflüssig unser Treiben auch scheinen mag.

Nun denn, wenn uns nun der Wunsch nach dem Mythos Leica plagt, aller Vernunft zum Trotz, warum eine M2?

Vielen Leica-Freunden gefällt die M3 als ursprüngliche und in mancher Hinsicht beste M aller Zeiten. Das Konzept war so gut durchdacht, die Kamera so schön, dass es selbst später z.B. von der M6 eine Variante in der Optik der M3 gab. Ich persönlich jedoch konnte mich mit der M3 nicht so richtig anfreunden: speziell der zwar wunderbar grosse Sucher, der jedoch Sucherrahmen erst ab 50 mm Brennweite besass, störte mich massiv. Mein Traum-Objektiv für die Reise ist das 35er, und weil bei der M3 die Suchervergrösserung so gross war, dass das 35er einfach zu weit dafür war, wurde dieses mit „Brille“ geliefert, einer Optik vor Sucher und Messsucher-Fenster, die zwar den Einsatz des 35ers ermöglichte, für meinen Geschmack aber unmöglich aussah und das schöne schlanke Design der Kamera störte.

So stiess ich denn auf die M2: eine eigentlich einfachere und günstigere Variante der M3 (die Unterschiede sind auf den Seiten von Peter Lausch beschrieben, ich spare mir hier die Details), die vor allem als erste M einen eingebauten Sucherrahmen für 35 mm Brennweite besass. Das der Bildzähler eine einfache Blechscheibe unter dem Auszughebel ist und manuell zurückgestellt werden muss, störte mich nicht, zumal die Kamera an sich alles andere als „billig“ ist, lediglich in manchen Details etwas einfacher konzipiert, aber mindestens so robust und solide wie die M3.

Zwei Dinge hat sie nicht, und wen das stört, der sollte am besten direkt zu einer M6 greifen: einen Belichtungsmesser, und ein Schnelladesystem für das Einspulen des Films. Letzteres stört mich nicht, denn wenn ich mit der Leica unterwegs bin, ist Zeit nicht wirklich ein kritischer Faktor. Der Belichtungsmesser, bzw. sein Fehlen, kann da schon eher nerven. Andererseits ist man dadurch gezwungen, einen deutlich bewussteren Umgang mit dem Licht zu pflegen, da nicht nur Blende oder Zeit gedreht werden, bis irgendeine gründe LED leuchtet, sondern man sucht sich gezielt eine dem gewünschten Bewegungs- und Schärfentiefeneffekt entsprechende Zeit-Blenden-Kombination und regelt dann bei sich ändernden Lichtverhältnissen so lange intuitiv nach, bis mal wieder eine neue Messung fällig wird. Unbequemer, aber bewusster und durchaus machbar.

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Die Kamera

Als die M geboren wude, war sie im Vergleich zu den damals üblichen Mittel- und Grossformatkameras klein, leicht und extrem schnell bedienbar. Heute sieht die Welt ein kleines bisschen anders aus: natürlich ist eine Leica immer noch kleinund leicht, wenn man sie mit den Spiegelreflex-Boliden vom Schlag einer Nikon D700 oder D3 vergleicht, vor allem die Objektive der Leica sind nach wie vor winzig. Wenn man jedoch eine M2 neben eine Fuji X100, eine Panasonic GF2 oder gar eine der ganz kleinen Ixus-Modelle stellt, dann muss man feststellen, dass „klein“ im Jahr 2011 eine andere Dimension ist. Und schnell ist sie auch nicht mehr wirklich, mit einer der kleinen Nikons und einem Autofocus-Objektiv kommt die Leica kaum mit. Andererseits ist die Leica in diesem Vergleich die einzige Vollformat-Kamera, mit ganzen 24×36 mm Negativgrösse, verglichen mit den maximal halb so grossen Sensoren der heutigen kleinen Kameras also beachtlich.

Was aber hat man von dem grossen „Sensor“, dem grossen Filmformat? Ganz einfach: selektive Schärfe. Das 50er ist auf der M das, was das 35er auf einer Nikon DX-Kamera ist, oder das 25er auf einer der 4/3-Kameras. Aber: auch wenn alle diese Objektive das gleiche Bildfeld einfangen, die Schärfentiefe eines 50ers gibt es nur im Vollformat. Gezielte Unschärfe ist mit eines der schönsten und besten Mittel zur Bildgestaltung, und je länger die Brennweite, desto grösser die Gestaltungsmöglichkeiten. Klar, noch schöner geht das im Mittelformat, wo 80 mm Brennweite „normal“ sind, oder gar im Grossformat, wo gar 180 mm Brennweite das Normalobjektiv darstellen. Aber dann sind wir wieder bei den grossen und sperrigen Kästen, denen die Leica ja das kleine und leichte Gehäuse entgegengestellt hat.

