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Mamiya RB 67 Professional

Eine kurze Geschichte der RB
Das Gehäuse
Der Sucher
Das Magazin
Die Objektive
Die Bedienung
Montage / Demontage der einzelnen Elemente
Das Fotografieren: die Technik
Fotografieren in der Natur: der Transport
Fotografieren: der Ablauf
Stativ, und wieder einmal Grösse und Gewicht
Filmentwicklung und Vergrösserung in Zeiten der Digitalkameras
Fazit

Was bringt einen halbwegs vernünftigen Menschen dazu, ein 3 kg schweres Ungetüm von Kamera und ein entsprechend noch schwereres Stativ herumzuschleppen, das Licht mit einem Handbelichtungsmesser zu messen, den Film vorzuspulen, den Verschluss unabhängig davon zu spannen, an beides zu denken (sonst gibt's eine ungewollte Doppelbelichtung), Entfernung, Zeit und Blende manuell einzustellen und nach unendlich langer Vorbereitungszeit schliesslich 10 Bilder auf einen ganzen Film bannen zu können, wenn doch 35-Zonen-Mehrfeldmessung, DX-Codierung, Autofocus, automatisches Filmvorspulen oder gar 6 Megapixel digitale Daten in wenigen 100 Gramm ein ähnliches Ergebnis erwarten lassen ?

Ganz einfach: das eben doch etwas andere Ergebnis. Und die Möglichkeiten, die eine solche Kamera in den Zeiten der Digitalknipsen bietet (die natürlich über eigene Möglichkeiten verfügen, die mit der RB 67 nie realisiert werden können).

Die beiden Zweiäugigen, die B.I.G. Twin 4 und die Rolleicord, haben mir die Freude am Mittelformat geschenkt. Neben ihren vielen Vorteilen, zu denen auch die (kleine) Grösse und das geringe Gewicht zählen, haben sie aber auch einen gravierenden Nachteil: die Objektive können bekanntlich nicht getauscht werden.

Eines der Projekte, die in mir schon lange gährten und die ich versuchsweise mit der Rolleicord begonnen hatte, ist eine Serie mit Portraits der Charakterköpfe unseres Dorfes. Aber hier stossen die Zweiäugigen an ihre Grenzen, denn näher als ca. 1,2 m kann man an die Charakterköpfe nicht heran, und das Normalobjektiv ist dazu noch für diesen Fall recht weitwinkelig. So stand ich dann vor der Entscheidung: entweder Mittelformat mit Wechselobjektiven, oder gleich Digital (meine Nikon F3 stand nicht zur Debatte, da ich das 2/3-Verhältnis des Kleinbildnegativs zu extrem fand und die Bilder gedruckt werden sollten. Dabei böte Digital den Vorteil der direkten Verarbeitung im DTP-Programm, während das Riesennegativ des Mittelformats einfaches Scannen und zusätzlich die Möglichkeit der extremen Vergrösserung böte).

Ich habe lange gesucht, verglichen und gelesen, und bin dann schliesslich bei Mamiyas Monster namens RB 67 Professional gelandet. Warum ?

Digital lassen sich zwar für den Druck hervorragende Ergebnisse erzielen, für Ausdrucke im Meterformat reicht die Auflösung dann aber doch nicht aus. So benutze ich die digitale Reflex vor allem dort, wo keine übermässige Vergrösserung zu erwarten ist, oder wo sich die Vorteile des digitalen Arbeitsablaufes nutzen lassen, z.B. Auftragsarbeiten, bei denen das schnelle Ergebnis notwendig ist und gleichzeitig die mühsame Negativverwaltung entfällt. Für die Portrait-Serie, wo Grossvergrösserungen zu erwarten waren, schied Digital aber erst einmal aus.

Die Edelmodelle wie Rolleis 600x-Serie, Contax oder Hasselblad fielen vor allem wegen der teuren Zeiss- und Schneider-Optiken weg, sie sind für einen Amateur und Familienvater wie mich nicht finanzierbar.

Ebenso wenig kam Kiev mit dem Hasselblad-Nachbau in Frage, da ich eine solche Kamera wegen der stark schwankenden Qualität nicht gebraucht kaufen wollte, neu aber Preis und Wertverlust zu hoch sein würde.

