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Rolleicord Vb

In meinem Bericht zur B.I.G. Twin 4 ist zu lesen, wie ich zum Mittelformat gekommen bin. Der Umweg über den chinesischen Nachfahren der Rolleiflex zum kleinen Bruder des Originals war in jedem Fall eine lehrreiche und interessante Investition, die ich jederzeit so wiederholen würde, stünde ich noch einmal vor der Entscheidung. Nachdem ich die B.I.G. Twin aber in- und auswendig kannte, wuchs zunehmend der Wunsch in mir, einmal das Vorbild kennen zu lernen.

Rolleicord Vb Dabei stand jedoch der regelmässige Einsatz und das Ziel optimaler Ergebnisse im Vordergrund, so dass ich die älteren Modelle von vornherein ausschloss. Rolleiflex-Modelle aus den 60er und 70er Jahre sprengten jedoch preislich den Rahmen, den ich mir gesteckt hatte. So suchte ich weiter, las, was ich in die Finger kriegen konnte, bis ich eines Tages auf einen Bericht über die Rolleicord stiess. Dort wurde die Geschichte der 'kleinen' Flex beschrieben, sowie ihr Aufbau erklärt. Mir wurde klar, dass die Cord kein Billigteil war, sondern das selbe vierlinsige Objektiv besass wie die früheren Flex-Modelle, einen ähnlich soliden Rahmen und Bedienelemente hatte, aber in der Ausstattung etwas einfacher ausfiel. Im Falle des Drehknopfes statt der praktischen Kurbel war das zwar schade, dafür entfiel aber der integrierte Belichtungsmesser, für den sowieso keine Ersatzteile mehr erhältich sind, und den ich nicht brauchte, weil ich mit dem Handbelichtungsmesser arbeite.

Auf ebay suchte ich dann gezielt nach einer solchen Kamera und wurde schliesslich bei einem Sammler fündig, der sich auf Zeiss-Optiken konzentrierte und daher eine fast neuwertige Rolleicord Vb mit Schneider-Objektiv verkaufte.

Für damals 500 DM (ca. 250 EUR) bekam ich die Kamera sowie eine etwas zerschlissene Ledertasche, die sofort im Schrank verschwand, weil ich das Teil lieber in meiner kleinen Tamrac-Tasche transportiere und aufbewahre.

Vb ?

Die Rolleicords wurden mit römischen Ziffern durchnumeriert. Daher heisst meine Kamera nicht 5b, sondern römisch Vb. Die Vb gab es in zwei Versionen, die letzten wurden Anfang der 70er Jahre gebaut, sind also für mechanische Verhältnisse noch frisch. Die Vb war das edelste und letzte Gerät dieser Modellreihe. Neben der soliden Ausführung verfügte es vor allem über einen abnehmenbaren Lichtschacht. Zwar hatte ich nicht vor, ihn regelmässig zu wechseln, aber es erleichert definitiv die Reinigung sowie den eventuellen Tausch der Original-Mattscheibe gegen eine neue, hellere Version (neben einigen sehr guten Fremdherstellern bietet auch Rollei selber den Tausch an, wobei sie darauf hinweisen, dass durch die Rollei-Mattscheibe keine sonstigen Anpassungen vorgenommen werden müssen, die bei Fremdprodukten angeblich durch z.B. andere Materialstärken auftreten können).

Das Prinzip

Wie die Rolleiflex und die B.I.G. Twin ist auch die Rolleicord eine TLR (Twin Lens Reflex), also eine Spiegelreflexkamera mit zwei Objektiven. Durch das untere Objektiv wird der Film belichtet, durch das obere Objektiv wird das Licht auf einen grossen, feststehenden Spiegel gelenkt, der es dann auf die Mattscheibe nach oben wirft. Die Mattscheibe nimmt fast den gesamten Querschnitt der Kamera ein, so dass ein wunderbar grosses und übersichtliches Sucherbild entsteht.