Zurück zur Kamera selber. Die etwas eigenwilligen Punkte der Bedienung beschreibe ich weiter unten, für den Fall, dass sich der Leser selber den Wunsch nach einer älteren M erfüllen würde und wissen möchte, wie man denn nun damit umgehensollte. Hier aber erst einmal der subjektive Teil, meine Erfahrung mitder Handhabung der Kamera.

Und die ist ganz einfach: perfekt. Perfekt, natürlich unter Berücksichtigung der Rahmenbedingungen, nämlich der des Messsuchers und der Tatsache, dass eben alles manuell eingestellt wird. Denn am Ende kann auch die beste hochautomatisierte DSLR nichts anderes als die kleine M2: Zeit, Blende und Entfernung einstellen.

Bei der M geht das sehr intuitiv und schnell: das Zeitenrad befindet sich oben rechts (wenn man die Kamera vor dem Gesicht hat), die Blende am Objektiv, ebenso wie die Entfernungseinstellung. Das Zeitenrad liegt ziemlich mittig zwischen vorderer und hinterer Gehäusekante: so kann es zwar einerseits nicht aus Versehen verstellt werden, andererseits kann man es nur schwer per Zeigefinger einstellen, ohne die Kamera vom Gesicht zu nehmen, wie das
bei der M6 TTL oder der M7 der Fall ist. Dazu ist das kleine Rad auch zu schwergängig, die Zeit sollte also nach der Belichtungsmessung eingestellt und dann besser vergessen werden.

Der Blendenring ist dagegen vorbildlich, ebenso die Entfernungseinstellung. Mein Summicron besitzt die „Klaue“, eine Art kleinen Bügel am Entfernungsring, so dass man nicht das Objektiv mit der Hand umfassen muss, sondern mit einem Finger in die Klaue greift und so durch hin- oder herschieben die Entfernung einstellt. Einerseits ist das eine sehr intelligente Art, weil die Hand so links das Gehäuse stützen kann und nur ein Finger die Entfernung verstellt, andererseits habe ich nur wirklich davon profitiert, wenn ich regelmässig mit der M fotografiert habe. Habe ich sei dagegen nach Wochen oder Monaten der Digital- oder Mittel-/Grossformatfotografie mal
wieder aus der Versenkung geholt, dann habe ich automatisch mit zwei Fingern um das Objektiv gegriffen, diese schöne Konstruktion also gar nicht richtig eingesetzt.

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Wenn man das Gehäuse umdreht, findet man auf der Bodenplatte einerseits den Entriegelungshebel, andererseits das Stativgewinde. Dass eine Leica nicht primär für den Einsatz auf dem Stativ gedacht war, sondern eher als Reportagekamera konzipiert ist, erkennt man schon an der Lage des Stativgewindes ganz aussen, weit von der Mitte und der Objektivachse entfernt. Aber immerhin, es gibt eines, was übrigens auch zur Befestitung von Zubehör diente und immer noch dient, z.B. einer flachen Platte, an der ein zweites Objektiv mit dem Bajonett angesetzt werden konnte und so für einen schnellen Objektivtausch verfügbar ist, ohne dass man extra eine Tasche herumschleppen muss.

Auf der Rückseite des Gehäuses finden sich der Sucher, mittig eine Scheibe, auf der die Filmempfindlichkeit eingestellt werden kann (damit man sie nicht vergisst, sonst nichts), sowie die beiden Blitzbuchsen. Die linke ist für normale Elektronenblitze gedacht, die mit einer Verschlusszeit von max. 1/50 s verwendet werden können (das Blitzsymbol auf der Zeitenscheibe!). Die rechte Buchse ist dagegen für Blitzbirnen des Typs M geeignet, mit dem sich schnellere Blitzzeiten verwenden lassen.

Die Vorderseite oben ziert ein Hebelchen zur Filmendriegelung, damit er zurückgespult werden kann (mit der Markierung „R“, dieser Hebel kann auch als Knopf ausgeführt sein, dies war bei den ersten M2-Modellen der Fall). Ausserdem liegt neben dem Objektiv der Knopf, mit dem das Objektiv entriegelt wird, wenn es gewechselt werden soll. Auf der anderen Seite des Objektivs, auf der Seite des Sucherfensters, befindet sich noch ein Hebel, mit dem der der Leuchtrahmen im Messsucher umgestellt werden kann, ohne das man das Objektiv wechselt. So kann man schnell testen, ob ein Bild mit einer anderen Brennweite besser oder vollständig erfasst werden kann.

Der letzte und grösste kleine Hebel auf der Vorderseite, links, wenn man die Kamera von vorne betrachtet, ist auf den ersten M2-Modellen nicht zu finden: der Selbstauslöser. Wer mit der M2 auch normale Reise- und Familienbilder schiesst und sich selber hin und wieder mit auf das Bild bringen will, sollte daher bewusst auf das Vorhandensein desselben achten.