Blieben also Mamiya und Zenza Bronica. Jetzt kam die Frage des Formats: 6x4,5 oder 6x6 oder 6x7 ? Das "kleine" Mittelformat war mir zu klein, ausserdem gefällt mir an der Rolleicord, dass ich die Kamera nicht drehen muss, um zwischen Hoch- und Querformat zu wechseln. Es gibt ja nur eines, und das ist quadratisch ! Also blieben Bronicas SQ-Modelle im 6x6-Format, sowie die Mamiya RB 67 im 6x7-Format (hier gibt es zwar einen Formatwechsel, aber man muss wegen des Drehrahmens nicht die Kamera drehen). Den Ausschlag gaben dann die Angebote an Gebrauchtkameras, eine SQ fand ich nicht, von der RB dagegen mehrere zur Auswahl, so dass ich schliesslich die RB wählte. Und mir dabei noch ein paar Vorteile einhandelte, an die ich zuvor überhaupt nicht gedacht hatte, wie den Balgen oder den Drehrahmen. Mehr dazu später. Wichtig war mir auch die grosse Anzahl an gebraucht erhältlichen Geräten und Zubehör sowie der Ruf der Kamera als schlichtes, aber robustes Arbeitspferd. Das sollte ein langes Leben und vor allem die Verfügbarkeit von Ersatzteilen und Service sichern.

Eine kurze Geschichte der RB

1970 wurde die erste Mamiya RB 67 auf den Markt gebracht. Vollmechanisch, Metall, so weit das Auge reicht, ein riesiges, 3 kg schweres Gerät, das aber wegen seiner robusten Konstruktion, der Wechseloptik, den Wechselmagazinen und vor allem der Möglichkeit, durch einen Dreh am Magazin zwischen Hoch- und Querformat umschalten zu können, schnell die Fotostudios dieser Welt eroberte. Dazu eine kleine Auswahl an Objektiven, in der ersten Serie noch einfach vergütet und von mitunter schwankender Qualität.

1974 schon wurde ein leicht geändertes Modell aufgelegt, die RB Professional S. Die meisten Teile der Kamera sind mit denen der Vorgängerin kompatibel und können untereinander getauscht werden (Objektive, Magazin, Sucher). Einige Teile wie das Magazin werden durch den Einsatz von Kunststoff etwas leichter, die wesentlichen Unterschiede liegen aber in der Einführung von Sperren, die verhindern, dass z.B. unfreiwillig Doppelbelichtungen ausgeführt werden. Das erste Modell verhinderte das Auslösen lediglich, wenn der Magazinschieber noch in der Kamera steckte, alles andere war Sache des Fotografen. So merkt man beim Urtyp häufig erst bei Bild Nr. 11, dass irgendwann zwischendurch mal eine Doppelbelichtung erfolgt sein muss. Oder dass der Film nicht vollständig vorgespult wurde. Damit räumt die RB S auf, ohne dass sich sonst grundlegend etwas an der Kamera ändert.

Parallel dazu wurden die Objektive mit dem C in der Bezeichnung eingeführt. Sie verfügten über eine Mehrfachvergütung und begründen den legänderen Ruf der Objektive von Mamiya.

1990 kam schliesslich die RB Professional SD auf den Markt, die heute noch gebaut wird. Ein Traum von mechanischer Kamera in der Welt der Bits und Bytes und Batterieabhängigkeit. Robust und mechanisch wie ihre Vorgänger, mit neuen Objektiven der KL-Reihe, die zum Besten gehören, was für (relativ wenig) Geld zu kaufen ist.

Den Erfolg hat die Kamera neben dem Drehrahmen für den einfachen Wechsel von Quer- auf Hochformat auch dem integrierten Balgen zu verdanken. Die Scharfstellung erfolgt nicht am Objektiv selber, sondern ähnlich wie bei der Rolleiflex durch das Verschieben des kompletten Objektives. Ein kleiner integrierter Balgen sorgt für die notwendige Flexibilität und führt dazu, dass schon mit den normalen Objektiven bis in den Makrobereich im Massstab 2:1 vorgedrungen werden kann.

Die Mamiya RZ 67 ist eine modernere Schwester der RB 67. Sie ist etwas leichter und moderner als die RB, Teile des Gehäuses bestehen aus Kunststoff statt aus Metall, und Elektronik ermöglichte einen genaueren Verschluss sowie die Belichtungsmessung. Die RZ- und RB-Objektive sind nicht kompatibel, es gibt allerdings einen Adapterring (G-Ring), mit dem RZ-Objektive auf der RB verwendet werden können (dies weiss ich allerdings nur aus 3. Hand, selber habe ich das nicht probiert).

Das Gehäuse

Das Prinzip der Mamiya folgt dem der berühmten Hasselblads: ein schwarzer Kasten, mit 3 öffnungen: vorne für das Objektiv, hinten für das Filmmagazin, und oben für den Sucher. Alle 3 sind austauschbar. Wie schon erwähnt liegt die Besonderheit der RB darin, dass vorne der Balgen für die Scharstellung sorgt, und hinten der Drehrahmen zwischen Gehäuse und Magazin sitzt. Mit diesem Drehrahmen erfolgt die Umstellung von Quer- auf Hochformat, ohne das das Gehäuse bewegt werden muss (ideal auf dem Stativ !).