Mit der TLR werden die Vorteile des Reflexprinzips (Sicht durch ein Objektiv, dadurch optimale Beurteilung der Schärfe) mit dem der Sucherkamera kombiniert (extrem leise, da kein Spiegelschlag anfällt und der Zentralverschluss kaum hörbar ist). Allerdings gibt es auch ein paar Nachteile, bedingt durch die beiden Objektive: die Kameras eignen sich kaum für Nahaufnahmen, da Paralaxe nur bis zu einem Abstand von etwa 80 cm korrigiert ist, zudem sind die Objektive nicht wechselbar, so dass man an die Standardbrennweite von 75 mm gebunden ist.

Die fehlende Wechseloptik ist nicht so sehr eine Frage des TLR-Prinzips, im Grunde kann man ja auch beide Objektive zusammen wechseln. Die einzige mir bekannte Firma, die das aber gemacht hat, ist Mamyia mit der C-Reihe (C22, C220, C33, C330). Allerdings fallen diese Kameras so viel grösser und schwerer aus, dass ich sie nie in Betracht gezogen habe.

Damit sind wir bei dem nächsten Vorteil der Rollei TLR-Modelle: sie sind für Mittelformat-Verhältnisse extrem klein und leicht. In meine kleine Tamrac-Tasche passt eine Rolleicord (und wackelt), der Belichtungsmesser, die Sonnenblende im Lederetui, sowie zwei Filme. In die Vortasche kommen dann noch die Filter und der Kabelauslöser. Eine Canon EOS 300 mit Batteriehandgriff passt NICHT hinein, obwohl es die kleinste und leichteste SLR der Firma ist. Das Brikett-Format ohne gross herausstehende Teile zahlt sich hier aus. So habe ich die Kamera eine zeitlang sogar als immer-dabei-Reisekamera auf Geschäftsreisen benutzt (bis ich ganz auf den Zug umgestiegen bin, da wurde das Reisegepäck noch einmal reduziert, und die 'Cord musste einer Olympus Mju II weichen).

Die Kamera

Im Grunde ist die Rolleicord genau so ein Ziegelstein wie die B.I.G. Twin 4. Nur schöner: Gussteile statt Pressblech, solide Knöpfe und Bedienelemente, eine sauber verklebte Belederung, einfach alles ein bisschen solider. Bilder allerdings macht die eine wie die andere, und in den Eigenschaften der Kameras gibt es Vorteile auf beiden Seiten. Aber erst mal zur grundsätzlichen Ausstattung der Rolleicord (aus der Sicht des Benutzers geschrieben, wenn die Kamera am Gurt vor der Brust hängt):

Oben findet sich der Deckel zum Lichtschaftsucher. Er kann abgenommen werden (nicht so bei der B.I.G. Twin). In den Deckel ist eine Lupe integriert, die sich durch Druck auf das Mittelteil des Deckels über der Mattscheibe ausklappen lässt.

Die Rückseite ist bis auf ein kleines Metalletikett leer, auf diesem sind allgemeine Belichtungsregeln aufgedruckt (welche Blende / Zeit bei welchem Wetter).

Unten dient ein flacher, breiter Drehschieber zum Öffnen der Rückwand, gleichzeitig enthält er in der Mitte das Stativgewinde.

Auf der rechten Seite befindet sich der Drehknopf, mit dem der Film vorgespult wird (Details hierzu weiter unten).

Rolleicord Vb von oben, mit offenem Lichtschacht Links sitzt etwa mittig ein grosser Knopf für die Entfernungseinstellung, der auch über eine Tiefenschärfenskala verfügt. Zwei kleinere Knöpfe oben und unten auf der linken Seite dienen der Entriegelung der Filmspulen beim Wechsel des Films.

Auf der Vorderseite ist zentral übereinander das Objektivpaar angeordnet. Um dieses herum befinden sich links und rechts zwei Hebel, mit denen Zeit und Blende eingestellt werden.