Messsucher

Das Besondere an der Leica ist der Messsucher. Während die älteren Leica-Modelle I, II, III in ihren verschiedenen Varianten zwei Gucklöcher besassen, eines für die Bildkomposition, eines für den Entfernungsmesser, verbindet der Messsucher die beiden Funktionen. Anders als bei der Spiegelreflexkamera sieht man im Messsucher natürlich immer das selbe: alles ist von vorne bis hinten scharf, und je nach angesetztem Objektiv ändert sich nur der Leuchtrahmen, der die ungefähre Grenze des Bildes anzeigt, das man später auf dem Film finden wird. Dieser Leuchtrahmen wird automatisch eingestellt, wenn ein Objektiv mit M-Bajonett
angesetzt wird (anders als bei den günstigen und auch sehr guten Voigtländer-Messsucherkameras, wo der Leuchtrahmen von Hand eingestellt werden muss). Gegenüber den moderneren M-Modellen gefällt mir vor allem die Tatsache, dass immer nur ein einziger Leuchtrahmen zu sehen ist. Im Fall der M2 ist das entweder der für 35, 50 oder 90 mm Brennweite, während bei den modernen M’s jeweils zwei gleichzeitig angezeigt werden, um eine grössere Bandbreite an Objektiven abdecken zu können.

Der eine von drei grossen Vorteilen des Messsuchers ist die Tatsache, dass mehr als das eigentliche Bild zu sehen ist, das später auf dem Film landen wird: man hat immer auch ein Auge auf die Umgebung, sieht, wenn etwas ins Bild kommen würde, das einem SLR-Fotografen verborgen bliebe.

Der zweite grosse Vorteil ist die Helligkeit, verbunden mit dem Messfleck für die Entfernungsmessung, der auch bei sehr dunkler Umgebung immer gut zu sehen ist. Wenn im Bild irgendeine Kante oder ein Helligkeitsunterschied zu sehen ist, kann man auch scharfstellen. Das ist der wohl grösste Vorteil, denn mit der M kann ich noch bei Licht scharfstellen, bei dem meine D300 ohne Hilfslicht schon deutlich mehr Mühe hat. Das Problem ist natürlich, dass das bei der M oft ziemlich witzlos ist, weil ich selbst mit den höherempfindlichen Filmen bei der Dunkelheit kaum noch ein unverwackeltes Bild hinkriege, während die D300 bei ISO 3200 fröhlich weiterfotografiert. Kein Vorteil ohne Nachteil…

Der dritte Vorteil ist die Lage des Sucherfensters. Meistens jedenfalls. Während bei der klassischen Spiegelreflexkamera der Sucher dort sein musste, wo auch das Licht auf den Film fiel, also zwischen der Filmpatrone und der Aufwickelspule des Films und daher mittig, konnte das Sucherfenster der Leica ganz auf die linke Seite geschoben werden. Linksauge sei wachsam! Denn wer wie die grosse Mehrheit mit dem rechten Auge durch den Sucher blickt, der hat den grossen Vorteil, dass das linke Auge frei bleibt, die Nase Luft bekommt und man die Umgebung beobachten kann, während man das Bild komponiert. Pech für Linksaugen wie mich: hier bringt das schöne
Konzept gar nichts, wie bei der SLR hat man auch hier die komplette Kamera vor dem Gesicht, inklusive Plattgedrückter Nase, weil das Okular der M kaum hervorsteht. Das hört sich jetzt etwas kindisch an, aber tatsächlich sollten sich Linksaugen erst einmal eine Leica ausleihen, bevor sie Geld dafür ausgeben, denn diese Kleinigkeit kann vor allem in der Reportage-, Strassen- und Eventfotografie absolut störend sein.

Was ich als grossen Nachteil empfinde ist dagegen die gleichbleibende Schärfe im Sucher, der ja nicht den Blick durch das Objekti gestattet. Die Einschätzung der Schärfentiefe in einem Bild hängt also sehr von der persönlichen Erfahrung und der bewussten Berücksichtigung von Blende und Entfernung ab. Wie oben beschrieben ist das Vollformat in Kombination mit den Lichtstarken Objektiven ja gerade für den gezielten Einsatz der Unschärfe prädestiniert, gleichzeitig ist der Effekt aber im Sucher überhaupt nicht sichtbar und muss vom Fotografen geschätzt werden. Wer von den kleinen DSLR-Kameras kommt mit ihren winzigen Suchern (Nikon D3100 und ähnliche), der wird das gar nicht so schlimm finden. Wer jedoch auch mit einer F3, einer D700 oder gar Mittel- oder Grossformatkameras arbeitet, der dürfte an diesem Punkt etwas vermissen.