An der rechten Gehäuseseite sitzt ein riesiger Hebel, mit dem der Spiegel in Arbeitsstellung gebracht und der Verschluss gespannt wird. Davor sitzt auf der linken und rechten Gehäuseseite gleichermassen ein Rad, mit dem die Scharfstellung ausgeführt wird. Mit dem Rad wird die Objektivplatine bewegt.

Unten am Gehäuse findet sich eine integrierte Schnellkupplungsplatte für Mamiya-Stativköpfe mit einem integrierten 3/8" bzw. 1/4"-Gewinde. Das 3/8"-Gewinde erhält man, indem das darin sitzende 1/4"-Gewinde mit Hilfe einer Münze oder eines Schraubendrehers herausgedreht wird.

Der Sucher

In den meisten Fällen wird man den Faltlichtschacht verwenden, eine riesige Klappe, die geöffnet den Blick auf eine ebenfalls riesige Mattscheibe freigibt. In die Klappe ist noch eine Lupe als Hilfe bei der Scharfstellung integriert, die über einen kleinen Schieber oben auf der Klappe gelöst und einfach von Hand wieder in die Ausgangsstellung zurückgedrückt wird.

Auf der Mattscheibe sind Markierungen für Quer- und Hochformat angebracht. Bei der ersten RB 67 muss der Fotograf selber berücksichtigen, welches Format gerade das Aktuelle ist und die entsprechende Markierung wählen, in den neueren Modellen werden die aktiven Linien automatisch eingeblendet.

Alternativ zum Faltlichtschacht stehen eine Sucherlupe sowie ein Prismensucher zur Verfügung.

Das Magazin

Für die RB sind eine ganze Reihe von Magazinen verfügbar. Die Wichtigsten sind Rollfilmmagazine für 120er und 220er Filme, Polaroidmagazin für Sofortfilm, ein Magazin mit einer 6x4,5-Maske, eines für Planfilm, für 70mm Meterware sowie digitale Rückteile (deren Preis allerdings heute noch in keinem vernünftigen Verhältnis zu dem einer gebrauchten RB steht). Zu dem Magazin gehört ein Schieber, ein rechteckiges Blechstück, dass den Film vor Belichtung schützt, wenn das Magazin abgenommen wird. Der grösste Vorteil des aktuellen RB-Modells, der Professional SII, ist, dass hier eine Halterung an der Gehäuseseite einen vernünftigen "Parkplatz" für den Schieber bietet, während er bei den älteren Modellen noch regelmässig irgendwo liegen bleibt.

Die Objektive

Im Laufe der Jahre ist die Objektivpalette der RB recht ansehnlich geworden. Die Palette reicht vom 37 mm Fisheye über Weitwinkel (50, 65 und 75 mm), Standardobjektive (90 und 127 mm), Teleobjektive (150, 180, 210 APO, 250, 250 APO, 350, 500 und 500 mm APO) bis zu Spezialobjektiven wie dem 75 mm Shift oder dem 140 mm Macro. Sogar ein Zoom existiert, 100-200 mm Brennweite.

Für den privaten Anwender dürfte folgende Auswahl interessant sein:
eines der Normalobjektive (90 oder 127 mm Brennweite, die längere Brennweite speziell für Portrait-Fotografie), ein leichtes Weitwinkel (65 mm) und eventuell noch ein kurzes Tele (180 mm). Da die Zielgruppe dieser Kamera wohl weniger Action oder Vögel fotografiert, eher Landschaften und Portraits, dürften sich mit dieser Kombination die meisten Anforderungen abdecken lassen.

Neu sind die Objektive für Amateure sehr teuer, durch die lange Bauzeit ist der Occasionsmarkt aber gut gefüllt. Berücksichtigen muss man dabei aber folgendes: der Verschluss der Kamera liegt im Objektiv (Zentralverschluss), und dieser ist das am meisten beanspruchte und gleichzeitig empfindlichste Teil der Kamera. So können die Reparaturkosten am Verschluss mit ca. 200 Euro schnell den Kaufpreis eines älteren gebrauchten Objektives übersteigen. Es kann sich also durchaus lohnen, etwas mehr für ein neueres oder gar ladenfrisches Objekiv auszugeben.