Unten links sitzt der Auslöser, der schräg nach oben gedrückt werden muss. Um einen Drahtauslöser einzusetzen, wird der Auslöseknopf herausgeschraubt (im Grunde ist er nichts anderes als ein Drahtauslöser ohne Draht) und der Drahtauslöser an seiner Stelle hineingeschraubt.

Rechts vorne sitzt eine Buchse für den Anschluss eines Blitzgerätes, mit zwei kleinen Hebelchen wird zum Einen die Art der Blitzauslösung gesteuert (HW: Details !), mit dem anderen die Mehrfachbelichtung ermöglicht.

Direkt unter dem Aufnahmeobjektiv befindet sich ein Hebel, mit dem der Verschluss gespannt wird. Letzteres ist die unangenehmste Einschränkung der Rolleicord gegenüber der Rolleiflex. Während bei der Flex (wie auch bei der chinesischen Kopie, der B.I.G. Twin) ein ausklappbarer grosser Hebel in einem Arbeitsgang den Film vorspult und durch eine kurze Rückwärtsbewegung den Verschluss spannt, sind bei der 'Cord zwei Schritte notwendig. Das nervt, wenn man den zweiten Teil mal wieder vergessen hat und einem ein schönes Bild durch den Lappen geht.

Blende / Zeit

Die beiden Hebel links und rechts neben den Objektiven weisen eine Besonderheit auf, die man heute bei modernen Kameras Program Shift nennt: Ist einmal eine passende Zeit-Blenden-Kombination eingestellt, sind die beiden Hebel mechanisch gekoppelt, so dass sie gemeinsam verstellt werden können. Dabei bleibt ein fester Lichtwert (LW) eingestellt, man kann in Ruhe die Zeit-Blenden-Kombinationen durchgehen, ohne den Lichtwert zu ändern. Beispiel: Blende 8, 1/125 sec. Durch einfaches Schieben eines der Hebel kann nun z.B. Blende 4 eingestellt werden, die Zeit wird automatisch auf 1/250 sec. halbiert, oder Blende 16, bei Verdoppelung der Zeit auf 1/60 sec.

Zum Verstellen eines der Werte muss der Hebel lediglich leicht gedrückt werden, bevor er verstellt wird, so werden die beiden Hebel entkoppelt.

Am Anfang war das ein bisschen gewöhnungsbedürftig, mittlerweile nutze ich diese Eigenschaft aber sehr oft, wenn unter gleichbleibenden Lichtverhältnissen vor allem Varianten der Tiefenschärfe ausprobiert werden sollen.

Bedienung

Film einlegen

Vor der ersten Aufnahme kann das Einlegen eines Films eine sinnvolle Beschäftigung sein. Hierzu wird ein Hebel an der Unterseite der Kamera um etwa 30 gedreht, wodurch über einen Exzenter die Verriegelung der Kamerarückwand gelöst wird. Anschliessend klappt man die gesamte Rückwand samt Boden nach oben und hat ein grosses schwarzes Loch vor sich, mit einer Halterung für eine Filmspule oben und unten.

Ein Mittelformatfilm besitzt keine Patrone, er ist einfach nur auf eine Spule aufgewickelt, vor unbeabsichtigter Belichtung schützt ihn ledliglich ein Band lichtdichtes Papier auf der Rückseite.

Er wird nach der Belichtung auch nicht zurückgespult, sondern er verbleibt auf der zweiten Spule. So wechseln sich die Spulen immer ab: ein neuer Film wird unten eingelegt, der Film in die obere, leere Spule eingefädelt, durchgezogen und belichtet, dann entnommen. Jetzt wird die nun leere untere Spule nach oben gesetzt und dient dem nächsten Film als Fangspule.