Weil es früher kaum kleinere Filmformate gab, war eine hohe Schärfentiefe, Schärfe von vorne bis hinten, etwas schwierig zu erreichendes und entsprechend auch eher positiv besetzt. So haben ja viele Journalisten mit der Schnappschuss-Einstellung gearbeitet: Blende 8 oder 11, wenn das Licht es zuliess, und die Entfernung so eingestellt, dass von 1.5 m bis Unendlich alles scharf war. Nachdem heutzutage aber jede kleine Digitalkamera von 10 cm bis Unendlich alles scharf abbildet dank des winzigen Sensors und der damit verbundenen minimalen Brennweite, liegt der Reiz des Vollformats und weit öffnender Objektive hoher Lichtstärke vor allem im Einsatz der Unschärfe, von der es ja jede Menge gibt, wenn man mit offener Blende arbeitet. Zwar ist die Scharfstellung, wenn der Sucher denn richtig justiert ist, ein Gedicht. Die Darstellung der Schärfe-Unschärfebereiche unterstützt die M mit dem Messsucher-konzept leider überhaupt nicht.

Zusammenfassung Messsucher:

Für „Rechtsaugen“, die eher in den Bereichen Reportage, Strasse oder Veranstaltung fotografieren, auch bei schlechten Lichtverhältnissen, ist der grosse Sucher der M eine Offenbarung. „Linksaugen“, Schärfetiefe-Fetischisten und Menschen, die sehr genau auf die Bildgrenzen achten, werden sowohl mit der Position des Suchers in der Kamera als auch mit dem relativ ungenauen Leuchtrahmen ihre Mühe haben und sollten sich das Abenteuer zumindest sehr gut überlegen, oder besser noch eine M testen, bevor sie für die Kamera (gebraucht weniger) und vor allem das Objektiv (auch gebraucht sehr viel) Geld ausgeben.

Die Bedienung

Weil die M2 schon sehr alt ist und die meisten gebraucht angebotenen Exemplare über keine Bedienungsanleitung verfügen, will ich hier zumindest die wichtigsten Schritte einmal kurz darstellen.

Das Laden des Films

Bevor am die Kamera öffnet, sollte man sichergehen, dass sich kein Film darin befindet. Dazu zieht man den Rückspulknopf auf der Oberseite des Kameragehäuses heraus und dreht ihn leicht im Uhrzeigersinn (Pfeilrichtung). Wenn kein Widerstand zu spüren ist, dürfte sich kein Film in der Kamera befinden. Wenn sich dagegen langsamer oder schneller ein Widerstand aufbaut, befindet sich wohl noch ein Film in der Kamera, dieser sollte erst einmal zurückgespult werden, bevor man die M2 öffnet.

Zum Öffnen stellt man die Kamera am besten auf einer ebenen und sauberen Unterlage auf den Kopf, sodass die Bodenplatte nach oben und das Objektiv von einem weg zeigt. Nun klappt man den halbrunden Hebel zum Entriegeln der Bodenplatte heraus und dreht sie gemäss Beschriftung in Richtung „auf-open“ und klappt die Bodenplatte dann auf. Am anderen Ende der Kamera ist sie an einem kurzen Stift eingehängt,indem man die Platte am Entriegelungshebel nach oben zieht, hängt sie meistens schon aus. Damit kann man die Platte abnehmen und die Klappe an der Rückwand öffnen.

Da die M2 keine automatische Einfädelspule besitzt, nimmt man nun die Spule auf der linken Seite (wenn man die Rückseite der Kamera vor sich hat) heraus. Auf dem Blech, das in der Kamera zu sehen ist, wird das Einspulen des Films dargestellt, es ist im Grunde ganz einfach: die Lasche des Films etwas aus der Dose ziehen und vorsichtig, aber mit Nachdruck, unter die dünne Blechlasche auf der Aufwickelspule schieben, bis es nicht mehr weitergeht. Dabei sollte man auch aufpassen, dass der Film nicht irgendwo sitzt, sonder mit der glatten Seite der Filmzunge sauber am Rand der Spule. (Einige M2’s können auch die mit der M4 eingeführte Schnell-Einspulvorrichtung vorweisen, diese wurde als Nachrüstsatz auch für die M2 und M3 angeboten).

Beim nächsten Schritt wird auch erkennbar, wozu die Rückseite des Gehäuses zum Filmladen aufgeklappt wird: Der Film muss ja per Andruckplatte plan gehalten werden. Dazu wird er in Richtung des Objektivs an zwei Führungsschienen (oben und unten) entlanggezogen, von hinten presst die Andruckplatte dagegen. Wollte man nun den Film einfach so einlegen, müsste man ihn zwischen diese beiden Ebenen hineinwürgen, was weder dem Film noch der Kamera besonders gut tun dürfte. Also kann man die Andruckplatte wegklappen und den Film so einfacher einführen.

Nun steckt man also Film und Aufwickelspule von oben wieder in die Kamera, wobei man aufpassen muss, dass er im mittleren Teil nicht hängen bleibt, vor allem, wenn der Film leicht wellig ist. Ich spule den Film meistens schon in dieser Position per Aufzugshebel kurz etwas vor, um zu sehen, ob er sauber läuft. Dann klappt man den hinteren Gehäusedeckel wieder hoch und schliesst die Bodenplatte, indem man sie an dem Knubbel einhängt und auf der anderen Seite vorsichtig herunterdrückt, um schliesslich den Verschluss sicher zu verriegeln. Fertig.