Die Bedienung

Den Berichten in www.photo.net nach zu urteilen wird die RB häufig durch Bedienungsfehler beschädigten, trotz ihrer mechanischen Robustheit. Dies liegt in erster Linie an den mechanischen Sperren (insbesondere der neueren Modelle), die ein Vorspulen des Films oder das Auslösen unter bestimmten Bedingungen verhindern. Für den Laien ist die Kamera meines Erachtens ohne Anleitung kaum sicher zu bedienen. Wer also als Amateur vom Kleinbild oder auch von einfachen Mittelformatkameras wie der Rolleicord kommt, tut gut daran, sich vor den ersten Experimenten mit der Kamera eine Bedienungsanleitung zu besorgen. Mamiya ist eine der wenigen Firmen, die diese lobenswerterweise auch im Internet zum Herunterladen bereit hält, wenn auch nur in englischer Sprache. Für alle des Englischen nicht so mächtigen werde ich versuchen, nachfolgend die wichtigsten Schritte festzuhalten.

Montage / Demontage der einzelnen Elemente

Objektiv

Das Objektiv ist über einen Bajonettanschluss am Gehäuse befestigt. Im Gegensatz zu modernen Kleinbildkameras wird dabei aber nicht das ganze Objektiv in das Bajonett gedreht, sondern nur ein Ring, der direkt an der Gehäuseseite des Objektivs sitzt.

Wichtig: für die Montage oder Demontage muss immer der Verschluss am Objektiv gespannt sein ! Ganz einfach, wenn das Objektiv noch an der Kamera sitzt: den grossen Hebel an der rechten Gehäuseseite ganz nach vorne drücken, damit ist der Verschluss gespannt. Jetzt kann der Bajonettring am Objektiv (von vorne gesehen) nach links gedreht werden, bis die Markierung an Objektiv und Gehäuse auf 12:00 Uhr übereinander stehen und das Objektiv nach vorne abgenommen werden kann.

Am demontierten Obektiv kann man den Verschluss von Hand spannen, falls dies nicht schon erfolgt ist: an der Gehäuseseite liegen sich zwei Stifte gegenüber, beide in einer Nut mit einer grünen und einer roten Markierung an einem Ende. Ebenfalls in der Objektivrückseite liegt noch ein kleiner Stift ohne Nut. Befinden sich die beiden Stifte in der Nut auf der Höhe der grünen Markierungen, ist der Verschluss gespannt. Wenn nicht, den kleinen Stift drücken und die beiden Stifte in der Nut gleichzeitig und gleichmässig in einem Arbeitsgang bis an die rote Markierung drehen (dabei auf keinen Fall vorher aufhören). Die Stifte federn dann von alleine bis zur grünen Markierung zurück und bleiben dort stehen. Jetzt ist der Verschluss gespannt und das Objektiv kann an das Gehäuse angesetzt werden.

Das funktioniert genau wie die Demontage, einfach alles rückwärts: von vorne betrachtet den Ring am Objektiv bis zum Anschlag nach links drehen, das Objektiv ansetzen, und den Ring dann nach rechts drehen, bis es nicht mehr weiter geht.

Filmmagazin

Das auswechselbare Filmmagazin ist eine der grossen Vorteile dieser Kamera. Die Montage und Demontage ist extrem einfach: Magazinschieber ins Magazin, die beiden schwarzen Kunststoffhebel an Ober- und Unterseite des Gehäuses, die mit "Lock" und einem kleinen Pfeil nach rechts gekennzeichnet sind, nach links schieben, und schon hält man das Magazin in der Hand. Vorausgesetzt, man hat den Schieber eingesetzt. Diese Sicherung ist sehr wichtig, weil ein eventuell im Magazin liegender Film dann nicht geschützt wäre. Das Ansetzen funktioniert genau so einfach: Magazin ansetzen, so dass der Metallstift am Gehäuse links oben sauber in das Loch des Magazins passt, beide Schieber nach rechts bis zum Anschlag, und fertig. Um Verwechslungen auszuschliessen habe ich mir angewöhnt, das Magazin immer in der Horizontalstellung zu wechseln. So sind die Handgriffe immer gleich und mit der Zeit sicherer und schneller auszuführen.

Drehrahmen

Der Drehrahmen, auf dem das Magazin befestigt ist, lässt sich ebenfalls entfernen. Dazu wird ein Schieber unten an der Kamera betätigt. Die Demontage des Drehrahmens ist im Grunde nur zur Reinigung oder Reparatur der Kamera erforderlich, im normalen Betrieb wird diese Möglichkeit kaum benötigt, zumal man dabei sehr sauber arbeiten muss fest andrücken!), damit die Verbindung anschliessend rundum lichtdicht bleibt.

Der Faltlichtschacht

Der gesamte Faltlichtschacht lässt sich entfernen (und gegen andere Aufsätze auswechseln), es lässt sich aber auch die Lupe im Lichtschacht tauschen. Zum Wechseln des Faltlichtschachtes wird das ganze Mamiya-Logo vorne am Lichtschacht (von vorne gesehen) nach rechts geschoben, während die Sicherung unter der Mitte des Logos gedrückt wird. jetzt kann der gesamte Lichtschacht nach vorne hin abgenommen werden. Das ist auch sinnvoll, wenn z.B. die Mattscheibe gesäubert werden soll.