Der Film muss sehr sorgfältig eingelegt werden, damit er sauber aufliegt und gerade läuft. Der Klebestreifen, der den Film zusammenhält, wird entfernt und die Lasche in den Schlitz der oberen, leeren Spule eingeführt. In der Regel geht das am besten, wenn die Lasche etwa einen Zentimeter weit umgeknickt wird. Anschliessend wir die Spule eingesetzt. Hierzu wird der Knopf auf der linken Seite des Kameragehäuses etwas herausgezogen, der Film (respektive oben die leere Spule) rechts auf den Zapfen gesetzt und dann links hereingedrückt. Lässt man jetzt den Knopf links los, rutscht der linke Führungsstift in die Achse der Spule, der Film wird jetzt links und rechts gehalten. Dabei unterstützt keine Perforierung diesen Vorgang. Bei offener Kamera wird der Film vorgespult, bis eine Markierung auf der Filmrückseite auf gleicher Höhe mit zwei Punkten neben der Filmführung liegen. Jetzt wird der Deckel geschlossen und der Film weiter vorgespult, bis das Bildzählwerk auf 1 springt und der Knopf mechanisch gesperrt wird. Ein versehentliches weiteres Vorspulen ist daher nicht möglich.

Belichtungsmessung

Bezogen auf die Kamera fällt dieses Kapitel kurz aus: es gibt keine Belichtungsmessung. Ich verwende einen kleinen Handbelichtungsmesser, den Gossen Bix 3, fühlt sich furchtbar billig an, aber funktioniert einwandfrei. Mit diesem wird das Licht gemessen, eventuelle Korrekturfaktoren bezüglich eines Filters berücksichtigt, und die gewünschten Werte dann an der Kamera eingestellt.

Komposition

Die Komposition des Bildes im Lichtschachtsucher ist eine feine Sache. Das Bild wird so gross und deutlich abgebildet, als ob man einen 6 mal 6 cm grossen LCD-Farbbildschirm vor sich hätte. Vor allem hat die Darstellung auf der Mattscheibe den Vorteil, dass man tatsächlich mit beiden Augen ein flaches Bild sieht, also nicht einäugig durch einen kleinen Sucher schaut. Der Effekt ist enorm, die Beurteilung des späteren Bildes wesentlich einfacher als mit der Kleinbild-SLR.

Einziger Nachteil ist, dass das Bild spiegelverkehrt links und rechts dargestellt wird (also nicht auf dem Kopf, sondern lediglich links und rechts vertauscht). Dies ist jedoch lediglich dann ein Nachteil, wenn z.B. bei Bildern von Kindern mitgezogen werden muss und die Bewegung der Kamera in die vermeintlich falsche Richtung zu erfolgen hat. Dies ist jedoch reine Gewohnheitssache, zumal diese Sorte Kamera eher für unbewegliche Objekte eingesetzt werden wird.

Schuss

Blende und Zeit können vor oder nach dem Spannen des Verschlusses eingestellt werden (anders als bei der B.I.G. Twin, wo ausdrücklich empfohlen wird, nach dem Spannen des Verschlusses keine Änderung an der Belichtungszeit mehr vorzunehmen).

Die Kamera wird, so sie nicht auf einem Stativ steht, mit dem Gurt um den Hals getragen und vor die Brust gehalten. Mit einer TLR sind Aufnahmen mit sehr langen Belichtungszeiten aus der Hand möglich, wenn die Kamera am Gurt nach unten gezogen wird und nicht aktiv gehalten werden muss, wie das mit Kleinbild-SLR's notwendig ist. So werden wesentlich weniger Bewegungen auf die Kamera übertragen, Zeiten von 1/15 sec. aus der Hand sind kein grosses Problem.