Ich spule den Film nun immer um ein Bild vor und stelle dann die Zählscheibe unter dem Aufzugshebel auf „0“. Anschliessend ziehe ich den Rückspulknopf noch etwas heraus und drehe ihn ihm Uhrzeigersinn, um aus dem Film die Lose herauszunehmen, so dass er möglichst plan gezogen ist (natürlich nicht zu fest, damit er nicht aus der Auffangspule herausrutschen oder reissen kann). Anschliessend kann es losgehen. Einen kleinen Augenmerk sollte man auf diesen Rückspulknopf auch während des Fotografierens haben: wenn sich beim Vorspulen des Films dieser Knopf nicht dreht, dann hat man ein Problem, denn der Film wird nicht wirklich vorgespult. Er könnte aus der Aufwickelspule gerutscht sein, oder gerissen, oder es könnte auch gar kein Film in der Kamera sein. Alles Varianten, die nicht hilfreich sind, wenn man ein gutes Foto machen möchte. Eine Ausnahme gibt es allerdings: wenn man nicht wie ich per Rückspulknopf zu Beginn gleich die Lose aus dem Film nimmt, kann es passieren, dass sich während der ersten paar Bilder der Rückspulknopf nicht dreht, obwohl der Film korrekt vorgespult wird, einfach weil er in der Filmdose noch so lose herumliegt, dass durch das Aufziehen erst diese Lose genommen wird, bevor die Achse der Filmdose selber mitdreht.

Insgesamt also eine relativ simple Sache. Die M’s hatten immer einen schlechten Ruf, was das Filmeinlegen betrifft, und beim Lesen der ersten Berichte über diese schönen Kameras war ich mir nicht sicher, ob man erst seinen Doktor machen müsse, um das sauber hinzukriegen. Tatsächlich ist es aber ganz einfach, nur umständlicher im Vergleich zu den Spiegelreflexkameras jener Zeit, die schon eine bessere Mechanik kannten, wo man nichts herausnehmen oder einfädeln musste, sondern den Film einfach einlegen und in einen Schlitz der Auffangspule schieben konnte, fertig. Fazit: umständlicher, aber trotzdem simpel und zuverlässig.

Hier das ganze noch einmal in Bildern dargestellt (für die Version ohne „Schnellade-Funktion“):

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Der Verschluss

Die Besonderheit der Leica M ist seit jeher der Gummituchverschluss. Während meine Nikons in der Regel einen vertikal laufenden Verschluss aus Metall-Lamellen besitzen, mit denen sehr kurze Verschlusszeiten erreicht werden, hat Leica schon immer diverse Nachteile in Kauf genommen, um einen sehr grossen Vorteil zu erzielen: das Geräusch.

Ausser den kleinen Zentralverschlüssen im Gross- und einigen Mittelformatkameras gibt es kaum einen Verschluss bei Kleinbildkameras, der so leise läuft wie der der Leica M. Für die Reportage, die ja ein Schwerpunkt der M war, war das ein absolut zentrales Kriterium, und so hat Leica an seinen Filmkameras bis heute daran festgehalten, aller Nachteile zum Trotz. Diese Nachteile wiegen im Verhältnis nicht schwer: Eine kürzeste Verschlusszeit
von 1/1000 s (während eine Nikon FM2n z.B. auf 1/4000 kommt). Das ist für die Reportage belanglos, da in der Regel eh kaum genug Licht zur Verfügung steht,um kürzere Zeiten als 1/1000 s benutzen zu können. Sollte man wegen tatsächlich einmal zu viel Licht haben (z.B. um bei Sonnenschein für eine minimale Schärfentiefe mit offener Blende fotografieren zu können), muss man eben einen Neutral-Graufilter verwenden, der das Licht reduziert, das auf den Film fällt.

Da der Verschluss horizontal läuft (und nicht vertikal, wie bei den meisten SLR’s), muss man bei Bewegungen in horizontaler Richtung aufpassen: es macht einen Unterschied, ob man ein Auto fotografiert, das gerade von links nach
rechts durch das Bild fährt, oder von rechts nach links. In einem Fall wird es minimal gestaucht, im anderen minimal gedehnt. Natürlich nur, wenn man die Kamera nicht mitzieht, in diesem Fall passiert gar nichts. Wenn es sich jedoch relativ zur Kamera bewegt, läuft es ja entweder mit oder gegen den Ablauf des Verschlussfensters, den schmalen Streifen im Gummituch, der über den Film gezogen wird und so für kurze Zeit Licht auf den Film fallen lässt. Ich selber hatte damit noch nie ein Problem, bzw. habe noch nie ein Foto gemacht, auf dem dieser Effekt aufgefallen wäre, er sei einfach zur Kenntnisnahme erwähnt.