Die Lupe im Lichtschacht kann ausgetauscht werden, indem die Lupe gegen den Uhrzeigersinn gedreht wird, bis die Markierung an der Lupe mit der Markierung am Lichtschacht übereinstimmt. Es sind verschiedene Lupen mit unterschiedlicher Vergrösserung erhältlich.

Das Fotografieren: die Technik

Film einlegen

Wenn man das Magazin mit der Rückseite zu sich und dem Filmvorschubhebel nach oben hält, befindet sich unten rechts ein kleiner Schieber. Zieht man ihn nach unten heraus, öffnet sich das Magazin, und der Filmeinsatz kann herausgenommen werden. Links im Einsatz wird der frische Film eingelegt, rechts befindet sich dann die leere Fangspule. Wie im Bericht zur B.I.G. Twin 4 und zur Rolleicord beschrieben ist die für Kleinbildfotografen ungewohnte Eigenart des Films hier zu berücksichtigen, dass er nach Ende der Belichtung nicht zurückgespult wird, sondern die Fangspule mitsamt dem jetzt darauf befindlichen Film entnommen wird, die jetzt leere Filmspule auf die rechte Seite gesetzt wird als neue Fangspule, und der neue Film links wieder eingesetzt wird. Im Filmeinsatz ist eine Skizze eingezeichnet, wie der Film eingelegt werden muss. Wichtig ist nämlich, dass die Spulen so eingesetzt werden, dass später die Emulsion zum Objektiv zeigt, und nicht das Schutzpapier. Ich war wohl nicht der erste und einzige Mamiya-Neuling, der einen perfekt belichteten Papierstreifen ins Labor geschickt hat...

Wenn der Film also eingelegt und bis zur Markierung auf der Papierseite vorgespult ist, wird der Filmeinsatz wieder in das Magazin gesteckt und das selbe geschlossen. Wichtig ist es jetzt, auch den Schieber einzusetzen (falls er nicht sowieso im Magazin steckt), damit unter keinen Umständen Licht auf das Negativ fallen kann.

Im Vergleich zur Rolleicord ist das Einlegen eines Films in das RB-Magazin schwieriger, weil der Einsatz kleiner ist und der Film um den Einsatz herum geführt werden muss, während er bei der Rolleicord im Gehäuse selber nur von unten nach oben gezogen werden muss und die Kamera bei dieser Operation immer in der gleichen Position bleiben kann. Aber wie in vielen Dingen macht auch hier die übung den Meister, und dauerte das erste Einlegen eines Probefilms noch knapp 5 Minuten, so ist dies mittlerweile in einer runden halben Minute vollbracht.

Belichtungsmessung

Wie schon bei den anderen beiden Mittelformatkameras gilt auch hier: wo nichts ist, kann auch nichts gemessen werden. Also wieder den kleinen Handbelichtungsmesser herausholen und separat messen. Bei einem solchen Klotz von Kamera ist das gar nicht das Schlechteste, weil diese dann still auf dem Stativ stehen bleiben kann, während ich mit dem kleinen Belichtungsmesser in der Landschaft herumlaufe und einen optimalen Wert ermittle. Anschliessend werden die Werte auf die Kamera übertragen, was hier idealerweise alles am Objektiv stattfindet: sowohl Blende als auch Verschlusszeit werden hier eingestellt, wobei man bei gespanntem Verschluss vorsichtig an den Einstellrädern drehen soll, um den Verschluss selber nicht zu beschädigen.

Blitz

Oben am Objektiv fällt ein kleiner Hebel auf, der sich durch Drücken und verschieben von einer Markierung "X" auf "M" oder umgekehrt einstellen lässt. Hiermit wird die Art des Blitzes berücksichtigt. "X" muss eingestellt werden, wenn elektronische Blitzgeräte sowie Blitzgeräte vom Typ F verwendet werden. "M" kommt bei Blitzgeräten vom Typ M zum Einsatz (wichtig bei Verwendung von Studioblitzanlagen, für den gewöhnlichen Amateur kommt in der Regel wohl das X zum Tragen). Die Buchse für den Anschluss des Blitzes (kein Blitzschuh !) liegt daneben, ebenfalls am Objektiv.