Allerdings sollte man das nur machen, wenn es wirklich nicht anders geht. Die Investition ins Mittelformat wird ja in aller Regel getätigt, um eine höchstmögliche Qualität der Bilder oder Dias zu erzielen. Warum also sollte man einen Teil dieses Qualitätsvorsprungs wieder in die Tonne treten, nur weil man zu faul ist, ein Stativ zu schleppen und einzusetzen ? Für Action- oder Sportfotos eignet sich eine modernere AF-Kamera sowieso besser (auch im Mittelformat, z.B. die neuen Kameras von Contax, Pentax oder Mamyia), wo speziell beim Kleinbild Objektive mit Anti-Wackel-Elektronik auch unter schwierigen Bedingungen für brauchbare Bilder sorgen.

Die Bewegung des Auslösers geht nach oben. Mir ist nicht klar, was das für einen Vorteil hat, mit dem Auslöser der B.I.G. Twin, der nach hinten gedrückt werden muss, konnte ich ruhiger auslösen. Der grösste Vorteil des Rollei-Auslösers wird bei der Verwendung eines Fernauslösers sichtbar: wo der Druckzylinder eines pneumatischen Auslösers bei der B.I.G. Twin mit auf das Bild kommt, weil er nach vorne heraussteht, ist er bei der Rolleicord problemlos einsetzbar, weil er nach unten weggeht.

Der Drahtauslöser wird in das selbe Gewinde geschraubt, in dem normalerweise der Auslöser sitzt. Im Grunde ist der Auslöser daher nur ein Drahtauslöser ohne Draht. Wechselt man häufig zwischen Auslöseknopf und Drahtauslöser, sollte man gut auf den Knopf aufpassen, er ist sehr klein und verschwindet mit Vorliebe unter Gitterrosten und in Gullis.

Die Sonnenblende

Die Rolleicord verfügt über ein Bajonett der Grösse I. Dazu existiert diverses Zubehör, neben diversen Filtern vor allem die kleine Sonnenblende. Sie ist ein rechteckiges Metallteil, sehr schön gearbeitet, das aussen um das Bajonett gesetzt wird. So bleibt das Bajonett selber frei für Filter.

Die Sonnenblende empfiehlt sich auf jeden Fall, das Objektiv der Rolleicord ist zwar vergütet, aber trotzdem sehr streulichtempfindlich.

Filter

Für das Bajonett I sind Filter auch noch neu erhältlich, bei der Firma Heliopan aus Gräfelfing bei München. Ich habe mehrere ältere originale Rollei-Filter auf ebay gekauft, die Qualität hielt sich bedingt durch Alter und Gebrauch aber in Grenzen. Durch Zufall stiess ich auf Heliopan, bestellte dort zwei neue Filter (dunkelrot und mittelgelb), sie sind von hervorragender Qualität. Mit der Passung hatte ich leichte Probleme, sie rutschen nicht ganz in das Bajonett hinein, halten aber fest genug für normales Fotografieren. Das Ergebnis war in jedem Fall überzeugend, so dass ich die nicht so schöne (schwarze) Fassung gerne in Kauf nahm.

Rolleicord Vb Der Vorteil der TLR bei der Verwendung von Filtern für die Schwarz-Weiss-Fotografie ist offensichtlich: durch den Sucher ist immer das normale Bild sichtbar, was vor allem bei der Verwendung des dunkelroten Filters von Vorteil ist. Bei meiner Canon sehe ich kaum noch etwas, mit der Rolleicord bleiben Scharfstellung und Komposition unbeeinträchtigt.

Der Vorteil wird natürlich schnell zum Nachteil, wenn Polfilter eingesetzt werden. Der Effekt kann nicht kontrolliert werden, da man ja nicht durch das Aufnahmeobjektiv schaut. Da ich mit der Rolleicord jedoch hauptsächlich Schwarz-Weiss fotografiere, fällt dieser Nachteil in meinem Fall kaum ins Gewicht.