Der grösste Nachteil ist die mechanische Empfindlichkeit des Verschlusses. Einmal betrifft das die Wärme: eingebrannte Löcher im Verschlusstuch deuten darauf hin, dass der Besitzer der Leica aus Versehen für eine längere Zeit direkt in die Sonne gezielt hat: das Objektiv wirkt wie ein Brennglas, der Brennpunkt liegt ziemlich genau auf dem Verschlusstuch, und schon hat man ein Loch darin, vom Film, der damit ja auch zerstört, weil belichtet wird, gar nicht zu reden. Also: nie in die Sonne zielen, und damit das nicht aus Versehen passiert, am besten immer den Objektivdeckel aufsetzen, dann ist es definitiv dunkel im Gehäuse.

Weiter ist Gummituch der natürlichen Alterung stärker ausgesetzt als z.B. die Titan-Lamellen eines FM2-Verschlusses. Das heisst nicht, dass das Gummituch alle paar Jahre getauscht werden muss, das Material ist für ein ganzes Leben gut, beim Kauf eines älteren Modells sollte man aber evtl. einen Service und den Tausch mit einkalkulieren.

Zeit und Blende

Hier gibt es, was die Bedienung betrifft, zumindest für Menschen, die schon einmal mit alten Kameras fotografiert haben, nicht viel zu berichten: die Blende wird am Objektiv eingestellt, die Zeit am Zeitenrad oben auf der Kamera. Diese Einfachheit ist für meine Begriffe eine der wichtigsten Eigenschaften einer Kamera, mit der manuell gearbeitet wird. Ich habe extrem Mühe mit modernen DSLRs, wo alles nur noch an Rädchen vorne und Rädchen hinten verstellt wird, weil hier schlichtweg die Logik und die klare Zuordnung fehlen: die Blende ist Sache des Objektivs, die Verschlusszeit Sache des Gehäuses (es sei denn, man hätte einen Zentralverschluss, was hier ja nicht der Fall ist). Dass dieses Prinzip, und vor allem das des Blendenringes am Objektiv, von universellem Vorteil ist, zeigt auch der Erfolg der Fuji X100 und die Reaktion vieler, auch junger Fotografen auf das klassische Desing nach Leica-Vorbild.

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Das Fotografieren

Anders als bei meinen digitalen Nikons, wo ganze Bücher über die vielen Einstellungen des Autofocus, der Belichtungs-, ISO- und sonstiger Automatiken, ihrer Kombinationen und Auswirkungen geschrieben wurden, gibt es bei der Leica M2 eigentlich nicht viel zu sagen:

Belichtung messen, am besten mit einem kleinen Handbelichtungsmesser (die Firmen Gossen oder Seconic bieten sehr kleine und leichte Modelle an, von Voigtländer gibt es einen Belichtungsmesser, der auf den Blitzschuh geschoben werden kann).

Überlegen, welche Zeit-Blenden-Kombination einem zu dem gemessenen Lichtwert am besten passt, allenfalls noch eine Korrektur mit einplanen (weil das gemessene Licht vielleicht absichtlich heller oder dunkler als Neutral-Grau wiedergegeben werden soll).

Zeit und Blende einstellen, den Verschluss spannen, Entfernung einstellen und Abdrücken.

Fertig.

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Alles andere, nämlich warum eine bestimmte Zeit-Blenden-Kombination eingesetzt werden soll, wie und warum ich die Perspektive im Bild kontrollieren kann, wie ich gezielt Effekte über die Belichtung, die Brennweite, Entfernung, Zeit und Blende erreichen kann, all das hat rein gar nichts mit der Kamera zu tun, sondern mit den Grundlagen der Fotografie.Und das ist auch der Grund, warum ich es auch heute, Jahre nach dem Ende der analogen Fotografie
als Massenmedium, immer noch für sinnvoll halte, dass ein angehender Hobby- oder Profifotograf mit einer Leica M, einer Rolleicord oder Rolleiflex, einer Nikon FM2, Pentax MX oder Leica R4 ganz grundlegende Erfahrung sammeln sollte, ohne dass Matrixmessung, ISO-Automatik, Schärfentiefen-Automatik, Programmautomatik, Blitzautomatik und was es sonst noch für Automatiken gibt, die Verbindung zwischen Aufnahme und dem Bild vollkommen entkoppeln und für den Fotografen nicht mehr nachvollziehbar gestalten.

Hilfe zur Selbsthilfe bietet dabei vor allem die Literatur, speziell die Fotobücher von Adreas Feininger (http://www.amazon.de/Andreas-Feiningers-gro%C3%9Fe-Fotolehre-Feininger/dp/3453179757), egal ob neu aus dem Buchhandel oder alt vom Antiquariat oder Flohmarkt. Denn die technischen und gestalterischen Grundlagen der Fotografie haben sich trotz Digital nicht verändert, es sind allenfalls ein paar Möglichkeiten auf der technischen Seite dazugekommen, die es früher nicht gab. Zeit, Blende, Entfernung, Brennweite und die Abhängigkeiten untereinander sind jedoch die selben, die es auch schon in der Frühzeit der Fotografie gab.