Spiegelvorauslösung

Auf der (aus der Position des Fotografen von oben betrachteten) linken Seite des Objektivs liegt ein kleines Rändelrad mit einem Markierungspunkt, mit dem die Spiegelvorauslösung gesteuert wird. Das ist bei einer solchen Kamera durchaus eine sinnvolle Einrichtung: der Spiegel wächst ja im selben Mass wie das Negativ, und was für Massen hier durch die Kamera geschleudert werden, kann man sich gut vorstellen, wenn man den Spiegel einmal genauer betrachtet. Bei längeren Belichtungszeiten als ca. 1/15 Sekunde und bei Makroaufnahmen ist es also absolut sinnvoll, den Spiegel unabhängig vom Verschluss vorab auszulösen.

Dazu wird vor der Aufnahme das besagte Rändelrad so im Uhrzeigersinn gedreht, dass die rote Markierung auf dem Rad mit der "Mirror Up" Markierung übereinstimmt, und ein Drahtauslöser in das Gewinde in der Mitte des Rändelrades eingeschraubt. Jetzt wird der Verschluss ganz normal gespannt. Nachdem Schärfe, Belichtungszeit und Blende einstellt sind, wird mittels des normalen Auslösers an der Kamera der Spiegel hochgeklappt. Nach ein paar Sekunden, wenn keine Vibrationen mehr zu befürchten sind, wird über den Drahtauslöser am Objektiv der Verschluss ausgelöst. Hört sich etwas kompliziert an, ist im Prinzip aber ganz einfach. Grundsätzlich wird über das Rändelrad nämlich nur der Auslöser am Gehäuse vom Verschluss abgekoppelt, so dass dieser jetzt separat ausgelöst werden kann.

Faltlichtschacht

Der Faltlichtschacht ist eine ganz einfache Konstruktion. Anders als z.B. bei der Rolleicord, wo die 4 Seiten des Lichtschachtes zusammenhängen und über einen patenten Mechanismus mit 3 Fingern und einem kurzen Griff gemeinsam zusammengelegt werden, sind die einzelnen Seiten des Schachtes bei der RB starr und müssen einzeln eingefaltet werden: erst die linke und rechte Seite, dann die hintere, und obendrauf kommt die vordere Abdeckung.

Dafür ist die Bedienung der Lupe besser gelöst: ein kleiner Schieber am oberen vorderen Rand des Faltlichtschachtes löst die integrierte Lupe, nach Gebrauch wird sie einfach wieder in ihre Ausgangsstellung zurückgedrückt.

Fotografieren in der Natur: der Transport

Ein grösseres Problem mit dieser Kamera war für mich der Transport. Nicht dass ich 3 kg nicht zu tragen vermochte, das Monstrum passte einfach in keine meiner Fototaschen ! Und selbst als ich eine grössere Tasche gefunden hatte, jetzt passte zwar die Kamera hinein, die Filme und der Belichtungsmesser, aber für das zweite Objektiv war immer noch kein Platz. Ausserdem ist eine herkömmliche Fototasche bei längeren Wanderungen und diesem Gewicht sehr unbequem zu tragen. Das Problem ist dabei vor allem die Breite der Kamera. Die beiden Räder zur Fokussierung stehen so weit hinaus, dass viele Fototaschen schon hieran scheitern. Die meiner Ansicht nach optimale Lösung fand ich dann in einer Notiz im photo.net-Forum: passende Kunststoff-Boxen aus dem Baumarkt, die mit Schaumstoff ausgekleidet werden, für Kamera und Zusatzobjektive. Drumherum dann einen ganz normalen Rucksack, also keinen speziellen Fotorucksack. Die Verwendung eines normalen Rucksacks hat obendrein den Vorteil, dass die Rückenbelüftung und Hüftgurt in der Regel beser ausgeprägt sind als bei den typischen Fotorucksäcken. Für den Fussmarsch ist das Teil gut geschützt und leicht zu tragen, vor Ort ist es schnell aufgebaut. Bei kürzeren Wegen zwischen zwei Bildern lasse ich die Kamera auch mal auf dem Stativ (gute Kupplung vorausgesetzt !) und trage beides zusammen auf der Schulter.

Fotografieren: der Ablauf

Aus dem oben beschriebenen ergibt sich wohl klar und deutlich, dass diese Kamera nicht unbedingt für Schnappschüsse entwickelt wurde. So ist denn die ganze Prozedur vom Anfang bis zum Ende ein regelrechter Prozess, ein teilweise mühsamer obendrein, was allerdings bei dieser Art von Fotografie keinen Nachteil darstellt, so man seine Zeit denn nicht verrechnen muss.