Einsatz

Die B.I.G. Twin 4 habe ich überall mit hin genommen, auch auf eine Reise nach Canada als einzige Kamera. Die Rolleicord setze ich dagegen eher gezielt ein. Dies hat sicher mit dem Respekt vor dem Alter und den Reparaturkosten der Kamera zu tun, aber auch damit, dass ich für Reise und Familie wieder vermehrt im Kleinbild fotografiere, vor allem der Kosten wegen. Ungeschlagen ist das Mittelformat im Fall von Landschafts- und Personenaufnahmen. Personen sind dabei weniger spielende Kinder (mehr ein Fall für schnellen Autofocus...), als gestellte Portraits, hauptsächlich in Schwarz-Weiss.

Dabei kommt praktisch immer das Stativ zum Einsatz, aus den oben beschriebenen Gründen, der Drahtauslöser, und bei Landschaftsaufnahmen häufig Filter (rot und mittelgelb).

Der Rest ist klassische Handarbeit: Wählen des Bildausschnittes (wunderbar durch die grosse Mattscheibe), Entfernungseinstellung, Belichtungsmessung, Einstellung von Zeit und Blende, auslösen, festellen, dass man vergessen hat, den Verschluss zu spannen, Verschluss spannen, wieder auslösen.

Ergebnisse

Im Prinzip gilt der Absatz, der auch unter der B.I.G. Twin zu finden ist. Die Bilder sind grandios, vor allem, wenn man vom Kleinbild kommt und Grossvergrösserungen anfertigt (für 9x9 cm Bilder kann man sich den Aufwand sparen...). Vergrösserungen von 1m auf 1m sind praktisch ohne sichtbare Unschärfe und Korn machbar, sofern man bei der Aufnahme mit Stativ gearbeitet hat. So ist auch über dieses Medium Internet kaum der Vorteil des Mittelformates zu vermitteln, dafür braucht man Wände !

Fazit

Die Rolleicord ist eine wunderbare Kamera für kostenbewusste (freiwillig oder gezwungenermassen) Freunde des Mittelformates, vor allem in ihrer letzten Variante, der Vb. Allerdings sind die altersbedingten Risiken zu prüfen, vor allem der Verschluss (läuft die Sekunde auch eine Sekunde, und nicht zwei ?), sowie das Gehäuse an sich (keine Stauchungen durch Aufprall auf harten Boden ?). Die Fertigungsqualität ist hoch, die Kamera fühlt sich herrlich an mit ihren massiven Rädchen und Hebeln. Sie kann nach wie vor repariert werden, die Mattscheibe kann gegen ein helleres, moderneres Exemplar getauscht werden, Filter sind nach wie vor neu erhältlich. Insofern ist die Rolleicord sicher eine sehr gute Investition, zumal sie auch nach Jahren des (schonenden) Gebrauchs kaum an Wert verliert.

Dem Anfänger oder auch heftigen (sprich: unter für Kameras ungünstigen Bedingungen wie Staub, Wasser, Hitze etc.) Gebrauchs orientierten Anwender würde ich dagegen eher die B.I.G. Twin 4 empfehlen, sie ist ersetzbar, liefert Bilder vergleichbarer Qualität, hat Garantie und als Vorteil in der Bedienung die Kurbel statt des Drehknopfs.

Lieben wird man sie kaum, das ist eher Sache der Rollei. Und diese trägt natürlich einen traditionsbehafteten Namen, Grund genug für viele Menschen, sie der chinesischen Kopie neuen Datums vorzuziehen. Hauptsache, sie wird benutzt ! Am meisten schmerzt es mich, funktionsfähige Rolleicord und Rolleiflex als Ausstellungsstücke in Vitrinen zu sehen, wo sie nutzlos altern, der Verschluss verharzt, die Mechanik verstaubt. Nehmt sie, kauft sie, benutzt sie ! Dafür wurden sie gebaut !

Weiterführende Informationen

In www.photo.net sind wertvolle Informationen zu finden sowie weiterführende links, allerdings nur in englischer Sprache.

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