Eine Inspiration, auch einen Blick über den eigenen Tellerrand gestatten heute natürlich die Foto-Sammlungen auf dem Internet. Zwei, die mir persönlich sehr gefallen, sind www.pbase.com und natürlich www.flickr.com. Auf beiden kann auch gezielt nach Bildern gesucht werden, die mit einer bestimmten Kamera, einem speziellen Objektiv oder auch Film aufgenommen wurden, so dass man sich ein Bild davon machen kann, was andere Menschen mit diesen Geräten so alles anstellen. Es sind natürlich auch abschreckende Beispiele darunter, aus ihnen lernt man, wie man es nicht machen sollte, aber auch sehr viele gute Bilder.

Wechselobjektive

Was heute als neuester Schrei der Digitalkameras gehandelt wird, die „mirrorless system cameras“, also spiegellose Systemkameras, ist im analogen Bereich natürlich ein alter Hut. Leica konnte Objektive wechseln, als die meisten der heute aktiven Fotografen noch nicht einmal auf der Welt waren. Die Möglichkeit, verschiedene Brennweiten verwenden zu können, ist neben dem „Mythos Leica“ eine der wichtigsten Gründe für diese Kamera. Die M2 mit ihren gerade mal 3 Sucherrahmen deckt jedoch genau die Brennweiten ab, die für die Alltagsfotografie am wichtigsten sind: 35 und 50 mm als Standardbrennweiten für Reise und allgemeine Fotografie, 90 mm für Potraits. Interessant sind dann noch die extremen Weitwinkel, die es von Voigtlälnder zu kaufen gibt (12, 15 oder 21 mm). Durch die kurze Brennweite ist die Schärfentiefe sehr gross, so dass die Entfernung geschätzt werden kann. Ein Aufstecksucher, der auf den Blitzschuh geschoben wird, erlaubt die Beurteilung der Aufnahme. Gerade diese Objektive machen die M auch für „Extremisten“ sehr interessant, zumal sie sehr klein bauen und relativ günstig in der Anschaffung sind.

Nun kauft man eine Leica ja nicht unbedingt des Gehäuses (wenn dieses auch sehr schön ist), sondern vor allem der guten Objektive wegen. Diese haben allerdings ihren Preis: vor allem seit der Einführung der M9, die sich in ihrer Nische sehr gut etabliert hat, sind Leica M-Objektive wieder gefragt und damit auch gebraucht sehr teuer. Die von Leica selber angebotene Summarit-Serie, die mit etwas geringerer Lichtstärke günstiger angeboten wird als die klassischen Summicron und Summilux, konnten sich bisher nicht wirklich durchsetzen: wer Leica haben will, der will offenbar „richtig“ Leica haben. Eine wirklich brauchbare Alternative zu Leica-Glas ist zudem bei Zeiss zu finden: die ZM-Objektive mit dem M-Bajonett sind mechanisch und optisch praktisch ebenbürtig, und das zu einem sehr viel günstigeren Preis.

Während Voigtländer mit den Extrem-Weitwinkeln auch für M-Fotografen von grossem Interesse ist, sehe ich die Normalbrennweiten dieser Firma eher kritisch. Natürlich sind sie tauglich, auch bieten sie Objektive mit sehr hoher Lichtstärke zu Preisen an, die im Gegensatz zu den entsprechenden Leica-Versionen auch für Normalverdiener bezahlbar bleiben. Dennoch habe ich mich nie an eine dieser Linsen gewagt: ich liebe die Leica vor allem ihrer extrem hochwertigen Objektive wegen. Zeiss und Leica bieten hier Spitzen-Qualität, und so habe ich trotz einiger Verlockung am Ende immer lieber auf eine gute Gelegenheit für ein gebrauchtes Leica-Objektiv gewartet, anstatt eine günstigere Version von Voigtländer zu kaufen. Dies muss aber jeder für sich entscheiden.

Alternativen

Wer eine analoge Messsucherkamera sucht, dem bieten sich auch noch einige Alterantiven an. Von Leica selber die ähnlichen Modelle M3 und M1, dann die Weiterentwicklungen M4, M5, M6, M6 TTL und schliesslich M7, für Puristen und Leute mit gut gefülltem Geldbeutel die MP. Der grösste Vorteil der neueren Modelle liegt im eingebauten Belichtungsmesser, was jedoch den Sucher betrifft, so sind M3/M2/M1 unübertroffen. Grundsätzlich gilt: Mechanische Kameras können ewig halten, sie müssen jedoch ab und an mal gepflegt und justiert werden. Je älter der Herzenswunsch ist, desto mehr sollte man auch die Kosten einer Überholung im Werk oder bei einem der spezialisierten Reparaturbetriebe einplanen. Nichts ist frustrierender als ein verstellter Sucher oder ein ungleichmässig laufender Verschluss, nichts schöner als eine frisch überholte, einwandfrei funktionierende Kamera.