Ein wichtiger Punkt zu Beginn jeder Fotositzung, vor allem wenn es eine in freier Wildbahn ist: man sollte die Kamera erst einmal im Koffer lassen und zu Fuss, allenfalls mit einem Diarahmen bewaffnet, die Lokation ablaufen. Erst wenn der optimale Standort ermittelt ist, kommt die Kamera dazu. Verleiten moderne Zoom-Monster die Digital- und Kleinbildfotografen dazu, nicht mehr ihre Füsse zu benutzen, um einen optimalen Standort zu ermitteln, so ist es hier Grösse und Gewicht der RB67. Also: Standort suchen, dann Stativ und Kamera aufbauen, Licht messen, einstellen, Ausschnitt und Schärfe prüfen, und irgendwann per Drahtauslöser den Verschluss auslösen.

Häufig kommt dann noch das Sicherheitsfoto dazu, weil man sich nicht mehr sicher ist, ob man den Film zuvor auch wirklich vorgespult hatte, und falls nicht, also dann ... Die RB67 hält sich dabei streng an Murphy's Gesetz: macht man das Sicherheitsbild, hatte man den Film vorgespult. Macht man keines, erhält man fast automatisch eine Doppelbelichtung.

Stativ, und wieder einmal Grösse und Gewicht

Der ganze Aufwand, den man mit dieser Kamera betreibt, dient ja in erster Linie der Qualität: für 9x13-Vergrösserungen würde es schliesslich auch die kleine Knipse tun. 6x7 cm grosse Negative mit den damit verbundenen Kosten lohnen sich vor allem dann, wenn man auf Posterformat vergrössern können will. Und vor diesem Hintergrund ist ein Stativ unerlässlich, von Kameragrösse und -gewicht einmal abgesehen.

Beim Erwerb eines Stativs und vor allem eines dazu passenden Kopfes sollte man unbedingt die Gewichtsangaben beachten. Kleine Köpfe bis 3-4 kg Belastbarkeit oder dem Hinweis auf Eignung für normale Spiegelreflexkameras kann man getrost vergessen. Ein stabiler, das heisst möglichst grosser und schwerer Kopf, ist mit der RB67 unerlässlich. Das merkt man spätestens dann, wenn man bei stark geneigter Kamera eine Makroaufnahme machen will. Ein zu kleiner Kopf ist dann nur schwer absolut fest einzustellen, er "wandert" langsam, und vor allem ist der Bereich zwischen "ganz lose" und "fest" viel zu klein, als das man feinfühlig einstellen könnte. Also: möglichst grosser Kopf, eventuell sogar mit Friktionseinstellung, und ein möglichst schweres und stabiles Stativ.

Wählt man ein grösseres Stativ, sollte man auch an eine Leiter denken. Das ist kein Witz: zumindest bei Verwendung des Lichtschachtes ist es für den Fotografen unerlässlich, von oben in die Kamera zu schauen. Ein hohes Stativ plus ein grosser Kugelkopf plus die riesige Kamera führen schnell dazu, dass man schlichtweg nicht mehr von oben in die Kamera gucken kann !

Zählt man das alles zusammen (möglichst grosser Kopf, möglichst schweres Stativ, Leiter und mindestens 3 kg Kamera), landet man wieder bei der Erkenntnis, dass Outdoor-Fotografie mit dieser Ausrüstung ohne Assistent eine ziemlich schweisstreibende Angelegenheit ist. Aber wie es im Leben nun mal so ist, wer schön sein will (bzw. in diesem Fall, wer qualitativ hochwertige Bilder machen will), muss eben leiden. Von Nichts kommt Nichts, und so ist eine grundlegende Entscheidung für diese Kamera vor allem mit der Entcheidung für einen bestimmten Arbeitsstil verbunden: Fotografen in der Tradition eines Ansel Adams dürften sich mit dem Apparat richtig wohl fühlen (der Meister selber hätte die Mamiya für eine leichte Knipse gehalten, verglichen mit dem Gewicht, dass er in Form seiner Grossformatkameras durch die Naturparks schleppte), Anhänger der Street Photography la Henry Cartier-Bresson werden dagegen wohl eher mit einer Leica M glücklich als mit diesem Monstrum.

Filmentwicklung und Vergrösserung in Zeiten der Digitalkameras

Seit ich angefangen habe an diesem Artikel zu schreiben, haben alleine in Basel meines Wissens 2 Fachlabore, die für Amateure zugänglich waren, ihre Schwarzweiss-Arbeit eingestellt. Weil die verbliebenen geographisch so ungünstig gelegen sind, dass ich nur selten dort in die Nähe komme, ziehe ich den Postversandt vor und schicke meine Rollfilme nach Leinfelden-Echterdingen (in der Nähe des Stuttgarter Flughafens in Deutschland) an Photo Studio 13 GmbH. Das Fachlabor ist ein Traum, neben Spezialdiensten wie der Agfa Scala-Entwicklung bieten sie eine umfangreiche Palette an Dienstleistungen im Mittelformat an und verarbeiten alle Filme.