Aber auch wer neu kaufen möchte, nicht aber über den für eine M7 oder MP erforderlichen Mammon verfügt, findet Alternativen: einmal ist da die ZM von Zeiss, die sogar einige Vorteile gegenüber der M aufweist (einfacheres Filmeinlegen dank Rückdeckel, besserer Sucher mit einer grösseren und daher genaueren Messbasis, leichteres Gehäuse). Sie ist in schwarz und silber erhältlich zu etwa einem Drittel des M-Neupreises. Im vielerlei Hinsicht ist die ZM sogar die bessere M, lediglich der Metall-Lamellenverschluss stört den Fotografen mehr, er ist minimal lauter, auch wenn er dank dieser Konstruktion gleichzeitig kürzere Verschlusszeiten ermöglicht. Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich eine neue ZM oder eine uralte Leica kaufen sollte. Am Ende war es ein Auktions-Zufall, der mich bei der M landen liess, dem noch Unentschlossenen sei jedoch auch diese Alternative ans Herz gelegt.

Für alle, denen auch die Zeiss noch zu teuer ist, die vielleicht nur das Messsucher-Prinzip ohne hohe Investitionen ausprobieren wollen, bevor sie sich festlegen, seien die „Classic Collection“ – Gehäuse von Voigtländer empfohlen. Die verschiedenen Bessa-Modelle R2A, R2M, R3A, R3M, R4A und schliesslich R4M unterscheiden sich einmal durch die Sucher (2, 3, 4), sowie durch die Verschluss-Steuerung (M für Mechanik, A für die Versionen mit Zeitautomatik). Während die R2-Modelle einen Sucher mit der Vergrösserung 0.7 haben und so für die allgemeine Fotografie geeignet sind (Sucherrahmen für 35, 50, 75 und 90 mm), besitzen die beiden R3-Modelle eine Vergrösserung von 1.0. Sie sind damit vor allem für Leute gedacht, die gerne mit den längeren Brennweiten arbeiten und diese grösser im Sucher dargestellt sehen wollen. Zwar ist die Obergrenze hier auch bei 90 mm erreicht, sie startet aber erst mit 40 mm. Das andere Extrem ist die R4, sie ist meines Wissens die einzige Messsucher-Kamera, die einen Leuchtrahmen für 21 mm Brennweite besitzt, bei einer Suchervergrösserung von 0.52. Das ist die ideale Kamera für Weitwinkel-Fotografen.

Man sieht, auch wenn der Markt eine Nische und damit relativ klein ist, die Auswahl ist enorm. Hier gilt wirklich der alte Spruch: wer die Wahl hat, hat die Qual, denn ohne jede Erfahrung die richtige Variante für den eigenen Gebrauch zu finden, das ist gar nicht so einfach. Aber das muss ein jeder mit sich selber ausmachen…

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Fazit

Die Beurteilung dieser Kamera, oder auch dieser Art der Fotografie, ist enorm subjektiv. Wer gerne Menschen fotografiert, Veranstaltungen, Feiern, bei natürlichem Licht, der wird am M-System seine Freude haben. Die Objektive sind legendär, die Bedienung einfach und durchdacht. Wer jedoch gerne Landschaften fotografiert, Makro, Sport, viel mit dem Stativ arbeitet, der sollte lieber die Finger von der M lassen, für diese Themen ist das Mittel- oder gar Grossformat sehr viel besser geeignet.

Die Leica M ist extrem leise, das ist immer schon einer ihrer grössten Vorteile gewesen, dazu sehr robust. Wirklich klein ist sie nicht, aber klein genug, dass man sie immer mit dabei haben kann, sofern man irgendeine Form von Tasche oder Aktenkoffer besitzt.

Heute ist jede Leica auch eine Investition: eine gebrauchte M2 verliert praktisch keinen Wert (es sei denn, man kaufe sie zu teuer ein), die Objektive erst recht nicht, da sie selbst auf der neuesten digitalen M genauso ihren Platz finden wie auf der ersten M3. Wenn man die Preise gebrauchter Objektive oder Gehäuse also einmal gestemmt hat, gibt es nicht mehr viel zu verlieren.

Wer also gerne mit Film fotografiert, den Aufwand, die Kosten und die Zeit in Kauf nimmt für Entwicklung, Scan oder Vergrösserung und natürlich die Beschränkung auf 36 Bilder pro Film, dem sei die M2 empfohlen. Es ist eine schöne Art der Fotografie, eine Konzentration auf das Wesentliche. Nichts für Technik-Freaks, auch nichts für Software-Geeks, die aus dem letzten digitalen Bilder-Schund noch „künstlerische“ HDR-Panoramen basteln wollen, sondern eher etwas für Puristen, die auf das Bild an sich Wert legen. Diesen möchte ich sie, und natürlich ihre M-Schwestern, ans Herz legen.