Nachdem ich früher fast ausschliesslich mit dem Ilford XP2 gearbeitet habe, der im Labor entwickelt werden muss, sofern man nicht selber den C41 Farbprozess beherrscht, bin ich dazu übergegangen, wieder vermehrt Ilford FP4 und HP5 zu verwenden, selber zu entwickeln und die Negative einzuscannen. Die Ausrüstung für die Negativentwicklung passt in einen grösseren Schuhkarton, aber den Platz für ein Labor zur Vergrösserung habe ich nicht. So ist die Mischung aus klassischer Filmentwicklung und anschliessendem Scannen ein guter Kompromiss. Kleinere Bilder für den Hausgebrauch drucke ich dann auf einem HP 7960 Fotodrucker aus (er bietet "echten" Schwarz-Weiss-Druck, dank einer Patrone mit 3 Grautönen), grössere Vergrösserungen oder Auftragsarbeiten lasse ich dann im Fachlabor machen. Die relativ hohen Kosten für das Mittelformat sind so beträchtlich gesunken, weil die Bildkontrolle bereits zu Hause am Computer erfolgen kann und nur noch die wirklich guten Fotos in das Labor gehen.

Fazit

Sofern man nicht bereits über eine vollständige klassische Dunkelkammer und das handwerkliche Wissen dafür verfügt, wird den Schritt in das Mittelformat im Allgemeinen und die Mamiya RB67 im Speziellen wohl nur noch tun, wer entweder Grossvergrösserungen erzielen möchte / muss, oder wem das langsame, dafür aber robuste und batterieunabhängige System in Zeiten der vollautomatischen Bildcomputer einfach persönlich zusagt. Auch wenn die Kamera mittlerweile gebraucht wirklich günstig zu kriegen ist: die Prozesskosten insgesamt sind hoch, daran ist leider nicht zu rütteln. Und mit einer modernen DSLR la Nikon D70 sowie einem sehr guten Fotodrucker erzielt man bis zum Format 20x30 cm Bilder in einer Qualität, die auch mit 6x7 kaum zu verbessern ist.

Wirklich interessant wird es also dann, wenn wunderschöne grosse Bilder das Ziel sind, 50x70 cm oder mehr. Hier ist das Format nur noch vom Grossformat zu schlagen, weder bezahlbare Digitaltechnik noch Kleinbild sind in der Lage, so viel Details einzufangen. Durch die Kombination aus klassischer Entwicklung und anschliessendem Scannen ist das Mittelformat auch finanzierbar, wenn man über keine vollständige Dunkelkammer verfügt. Und gegenüber Grossformat bleiben die Vorteile des einfachere Handlings der Negative und des geringeren Gewichts.

Für den Einstieg ins Mittelformat ist die Mamiya RB67 vielleicht etwas zu gross und zu komplex in der Handhabung. Dem Anfänger in diesem Bereich würde ich daher eher den Einstieg über die Rolleicord oder eine ähnliche Kamera raten. Wenn die Grundlagen sitzen, dann ist die Mamiya ein herrliches Gerät, vor allem die Möglichkeiten der Wechselobjektive sowie des Balgens sind eine enorme Bereicherung.

Rein subjektiv teilt sich bei mir die Fotografie in 2 Bereiche : Familienbilder, leichtes Gepäck und alles, was digital veröffentlicht werden soll, wird letzten Endes wohl mit der Digital-Spiegelreflex fotografiert. Landschaften, Portraits und alle Bilder, die als Poster an der Wand landen sollen, kommen aus der Mamiya. Das klassische analoge Kleinbild kommt dabei immer weniger zum Tragen, da ich fast überall, wo ich meine F3 einsetze, auch mit der D70 arbeiten kann. Ausnahmen bestätigen die Regel, insbesondere sind das Gelegenheiten, wo Batterielebensdauer oder Umgebungsbedingungen (Feuchte, Staub, Sand) den Einsatz der D70 verhindern.

Unter den am Markt verfügbaren Alternativen zur Mamiya halte ich diese Kamera für die beste Wahl, wenn man sich am Gewicht und der Grösse nicht stört. Vor allem die reine Mechanik hat es mir angetan, das Gerät benötigt absolut keinen Strom, es gibt keine Platinen, die eines Tages den Geist aufgeben können, alles an dieser Kamera kann notfalls von einem Feinmechaniker repariert werden. So wird dieses Monstrum, neben allen Digitalkameras, die in den nächsten Jahren kommen und gehen werden, mit seinem urigen Charakter und den irrsinnig guten Bildern seinen Platz in meinem Fotoschrank behalten.

  copyright © 2004 Holger Wahl, Röschenz - All rights reserved.